Südmähren · Brünn

Kathedrale St. Peter und Paul in Brünn

Die Kathedrale St. Peter und Paul steht auf dem Petrov, einem Felsrücken südwestlich des Krautmarkts, und gibt Brünn seine Silhouette. Von unten wirken die schlanken Türme mittelalterlich, sie kamen aber erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts dazu.

Bekannter als das Bauwerk ist eine Eigenheit: In Brünn schlägt die Kathedralenglocke die Mittagsstunde bereits um elf Uhr. Dahinter steht eine Geschichte aus dem Dreißigjährigen Krieg, die hier jeder erzählen kann.

Kathedrale St. Peter und Paul in Brünn
Foto: Nxr-at, CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • Tschechischer NameKatedrála svatého Petra a Pavla
  • LageAuf dem Petrov, wenige Minuten über dem Zelný trh
  • TürmeNeugotisches Turmpaar, nach dem Wettbewerb von 1901 bis 1909 vollendet
  • BesonderheitDas Mittagsläuten erklingt um elf Uhr
  • Dauer des Besuchs30 bis 45 Minuten, mit Turmaufstieg länger

Ein Bau in mehreren Schichten

Auf dem Petrov stand schon im Mittelalter eine Kirche, und der Fels darunter war vermutlich der älteste befestigte Punkt der Stadt. Was du heute siehst, ist das Ergebnis vieler Umbauten: ein gotischer Kern, eine barocke Überformung nach den Kriegen des 17. Jahrhunderts und schließlich die neugotische Fassung, die dem Bau zwischen 1901 und 1909 die beiden 84 Meter hohen Türme gab. Der Architekt August Kirstein setzte damit ein Zeichen, das die Stadtsilhouette bis heute bestimmt.

Innen ist die Kathedrale ruhiger, als man nach der Fassade erwartet: hohe Pfeiler, gedämpftes Licht, wenig Prunk. Die Krypta unter dem Chor zeigt Fundamente und Grabstätten früherer Bauphasen und ist der Teil, an dem die Schichten wirklich sichtbar werden. Wer die Bauabfolge nachvollziehen will, geht zuerst hinunter und dann wieder hinauf.

Warum es um elf Uhr zwölf schlägt

Im Sommer 1645 belagerte ein schwedisches Heer Brünn. Die Stadt hielt, während anderswo in Mähren die Festungen fielen. Der Erzählung nach soll der schwedische Befehlshaber angekündigt haben, die Belagerung abzubrechen, falls die Stadt bis mittags nicht genommen sei. Der Türmer auf dem Petrov ließ daraufhin die Glocke schon um elf Uhr zwölfmal schlagen, das Heer zog ab, und Brünn behielt seine Mauern.

Historisch belegt ist der erfolgreiche Widerstand von 1645, die Glockengeschichte selbst ist Legende und in dieser Form später ausgeschmückt worden. Geläutet wird trotzdem, jeden Tag, und das ist einer der wenigen Momente, in denen eine Stadt eine alte Geschichte nicht als Show, sondern als Gewohnheit weiterträgt. Wenn du um kurz vor elf auf der Terrasse stehst, hörst du es aus nächster Nähe.

Gut zu wissen: Die Belagerung von 1645 erklärt auch, warum die Festung auf dem gegenüberliegenden Hügel danach massiv ausgebaut wurde. Beide Orte gehören zusammen; wie das weiterging, steht auf der Seite zur Festung Špilberk.

Turm, Terrasse und der beste Blick

Der Aufstieg auf einen der Türme führt über enge Wendeltreppen und lohnt sich für den Rundblick über Altstadt, Burgberg und das Becken im Süden. Wer die Treppen scheut, bekommt von der Terrasse vor der Kathedrale fast denselben Blick über die Dächer, ohne eine Stufe zu viel. Diese Terrasse ist der beste Ort in Brünn, um sich zu Beginn zu orientieren.

Der angenehmste Zeitpunkt ist der Vormittag: Dann liegt die Altstadt im Licht, und du kannst anschließend bergab in die Altstadt gehen, statt am Nachmittag noch einmal hinaufsteigen zu müssen. Vom Hauptbahnhof aus ist der Petrov in gut zehn Minuten zu Fuß erreichbar, allerdings mit Steigung; die Wege dorthin stehen unter Verkehr in Brünn.

