Reise-Inspiration

Felsenstädte und Böhmische Schweiz

Im Norden Tschechiens steht der Sandstein senkrecht. Aus einem Meeresboden der Kreidezeit sind über Millionen Jahre Türme, Gassen und Tore geworden, die auf Tschechisch skalní město heißen, Felsenstadt. Drei Gebiete lohnen die Anreise wirklich: die Böhmische Schweiz an der Elbe, die Felsen von Adršpach an der polnischen Grenze und das Böhmische Paradies zwischen Turnov und Jičín.

Alle drei sind gut erschlossen, alle drei sind im Sommer voll, und alle drei verlangen feste Schuhe statt Turnschuhe. Diese Seite sagt dir, worin sie sich unterscheiden, wo du reservieren musst und was der Waldbrand von 2022 in der Böhmischen Schweiz bis heute bedeutet.

Felsenstädte und Böhmische Schweiz
Foto: Lestat (Jan Mehlich), CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • GesteinQuadersandstein aus der Kreidezeit
  • Pravčická bránaGrößtes natürliches Sandsteintor Europas
  • BetretenDas Tor selbst ist seit Jahrzehnten gesperrt
  • AdršpachIn der Saison Eintritt nur mit Zeitfenster
  • Böhmisches ParadiesErstes Landschaftsschutzgebiet des Landes, 1955
  • AusrüstungFeste Schuhe, unterwegs Treppen und Leitern

Wie aus einem Meeresboden eine Stadt aus Fels wurde

Vor rund hundert Millionen Jahren lag hier ein flaches Meer, das Schicht um Schicht Sand ablagerte. Daraus entstand Quadersandstein, ein Gestein, das sich in großen Blöcken abbaut und deshalb seit dem Mittelalter für Kirchen und Brücken verwendet wurde. Als sich das Land hob, riss der Stein entlang eines Rasters von Klüften auf. Wasser, Frost und Wind arbeiteten die Fugen aus, bis zwischen den Blöcken Gassen standen.

Deshalb sehen diese Landschaften tatsächlich wie Städte aus: Es gibt Straßen, Plätze und Torbögen, nur eben aus Fels. Und deshalb sind die Wege oft eng, verwinkelt und mit Treppen ausgestattet, statt einfach am Hang entlangzuführen.

Böhmische Schweiz und die Pravčická brána

Der Nationalpark České Švýcarsko besteht seit dem Jahr 2000 und liegt an der Elbe direkt an der sächsischen Grenze, wo er auf der deutschen Seite in die Sächsische Schweiz übergeht. Das Wahrzeichen ist die Pravčická brána, das größte natürliche Sandsteintor Europas. Es steht frei über dem Wald und ist von unten spektakulärer als von oben, denn betreten darf man es seit Jahrzehnten nicht mehr: Die Belastung durch Millionen Schuhsohlen hätte den Bogen zerstört.

Unter dem Tor klebt das Falkennest am Fels, ein Ausflugsgebäude aus dem 19. Jahrhundert, von dessen Terrassen du die besten Blicke hast. Der Zugang ist kostenpflichtig und der Weg vom Parkplatz in Hřensko dauert je nach Route etwa 45 bis 60 Minuten bergauf.

Das zweite Ziel im Park sind die Klammen der Kamenice, in denen früher Kahnfahrten durch die enge Schlucht angeboten wurden. Ob und in welchem Umfang sie laufen, hat sich in den letzten Jahren mehrfach geändert. Prüfe das vor der Fahrt auf der offiziellen Website des Nationalparks. Basis für die Region ist Děčín an der Elbe, weitere Ziele stehen unter Region Aussig.

Was der Waldbrand von 2022 verändert hat

Im Juli 2022 brannte in der Böhmischen Schweiz ein Waldgebiet in einer Größenordnung von etwa tausend Hektar. Es war der größte Waldbrand in der modernen tschechischen Geschichte, und er hat die Landschaft an vielen Stellen sichtbar verändert. Verkohlte Stämme, kahle Hänge und junger Aufwuchs prägen Abschnitte, die früher dichter Wald waren.

