Südmähren · Brünn

Unterirdisches Brünn: Keller, Labyrinth & Beinhaus

Unter der Brünner Altstadt liegt eine zweite Stadt: Vorratskeller aus dem Mittelalter, Gänge zwischen den Häusern, ein Beinhaus mit den Gebeinen mehrerer Zehntausend Menschen und ein Atombunker aus dem Kalten Krieg. Vieles davon wurde erst in den letzten zwanzig Jahren gesichert und zugänglich gemacht.

Es gibt nicht die eine Unterwelt, sondern vier bis fünf getrennte Anlagen mit eigenen Eingängen und eigenen Tickets. Diese Seite sortiert, was sich für wen lohnt, damit du nicht zweimal dasselbe siehst.

Unterirdisches Brünn: Keller, Labyrinth & Beinhaus
Foto: Kirk, CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • LabyrinthKellerebenen unter dem Zelný trh, mehrere Meter unter dem Pflaster
  • BeinhausUnter der Jakobskirche, 2001 wiederentdeckt
  • Weitere AnlagenMünzmeisterkeller und der Bunker 10-Z unter dem Špilberk
  • ZugangNur mit Führung, feste Zeitfenster und kleine Gruppen
  • KleidungAuch im Hochsommer eine Jacke, unten bleibt es kühl
  • Dauer45 bis 60 Minuten pro Anlage

Warum Brünn so viele Keller hat

Der Untergrund der Altstadt ist Fels und Löss, also gut grabbar und stabil. Bürgerhäuser legten ihre Vorratsräume deshalb nach unten, oft über mehrere Ebenen, und im Lauf der Jahrhunderte wuchsen daraus Gänge, Brunnen, Eiskeller und Verstecke. In Kriegszeiten dienten sie als Zuflucht, danach wurden viele verfüllt oder vergessen.

Erst seit den 2000er Jahren hat die Stadt begonnen, Teile davon zu sichern und für Besucher zu öffnen. Das erklärt, warum die Anlagen so unterschiedlich präsentiert werden: Die einen sind sachlich hergerichtet, die anderen mit szenischen Einbauten möbliert.

Das Labyrinth unter dem Krautmarkt

Die bekannteste Anlage liegt unter dem Marktplatz und ist auch die zugänglichste. Der Rundgang führt durch Vorratskeller, zeigt ein Alchemistenkabinett, einen Weinkeller und Räume, in denen die Lagerung von Lebensmitteln erklärt wird. Die Gänge sind eng, teils niedrig, der Boden ist uneben.

Der Eingang liegt direkt auf dem Zelný trh, was den Besuch leicht in einen Altstadtvormittag einbaut. Anmeldung mit Zeitfenster ist üblich, die Gruppengröße begrenzt. Rechne mit 45 bis 60 Minuten.

Das Beinhaus bei St. Jakob

Unter der Jakobskirche liegt eines der größten Beinhäuser Europas. Es entstand nicht aus Todeskult, sondern aus Platzmangel: Der Friedhof rund um die Kirche war über Jahrhunderte zu klein, deshalb wurden ältere Bestattungen geräumt und die Gebeine in Kammern umgelagert. Schätzungen sprechen von mehr als fünfzigtausend Menschen.

2001 wurde die Anlage bei Bauarbeiten wiederentdeckt, gesichert und später geöffnet. Die Gestaltung mit Licht und Musik ist zurückhaltend, aber sie ist eine Gestaltung, und das sollte man wissen. Es bleibt ein Bestattungsort: leise sein, nichts anfassen, keine Aufnahmen von sich selbst davor. Wer mit diesem Thema nicht umgehen kann, lässt das Beinhaus aus und die Kapuzinergruft ebenfalls.

Achtung: Beinhaus und Gruft sind Orte, an denen Menschen bestattet sind. Sie sind keine Gruselattraktionen, auch wenn manche Reiseführer sie so verkaufen. Kinder unter etwa zehn Jahren sind dort meist überfordert.

Münzmeisterkeller und Bunker 10-Z

Der Münzmeisterkeller in der Nähe des Krautmarkts erzählt vom Geld: Hier lag im Mittelalter der Sitz eines Münzmeisters, und die Führung nimmt Münzprägung und Handel als roten Faden. Er ist kleiner als das Labyrinth und eine gute Ergänzung, wenn das große Kellerprogramm ausgebucht ist.

Ganz anders der Bunker unter dem Špilberk, bekannt als 10-Z: ein Schutzbau, der im Zweiten Weltkrieg begonnen und später im Kalten Krieg weitergenutzt wurde. Roher Beton, Lüftungstechnik, lange Gänge, kaum Inszenierung. Wer sich für das 20. Jahrhundert interessiert, findet hier den stärksten Kontrast zu den mittelalterlichen Kellern und zur Festungsgeschichte auf dem Špilberk darüber.

Tickets: Jede Anlage hat ihr eigenes Ticket, ein gemeinsames Kombiticket für alles gibt es nicht zuverlässig. Buche online ein Zeitfenster, besonders im Sommer, an Wochenenden und bei Regen, denn die Gruppen sind klein und schnell voll. Ein bis zwei Tage Vorlauf genügen meist. Die Villa Tugendhat braucht deutlich mehr, das steht auf der Seite zur Villa Tugendhat.