Tickets: Der Kirchenraum ist außerhalb der Gottesdienste in der Regel frei zugänglich, für Turmaufstieg und Krypta wird ein Eintritt erhoben. Eine Reservierung brauchst du nicht. Prüfe die Zeiten der Gottesdienste auf der offiziellen Website der Pfarrei, denn dann ist Besichtigung nicht möglich oder nur eingeschränkt.

Verhalten im Gottesdienstraum

Die Kathedrale ist Bischofskirche und in Gebrauch. Das heißt: leise sprechen, Kopfbedeckung abnehmen, nicht durch den Chor laufen, wenn dort etwas stattfindet, und keine Aufnahmen während einer Messe. Wer nur kurz Zeit hat, geht in den hinteren Teil des Schiffs, schaut nach oben und wieder hinaus. Auch das ist ein vollständiger Besuch.

Was in der Nähe liegt

Vom Petrov sind es wenige Minuten hinunter zum Krautmarkt mit dem Parnas-Brunnen und dem Eingang in die Kellerwelt unter dem Platz. Ebenfalls in Laufnähe liegt die Kapuzinergruft, die als Bestattungsort einen sehr anderen, aber verwandten Blick auf die Stadtgeschichte gibt. Wer beides an einem Vormittag verbindet, sollte zwischendrin eine Pause auf dem Markt einlegen.

Wenn es nicht klappt

  • Wenn es voll istGroß ist der Andrang selten, nur kurz vor elf Uhr wird es auf der Terrasse eng. Komm dann etwas früher oder stelle dich an den westlichen Rand.
  • Wenn es regnetKirchenraum und Krypta sind trocken, die Terrasse nicht. Bei starkem Wind bleibt der Turmaufstieg unangenehm, dafür ist der Innenraum bei schlechtem Wetter ohnehin schöner.
  • Mit KindernKurz halten und auf die Glocke um elf Uhr hinarbeiten, das ist der Teil, der hängen bleibt. Der Turmaufstieg ist für Kinder ab Schulalter machbar.
  • Mit eingeschränkter MobilitätDer Anstieg auf den Petrov ist die eigentliche Hürde, dazu Kopfsteinpflaster. Der Turm ist nur über Treppen erreichbar; Kirchenraum und Terrasse sind leichter zugänglich.

Häufige Fragen

Warum läutet es in Brünn um elf Uhr Mittag?

Die Legende führt es auf die schwedische Belagerung von 1645 zurück: Der Gegner habe angekündigt, bei Mittag abzuziehen, falls die Stadt nicht gefallen sei, worauf der Türmer die Glocke eine Stunde zu früh zwölfmal schlagen ließ. Der erfolgreiche Widerstand ist belegt, die Glockengeschichte ist eine spätere Erzählung. Geläutet wird bis heute täglich.

Kann man den Turm der Kathedrale besteigen?

Ja, der Aufstieg ist gegen Eintritt möglich und führt über enge Wendeltreppen. Oben hast du den Rundblick über Altstadt, Špilberk und das Umland. Wer Treppen oder Enge meidet, nimmt die Terrasse vor der Kathedrale: Der Blick über die Dächer ist von dort fast derselbe und kostet nichts.

Was kostet der Eintritt in die Kathedrale?

Der Kirchenraum ist außerhalb der Gottesdienste normalerweise frei zugänglich, für Turm und Krypta wird ein Eintritt erhoben. Konkrete Beträge ändern sich und stehen deshalb hier nicht; prüfe sie auf der offiziellen Website. Bezahlt wird in tschechischen Kronen, kleine Beträge nimmt man vor Ort oft lieber bar.

Wie kommt man vom Hauptbahnhof zur Kathedrale?

Zu Fuß in gut zehn Minuten. Vom Bahnhofsvorplatz gehst du in Richtung Altstadt und dann links den Anstieg auf den Petrov hinauf; die Türme sind fast von überall sichtbar und dienen als Orientierung. Der letzte Abschnitt ist steil und teilweise Kopfsteinpflaster, mit Rollkoffer also mühsam.

Wann ist der beste Zeitpunkt für den Besuch?

Der Vormittag, weil die Altstadt dann im Licht liegt und du anschließend bergab weitergehen kannst. Wer das Läuten hören möchte, sollte gegen Viertel vor elf oben sein. Während der Gottesdienstzeiten ist eine Besichtigung nicht oder nur eingeschränkt möglich, das gilt besonders an Sonn- und Feiertagen.