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Region Zlín: Städte, Orte & Reisetipps

Die Region Zlín ist der Südosten Tschechiens: eine Stadt, die komplett von einem Schuhfabrikanten geplant wurde, eine Bergregion mit Holzarchitektur und lebendiger Volkskultur, ein UNESCO-Schloss mit Barockgarten und im Süden Weinorte an der slowakischen Grenze.

Deutsche Reisende kommen selten hierher. Wer sich für Architektur des 20. Jahrhunderts oder für Volkskultur interessiert, verpasst mit dieser Region einiges.

Region Zlín: Städte, Orte & Reisetipps
Foto: Michal Klajban, CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • RegionshauptstadtZlín
  • UNESCOSchloss und Gärten in Kroměříž seit 1998
  • IndustriegeschichteTomáš Baťa gründete sein Schuhunternehmen 1894 in Zlín
  • LandschaftMährische Walachei, Weiße Karpaten, Chřiby
  • FreilichtmuseumWallachisches Freilichtmuseum in Rožnov pod Radhoštěm
  • Beste ReisezeitMai bis September

Eine Fabrikstadt, Berge und Volkskultur

Drei Landschaften treffen hier aufeinander. Im Norden liegt die Mährische Walachei um Rožnov und Vsetín, ein Bergland mit Holzhäusern, Schafhaltung und einer Volkskultur, die nie ganz verschwunden ist. Im Zentrum steht Zlín, die Stadt der Firma Baťa. Im Süden beginnt die Mährische Slowakei mit Weinorten, Trachten und Volksfesten, die keine Inszenierung für Besucher sind.

Tomáš Baťa gründete sein Schuhunternehmen 1894 in Zlín und baute daraus einen Weltkonzern. Ab den 1920er Jahren ließ er die ganze Stadt planen: Fabrikhallen im Raster aus rotem Backstein und Beton, Wohnhäuser für die Arbeiter, Schulen, Kaufhaus, Kino, Krankenhaus. Das Ergebnis ist eine der konsequentesten Industriestädte Europas und in dieser Geschlossenheit einzigartig.

Die Region ist damit ein Sonderfall: Ihr wichtigstes Erbe stammt nicht aus dem Mittelalter, sondern aus dem 20. Jahrhundert. Wer barocke Altstädte erwartet, findet sie hier nur in Kroměříž.

Die Orte, die sich lohnen

1 Zlín

Das Zentrum besteht aus Fabrikgebäuden im Baťa-Raster, dem Verwaltungshochhaus mit dem berühmten fahrenden Büro im Aufzug und dem Kulturhaus. Der ehemalige Fabrikkomplex beherbergt heute Museen und eine Galerie.

Zlín ist keine schöne Stadt im klassischen Sinn, aber eine, die man verstehen kann. Ein Tag reicht, wenn du dich auf die Architektur einlässt.

2 Kroměříž

Das erzbischöfliche Schloss mit seinen Gemäldesammlungen und die beiden Gärten, der Blumengarten und der Schlossgarten, stehen seit 1998 auf der UNESCO-Liste. Der Blumengarten ist ein streng geometrischer Barockgarten mit Kolonnade und Rotunde.

Kroměříž ist das kulturelle Gegengewicht zu Zlín und in der Region der Ort mit der größten Wirkung auf Besucher.

3 Rožnov pod Radhoštěm

Das Wallachische Freilichtmuseum wurde 1925 gegründet und ist das größte seiner Art in Tschechien: ein ganzes Städtchen aus versetzten Holzhäusern, dazu ein Wirtschaftsteil mit Mühlen und ein Bergdorf.

Rožnov pod Radhoštěm ist der beste Ort, um zu verstehen, wie in den mährischen Bergen gelebt wurde. Plane mindestens einen halben Tag ein.

4 Uherské Hradiště

Die Stadt liegt im Zentrum der Mährischen Slowakei, umgeben von Weinbergen und Kellergassen. In der Nähe liegt Velehrad mit einer Basilika, die zu den wichtigsten Wallfahrtsorten des Landes gehört und an die Mission von Kyrill und Method erinnert.

Uherské Hradiště ist die Basis für Weinorte wie Blatnice und für die Volksfeste der Region.

