Auf einen Blick
- Tschechischer NameMalá Strana, früher Menší Město pražské
- Gegründet1257 durch König Přemysl Otakar II. als eigenständige Stadt
- Prägende EpocheBarocker Wiederaufbau nach dem Stadtbrand von 1541
- St.-Nikolaus-Kirche18. Jahrhundert, von Christoph und Kilian Ignaz Dientzenhofer
- Dauer des BesuchsEin halber Tag ohne Burgbesichtigung
Warum hier alles barock aussieht
Die Kleinseite war im Mittelalter eine Bürgerstadt mit Handwerk und Handel. Der Brand von 1541 vernichtete große Teile davon. Entscheidender war jedoch, was nach der Schlacht am Weißen Berg 1620 geschah: Der protestantische Adel wurde enteignet, katholische Familien und Militärs bekamen die Grundstücke und bauten Paläste, oft indem sie mehrere Bürgerhäuser zusammenlegten. Deshalb wechseln sich hier riesige, fast fensterlose Mauern mit winzigen Häusern ab, und deshalb wirkt der Stadtteil einheitlicher als die Altstadt gegenüber. Wer auf Fassaden achtet, sieht darunter oft noch die alten Parzellenbreiten.
Nerudova und die Hauszeichen
Die Nerudova zieht von der Nordwestecke des Malostranské náměstí bergauf und war Teil des Krönungswegs zur Burg. Sie ist nach dem Schriftsteller Jan Neruda benannt, der hier wohnte. Vor der Einführung der Hausnummern im Jahr 1770 wurden Häuser über Bilder identifiziert, und diese Hauszeichen hängen noch an den Fassaden: die zwei Sonnen, der goldene Schlüssel, die drei Geigen, der weiße Schwan. Wer sie sucht, geht automatisch langsamer und schaut nach oben, was auf dieser Straße die einzige sinnvolle Geschwindigkeit ist. Am oberen Ende macht die Gasse eine scharfe Kehre und führt als Ke Hradu zum Burgplatz.
Malostranské náměstí und St. Nikolaus
Der zentrale Platz ist zweigeteilt, weil die Kirche mitten hineingebaut wurde. St. Nikolaus gilt als der bedeutendste Barockbau Prags: Christoph Dientzenhofer begann ihn, sein Sohn Kilian Ignaz führte ihn weiter, Anselmo Lurago vollendete Kuppel und Glockenturm. Der Innenraum ist bewusst überwältigend gebaut, mit einem Deckenfresko, das den Blick nach oben zieht. Mozart spielte hier 1787 die Orgel, und im Dezember 1791 fand in dieser Kirche der Trauergottesdienst für ihn statt. Der Glockenturm gehört nicht der Kirche, sondern der Stadt und wird separat betreten; von oben sieht man in die Gassen hinunter statt über die Dächer hinweg, was den Blick interessanter macht als erwartet.
Tickets: Die Gassen und Plätze kosten nichts. Für den Innenraum von St. Nikolaus wird Eintritt verlangt, für den Glockenturm ein zweites, davon unabhängiges Ticket. Zu Gottesdienstzeiten ist die Besichtigung eingeschränkt, prüfe das auf der offiziellen Website der Kirche.
Gärten, die kaum jemand einplant
Der Wallenstein-Garten hinter dem Palast, den sich Albrecht von Wallenstein im frühen 17. Jahrhundert bauen ließ, ist der auffälligste: strenge Achsen, eine offene Sala terrena, eine bizarre Tropfsteinwand und Pfauen, die den Weg kreuzen. Er gehört heute zum Senat und ist in der wärmeren Jahreshälfte frei zugänglich. Kleiner und steiler ist der Vrtba-Garten, eine barocke Terrassenanlage, die sich den Hang hinaufstaffelt und oben einen Blick über die Dächer der Kleinseite freigibt. Beide sind saisonal geöffnet, im Winter also keine Option.
Gut zu wissen: Der Wallenstein-Garten kostet keinen Eintritt, hat aber begrenzte Öffnungszeiten und wird für Veranstaltungen des Senats gesperrt. Wenn das Tor zu ist, hilft kein Warten, dann ist der Tag dort schlicht vorbei.
Wasser, Mühlen und die Lennon-Mauer
Am Fluss endet die Kleinseite nicht am Ufer, sondern an einem Mühlkanal. Zwischen ihm und der Moldau liegt die Kampa-Insel mit Park, Mühlrad und Museum. Gleich daneben, am Velkopřevorské náměstí, steht die Lennon-Mauer, die seit den 1980er Jahren immer wieder neu übermalt wird. Ein paar Schritte weiter, in der Karmelitská, steht in der Kirche Maria vom Siege das Prager Jesulein, eine kleine Wachsfigur, zu der bis heute Pilger aus Südeuropa und Lateinamerika kommen.
