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Weihnachtsmärkte in Tschechien: Prag, Brünn, Olmütz

Tschechische Weihnachtsmärkte sind klein, dicht und riechen nach Glühwein, gebratener Wurst und warmem Met. Der Altstädter Ring in Prag ist der bekannteste, aber nicht der angenehmste. Wer den Advent wirklich genießen will, fährt nach Brünn oder Olmütz oder plant Prag so, dass er den Samstagnachmittag meidet.

Hier bekommst du eine ehrliche Einordnung der vier wichtigsten Marktstädte, eine Ansage dazu, was auf dem Teller Tradition ist und was reines Touristengeschäft, und den Hinweis, wann du buchen musst. Der Zeitraum liegt ungefähr zwischen dem ersten Adventwochenende und den ersten Januartagen. Die genauen Termine legen die Städte jedes Jahr neu fest und veröffentlichen sie auf ihren offiziellen Seiten.

Weihnachtsmärkte in Tschechien: Prag, Brünn, Olmütz
Foto: Pazuzu, CC BY 3.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • ZeitraumUngefähr erster Advent bis Anfang Januar
  • Größter MarktAltstädter Ring in Prag
  • Typische GetränkeSvařák (Glühwein) und Medovina (Met)
  • Ruhigste ZeitWerktags vormittags
  • Dezember in PragIm Mittel 4,7 °C tagsüber, 0,7 °C nachts
  • HotelbuchungFür Adventwochenenden Monate im Voraus

Prag hat zwei Märkte, und sie sind nicht austauschbar

Der Markt auf dem Altstädter Ring liefert das Bild, das du im Kopf hast: großer Baum, Bühne, Krippe, Buden im Ring um den freien Platz in der Mitte. Er ist auch der Markt, an dem du im Advent am wenigsten von der Stadt siehst, weil du dich zwischen Schultern hindurchschiebst. Der Platz ist kleiner, als Fotos vermuten lassen, und die Wege zur Rathausuhr und in die Seitengassen verstopfen genau dann, wenn alle gleichzeitig fotografieren.

Der zweite große Markt liegt auf dem Wenzelsplatz. Der Boulevard ist lang, die Buden stehen in Reihen, und du kommst tatsächlich durch. Dafür ist das Angebot stärker auf Essen und Trinken ausgerichtet und weniger auf Handwerk. Als Postkartenkulisse taugt er nicht, als Ort für eine warme Suppe zwischen zwei Programmpunkten sehr wohl.

Dazu kommen kleinere Märkte, die kaum jemand aus dem Reiseführer kennt: einer am Platz der Republik, einer im Wohnviertel Vinohrady am Friedensplatz, wo eher Prager als Reisegruppen stehen, und ein sehr kleiner im Hof der Prager Burg. Wenn du in Vinohrady oder Karlín wohnst, hast du den ruhigen Markt vor der Haustür und den lauten in zehn Minuten mit der Tram.

Tipp: Geh vor elf Uhr an den Altstädter Ring, wenn die Buden gerade öffnen und die Tagesgruppen noch nicht da sind. Danach über die Karlsbrücke auf die Kleinseite, wo es im Advent deutlich ruhiger bleibt.

Brünn verteilt den Advent auf mehrere Plätze

In Brünn ist der Advent nicht auf einen Platz gequetscht. Der Hauptmarkt steht auf dem Freiheitsplatz (náměstí Svobody), der zweite auf dem Krautmarkt (Zelný trh), wo im Rest des Jahres Gemüse verkauft wird und im Dezember regionale Erzeuger stehen. Ein dritter Platz kommt meist dazu, oft mit einer Eisfläche. Weil sich die Leute auf drei Orte verteilen, fühlt sich der Brünner Advent selbst am Samstag nicht wie ein Gedränge an.

Brünn hat außerdem eine Becherkultur, die man mögen muss: Glühwein und Punsch kommen in Mehrwegbecher, auf die ein Pfand erhoben wird. Du bekommst es zurück, wenn du den Becher abgibst. Wer sammeln will, behält ihn. Zum Essen und Trinken in Brünn passt das gut, denn die Stadt lebt ohnehin von Cafés und mährischem Wein statt von Souvenirbuden.

