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Mühlbrunnkolonnade in Karlsbad: 124 Säulen, fünf Quellen

Die Mühlbrunnkolonnade ist der Bau, der auf jedem Karlsbad-Foto steht: eine 132 Meter lange Säulenhalle mit 124 korinthischen Säulen, gebaut von 1871 bis 1881 nach Plänen von Josef Zítek. Unter ihrem Dach liegen fünf Quellen mit unterschiedlichen Temperaturen, oben auf der Balustrade stehen zwölf Figuren für die zwölf Monate.

Sie ist zugleich der Ort, an dem die meisten Besucher zum ersten Mal aus der Schnabeltasse trinken. Wer sich hier zwanzig Minuten Zeit nimmt statt fünf, versteht die ganze Stadt besser.

Mühlbrunnkolonnade in Karlsbad: 124 Säulen, fünf Quellen
Foto: Wolfgang Sauber, CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • Tschechischer NameMlýnská kolonáda
  • Baujahr1871 bis 1881
  • ArchitektJosef Zítek, der auch das Nationaltheater in Prag entwarf
  • Größerund 132 Meter lang, getragen von 124 korinthischen Säulen
  • Quellenfünf gefasste Quellen unter einem Dach
  • Dauer20 bis 30 Minuten, innen und außen zusammen

Was Zítek hier gebaut hat

Josef Zítek war der Architekt des Prager Nationaltheaters, und man sieht es. Die Halle nimmt die Formensprache der Neorenaissance und macht daraus keine Kirche und keinen Tempel, sondern eine öffentliche Infrastruktur: einen langen, gedeckten Gang zum Gehen. Die Säulenreihe gibt den Takt vor, in dem Kurgäste flanierten, standen, grüßten und weitergingen. Damit ist sie das Herzstück der Karlsbader Kurpromenade.

Auffällig ist die leichte Krümmung. Die Kolonnade folgt der gebogenen Talstraße und wirkt dadurch länger, als ihre 132 Meter vermuten lassen. Wer am nördlichen Ende steht, sieht das Ende nicht auf einen Blick, und genau dieser Effekt war beabsichtigt.

Die fünf Quellen unter dem Dach

Fünf Quellen sind hier gefasst, darunter der Mühlbrunn selbst, nach dem die Halle heißt. Sie unterscheiden sich in Temperatur und Zusammensetzung, und an jedem Auslauf steht ein Schild mit Name und Gradzahl. Genau darin liegt der Reiz: Du kannst zwei Quellen im Abstand von zwanzig Schritten vergleichen und schmeckst tatsächlich einen Unterschied.

Das Wasser ist warm, salzig und leicht metallisch. Kalt und heiß aus derselben Ader schmecken verschieden, weil beim Abkühlen Kohlensäure entweicht. Für die Kur trinkt man in kleinen Schlucken und geht dabei, deshalb die lange Halle. Wie das an den anderen Hallen aussieht, steht unter Kolonnaden.

Achtung: Trink nicht alle fünf Quellen der Reihe nach durch, nur weil sie da sind. Das Wasser ist stark mineralisiert und für eine ärztlich begleitete Kur gedacht, nicht als Erfrischung. Zwei kleine Tassen zum Vergleichen reichen völlig.

Die Monatsfiguren und die Musikempore

Über der Balustrade stehen zwölf allegorische Figuren, eine für jeden Monat. Von innen zwischen den Säulen siehst du sie nicht. Deshalb lohnt der Wechsel auf die andere Flussseite: Erst von dort erkennst du die Dachlinie, die Figuren und die Art, wie sich der Bau an den Hang legt.

Auf der Empore spielten Kurorchester. Das erklärt, warum die Halle so breit ist: Sie war nicht nur Weg, sondern auch Saal. Kurgeschichte war immer auch Gesellschaftsgeschichte, und die Kolonnade war die Bühne dafür.

Was viele übersehen

Drei Details lohnen den zweiten Blick. Erstens die Rückwand: Sie ist in den Hang gebaut, und an manchen Stellen sieht man, wie nah der Fels an die Halle heranreicht. Zweitens die Schilder an den Ausläufen, auf denen neben dem Namen auch die Temperatur steht; sie sind der Grund, warum ein Quellenvergleich hier überhaupt möglich ist. Drittens die Bänke, die nicht als Möbel, sondern als Teil der Choreografie gedacht waren.

