Auf einen Blick
- Tschechischer NamePřemyslovský palác, am Václavské náměstí
- Baujahrromanischer Palastbau um die Mitte des 12. Jahrhunderts
- BauherrBischof Jindřich Zdík
- Historisches DatumAugust 1306, Ermordung Wenzels III.
- Heutige NutzungTeil des Erzdiözesanmuseums, eröffnet 2006
- Dauer des Besuchs2 Stunden für Palast und Museum
Warum diese Fenster so selten sind
Romanische Architektur ist in Tschechien fast nur noch an Kirchen erhalten. Weltliche Bauten des 12. Jahrhunderts wurden umgebaut, überformt oder abgerissen, sobald die Gotik kam. In Olmütz passierte das Gegenteil: Teile des Palastes wurden in spätere Bauten eingeschlossen, die Fenster zugemauert und dadurch konserviert. Erst im 19. Jahrhundert kamen sie wieder ans Licht.
Was du dann siehst, sind Reihen von Doppelfenstern mit Mittelsäulchen, deren Schäfte und Kapitelle mit Ornamenten, Tieren und Flechtwerk überzogen sind. Nimm dir Zeit für die Details: keine zwei Säulchen sind gleich, und einige tragen Ritzzeichnungen, die vermutlich aus der Bauzeit stammen.
Der Bischof, der hier gebaut hat
Der Bauherr war Jindřich Zdík, Bischof von Olmütz im 12. Jahrhundert und eine der treibenden Figuren der Kirchenorganisation in Mähren. Unter ihm wurde der Bischofssitz auf den Hügel verlegt, an dem auch die Vorgängerkirche des heutigen Wenzelsdoms stand. Palast und Kirche gehören also zusammen und sind als ein Bereich zu lesen, nicht als zwei Sehenswürdigkeiten.
Der Domhügel war damit von Anfang an ein doppelter Machtort: fürstliche Burg der Přemysliden und Bischofssitz auf engstem Raum. Diese Doppelrolle hat Olmütz bis in die Neuzeit geprägt, sichtbar auch am späteren Erzbischöflichen Palais.
Das Ende einer Dynastie
Wenzel III. war gerade sechzehn Jahre alt und trug die böhmische und die polnische Krone; die ungarische hatte er ein Jahr zuvor abgegeben. Im Sommer 1306 zog er nach Polen, um seine Ansprüche durchzusetzen, und rastete in Olmütz. Dort wurde er erstochen. Die Täterfrage blieb ungeklärt, die Folgen waren eindeutig: die Přemysliden endeten im Mannesstamm, es folgten Jahre des Streits um die Krone, bis mit Johann von Luxemburg ein neues Haus übernahm und später Karl IV. hervorbrachte.
Eine Gedenkinschrift im Domviertel erinnert daran. Für den Besuch ist das der Moment, in dem der stille Platz zwischen Kirchenmauern plötzlich Gewicht bekommt.
Gut zu wissen: Im selben Viertel wohnte 1767 der elfjährige Wolfgang Amadeus Mozart mit seiner Familie, die vor einer Pockenepidemie aus Wien geflohen war. Er erkrankte trotzdem, wurde im Haus des Domdechanten gepflegt und komponierte während der Genesung. Eine Tafel weist darauf hin.
Das Erzdiözesanmuseum
Seit 2006 ist der Palastbereich Teil des Erzdiözesanmuseums, das die Kunstsammlung des Erzbistums zeigt: Tafelbilder, Skulpturen, liturgisches Gerät, Gemälde aus der bischöflichen Galerie und eine vergoldete Prunkkutsche, die deutlicher als jeder Text erklärt, welchen Rang diese Kirchenfürsten beanspruchten. Die moderne Architektur des Umbaus führt dich dabei durch die alten Mauern, ohne sie zu verstellen.
Das Museum gehört zum selben Haus wie das Museum moderner Kunst in der Innenstadt. Wenn du beides sehen willst, frage an der Kasse nach der kombinierten Lösung, das ist die günstigere Variante.
