Auf einen Blick
- BauernmarktFarmářské trhy, in Prag unter anderem an der Náplavka
- GlastraditionNordböhmen und Moser in Karlovy Vary
- GranatČeský granát, dunkelroter Pyrop aus Böhmen
- ZollInnerhalb der EU keine Zollgrenze, Mengen für den Eigenbedarf
- Kein altes Prager GebäckDer Trdelník ist ein junges Touristenprodukt
Bauernmärkte: die beste Adresse für Essbares
Die tschechischen „farmářské trhy“ sind in den letzten Jahren zu festen Einrichtungen geworden. In Praha ist der bekannteste der Markt an der Náplavka, dem Moldaukai unterhalb der Neustadt, der samstags stattfindet. Es gibt Käse, Räucherfisch, Brot, Obst, Blumen und Stände mit warmem Essen; die Stimmung ist eher Stadtviertel als Sehenswürdigkeit.
In Brünn ist der Zelný trh, der Krautmarkt, ein echter Wochenmarkt mitten in der Altstadt und keine Kulisse. In Olmütz stehen die Stände auf dem Unteren Ring, in kleineren Städten meist samstags auf dem Hauptplatz.
Der Kontrast dazu ist der Havelský trh in der Prager Altstadt. Er hat eine lange Geschichte als Marktgasse, verkauft heute aber überwiegend Souvenirs, Holzspielzeug und Magnete. Als Sehenswürdigkeit interessant, als Einkaufsort nur bedingt.
Gut zu wissen: Auf Bauernmärkten wird oft bar gezahlt, auch wenn viele Stände inzwischen Karten nehmen. Etwas Kleingeld in Kronen macht den Einkauf einfacher. Wechselstuben brauchst du dafür nicht, ein Bankautomat reicht.
Böhmisches Glas: woran du gute Ware erkennst
Glas ist eines der ältesten tschechischen Exportprodukte und immer noch das beste Mitbringsel, wenn du dich nicht mit Ramsch abspeisen lässt. Die Tradition sitzt in Nordböhmen rund um Nový Bor und Kamenický Šenov sowie bei Moser in Karlovy Vary, wo du die Manufaktur mit Führung besichtigen kannst.
Prüfe drei Dinge. Erstens den Klang: Bleikristall klingt beim Anschlagen lange nach, einfaches Pressglas klackt kurz. Zweitens die Kanten des Schliffs; von Hand geschliffene Ware hat scharfe, präzise Grate, gepresste Imitate weiche Rundungen. Drittens die Herkunftsangabe. „Bohemia Crystal“ ist kein geschützter Herkunftsnachweis, sondern eine Bezeichnung, die auch auf importierter Ware steht. Kauf im Zweifel direkt in einer Manufaktur oder in einem Fachgeschäft, nicht im Laden neben der Karlsbrücke. Mehr dazu steht unter Böhmisches Glas.
Böhmischer Granat
Der Český granát ist ein dunkelroter Pyrop, der in Nordböhmen abgebaut wurde und traditionell in vielen kleinen Steinen zu einem Schmuckstück gefasst wird. Genau das ist das Erkennungsmerkmal: viele winzige, gleichmäßig dunkelrote Steine dicht nebeneinander, meist in Gold oder vergoldetem Silber.
Achte auf ein Echtheitszertifikat und kauf bei Juwelieren, nicht an Ständen. Große, einzelne, sehr helle rote Steine sind mit hoher Wahrscheinlichkeit kein böhmischer Granat. Die Schleiftradition wird in Turnov gepflegt, wo auch das Museum des böhmischen Paradieses zur Steinbearbeitung informiert.
Essbares und Flüssiges
Die Karlsbader Oblaten, große runde Waffeln, stammen aus der Kurtradition und werden seit dem 19. Jahrhundert in Karlovy Vary gebacken. Sie halten sich gut und sind das unkomplizierteste Mitbringsel überhaupt.
Becherovka ist der Kräuterlikör aus Karlovy Vary, dessen Rezeptur bis heute nicht veröffentlicht ist. Wer die Geschichte dazu will, besucht das Becherovka-Museum.
Bier lohnt sich vor allem dann, wenn du Sorten mitnimmst, die es zu Hause nicht gibt: kleine Brauereien statt der großen Exportmarken. Was du dabei über Stammwürze wissen solltest, steht unter Bierkultur in Tschechien.
Olmützer Quargel, tschechisch Olomoucké tvarůžky, ist der geschützte Reifekäse aus Loštice bei Olmütz. Er riecht kräftig, und zwar so kräftig, dass er im Handgepäck eine schlechte Idee ist. Doppelt einpacken hilft, siehe Olmützer Quargel.
Dazu kommen Slivovice, der Pflaumenbrand aus Mähren, und mährischer Wein aus den Weinorten rund um Mikulov und Znojmo. Weiße Sorten wie Veltlínské zelené prägen die Region, siehe Weinreise durch Mähren.
Tipp: Kauf Lebensmittel im normalen Supermarkt statt im Souvenirladen. Oblaten, Bier, Wein und Kräuterlikör stehen dort im Regal, zu einem Bruchteil des Altstadtpreises und in derselben Qualität.