Olmütz: barocke Kulisse und viel Met

Der Markt in Olmütz steht auf dem Oberring, direkt neben der Dreifaltigkeitssäule und der astronomischen Uhr. Die Kulisse ist barock, die Größe überschaubar, und weil Olmütz eine Universitätsstadt ist, sitzt hier abends ein anderes Publikum als in Prag. Met, auf Tschechisch medovina, ist in Mähren besonders präsent und wird warm ausgeschenkt.

Für ein Adventwochenende ohne Reisebusse ist Olmütz die vernünftigste Wahl im Land. Die Altstadt ist flach und kompakt, du erreichst alles zu Fuß, und die Stadt liegt an der Hauptbahnstrecke zwischen Prag und Ostrava.

Český Krumlov: klein, früh dunkel, schnell voll

In Český Krumlov ist der Markt auf dem Ring eher eine Handvoll Buden. Die eigentliche Attraktion ist die Altstadt selbst, wenn die Gassen im Dunkeln beleuchtet sind und der Schlossturm über der Moldauschleife steht. Genau deshalb kommen an Adventwochenenden Tagesgäste aus Prag, Linz und Passau gleichzeitig an, und zwischen elf und drei ist die Stadt voll.

Die Lösung ist dieselbe wie im Sommer: übernachte hier, statt einen Tagesausflug zu machen. Ab dem späten Nachmittag gehört dir die Stadt fast allein.

Was echte Tradition ist und was verkauft werden soll

Der Trdelník, der an jeder zweiten Bude als altes Prager Gebäck angeboten wird, ist genau das nicht. Der Hefeteig um den Rollspieß hat seine Wurzeln in Ungarn und der Slowakei, in Prag ist er erst in den letzten Jahrzehnten aufgetaucht, zusammen mit dem Massentourismus. Die Variante als essbarer Becher mit Eis und Schokoladencreme ist eine reine Verkaufsidee ohne jede Geschichte. Er schmeckt frisch vom Spieß durchaus, nur eben nicht nach Böhmen.

Was tatsächlich dazugehört: svařák, also Glühwein, warme medovina, vánočka als geflochtener Hefezopf, perník als Lebkuchen mit langer Tradition in Pardubice, dazu bramborák als Kartoffelpuffer und Klobása vom Rost. Wenn du wissen willst, was davon das ganze Jahr über auf den Tisch kommt, hilft die Seite zur tschechischen Küche weiter.

Der auffälligste Brauch spielt sich in den Tagen vor dem 24. Dezember gar nicht auf dem Markt ab, sondern an Straßenecken: Karpfen werden lebend aus Bottichen verkauft, weil gebratener Karpfen mit Kartoffelsalat das klassische Weihnachtsessen ist. Die Fische kommen überwiegend aus der südböhmischen Teichlandschaft um Třeboň, einer über Jahrhunderte angelegten Kulturlandschaft, die du in Südböhmen auch im Sommer besuchen kannst.

Gut zu wissen: In Tschechien zahlst du in Kronen, nicht in Euro. Läden und Buden, die Euro annehmen, rechnen zu einem Kurs um, den du nicht kontrollieren kannst. Wenn dir das Kartenterminal die Abrechnung in Euro anbietet, wähle Kronen.

Wochenende oder Wochentag, das ist der ganze Unterschied

Zwischen einem Dienstagvormittag und einem Adventsamstag am Altstädter Ring liegen Welten. Werktags kommst du an die Buden heran, kannst dich unterhalten und in Ruhe schauen. Am Wochenende, und besonders an den Adventsonntagen, stehst du an. Wer nur zwei Nächte Zeit hat, legt sie also nach Möglichkeit auf Wochentage und nutzt das Wochenende für Vyšehrad oder ein Museum.

Abends wird es überall voller, weil dann auch die Prager selbst kommen. Das ist nicht schlimm, aber du solltest wissen, dass die Beleuchtungsfotos, die du im Kopf hast, aus einer sehr vollen Stunde stammen.

Achtung: Im Gedränge auf dem Altstädter Ring und in der Metro arbeiten Taschendiebe. Rucksack nach vorn, Handy nicht in die Außentasche. Und meide die Wechselstuben in der Altstadt, die mit null Prozent Kommission werben. Mehr dazu auf der Seite mit den Prag-Tipps.