Plane den Rundgang so, dass du die romanischen Bauteile am Anfang oder am Ende siehst und nicht zwischen zwei Sälen mit Tafelbildern. Der Wechsel von Mauerwerk zu Malerei und zurück ermüdet, wenn er zu oft passiert. An der Kasse bekommst du einen Plan, an dem sich das ohne Mühe steuern lässt.
Wann du hier sein solltest
Am frühen Vormittag oder am späten Nachmittag. Dann ist der Platz leer, und du hörst zwischen den Mauern tatsächlich nichts. Der Domhügel liegt abseits der Ringe, es kommt niemand zufällig vorbei. In den Tagesablauf passt er als zweiter Block nach der Runde über Ober- und Unterring, siehe Olmütz Sehenswürdigkeiten. Wie viel Zeit du insgesamt für Olmütz brauchst, hängt vor allem davon ab, ob du dieses Museum mitnimmst.
Wenn es nicht klappt
- Wenn es voll istDer Domhügel ist auch in der Hochsaison ruhig. Volle Räume erlebst du höchstens bei Sonderausstellungen im Erzdiözesanmuseum.
- Wenn es regnetIdeal bei Regen: Palast und Museum liegen unter einem Dach und tragen zwei Stunden. Der Weg dorthin vom Oberring dauert allerdings 10 Minuten im Freien.
- Mit KindernGib eine Suchaufgabe an den romanischen Säulchen vor, danach zieht die vergoldete Kutsche im Museum. Mehr als eine Stunde halten kleinere Kinder hier selten durch.
- Mit eingeschränkter MobilitätDer Weg zum Domhügel steigt leicht an und ist gepflastert. Das Museum ist ein moderner Umbau mit besseren Zugängen als der historische Bestand, frage vorab nach Aufzug und Rampen.
Häufige Fragen
Was ist der Přemyslidenpalast in Olmütz?
Ein romanischer Palastbau aus der Mitte des 12. Jahrhunderts auf dem Domhügel, errichtet unter Bischof Jindřich Zdík. Berühmt sind die Doppelfenster mit verzierten Mittelsäulchen, die zu den bedeutendsten Resten romanischer Profanarchitektur in Tschechien zählen. Heute ist der Bau Teil des Erzdiözesanmuseums.
Wo wurde Wenzel III. ermordet?
In Olmütz, im August 1306, während er auf dem Weg nach Polen Station machte. Der Mord geschah im Bereich des Domviertels, nicht im Kirchenschiff selbst. Er beendete die Herrschaft der Přemysliden im Mannesstamm und löste einen jahrelangen Streit um die böhmische Krone aus.
Muss man für den Přemyslidenpalast Eintritt zahlen?
Ja, der Palast ist Teil des Erzdiözesanmuseums und nur über dessen Kasse zugänglich. Ein gemeinsames Ticket mit dem Museum moderner Kunst ist günstiger, wenn du beide Häuser sehen willst. Der Platz vor dem Dom und die Außenmauern sind dagegen frei zugänglich.
Wie lange braucht man für Palast und Erzdiözesanmuseum?
Rechne mit rund 2 Stunden, wenn du die romanischen Bauteile ansiehst und die Sammlung nicht durchhetzt. Wer nur die Fenster sehen will, ist in 30 Minuten durch, verliert aber den Zusammenhang zwischen Bau und Sammlung. Mit dem Wenzelsdom nebenan werden es 2 bis 3 Stunden.
Ist das Domviertel für Kinder interessant?
In Maßen. Die Prunkkutsche im Museum funktioniert immer, ebenso die Suche nach unterschiedlichen Ornamenten an den romanischen Säulchen. Für längere Aufmerksamkeit ist der Ort zu still. Plane eher eine Stunde ein und danach etwas anderes, etwa den Zoo auf Svatý Kopeček.