Steigungen, Pflaster und die richtige Richtung
Die Kleinseite kostet Höhenmeter, und du entscheidest, in welche Richtung. Der bequemere Weg führt von oben nach unten: mit der Straßenbahn oder der Metro bis an den Hang, dann durch die Prager Burg, die Nerudova hinunter, über den Platz und schließlich zur Karlsbrücke. Wer aufsteigt, hat dieselbe Strecke mit deutlich mehr Anstrengung. Die Metrostation Malostranská auf der Linie A liegt am Nordrand des Viertels; von dort führen die Alten Schlossstiegen in einer langen Treppenflucht zur Burg hinauf. Papierfahrscheine entwertest du vor Fahrtbeginn, in der Metro vor dem Bahnsteig, in der Tram gleich beim Einsteigen; die Regeln stehen bei Metro, Tram und Tickets. Zieh feste Schuhe an: das Pflaster besteht aus kleinen, gewölbten Würfeln, die bei Nässe rutschen, und Rollkoffer sind hier eine schlechte Idee. Wer noch Kraft hat, hängt den Petřín an, dessen Gärten direkt an das Viertel anschließen.
Wenn es nicht klappt
- Wenn es voll istZwischen Brücke und Burgtor ist es tagsüber voll. Weiche in die Seitengassen östlich des Platzes aus, in den Wallenstein-Garten oder auf die Kampa, dort verteilt sich der Strom sofort.
- Wenn es regnetSt. Nikolaus, die Kirche Maria vom Siege und die Museen der Umgebung halten trocken. Die Gärten fallen bei Regen aus, und das nasse Pflaster an den Steigungen wird rutschig.
- Mit KindernDie Hauszeichen in der Nerudova lassen sich als Suchspiel nutzen, das Mühlrad an der Kampa zieht ebenfalls. Für den Aufstieg zur Burg besser die Tram nehmen und bergab laufen.
- Mit eingeschränkter MobilitätDas Viertel ist schwierig: Kopfsteinpflaster, Treppen und dauerhafte Steigung. Der flachste Teil liegt am Fluss zwischen Malostranská und der Kampa, dort lässt sich ein kurzer Besuch ohne Anstieg planen.
Häufige Fragen
Wie kommt man von der Karlsbrücke auf die Prager Burg?
Zu Fuß über den Brückenturm, die Mostecká, das Malostranské náměstí und dann die Nerudova hinauf, die oben in einer Kehre zum Burgplatz führt. Das dauert 20 bis 30 Minuten und geht durchgehend bergauf. Bequemer ist die umgekehrte Richtung: mit Tram oder Metro an den Hang fahren, oben starten und bergab zur Brücke laufen.
Was bedeuten die Hauszeichen in der Nerudova?
Bevor 1770 Hausnummern eingeführt wurden, trugen Häuser Bilder als Adresse: zwei Sonnen, ein goldener Schlüssel, drei Geigen. Wer jemanden besuchen wollte, merkte sich das Zeichen statt einer Zahl. Viele dieser Reliefs und Schilder hängen noch an ihren Fassaden und sind der Grund, warum man diese Gasse langsam gehen sollte.
Ist der Wallenstein-Garten kostenlos?
Ja, der Eintritt in den Garten hinter dem Wallenstein-Palais ist frei. Er gehört zum tschechischen Senat, ist deshalb nur in der wärmeren Jahreshälfte und zu festen Zeiten geöffnet und wird für Veranstaltungen gesperrt. Zu sehen sind eine offene Sala terrena, eine Tropfsteinwand, ein Teich und frei laufende Pfauen.
Wie viel Zeit sollte man für die Kleinseite einplanen?
Ein halber Tag, ohne die Burg gerechnet. Der Weg von der Brücke zum Burgtor dauert allein schon 20 bis 30 Minuten, dazu kommen St. Nikolaus, ein Garten und die Kampa-Insel. Wer alles an einem Vormittag mit der Burg kombiniert, sieht von der Kleinseite nur die Durchgangsstraßen.
Lohnt sich die St.-Nikolaus-Kirche auf der Kleinseite?
Ja, sie ist der wichtigste Barockbau der Stadt und innen deutlich beeindruckender als von außen erkennbar. Kuppel, Deckenfresko und Orgel, an der Mozart 1787 spielte, tragen den Eintritt. Der Glockenturm nebenan gehört der Stadt und wird separat betreten; er lohnt sich vor allem wegen des Blicks in die Gassen hinunter.






