Auf einen Blick
- RegionshauptstadtBrno (Brünn)
- UNESCOKulturlandschaft Lednice-Valtice seit 1996
- UNESCOVilla Tugendhat in Brünn seit 2001
- Weingrößtes Weinbaugebiet Tschechiens, Schwerpunkt Weißwein
- LandschaftPálava-Kalkrücken, Thayatal (Dyje), Mährischer Karst
- Beste ReisezeitMai, Juni und September, Weinlese im Herbst
Wein, Moderne und Kalkstein
Die Region liegt im Südosten, an der Grenze zu Österreich und der Slowakei. Ihr Zentrum ist Brünn, mit rund 400.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt des Landes und eine, die sich deutlich von Prag unterscheidet: jünger, universitärer, weniger auf Besucher ausgerichtet.
Südlich davon beginnt das Weinland. Rund um Mikulov, Znojmo und Valtice wächst der größte Teil des tschechischen Weins, überwiegend Weiß, oft Veltliner, Welschriesling und Ryzlink. Dazwischen ragt der Pálava-Kalkrücken auf, ein schmaler weißer Kamm über den Reservoirs der Thaya.
Nördlich von Brünn liegt der Mährische Karst mit über tausend bekannten Höhlen und dem Macocha-Abgrund. Diese Kombination aus Stadt, Wein und Karst macht Südmähren zur Region, die am wenigsten Kompromisse verlangt.
Die Orte, die sich lohnen
1 Brno (Brünn)
Die Stadt hat mit der Festung Špilberk eine Burg über dem Zentrum, mit der Peter-und-Paul-Kathedrale eine Silhouette und mit der Villa Tugendhat von Mies van der Rohe ein Hauptwerk der Moderne, das seit 2001 UNESCO-Welterbe ist.
Der Krautmarkt mit seinem Barockbrunnen ist das Zentrum des Alltags, darunter liegt ein Labyrinth aus Kellern. Alles zur Stadt steht unter Brünn, zur Villa unter Villa Tugendhat.
2 Mikulov
Ein Städtchen unter einem Schlossfelsen, umgeben von Weinbergen und dem Kalkrücken der Pálava. Der Heilige Berg mit Kreuzweg, der jüdische Friedhof und die Gassen der Altstadt bilden ein ungewöhnlich geschlossenes Bild.
Mikulov ist der beste Ausgangspunkt für Weinreisen und liegt nur wenige Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt.
3 Znojmo
Die Stadt liegt hoch über dem Thayatal, mit einer romanischen Rotunde in der Burg, einem weitläufigen Kellersystem unter der Altstadt und dem Nationalpark Podyjí direkt vor der Tür.
Znojmo ist außerdem für Gurken bekannt, die als Znojemské okurky überall auf den Speisekarten auftauchen.
4 Břeclav und Lednice-Valtice
Břeclav selbst ist ein Bahnknoten ohne große Altstadt, aber das Tor zur Kulturlandschaft Lednice-Valtice, die seit 1996 UNESCO-Welterbe ist.
Die Fürsten von Liechtenstein ließen hier über Jahrhunderte eine ganze Landschaft gestalten: zwei Schlösser, ein künstlicher Minarettturm, Teiche, Alleen und Staffagebauten, verbunden durch Wege und Radrouten. Mehr dazu unter Lednice-Valtice.
Landschaft und Ausflüge
Der Nationalpark Podyjí schützt das Thayatal westlich von Znojmo, eine enge Flussschlucht mit Trockenrasen und alten Weinbergterrassen, jahrzehntelang Sperrgebiet am Eisernen Vorhang. Die Pálava ist Biosphärenreservat und lässt sich in halben Tagen erwandern, mit Blick über die Stauseen der Thaya.
Nördlich von Brünn führen Führungen durch die Punkva-Höhlen mit Bootsfahrt auf einem unterirdischen Fluss und zum Grund des Macocha-Abgrunds. Wer nach Wein sucht, findet unter Weinreise durch Mähren die Grundlagen zu Sorten, Kellergassen und dem Umgang mit Verkostungen.
Essen und lokale Spezialität
Mährische Küche ist etwas leichter als die böhmische und stärker vom Wein geprägt. Typisch sind Špekáčky vom Grill, Gurken aus Znojmo und im Herbst Burčák, der teilweise vergorene Traubenmost, der nur wenige Wochen im Jahr ausgeschenkt wird und trotz seiner Süße nicht harmlos ist.
In den Kellergassen der Weinorte reihen sich kleine Presshäuser aneinander. Verkostungen finden dort statt, wo geöffnet ist, oft ohne Schild. Wer Wein probiert, sollte den Rückweg planen: Die Promillegrenze in Tschechien liegt bei null.
Beste Reisezeit
Mikulov ist eine der wärmsten Städte Tschechiens: Der Juli erreicht Höchstwerte um 27 Grad, im Januar bleibt es tagsüber bei 3 Grad. Der September ist der nasseste Monat, der März der trockenste. In Brünn liegen die Werte ähnlich, mit gut 26 Grad im Juli.
Mai, Juni und September sind die besten Monate. Der Hochsommer ist heiß und in der Stadt drückend, dafür ist die Weinlese im September und Oktober die lebendigste Zeit im Süden. Der Winter ist mild, aber grau, und viele Schlösser sind geschlossen.
Radfahren und Weinwege
Südmähren hat das dichteste Radwegenetz Tschechiens. Die Mährischen Weinradwege verbinden über mehrere hundert Kilometer die Weinorte miteinander, überwiegend auf ruhigen Nebenstraßen und Feldwegen. Von Mikulov aus lassen sich Tagesrunden durch die Pálava und zu den Kellergassen fahren.
