Reise-Inspiration

Mähren-Rundreise: Route für eine Woche

Mähren ist der ruhigere, grünere und deutlich weniger besuchte Teil Tschechiens. Statt einer Hauptstadt mit Warteschlangen bekommst du eine Universitätsstadt mit Funktionalismus, eine Kulturlandschaft aus Schlössern und Alleen, Weinorte am Fuß der Pálava und zwei barocke Welterbestätten, die kaum jemand aus Deutschland kennt.

Die Woche unten arbeitet mit drei Standorten: Brünn, Mikulov und Olmütz. Die Etappen sind kurz, die längste dauert gut drei Stunden. Alle Fahrzeiten sind konservativ geschätzt und schließen Pausen ein. Und weil auf dieser Route sehr viel Wein im Spiel ist, steht die Fahrerfrage weiter unten als eigener Abschnitt.

Mähren-Rundreise: Route für eine Woche
Foto: Jan Sapák, CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • Dauer7 bis 8 Tage
  • StandorteBrünn, Mikulov, Olmütz
  • StreckeRund 450 Kilometer
  • Welterbe unterwegsVilla Tugendhat, Lednice-Valtice, Olmütz, Kroměříž
  • Alkohol am SteuerNull Toleranz, auch nach der Verkostung
  • Beste ZeitMai bis Juni, September zur Lese

Warum Mähren anders funktioniert als Böhmen

In Böhmen fährst du von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten. In Mähren ist die Landschaft selbst der Grund: Weinberge, Alleen, Teiche, Kalkfelsen. Die Orte sind kleiner, die Wege kürzer, und die Zahl der Reisebusse ist ein Bruchteil dessen, was du in Prag oder Český Krumlov erlebst. Dafür brauchst du mehr Bereitschaft, dich auf einen langsamen Rhythmus einzulassen.

Das schlägt sich in der Planung nieder: weniger Programmpunkte pro Tag, dafür längere Aufenthalte. Drei Standorte reichen für die ganze Region, und zwischen ihnen liegen selten mehr als anderthalb Stunden. Nur die Etappe von der Weinstraße nach Olmütz ist länger, und die lässt sich mit einem Stopp gut aufbrechen.

Die Route Tag für Tag

Tag Etappe Übernachtung Fahrzeit, konservativ geschätzt
1 Ankunft, Altstadt und Krautmarkt Brünn Anreise, danach zu Fuß
2 Villa Tugendhat am Vormittag, Špilberk am Nachmittag Brünn Tram und zu Fuß
3 Mährischer Karst mit Höhlen und Macocha Brünn 45 bis 60 Minuten je Richtung
4 Nach Süden, nachmittags Lednice Mikulov 1 bis 1,5 Stunden mit Umweg
5 Valtice, Pálava und Weinorte Mikulov kurze Wege unter 30 Minuten
6 Über Znojmo nach Olmütz Olmütz 3 bis 3,5 Stunden mit Stopp
7 Oberring, Domviertel und Svatý Kopeček Olmütz zu Fuß und kurzer Bus
8 Kroměříž als Halbtag, dann Abreise Abreise 1 Stunde

Brünn als Basis, Tag 1 bis 3

Brünn ist keine kleine Ausgabe von Prag, sondern eine eigene Stadt mit einem eigenen Jahrhundert. Der Kern ist der Krautmarkt mit dem Parnassbrunnen, darunter liegen die Kellergewölbe des unterirdischen Brünn. Über allem steht die Festung Špilberk, die als Gefängnis der Habsburger einen düsteren Ruf hatte.

Der eigentliche Grund für Architekturinteressierte ist die Villa Tugendhat von Mies van der Rohe, seit 2001 Welterbe. Sie ist nur mit Führung zu sehen, die Gruppen sind klein, und die Termine sind oft Wochen im Voraus vergeben. Buche sie, bevor du irgendetwas anderes buchst. Was sonst noch mit Vorlauf reserviert werden muss, steht auf der Seite Was du vorbuchen musst. Wer mehr davon will, geht anschließend die Runde durch den Brünner Funktionalismus.

Tag 3 gehört dem Mährischen Karst nördlich der Stadt. Die Punkva-Höhlen enden mit einer Bootsfahrt auf einem unterirdischen Fluss und dem Blick in den Abgrund Macocha, der rund 138 Meter tief ist. Die Zeitfenster sind kontingentiert und im Sommer schnell weg. Mehr zur Umgebung steht unter Mährischer Karst.