Kalt ja, weiß eher selten

Prag liegt auf gut 250 Metern, und der Dezember ist dort im Mittel der letzten zehn Jahre mit 4,7 °C am Tag und 0,7 °C in der Nacht kühl, aber nicht winterlich. Schnee auf dem Altstädter Ring ist die Ausnahme, nicht die Regel. Rechne eher mit nassem Kopfsteinpflaster, das schnell glatt wird, und mit einer Feuchtigkeit, die stärker durch die Jacke geht, als es die Zahl vermuten lässt.

Wer Schnee zum Advent will, muss in die Berge. Das Riesengebirge liegt hoch genug, um im Dezember regelmäßig weiß zu sein, und lässt sich mit einem Städtebesuch verbinden. Was dort im Winter geht, steht auf der Seite zum Skifahren in Tschechien.

Anreise und Übernachtung

Hotels in Prag und Český Krumlov sind für die Adventwochenenden früh weg, und die Preise ziehen deutlich an. Wenn dein Termin feststeht, buche Monate vorher. Wer flexibel ist, spart doppelt: unter der Woche ist mehr frei und günstiger. In Brünn und Olmütz ist der Druck kleiner, aber auch dort füllen sich die Häuser an den Wochenenden.

Mit der Bahn ist Prag aus Dresden und Berlin bequem erreichbar, Pilsen und Brünn liegen ebenfalls an guten Linien. Details stehen auf der Seite zu Tschechien mit dem Zug. Mit dem Auto brauchst du für Autobahnen die elektronische Vignette, und im Advent ist die Parkplatzsuche in den Innenstädten das eigentliche Problem. Lies dazu Parken in Tschechien und Tschechien mit dem Auto.

Eine gute Kombination für vier Tage: zwei Nächte Prag unter der Woche, dann mit dem Bus nach Český Krumlov und dort übernachten. Wer Mähren bevorzugt, nimmt Brünn als Basis und fährt für einen Tag nach Olmütz.

Häufige Fragen

Wann sind die Weihnachtsmärkte in Tschechien geöffnet?

Die großen Märkte laufen ungefähr vom ersten Adventwochenende bis in die ersten Januartage hinein, in Prag traditionell etwas länger als in kleineren Städten. Feste Termine gibt es nicht, jede Stadt legt sie jährlich neu fest. Prüfe kurz vor der Reise die offizielle Seite der jeweiligen Stadt, denn auch die täglichen Öffnungszeiten der Buden unterscheiden sich zwischen Wochentag und Wochenende.

Welcher Weihnachtsmarkt in Tschechien ist der schönste?

Für die Kulisse der Altstädter Ring in Prag, für die entspannteste Stimmung Olmütz, für die beste Mischung aus Größe und Platz Brünn. Český Krumlov punktet nicht mit dem Markt selbst, sondern mit der beleuchteten Altstadt am Abend. Wer nur einen Ort wählen kann und Gedränge nicht mag, fährt nach Olmütz oder Brünn.

Ist Trdelník ein traditionelles tschechisches Gebäck?

Nein. Der Teigwickel vom Rollspieß stammt aus dem ungarisch-slowakischen Raum und ist in Prag erst mit dem Tourismus der letzten Jahrzehnte allgegenwärtig geworden. Die Werbung als altes Prager Gebäck stimmt nicht. Traditionell sind dagegen vánočka als Hefezopf, perník als Lebkuchen und der gebratene Karpfen am Heiligabend.

Kann man auf dem Weihnachtsmarkt in Prag mit Karte zahlen?

An vielen Buden ja, aber nicht an allen, deshalb ist etwas Bargeld in Kronen sinnvoll. Zahle grundsätzlich in Kronen und nicht in Euro, auch wenn das Terminal dir eine Umrechnung anbietet. Der angebotene Kurs ist fast immer schlechter als der deiner Bank. Für den Becher wird oft ein Pfand erhoben, das du bei Rückgabe zurückbekommst.

Schneit es in Prag im Dezember?

Selten und meist nicht liegenbleibend. Die Dezemberwerte liegen im Mittel der letzten Jahre bei rund 4,7 °C am Tag und 0,7 °C in der Nacht, also überwiegend über dem Gefrierpunkt. Wer im Advent Schnee sehen will, verbindet die Stadt mit einem Abstecher ins Riesengebirge, wo Orte wie Špindlerův Mlýn auf über 700 Metern liegen und die Dezemberwerte um den Gefrierpunkt bleiben.