Was du anziehen und mitnehmen solltest

Unten ist es kühl, auch wenn oben dreißig Grad herrschen, und die Böden sind feucht und uneben. Feste Schuhe mit Profil und eine leichte Jacke lösen das Problem. Große Rucksäcke sind in engen Gängen lästig und werden teils nicht zugelassen. Fotografieren ist meist erlaubt, aber ohne Blitz und ohne Stativ; im Beinhaus gelten strengere Regeln.

Warum das alles erst jetzt zugänglich ist

Viele Keller waren über Jahrzehnte verfüllt, zugemauert oder schlicht vergessen. Erst als die Stadt in den 1990er und 2000er Jahren Leitungen erneuerte und Plätze umbaute, kamen Gänge und Kammern wieder ans Licht. Danach folgte der aufwendige Teil: statische Sicherung, Belüftung, Fluchtwege und Beleuchtung, bevor überhaupt jemand hineindurfte.

Das erklärt auch, warum die Anlagen nicht miteinander verbunden sind, obwohl sie unter derselben Altstadt liegen. Du besuchst jeweils ein gesichertes Teilstück, nicht ein durchgehendes Netz, und genau deshalb braucht jede Anlage ein eigenes Ticket.

Welche Anlage für wen

Wenn du nur eine besuchst: das Labyrinth unter dem Krautmarkt, weil es Alltagsgeschichte zeigt und am besten in den Tag passt. Für zwei nimmst du das Beinhaus dazu, wenn du mit dem Thema umgehen kannst, sonst den Münzmeisterkeller. Der Bunker lohnt für alle, die sich für Kriegs- und Nachkriegsgeschichte interessieren, und passt gut vor oder nach dem Aufstieg zur Festung. Wie du die Unterwelt in einen Zwei-Tage-Plan einbaust, steht unter Brünn Sehenswürdigkeiten.

Wenn es nicht klappt

  • Wenn es voll istBei Regen sind die Zeitfenster als Erstes weg. Buche vorher online oder weiche auf den Münzmeisterkeller aus, der seltener ausgebucht ist.
  • Wenn es regnetIdeal, denn die Führungen finden ohnehin unter der Erde statt. Nur der Weg zum Eingang wird nass.
  • Mit KindernLabyrinth und Bunker funktionieren gut, Beinhaus und Gruft nicht für kleinere Kinder. Rechne mit Dunkelheit und Enge.
  • Mit eingeschränkter MobilitätFast alle Anlagen sind nur über Treppen erreichbar, die Böden sind uneben und teils feucht. Für Rollstuhl und Rollator sind sie in der Regel nicht geeignet.

Häufige Fragen

Welche unterirdischen Anlagen kann man in Brünn besichtigen?

Das Labyrinth unter dem Krautmarkt, das Beinhaus unter der Jakobskirche, den Münzmeisterkeller und den Bunker 10-Z unter dem Špilberk. Jede Anlage hat einen eigenen Eingang und ein eigenes Ticket, ein verlässliches Kombiticket für alle gibt es nicht. Für einen normalen Aufenthalt reichen ein bis zwei davon.

Muss man die Kellerführungen vorher buchen?

Empfehlenswert ja. Die Gruppen sind klein, die Zeitfenster fest, und bei Regen füllen sich die Termine schnell. Ein bis zwei Tage Vorlauf reichen in der Regel, an Sommerwochenenden lieber mehr. Restplätze an der Kasse gibt es, darauf verlassen sollte man sich außerhalb der Nebensaison nicht.

Wie kalt ist es im unterirdischen Brünn?

Deutlich kühler als oben, im Sommer ist der Unterschied am größten. Die Keller halten über das Jahr eine niedrige, ziemlich gleichbleibende Temperatur, deshalb wurden sie ursprünglich als Vorratsräume gebaut. Eine leichte Jacke reicht, dazu Schuhe mit Profil, weil die Böden feucht und uneben sind.

Ist das Beinhaus etwas für Kinder?

Für Kinder unter etwa zehn Jahren eher nicht. Es ist ein Bestattungsort mit den Gebeinen mehrerer Zehntausend Menschen, die Räume sind dunkel und beengt. Ältere Kinder, die schon einmal über Friedhöfe gesprochen haben, kommen meist gut damit zurecht, wenn du vorher erklärst, warum der Ort existiert.

Sind die Gänge bei Platzangst machbar?

Eher nicht. Die Gänge sind eng, niedrig und an einigen Stellen ohne kurzen Ausgang, und du bist an das Tempo der Gruppe gebunden. Wer unsicher ist, wählt lieber die weiteren Räume des Münzmeisterkellers oder verzichtet ganz und nimmt stattdessen die Ausstellung auf dem Špilberk mit.

Kann man unterirdisches Brünn und Špilberk am selben Tag machen?

Ja, aber nicht direkt hintereinander. Zwei Kellerprogramme am selben Vormittag ermüden. Sinnvoll ist: vormittags eine Führung in der Altstadt, mittags Pause im Freien, nachmittags Aufstieg zur Festung mit Bastionen und Museum. Wer den Bunker 10-Z besuchen will, hängt ihn an den Festungsbesuch an.