Mikulov, Lednice-Valtice und die Weinstraße, Tag 4 bis 5

Eine knappe Stunde südlich beginnt eine andere Landschaft. Mikulov liegt unter einem Schlossfelsen an der österreichischen Grenze, mit einem der bedeutendsten jüdischen Friedhöfe Mitteleuropas am Hang und dem Heiligen Berg über der Stadt. Als Standort ist der Ort ideal, weil alles Weitere in einem Umkreis von zwanzig Kilometern liegt.

Dazu gehört die Kulturlandschaft Lednice-Valtice, seit 1996 Welterbe: zwei Schlösser der Fürsten Liechtenstein, verbunden durch einen Landschaftspark mit Alleen, Teichen und über die Felder verstreuten Staffagebauten. Das Areal ist zu groß zum Ablaufen und zu schön zum Durchfahren, deshalb ist das Fahrrad hier die beste Wahl. Für das Schloss Lednice gilt wie überall in Tschechien: Innenräume nur mit Führung.

Tag 5 kannst du komplett den Weinorten widmen. Rund um Břeclav und am Fuß der Pálava-Kalkfelsen reihen sich Kellergassen, in denen die Weinkeller mit ihren Giebeln in einer Reihe stehen. Wie das abläuft und worauf du dich einlässt, steht auf der Seite zur Weinreise durch Mähren.

Znojmo als Zwischenstopp

Auf dem Weg nach Norden liegt Znojmo über dem Thayatal. Die Stadt hat eine romanische Rotunde aus dem 11. Jahrhundert, deren Fresken aus dem Jahr 1134 stammen und böhmische wie mährische Herrscher zeigen, ein weitläufiges unterirdisches Gangsystem und einen Ruf für Gurken, der im ganzen Land bekannt ist. Direkt vor der Tür beginnt der Nationalpark Podyjí mit dem eingeschnittenen Flusstal an der Grenze zu Österreich. Zwei bis drei Stunden reichen für den Ort, mehr braucht der Nationalpark. Weitere Ziele stehen unter Südmähren.

Olmütz und Kroměříž, Tag 6 bis 8

Olmütz ist die zweite Überraschung dieser Reise. Die Stadt war jahrhundertelang die Hauptstadt Mährens, hat zwei zusammenhängende Barockplätze, sechs Brunnen und mit der Dreifaltigkeitssäule das größte barocke Säulenmonument Mitteleuropas, Welterbe seit dem Jahr 2000. Dazu eine astronomische Uhr, die nach dem Krieg als sozialistisches Mosaik neu gestaltet wurde und deshalb ganz anders aussieht als ihr Prager Gegenstück.

Nimm den Nachmittag für das ruhige Domviertel um den Wenzelsdom und den Abend für den Oberring, der als Studentenstadt spät belebt ist. Wer eine Stunde übrig hat, fährt hinauf nach Svatý Kopeček mit der Wallfahrtsbasilika und dem Zoo.

Zum Abschluss liegt Kroměříž auf dem Weg, eine knappe Stunde entfernt. Der erzbischöfliche Palast mit dem Blumengarten und dem Schlossgarten ist seit 1998 Welterbe, und der Blumengarten ist als streng geometrische Barockanlage in dieser Form selten erhalten. Ein Halbtag genügt, bevor du weiterfährst.

Wein und Fahren gehen nicht zusammen

In Tschechien gilt am Steuer null Promille. Nicht ein Glas, nicht ein Schluck zur Verkostung. Die Kontrollen sind häufig und die Konsequenzen unangenehm. Auf einer Route, die durch die Weinstraße führt, musst du das vorher lösen, nicht spontan.

Praktikabel sind drei Wege: Du bleibst zwei Nächte am selben Ort und läufst zur Kellergasse, du buchst eine Verkostung mit Transfer, oder ihr wechselt euch als Fahrer ab. Viele Winzer in Südmähren vermieten Zimmer, was das Problem elegant löst. Dieselbe Regel gilt übrigens für die Brauereien: Ein Verkostungsbier bei einer Führung ist am Steuer keine Option.

Achtung: Die Weinkeller in den Kellergassen sind kühl und der Weg zurück oft unbeleuchtet. Nimm eine Jacke mit und plane den Rückweg im Dunkeln ein, gerade im Herbst zur Lese.

Essen und Trinken unterwegs

Mähren isst anders als Böhmen. Der auffälligste Unterschied ist das Getränk: Wo in Böhmen Bier steht, steht hier Wein, und zwar meist ein trockener Weißwein aus der Region. Dazu kommt der junge, noch trübe Federweiße, der im Herbst in den Kellergassen ausgeschenkt wird. Bier gibt es trotzdem überall, Brünn hat mehrere kleine Brauereien.