5 Vsetín

Die Stadt an der Bečva ist das Zentrum der östlichen Walachei, mit einem Schloss über dem Fluss und guten Zugängen zu den Beskiden. Wanderer nutzen sie als Ausgangspunkt für die Kammwege Richtung Slowakei.

Vsetín ist unspektakulär, aber praktisch, wenn du in die Berge willst und keinen touristischen Ort suchst.

Landschaft und Ausflüge

Die Weißen Karpaten im Südosten sind Biosphärenreservat und bekannt für artenreiche Bergwiesen mit Orchideen. Die Beskiden im Norden bieten mit dem Radhošť und der nahen Lysá hora Kammwege mit weiten Blicken. Dazwischen liegen die Chřiby, ein waldiges Hügelland mit der Burg Buchlov und dem Schloss Buchlovice.

Wer sich für Volkskultur interessiert, sollte den Festkalender prüfen: In der Mährischen Slowakei finden von Frühjahr bis Herbst Feste mit Tracht, Blasmusik und Wein statt, die nicht für Besucher gemacht sind. Mehr dazu unter Feste und Feiertage in Tschechien.

Essen und lokale Spezialität

Die Walachei ist Schafland: Bryndza, ein Schafkäse, und Frgál, ein flacher Hefekuchen mit Mohn, Quark oder Birnenmus, gehören zur Region. In den Bergen bekommst du Kyselica, eine säuerliche Sauerkrautsuppe mit Kartoffeln und Rauchfleisch.

Im Süden dominiert der Wein, dazu Slivovice, der Pflaumenbrand, der in vielen Haushalten selbst gebrannt wird. Für Autofahrer gilt in Tschechien null Promille, ohne Ausnahme.

Beste Reisezeit

In Zlín sind Juli und August mit Höchstwerten um 26 Grad die wärmsten Monate, der August der nasseste mit über 100 Millimetern, der März der trockenste. Im Januar liegt der Tageshöchstwert knapp unter 3 Grad. Die Berge im Norden sind kühler und im Winter schneesicher.

Mai bis September ist die verlässliche Spanne. Der Frühsommer ist am besten für die Bergwiesen der Weißen Karpaten, der Spätsommer und Frühherbst für Wein und Feste. Im Winter fahren die Beskiden ein kleines, aber solides Skiangebot.

Übernachten und Preisniveau

Die Region gehört zu den günstigsten Tschechiens, weil sie kaum internationalen Tourismus hat. Zlín hat Hotels aus der Baťa-Zeit, die teils bis heute in Betrieb sind, Kroměříž ein kleines, aber solides Angebot am Rand der Altstadt.

In der Walachei und in den Beskiden dominieren Pensionen und Berghütten. Zu den Volksfesten in der Mährischen Slowakei im Spätsommer sind die Orte belegt, sonst findest du kurzfristig Zimmer. Wer in Rožnov das Freilichtmuseum besuchen will, sollte im Sommer vorher buchen, weil der Ort klein ist.

Regentage und Ziele mit Dach

Bei schlechtem Wetter tragen das Schloss und die Gemäldegalerie in Kroměříž, die Museen im Baťa-Areal in Zlín und das Schuhmuseum den Tag. Auch der Filmpark und die Sternwarte in Zlín sind wetterunabhängig.

Das Freilichtmuseum in Rožnov ist bei Regen dagegen mühsam, weil der Rundgang draußen stattfindet und die Wege lehmig werden. Wenn die Vorhersage schlecht ist, tausche die Tage und fahre erst nach Kroměříž.

Anreise aus Deutschland

Ab München sind es rund 580 Straßenkilometer nach Zlín, gut sieben Stunden, ab Berlin rund 590. Die Region liegt weit im Osten, deshalb ist die Anfahrt lang. Mit der Bahn fährst du über Prag und Otrokovice oder über Brünn und Přerov, jeweils mit Umstieg.

Innerhalb der Region verbinden Regionalzüge Zlín, Otrokovice, Vsetín und Uherské Hradiště. Kroměříž liegt an einer Stichstrecke, Rožnov erreichst du über Valašské Meziříčí. Für Bergorte und Kellergassen ist ein Auto deutlich praktischer. Grundlagen stehen unter Tschechien mit dem Auto.

