Südböhmen · Český Krumlov

Egon Schiele Art Centrum

Egon Schiele hatte zu dieser Stadt eine engere Beziehung als jeder andere bekannte Künstler: Seine Mutter stammte aus Krumau, er arbeitete 1911 einige Monate hier, und er malte den Ort mehrfach als dicht gestaffelte Häuserwand über dem Fluss. Die Stadt wiederum warf ihn hinaus.

Das Egon Schiele Art Centrum in der ehemaligen städtischen Brauerei erinnert seit 1993 daran. Wichtig für die Erwartung: Es ist kein Museum voller Hauptwerke, sondern ein großes Ausstellungshaus mit einem Schiele-Teil und wechselnder moderner Kunst.

Egon Schiele Art Centrum
Foto: Juandev, CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • KünstlerEgon Schiele, 1890 bis 1918
  • Bezug zur StadtMutter aus Krumau, Aufenthalt 1911
  • Gegründet1993
  • GebäudeEhemalige städtische Brauerei, Renaissancebau
  • Dauer des Besuchs1 bis 2 Stunden

Warum Schiele nach Krumau kam und warum er ging

Schiele wurde 1890 in Tulln geboren, seine Mutter Marie stammte aus Krumau. 1911 zog er mit seinem Modell Wally Neuzil hierher, mietete ein Gartenhaus und arbeitete an Stadtbildern. Für die kleinstädtische Nachbarschaft war ein unverheiratetes Paar, das Modelle empfing und Akte zeichnete, ein Skandal. Nach wenigen Monaten musste er die Stadt wieder verlassen.

Zurück blieben Bilder, die Krumau als steile, fensterlose Häusermasse zeigen, oft ohne Menschen und in gedeckten Farben. Wer diese Ansichten kennt und dann auf der Brücke steht, sieht die Stadt anders: nicht als hübsche Kulisse, sondern als enge, gestapelte Konstruktion über einem Fluss. Schiele starb 1918 mit 28 Jahren an der Grippepandemie.

Wie er die Stadt gemalt hat

Schieles Krumau-Bilder sind keine Postkarten. Er staffelt die Häuser übereinander, lässt Straßen und Menschen weg und macht aus der Stadt eine dichte, in sich geschlossene Masse. Einige der Ansichten wirken menschenleer und wie von oben gesehen, obwohl es damals keinen Aussichtspunkt dafür gab. Genau dadurch hat er das Bild dieser Stadt für Generationen von Betrachtern festgelegt.

Wenn du die Bilder vor dem Besuch anschaust, wirst du die Blickachsen wiedererkennen: die Häuserzeile über der Flussbiegung, die Giebel hintereinander, die dunklen Fensteröffnungen. Es ist eine der wenigen Städte, in denen sich ein bekanntes Gemälde noch heute im Original nachstellen lässt.

Was das Haus tatsächlich zeigt

Das Zentrum nutzt einen weitläufigen Renaissancebau der ehemaligen städtischen Brauerei in der Široká mit dicken Mauern, hohen Räumen und Treppen. Ein Teil ist Schiele gewidmet, mit Arbeiten auf Papier, Dokumenten und der Rekonstruktion seines Ateliers. Der größere Teil gehört wechselnden Ausstellungen zu moderner und zeitgenössischer Kunst, oft mit mitteleuropäischem Schwerpunkt.

Das ist ehrlich gesagt Glückssache: Manche Ausstellung ist stark, manche eher regional. Prüfe deshalb vor dem Besuch das aktuelle Programm, statt dich auf den Namen an der Fassade zu verlassen. Die berühmten Hauptwerke Schieles hängen in Wien, nicht hier.

Das Gebäude selbst ist ein Argument für den Besuch. Als Brauerei gebaut, hat es Gewölbe, hohe Hallen und einen Innenhof, und die Ausstellungsräume folgen dieser Struktur statt einem musealen Raster. Dadurch entsteht ein zweiter Blick auf die Stadt: Nicht alles hier ist Fassade für Besucher, manches war schlicht Produktion, und das sieht man den Mauern an.

