Auf einen Blick
- RegionshauptstadtPardubice
- UNESCOSchloss Litomyšl seit 1999
- UNESCOGestüt Kladruby nad Labem seit 2019
- TraditionVelká pardubická, Hindernisrennen seit 1874
- LandschaftElbeebene Polabí, Adlergebirge im Osten
- Beste ReisezeitMai bis September
Flaches Land, Pferde und eine Musikstadt
Der größte Teil der Region liegt im Polabí, der Ebene entlang der Elbe. Das ist Ackerland mit Alleen, kleinen Flüssen und einem der besten Radwegenetze des Landes. Erst im Osten steigt das Gelände zum Adlergebirge und zum Massiv des Králický Sněžník an, das an Polen grenzt.
Zwei Themen prägen die Region. Das eine sind Pferde: In Kladruby nad Labem wird seit dem 16. Jahrhundert eine eigene Rasse für die kaiserlichen Galawagen gezüchtet, und in Pardubice findet seit 1874 mit der Velká pardubická eines der schwersten Hindernisrennen Europas statt. Das andere ist Musik: In Litomyšl wurde Bedřich Smetana geboren, und das Schloss beherbergt seit Jahrzehnten ein Opernfestival.
Die Orte, die sich lohnen
1 Pardubice
Die Stadt hat einen ungewöhnlich geschlossenen Renaissanceplatz, das Grüne Tor als Wahrzeichen und ein Schloss, das eher eine befestigte Residenz ist. Bekannt ist sie für Lebkuchen und für das Pferderennen im Oktober.
Pardubice ist Bahnknoten an der Hauptstrecke Prag nach Ostrava und deshalb sehr leicht erreichbar. Ein halber bis ganzer Tag reicht für die Stadt.
2 Litomyšl
Das Renaissanceschloss mit Sgraffito auf jeder Fassadenfläche steht seit 1999 auf der UNESCO-Liste. Im Schloss liegt ein historisches Theater mit erhaltener Bühnentechnik, im Wirtschaftsgebäude wurde Smetana geboren.
Der langgestreckte Stadtplatz von Litomyšl ist einer der schönsten Ostböhmens, und die moderne Architektur der letzten Jahrzehnte fügt sich ungewöhnlich gut ein.
Landschaft und weitere Ziele
Das Gestüt Kladruby nad Labem liegt in der Elbeebene und ist seit 2019 UNESCO-Welterbe. Ausgezeichnet wurde nicht nur der Hof, sondern die gesamte Kulturlandschaft aus Weiden, Alleen und Kanälen, die für die Zucht der Kladruber Pferde angelegt wurde. Führungen zeigen Stallungen, Kutschen und die Arbeit mit den Tieren.
Im Osten liegen das Adlergebirge mit langen Kammwegen und die Festungsanlagen aus den 1930er Jahren, die als Verteidigungslinie gegen das Deutsche Reich gebaut und nach dem Münchner Abkommen kampflos aufgegeben wurden. Einige Bunker sind heute Museen. Der Králický Sněžník an der polnischen Grenze ist mit über 1.400 Metern der markanteste Berg der Region.
Wer radeln will, findet entlang der Elbe eine flache Route, die bis nach Hradec Králové und weiter Richtung Mittelböhmen führt. Grundlagen dazu stehen unter Radfahren in Tschechien.
Essen und lokale Spezialität
Der Pardubický perník, der Pardubitzer Lebkuchen, ist seit dem 19. Jahrhundert das kulinarische Aushängeschild der Stadt. Er ist fester und weniger süß als deutsche Varianten und wird oft mit aufwendigen Zuckergüssen verziert. Ein Museum in der Nähe der Stadt zeigt die Herstellung.
Ansonsten ist die Küche klassisch böhmisch: Svíčková mit Rahmsoße und Knödel, Gulasch, Suppen. In den Gasthäusern der Kleinstädte isst du deutlich günstiger als in Prag und meist besser.
Festungen und Militärgeschichte
Entlang der Grenze zu Polen zieht sich eine Linie aus Bunkern und Artilleriewerken, die die Tschechoslowakei in den 1930er Jahren gegen das Deutsche Reich baute und nach dem Münchner Abkommen 1938 kampflos räumen musste. Mehrere Anlagen im Adlergebirge und um Králíky sind heute Museen und können mit Führung besichtigt werden.
Das Festungsmuseum in Králíky zeigt zusätzlich Fahrzeuge und Ausrüstung. Für Besucher ist das ein ungewöhnlich konkreter Zugang zur Geschichte des Jahres 1938, der in tschechischen Museen sonst eher abstrakt bleibt. Die Gänge sind kühl und feucht, eine Jacke gehört auch im Sommer dazu.
Übernachten und Preisniveau
Pardubice hat als Universitäts- und Industriestadt ein solides Angebot, das deutlich unter Prager Preisen liegt. Litomyšl ist kleiner und in der Festivalzeit im Frühsommer schnell ausgebucht, sonst entspannt. In den Orten des Adlergebirges dominieren Pensionen und Berghütten.