Gut zu wissen: Die Region ist die am wenigsten touristisch erschlossene in diesem Überblick. Englisch- oder deutschsprachige Beschilderung ist außerhalb von Kroměříž und dem Freilichtmuseum selten. Ein paar tschechische Wörter und Offline-Karten helfen hier mehr als anderswo.

Route oder Basis

Zlín oder Kroměříž als Basis decken den Kern ab, für die Berge wechselst du nach Rožnov oder Vsetín. Vier Tage: ein Tag Zlín, ein Tag Kroměříž, ein Tag Rožnov und Beskiden, ein Tag Mährische Slowakei mit Velehrad und Kellergassen.

Als Teil einer Route passt die Region zwischen Olmütz und der Slowakei oder als östlicher Abschluss einer Mähren-Rundreise. Mit Mährisch-Schlesien im Norden lässt sie sich gut kombinieren.

Ehrlich eingeordnet

Die Region ist etwas für Reisende mit einem klaren Interesse: Architektur der Moderne, Volkskultur oder Wandern. Wer allgemeines Sightseeing sucht, findet in Südmähren oder Südböhmen mehr.

Für einen ersten Tschechien-Besuch ist sie deutlich zu weit weg und zu speziell. Als dritte oder vierte Reise ins Land ist sie dagegen eine Entdeckung, weil sie kaum deutsche Besucher hat und die Preise entsprechend niedrig sind. Überschätzt wird Zlín als Stadterlebnis: Die Baťa-Architektur ist beeindruckend, aber es bleibt eine Industriestadt mit begrenztem Programm. Wer nur einen Ort ansteuert, nimmt Kroměříž.

Häufige Fragen

Was ist die Baťa-Architektur in Zlín?

Ab den 1920er Jahren ließ der Schuhfabrikant Tomáš Baťa in Zlín eine ganze Stadt nach einheitlichem Prinzip bauen: Fabrikhallen aus Stahlbeton und rotem Backstein im festen Raster, dazu Arbeiterwohnhäuser, Schulen, Kaufhaus und Kino. Das Verwaltungshochhaus enthält ein Büro im Aufzug. Die Anlage gilt als eines der geschlossensten Beispiele funktionalistischer Stadtplanung in Europa.

Lohnt sich das Freilichtmuseum in Rožnov?

Ja, es ist das größte Freilichtmuseum Tschechiens, 1925 gegründet. Es besteht aus drei Teilen: einem Holzstädtchen, einem Wirtschaftsbereich mit Mühlen und einem Bergdorf. Für einen sinnvollen Besuch brauchst du mindestens drei bis vier Stunden. Im Sommer gibt es Vorführungen von Handwerk und Musik.

Warum steht Kroměříž auf der UNESCO-Liste?

Wegen der Kombination aus erzbischöflichem Schloss und den beiden erhaltenen Gärten. Der Blumengarten aus dem 17. Jahrhundert ist ein streng geometrischer Barockgarten mit Kolonnade und Rotunde, der Schlossgarten ein englischer Landschaftspark. Zusammen dokumentieren sie die Entwicklung der europäischen Gartenkunst, deshalb die Aufnahme 1998.

Was ist Frgál?

Ein flacher, runder Hefekuchen aus der Mährischen Walachei, belegt mit Mohn, Quark, Birnenmus oder Pflaumenmus und mit Streuseln bestreut. Er wird in großen Fladen gebacken und in Stücken verkauft. In Rožnov und Umgebung bekommst du ihn in Bäckereien und auf Märkten, die Herkunftsbezeichnung ist geschützt.

Kommt man ohne Auto durch die Region?

Eingeschränkt. Zlín, Otrokovice, Vsetín und Uherské Hradiště haben Bahnanschluss, Kroměříž und Rožnov liegen an Stichstrecken beziehungsweise werden über Umsteigebahnhöfe erreicht. Für die Bergorte in den Beskiden und die Kellergassen im Süden sind die Busverbindungen dünn. Mit Auto bist du hier klar im Vorteil.