Und dann ist da noch die Dachterrasse. Sie ist über Treppen erreichbar, wird von vielen Besuchern übersehen und gibt einen ungewohnten Blick über das Kurtal frei. Von oben erkennst du, wie schmal der Streifen zwischen Fluss und Hang tatsächlich ist und warum diese Stadt sich nie in die Breite entwickeln konnte.

So gehst du am besten hindurch

Betritt sie am unteren Ende, geh innen an den Quellen entlang bis zum oberen Ausgang, wechsel dann über die nächste Brücke die Seite und geh außen zurück. Zwei Durchgänge, zwei völlig verschiedene Eindrücke, zusammen keine halbe Stunde. Danach führt der Weg weiter zur hölzernen Marktkolonnade und zum Sprudel.

Der beste Zeitpunkt

Früh am Morgen gehört die Halle den Kurgästen, die ihre Runden drehen. Das ist der ehrlichste Moment, weil man sieht, wozu der Bau gemacht wurde. Zwischen elf und drei Uhr füllen sich die Ausläufe mit Tagesbesuchern. Am späten Nachmittag fällt das Licht flach durch die Säulen, und im Winter ist die Halle beinahe leer. Die Übersicht über den ganzen Tag steht unter Sehenswürdigkeiten.

Wenn es nicht klappt

  • Wenn es voll istVor neun und nach sechs ist die Halle ruhig, mittags stehen Gruppen an den Ausläufen
  • Wenn es regnetDie Halle ist gedeckt und damit einer der besten Regenorte der Stadt
  • Mit KindernDie Monatsfiguren auf dem Dach suchen und zuordnen macht mehr Spaß als das Wasser
  • Mit eingeschränkter MobilitätEbenerdig, breit und stufenlos begehbar, nur die Dachterrasse hat Treppen

Häufige Fragen

Wie lang ist die Mühlbrunnkolonnade in Karlsbad?

Rund 132 Meter, getragen von 124 korinthischen Säulen. Damit ist sie die größte der fünf Karlsbader Kolonnaden. Weil sie der gebogenen Talstraße folgt, wirkt sie noch länger: Vom einen Ende siehst du das andere nicht vollständig. Gebaut wurde sie von 1871 bis 1881 nach Plänen von Josef Zítek.

Welche Quellen gibt es in der Mühlbrunnkolonnade?

Fünf gefasste Quellen liegen unter dem Dach, darunter der namengebende Mühlbrunn. Sie unterscheiden sich in Temperatur und Mineralgehalt, und an jedem Auslauf steht ein Schild mit Namen und Gradzahl. Für Besucher ist das die beste Gelegenheit, zwei Quellen direkt nacheinander zu probieren und den Unterschied tatsächlich zu schmecken.

Kostet die Mühlbrunnkolonnade Eintritt?

Nein, die Halle ist frei zugänglich und Teil des öffentlichen Stadtraums. Du zahlst nur für die Schnabeltasse, falls du keine dabeihast. Sie ist außerdem gedeckt und damit einer der wenigen Orte in Karlsbad, an denen ein Regenschauer den Spaziergang nicht beendet.

Was bedeuten die Figuren auf dem Dach?

Es sind zwölf allegorische Darstellungen der Monate, aufgestellt über der Balustrade. Von innen zwischen den Säulen sieht man sie nicht. Wechsel dafür auf die andere Seite der Teplá und schau von dort zurück. Dieser Perspektivwechsel kostet zwei Minuten und ist der Grund, warum sich der zweite Durchgang lohnt.

Wie viel Zeit sollte man einplanen?

20 bis 30 Minuten, wenn du innen an den Quellen entlanggehst und außen am Fluss zurück. Wer nur ein Foto machen will, ist in fünf Minuten fertig, verpasst dann aber Dachfiguren, Musikempore und den Temperaturunterschied zwischen den Ausläufen. Als Teil der Talroute liegt die Halle ohnehin auf dem Weg.