Für Besucher heißt das zweierlei. Erstens waren und sind Wege zeitweise gesperrt, weil abgestorbene Bäume umstürzen und brandgeschädigter Fels leichter abplatzt. Die Freigaben ändern sich, deshalb ist der aktuelle Wegestatus auf der Seite der Nationalparkverwaltung die einzige verlässliche Quelle. Zweitens gilt im ganzen Gebiet striktes Feuerverbot, auch für Campingkocher, und Rauchen ist tabu. Das ist keine Formalie: Der Brand entstand in einer außergewöhnlich trockenen Phase, und solche Phasen wiederholen sich.

Adršpach: Felsenstadt mit Zeitfenster

Die Adersbacher Felsenstadt, tschechisch Adršpach, liegt an der polnischen Grenze und ist zusammen mit den benachbarten Teplitzer Felsen das größte Felsengebiet Mitteleuropas. Der Rundweg führt zwischen Türmen von über siebzig Metern Höhe hindurch, an einem grünen See vorbei, der in einem alten Steinbruch entstand, und über Treppen zu einem Wasserfall, der auf Kommando aufgestaut und abgelassen wird.

Weil der Andrang zeitweise unhaltbar wurde, gilt in der Hauptsaison ein Reservierungssystem mit Zeitfenstern. Du buchst online einen Eintrittszeitraum, und ohne Reservierung kann es passieren, dass du an der Kasse abgewiesen wirst. Buche das ein paar Tage vorher, an Wochenenden im Sommer besser früher. Auf der Seite Was du vorbuchen musst steht, was sonst noch Vorlauf braucht.

Der Teplitzer Teil ist weniger überlaufen und landschaftlich mindestens so gut. Ausgangsorte sind Broumov mit seinem Benediktinerkloster, Náchod und Trutnov, alles in der Region Königgrätz. Wer ohnehin im Riesengebirge Urlaub macht, hat es nicht weit.

Böhmisches Paradies und Prachovské skály

Das Böhmische Paradies zwischen Turnov und Jičín wurde 1955 als erstes Landschaftsschutzgebiet Tschechiens ausgewiesen und ist heute außerdem als Geopark anerkannt. Es ist das abwechslungsreichste der drei Gebiete, weil hier Felsen, Burgen und Teiche dicht beieinander liegen.

Die bekannteste Felsengruppe sind die Prachover Felsen bei Jičín, ein Labyrinth aus schmalen Gassen mit mehreren Aussichtskanzeln. Nördlich davon steht die Ruine Trosky mit ihren zwei ungleichen Türmen auf zwei Basaltschloten, das Wahrzeichen der Region. Dazu kommen das Felsengebiet Hrubá Skála, die kleine Burg Valdštejn und die gut erhaltene Burg Kost in einem Tal.

Wer wandern will statt nur zu schauen, findet hier das beste Wegenetz der drei Gebiete, mit den typischen tschechischen Farbmarkierungen. Grundsätzliches dazu steht auf der Seite zum Wandern in Tschechien.

Schuhe, Treppen und Kondition

Unterschätze diese Wege nicht. Zwischen den Felsen geht es über Metalltreppen, gelegentlich über Leitern und durch Spalten, in denen ein großer Rucksack im Weg ist. Der Sandstein wird bei Nässe rutschig wie Seife, und in den engen Gassen bleibt es auch nach dem Regen lange feucht. Feste Schuhe mit Profil sind Pflicht, Sandalen sind eine schlechte Idee.

Mit kleinen Kindern funktionieren die Hauptrundwege, aber ein Kinderwagen kommt nicht durch. Trage kleine Kinder oder plane einen kürzeren Rundweg. Wasser mitnehmen ist sinnvoll, denn Einkehrmöglichkeiten liegen meist nur an Anfang und Ende der Runden.

Gut zu wissen: Alle drei Gebiete stehen unter Schutz. Bleib auf den markierten Wegen, klettere nicht auf die Türme und nimm nichts mit, auch keine Steine. Klettern ist nur mit den strengen Regeln des tschechischen Sandsteinkletterns und nur an freigegebenen Felsen erlaubt. Mehr zu den Schutzgebieten steht unter Nationalparks in Tschechien.