Am Wochenende der Velká pardubická im Oktober ist die ganze Stadt belegt. Wer in dieser Zeit anreist, ohne zum Rennen zu wollen, sucht besser in Hradec Králové oder Chrudim eine Unterkunft und fährt mit dem Zug hinein.
Beste Reisezeit
Der August ist in Pardubice der wärmste Monat mit Höchstwerten um 25 Grad und bringt zugleich den meisten Regen. Am trockensten ist der März, im Januar bleibt es tagsüber bei gut 3 Grad. Die Ebene ist mild, das Adlergebirge im Osten deutlich kühler und schneesicherer.
Für Städte und Radtouren sind Mai bis September ideal. Das Opernfestival in Litomyšl findet im Frühsommer statt und füllt die Stadt, das Pferderennen in Pardubice im Oktober. Wer Ruhe sucht, meidet diese beiden Termine, wer Atmosphäre sucht, plant genau danach.
Anreise aus Deutschland
Ab Berlin sind es rund 400 Straßenkilometer nach Pardubice, etwa fünf Stunden, ab München rund 460. Die Autobahn von Prag Richtung Osten führt an der Region vorbei, für sie brauchst du die elektronische Vignette.
Mit der Bahn ist Pardubice hervorragend erreichbar: Die Stadt liegt an der Hauptstrecke Prag nach Ostrava, die auch von internationalen Zügen bedient wird. Von Berlin fährst du über Prag mit einem Umstieg. Litomyšl hat keinen Personenbahnhof an der Hauptstrecke und wird mit dem Bus ab Pardubice oder Česká Třebová erreicht. Mehr dazu unter Tschechien mit dem Zug.
Gut zu wissen: Litomyšl liegt abseits der Bahn. Plane die Anfahrt mit dem Bus oder dem Auto und rechne für die Stadt inklusive Schloss und Theater mindestens einen halben Tag ein. Ein Abstecher von der Autobahn kostet dich rund eine Stunde pro Richtung.
Route oder Basis
Pardubice ist die naheliegende Basis, weil hier alle Verbindungen zusammenlaufen. Drei Tage füllen sich mit einem Tag Stadt und Gestüt, einem Tag Litomyšl und einem Tag Adlergebirge oder Radtour an der Elbe.
Als Etappe auf dem Weg von Prag nach Olmütz oder Ostrava ist die Region ein guter Zwischenhalt. Sie passt außerdem gut mit der Region Königgrätz zusammen, die direkt nördlich anschließt.
Ehrlich eingeordnet
Die Region hat zwei starke Einzelziele und viel unspektakuläres Land dazwischen. Wer nur wenig Zeit in Tschechien hat, wird Litomyšl und Kladruby als Halbtagesstopps einbauen und weiterfahren, und das ist eine vernünftige Entscheidung.
Für einen ersten Tschechien-Besuch ist die Region nicht die richtige Wahl. Sie lohnt sich für Reisende, die das Land bereits kennen, Ruhe suchen oder gezielt zu Pferden, Musik oder Radwegen kommen. Überschätzt wird Pardubice selbst: Der Platz ist schön, das Programm danach aber schnell erschöpft.
Häufige Fragen
Warum steht Kladruby nad Labem auf der UNESCO-Liste?
Weil dort seit dem 16. Jahrhundert die Kladruber Pferde für den kaiserlichen Hof gezüchtet werden und dafür eine ganze Landschaft angelegt wurde: Weiden, Alleen, Kanäle und Wirtschaftsgebäude bilden ein zusammenhängendes System. Ausgezeichnet wurde 2019 diese Kulturlandschaft, nicht nur der Gestütshof.
Wie kommt man nach Litomyšl?
Am einfachsten mit dem Bus ab Pardubice, Svitavy oder Česká Třebová, weil die Stadt keinen Anschluss an die Hauptbahnstrecke hat. Mit dem Auto fährst du von der Autobahn Richtung Osten ab und brauchst etwa eine Stunde ab Pardubice. Plane für Schloss, Theater und Platz mindestens einen halben Tag.
Wann findet die Velká pardubická statt?
Traditionell im Oktober auf der Rennbahn in Pardubice. Das Hindernisrennen wird seit 1874 ausgetragen und gilt als eines der schwersten Europas. An diesem Wochenende ist die Stadt ausgebucht, wer nur die Altstadt sehen will, sollte einen anderen Termin wählen.
Was ist Pardubitzer Lebkuchen?
Ein fester, würziger Lebkuchen, der seit dem 19. Jahrhundert in Pardubice hergestellt und oft mit aufwendigem Zuckerguss verziert wird. Er ist weniger süß als viele deutsche Sorten und wird das ganze Jahr über verkauft, nicht nur zur Weihnachtszeit. Ein Museum in der Nähe zeigt Herstellung und Geschichte.
Lohnt sich das Adlergebirge?
Für Wanderer und Radfahrer ja. Der Kammweg bietet lange, ruhige Etappen mit Blick nach Polen, und die Bunkerlinie aus den 1930er Jahren ist ein ungewöhnliches Ziel. Für Besucher, die spektakuläre Gipfel erwarten, ist es zu flach. Wer echte Berge sucht, fährt ins nahe Riesengebirge.