Der Trdelník und andere Missverständnisse
Der Trdelník, das über Kohle gedrehte Hefegebäck mit Zucker und Zimt, gilt vielen als Prager Spezialität. Er ist keine. Das Gebäck hat mitteleuropäische und siebenbürgische Wurzeln und tauchte in Praha erst in den 2000er Jahren als Straßenprodukt für Touristen auf. Die Variante mit Eiscreme darin ist noch jünger. Er schmeckt, wenn er frisch ist, aber er erzählt nichts über die Stadt.
Zwei weitere Klassiker gehören in dieselbe Kategorie. Matrjoschkas sind russisch und haben in Tschechien keine Tradition. Und die Läden, die „Absinth“ als tschechische Erfindung inszenieren, verkaufen ein Marketingprodukt der 1990er Jahre, kein Kulturgut.
Achtung: Vorsicht bei Marionetten. Handgeschnitzte Figuren aus Holz sind ein echtes Handwerk mit langer Tradition, kosten aber entsprechend. Was in den Touristengassen hängt, ist meist bemaltes Gips oder importierte Massenware. Der Unterschied ist am Gewicht und an der Beweglichkeit der Gelenke zu erkennen.
Advent: Märkte mit anderem Angebot
In der Adventszeit ändert sich das Bild. Auf den Weihnachtsmärkten in Praha, Brünn, Olmütz und Český Krumlov stehen Stände mit Keramik, Kerzen, Holzarbeiten und Lebkuchen neben den Glühweinbuden. Der tschechische Glühwein heißt „svařák“, dazu kommt „medovina“, ein Honigwein. Beides wird heiß ausgeschenkt.
Gekauft wird hier eher Kleines: Keramikbecher, geschnitzte Krippenfiguren, Lebkuchen mit Zuckerguss. Für Glas und Granat sind die Märkte nicht die richtige Adresse, dafür gehst du in ein Fachgeschäft.
Was du zur Ausfuhr wissen musst
Zwischen Tschechien und Deutschland gibt es keine Zollgrenze, beide Länder sind in der EU. Waren für den privaten Gebrauch darfst du ohne Anmeldung mitnehmen. Für Alkohol und Tabak gelten Richtmengen, die als Anhaltspunkt dienen, ab wann der Zoll von gewerblicher Nutzung ausgeht; wer eine Kiste Wein für sich selbst mitnimmt, bewegt sich klar darunter.
Anders sieht es bei Antiquitäten und Kulturgütern aus. Für alte Ikonen, Kirchenschnitzereien oder historische Bücher kann eine Ausfuhrgenehmigung nötig sein. Seriöse Händler wissen das und stellen die Papiere aus. Wer so etwas auf einem Flohmarkt kauft, lässt es besser stehen.
Häufige Fragen
Ist der Trdelník wirklich eine tschechische Spezialität?
Nein. Das gedrehte Hefegebäck hat mitteleuropäische und siebenbürgische Wurzeln und wurde in Praha erst in den 2000er Jahren als Straßenverkauf für Touristen populär. Die Version mit Eis darin ist noch jünger. Er schmeckt frisch durchaus gut, ist aber kein historisches Prager Gebäck, auch wenn die Schilder das behaupten.
Woran erkennt man echtes böhmisches Bleikristall?
Am Klang und am Schliff. Bleikristall klingt beim Anschlagen lange nach, Pressglas klackt kurz. Handgeschliffene Kanten sind scharf und präzise, gepresste Imitate wirken weich und rund. Die Aufschrift „Bohemia Crystal“ allein ist kein Herkunftsnachweis. Kauf im Fachgeschäft oder direkt in einer Manufaktur, nicht im Souvenirladen.
Was ist böhmischer Granat?
Ein dunkelroter Pyrop, der in Nordböhmen abgebaut wurde. Typisch ist die Fassung aus vielen winzigen, gleichmäßig dunklen Steinen dicht nebeneinander. Große, helle, einzeln gefasste rote Steine sind meist kein böhmischer Granat. Kauf beim Juwelier, lass dir ein Echtheitszertifikat geben und misstraue Straßenständen.
Wo ist der beste Markt in Prag?
Für Lebensmittel und Atmosphäre der Bauernmarkt an der Náplavka am Moldaukai, der samstags stattfindet. Für Souvenirs ist der Havelský trh in der Altstadt historisch interessant, das Angebot besteht aber überwiegend aus Massenware. Für Glas und Schmuck gehst du besser in ein Fachgeschäft als auf einen Markt.
Darf man Alkohol aus Tschechien nach Deutschland mitnehmen?
Ja, innerhalb der EU gibt es keine Zollgrenze. Für den privaten Gebrauch darfst du Wein, Bier und Spirituosen ohne Anmeldung mitführen. Es gibt Richtmengen, ab denen der Zoll gewerbliche Nutzung vermutet; eine übliche Urlaubsmenge liegt deutlich darunter. Bei Antiquitäten und Kulturgütern kann dagegen eine Ausfuhrgenehmigung nötig sein.