Anreise in die drei Gebiete

Die Böhmische Schweiz ist von Dresden aus am einfachsten zu erreichen: Die Bahn im Elbtal fährt bis Bad Schandau oder weiter nach Děčín, von dort bringt dich ein Bus nach Hřensko. Aus Prag dauert es je Richtung rund zwei Stunden, weshalb sich eine Übernachtung lohnt. In Litoměřice oder Děčín findest du Quartiere abseits der Touristenpreise.

Adršpach hat einen eigenen Bahnhof direkt am Eingang zur Felsenstadt, was in Tschechien eine Seltenheit ist. Die Strecke ist eine Nebenbahn, die Verbindungen sind überschaubar, aber der Zug hält buchstäblich vor der Kasse. Aus Prag brauchst du mit Umstiegen einen halben Tag, aus Hradec Králové deutlich weniger.

Ins Böhmische Paradies fährst du am besten nach Turnov, das an der Strecke Richtung Liberec liegt. Von dort sind die Felsengebiete und Burgen mit Bussen oder auf markierten Wanderwegen erreichbar. Wer mit dem Auto kommt, sollte wissen, dass die Parkplätze an den Einstiegen gebührenpflichtig und im Sommer früh belegt sind. Hinweise dazu stehen unter Parken in Tschechien.

Andrang und die richtige Tageszeit

An Sommerwochenenden sind die Parkplätze in Hřensko und Adršpach am späten Vormittag voll, und in den engen Passagen entstehen Staus, weil Gegenverkehr kaum möglich ist. Die Lösung ist banal und wirksam: Sei um acht oder halb neun am Einstieg. Dann hast du die erste Stunde fast für dich, und du triffst die Gruppen erst, wenn du auf dem Rückweg bist.

Die schönste Zeit im Jahr ist der Herbst, weil das Laub zwischen den grauen Türmen leuchtet und die Luft klar ist. Der Frühling ist die zweitbeste Wahl. Im Hochsommer solltest du den Sonntag meiden, und im Winter sind die Rundwege teilweise gesperrt oder vereist.

Häufige Fragen

Kann man auf die Pravčická brána hinaufgehen?

Nein. Das Felsentor selbst ist seit Jahrzehnten für Besucher gesperrt, weil der Sandstein durch die Begehung stark abgetragen wurde. Du kannst es von den Terrassen des Falkennests darunter aus mehreren Perspektiven sehen, und genau von dort stammen auch die bekannten Fotos. Der Zugang zum Aussichtsbereich ist kostenpflichtig.

Muss man für Adršpach reservieren?

In der Hauptsaison ja. Für die Adersbacher Felsen gilt ein Onlinesystem mit Zeitfenstern, und ohne Buchung kann der Einlass verweigert werden, wenn das Kontingent ausgeschöpft ist. Buche einige Tage im Voraus, an Sommerwochenenden früher. Der benachbarte Teplitzer Teil ist ruhiger und eine gute Ausweichmöglichkeit.

Ist die Böhmische Schweiz nach dem Waldbrand wieder offen?

Der Nationalpark ist zugänglich, aber einzelne Wege waren und sind zeitweise gesperrt, weil abgestorbene Bäume umstürzen können und brandgeschädigter Fels instabil ist. Der Zustand ändert sich, deshalb hilft nur der Blick auf den aktuellen Wegestatus der Nationalparkverwaltung. Im gesamten Gebiet gilt striktes Feuer- und Rauchverbot.

Welche Felsenstadt eignet sich mit Kindern?

Adršpach, weil der Hauptrundweg gut ausgebaut ist, unterwegs ein See und ein Wasserfall liegen und die Runde in zwei bis drei Stunden zu schaffen ist. Ein Kinderwagen kommt allerdings nicht durch die Spalten. Auch das Böhmische Paradies funktioniert gut, weil sich Felsen und Burgen abwechseln und die Kinder zwischendurch etwas anderes sehen.

Wie viel Zeit braucht man für die Böhmische Schweiz?

Für die Pravčická brána mit Hin- und Rückweg rechne mit drei bis vier Stunden, für eine Runde mit den Klammen der Kamenice mit einem ganzen Tag. Wer aus Prag anreist, verliert allein zwei Stunden je Richtung, deshalb ist eine Übernachtung in Děčín oder Umgebung deutlich entspannter als ein Tagesausflug.