Gut zu wissen: Für den Schiele-Bezug musst du nicht ins Haus. Mehrere seiner Motive lassen sich in den Gassen der Altstadt und am Ufer der Moldau wiederfinden. Wer die Bilder vorher anschaut, hat auf dem Rundgang mehr davon als mit jeder Audioführung.

Wann sich der Besuch anbietet

Das Zentrum ist der beste Regenplan der Stadt neben einer Schlossführung, weil es lange trägt und in sich abwechslungsreich ist. Es liegt in der Široká mitten im Kern, also genau dort, wo mittags der Andrang steht. Drinnen merkst du davon wenig: Die Räume sind groß, und die meisten Tagesgruppen bleiben draußen.

Rechne mit ein bis zwei Stunden. In Kombination mit dem Fotoatelier Seidel ergibt sich ein sinnvoller halber Tag zum Thema Kunst und Bild, weil beide Häuser dieselbe Stadt aus zwei Blickwinkeln zeigen: einmal gemalt, einmal fotografiert. Für die weitere Reihenfolge hilft die Übersicht der Sehenswürdigkeiten.

Tickets: Eintritt wird vor Ort verkauft, eine Vorbuchung ist normalerweise nicht nötig. Sinnvoll ist stattdessen ein Blick auf das laufende Ausstellungsprogramm, denn der Wert des Besuchs hängt stärker von der Wechselausstellung ab als vom Schiele-Teil.

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Wenn es nicht klappt

  • Wenn es voll istDas Haus ist groß genug, dass sich Besucher verlieren. Wenn draußen die Gruppen stehen, ist drinnen erfahrungsgemäß Platz, gerade in den oberen Geschossen.
  • Wenn es regnetEiner der zuverlässigsten Regenpläne im Ort, weil der Rundgang lange trägt und komplett im Haus liegt.
  • Mit KindernFür kleinere Kinder wenig geeignet, Schieles Motive sind teils Akte. Ältere Kinder finden die Wechselausstellungen manchmal spannender als die Dauerräume.
  • Mit eingeschränkter MobilitätHistorischer Bau mit Treppen zwischen den Geschossen. Kläre vorab, welche Bereiche stufenfrei erreichbar sind, wenn du auf einen Aufzug angewiesen bist.

Häufige Fragen

Was hat Egon Schiele mit Český Krumlov zu tun?

Seine Mutter stammte aus Krumau, und er selbst lebte 1911 einige Monate hier, zusammen mit seinem Modell Wally Neuzil. Er malte die Stadt mehrfach als gestapelte Häusermasse über dem Fluss. Nach Konflikten mit der Nachbarschaft über seine Lebensweise musste er wieder abreisen.

Hängen im Egon Schiele Art Centrum Originale?

Es werden Arbeiten auf Papier, Dokumente und eine Atelierrekonstruktion gezeigt, aber keine große Sammlung von Hauptwerken. Die berühmten Gemälde befinden sich in Wien. Der größere Teil des Hauses gehört wechselnden Ausstellungen zeitgenössischer Kunst. Der Raum mit der Atelierrekonstruktion erklärt seine Arbeitsweise besser als eine reine Bilderschau.

Lohnt sich das Egon Schiele Art Centrum?

Wenn du Kunst magst oder es regnet, ja. Das Gebäude allein ist sehenswert, und der Schiele-Teil erklärt den Blick auf die Stadt. Prüfe vorher das Ausstellungsprogramm, denn davon hängt der Besuch stärker ab als vom Namen des Hauses.

Wie lange braucht man im Egon Schiele Art Centrum?

Ein bis zwei Stunden reichen für beide Teile. Wer Wechselausstellungen gründlich anschaut, kann länger bleiben. Zusammen mit dem Museum Fotoatelier Seidel ergibt sich ein guter halber Tag, weil beide Häuser dieselbe Stadt aus unterschiedlichen Perspektiven zeigen. Wer nur den Schiele-Teil sehen will, kommt mit einer knappen Stunde aus.