Der Radweg durch die Kulturlandschaft Lednice-Valtice verbindet die beiden Schlösser mit dem Minarett, dem Kolonnadenbau auf dem Reistna-Hügel und den Teichen dazwischen. Die Strecke ist flach und familientauglich. Mehr Grundlagen stehen unter Radfahren in Tschechien.
Übernachten und Preisniveau
Brünn ist deutlich günstiger als Prag und hat als Universitätsstadt ein breites Angebot. In den Weinorten dominieren Pensionen und Weingüter mit Zimmern, was die naheliegende Wahl ist, wenn du abends Wein probieren willst und nicht fahren möchtest.
Zur Weinlese im September und Oktober sowie an den Festwochenenden sind Mikulov, Valtice und Znojmo früh ausgebucht. Wer spontan reist, weicht auf Břeclav oder Brünn aus und fährt mit dem Zug in die Weinorte.
Anreise aus Deutschland
Ab München sind es rund 480 Straßenkilometer nach Brünn, etwa sechs Stunden, ab Berlin rund 540. Die Autobahn D1 von Prag und die D2 aus Richtung Wien treffen sich hier, für beide brauchst du die elektronische Vignette.
Mit der Bahn ist Brünn gut erreichbar: Züge aus Prag, Wien und Bratislava halten am Hauptbahnhof, die Fahrt ab Wien dauert unter zwei Stunden. Innerhalb der Region verbinden Regionalzüge Brünn mit Břeclav, Znojmo und Blansko, für Mikulov und die Kellergassen ist ein Auto oder Rad praktischer. Wie Tickets und Reservierungen funktionieren, steht unter Tschechien mit dem Zug.
Achtung: In Tschechien gilt für Autofahrer null Promille, ohne Toleranz. Wer Wein probieren will, plant den Rückweg mit dem Rad, dem Zug oder zu Fuß und übernachtet im Weinort. Kontrollen sind in der Weinregion im Herbst nicht selten.
Route oder Basis
Brünn ist die naheliegende Basis für die ganze Region: Von hier erreichst du Lednice, Mikulov, Znojmo und den Karst jeweils in unter anderthalb Stunden. Wer Wein in den Mittelpunkt stellt, wechselt nach zwei Tagen nach Mikulov oder Valtice.
Als Teil einer größeren Runde passt Südmähren nach Vysočina und vor Olmütz. Wer aus Wien anreist, hat mit der Kombination Mikulov, Lednice, Brünn eine der einfachsten Tschechien-Routen überhaupt. Eine ganze Woche skizziert die Mähren-Rundreise.
Ehrlich eingeordnet
Südmähren ist die Region, die ich Reisenden empfehle, die Prag schon kennen. Sie hat eine Großstadt mit eigenem Charakter, eine Landschaft mit Wein und Wasser, ein Welterbe-Ensemble und Höhlen, alles in kurzer Entfernung.
Für einen ersten Tschechien-Besuch funktioniert sie ebenfalls, wenn du aus Bayern oder Österreich anreist. Aus Norddeutschland ist die Anfahrt lang genug, dass Prag oder Nordböhmen näher liegen. Überschätzt wird Brünn als Postkartenstadt: Die Altstadt ist klein, und die Stärken der Stadt liegen in Architektur, Kellern und Alltagsleben, nicht in Fassadenreihen. Voll wird es in Lednice an Sommerwochenenden und in den Punkva-Höhlen ohne Reservierung.
Häufige Fragen
Wie kommt man von Brünn nach Lednice?
Mit dem Auto in etwa einer Stunde über die Autobahn Richtung Břeclav. Ohne Auto fährst du mit dem Zug nach Břeclav oder Podivín und weiter mit dem Bus. Im Sommer sind Rad und Boot beliebte Alternativen, weil die Kulturlandschaft Lednice-Valtice von Wegen und Kanälen durchzogen ist.
Wann ist Weinlese in Südmähren?
Üblicherweise von Ende August bis Oktober, je nach Sorte und Jahrgang. In dieser Zeit gibt es Burčák, den teilweise vergorenen Most, und in vielen Orten Weinfeste. Das größte ist das Weinlesefest in Znojmo im September. Unterkünfte sind dann früh ausgebucht.
Lohnt sich Brünn im Vergleich zu Prag?
Es ist eine andere Art von Stadt. Brünn hat weniger historische Substanz und weniger Besucher, dafür Architektur der Moderne, ein starkes Studentenleben und Preise deutlich unter Prager Niveau. Wer Fassaden und Postkartenmotive sucht, ist in Prag besser aufgehoben. Wer eine lebendige Stadt ohne Touristenströme will, in Brünn.
Muss man die Punkva-Höhlen vorher buchen?
Ja, in der Hauptsaison unbedingt. Die Führungen laufen in festen Gruppen zu festen Zeiten, und die Kombination aus Höhlengang und Bootsfahrt auf dem unterirdischen Fluss ist das beliebteste Programm im Mährischen Karst. Die Zeitfenster buchst du vorab online bei der Höhlenverwaltung.
Was ist Burčák?
Teilweise vergorener Traubenmost, der nur in den Wochen der Weinlese verkauft wird. Er schmeckt süß und harmlos, hat aber bereits Alkohol und gärt im Glas weiter. Er wird offen ausgeschenkt und ist nicht lange haltbar. Für Autofahrer gilt: In Tschechien sind null Promille erlaubt, auch bei Burčák.