In Olmütz solltest du den Quargel probieren, einen geschützten Sauermilchkäse aus dem nahen Loštice. Er riecht deutlich, schmeckt kräftig und wird gern gebacken oder in Bier eingelegt serviert. In Znojmo sind es die eingelegten Gurken, in der Walachei der Pflaumenbrand Slivovice, den man nicht am Steuer probiert.

Praktisch am wichtigsten ist das Mittagsmenü: Zwischen etwa elf und zwei bieten fast alle Lokale ein Tagesgericht mit Suppe zu einem Bruchteil des Abendpreises an. Das ist kein Angebot für Touristen, sondern die normale Art, mittags zu essen. Mehr dazu steht auf den Seiten zur tschechischen Küche und zum Essen und Trinken in Brünn.

Mit der Bahn statt mit dem Auto

Die Achse Brünn und Olmütz ist per Zug bequemer als per Auto: Beide liegen an der Hauptstrecke, die Fahrt dauert etwa anderthalb Stunden, und in beiden Städten brauchst du danach kein Fahrzeug mehr. Auch Znojmo, Břeclav und Kroměříž haben Bahnanschluss, wobei Kroměříž einen Umstieg verlangt.

Schwierig wird es nur in der Kulturlandschaft Lednice-Valtice, wo ohne Rad oder Auto viel Warterei entsteht. Die praktikable Lösung ist, in Mikulov oder Valtice zu übernachten und dort Räder zu leihen. Grundsätzliches zu Betreibern, Reservierungen und Gepäck steht auf der Seite Tschechien mit dem Zug.

Wenn du länger bleiben kannst

Zwei bis drei zusätzliche Tage lassen sich gut anhängen. Nach Westen liegen Telč mit seinem Renaissancering und Třebíč mit jüdischem Viertel und Prokopsbasilika, beide Welterbe und beide in Vysočina. Nach Osten führt der Weg über Zlín mit der Bata-Werkssiedlung nach Rožnov pod Radhoštěm mit dem großen Freilichtmuseum der Walachei. Und wer Industriegeschichte mag, hängt Ostrava an, wo die stillgelegten Hochöfen begehbar sind. Alle Regionen im Überblick stehen unter Mährisch-Schlesien und Region Zlín.

Häufige Fragen

Reicht eine Woche für eine Mähren-Rundreise?

Ja, mit drei Standorten und ohne Hetze. Brünn braucht drei Nächte, die Weinregion um Mikulov zwei und Olmütz zwei. Wer Telč, Třebíč oder die Walachei ergänzen will, sollte zehn Tage einplanen. Kürzer als sechs Tage lohnt sich eher eine Kombination aus Brünn und Olmütz allein, weil sonst die Fahrzeiten den Tag auffressen.

Lohnt sich Mähren mehr als Böhmen?

Es ist die ruhigere Wahl. Mähren hat weniger berühmte Einzelziele, dafür kaum Andrang, günstigere Preise und eine Landschaft, die selbst der Grund zum Bleiben ist. Wer zum ersten Mal nach Tschechien fährt und Prag noch nicht kennt, sollte mit Böhmen anfangen. Für die zweite Reise ist Mähren die bessere Entdeckung.

Wie kommt man von Prag nach Brünn?

Mit dem Zug in gut zweieinhalb Stunden auf einer der am besten bedienten Strecken des Landes, mit mehreren Anbietern und Sitzplatzreservierung. Fernbusse brauchen ähnlich lang. Mit dem Auto fährst du über die Autobahn D1 und brauchst dafür die elektronische Vignette. Für eine Woche Mähren ist die Bahnanreise nach Brünn oft die entspanntere Lösung.

Kann man in Südmähren Wein verkosten und trotzdem fahren?

Nein. In Tschechien gilt am Steuer null Promille, ohne Toleranz. Löse es baulich: zwei Nächte am selben Ort und zu Fuß in die Kellergasse, eine Verkostung mit Transfer, oder ein fester Fahrer, der nichts trinkt. Viele Winzer vermieten Zimmer, das ist die einfachste Variante.

Welche Welterbestätten liegen auf der Mähren-Route?

Die Kulturlandschaft Lednice-Valtice, die Dreifaltigkeitssäule in Olmütz, der erzbischöfliche Palast mit den Gärten in Kroměříž und die Villa Tugendhat in Brünn. Mit einem kleinen Umweg kommen Telč und das jüdische Viertel von Třebíč dazu. Alle vier Hauptziele liegen auf der beschriebenen Woche ohne Zusatzfahrten.