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Orthodoxe Kirche St. Peter und Paul in Karlsbad

Über dem Kurtal, im Villenviertel Westend, steht eine russisch-orthodoxe Kirche mit fünf vergoldeten Kuppeln. Sie wurde von 1893 bis 1898 nach Plänen von Gustav Wiedermann gebaut und ist den Aposteln Petrus und Paulus geweiht.

Der Bau erklärt ein Stück Karlsbader Sozialgeschichte: Russische Kurgäste gehörten im 19. Jahrhundert zu den wichtigsten Besuchergruppen der Stadt und finanzierten sich hier ein eigenes Gotteshaus. Es ist bis heute eine benutzte Gemeindekirche, kein Museum.

Orthodoxe Kirche St. Peter und Paul in Karlsbad
Foto: Wolfgang Sauber, CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • Baujahr1893 bis 1898
  • ArchitektGustav Wiedermann
  • Stilrussisch-byzantinisch, mit fünf vergoldeten Kuppeln
  • Lageim Villenviertel Westend, oberhalb der Talpromenade
  • Dauer20 bis 30 Minuten, mit dem Weg durch das Westend eine Stunde

Warum in Karlsbad eine russische Kirche steht

Im 19. Jahrhundert war Karlsbad ein internationaler Treffpunkt. Aus dem Russischen Reich kamen Adel, Kaufleute und Beamte in großer Zahl zur Kur, oft für mehrere Wochen. Wer so lange bleibt, braucht mehr als ein Hotelzimmer: einen Ort für Gottesdienste, Feste und Trauerfeiern. Die Gemeinde sammelte dafür Geld, und Ende des Jahrhunderts entstand dieser Bau.

Die Kirche ist damit ein Beleg dafür, wie ernst das Kurwesen genommen wurde. Ein Kurort war keine Ferienadresse, sondern für viele Familien ein zweiter, saisonaler Wohnsitz. Denselben Zusammenhang erzählen die Villen ringsum und die Grandhotels unten im Tal.

Was du außen siehst

Der Bau folgt russisch-byzantinischen Vorbildern: ein zentraler Baukörper, darüber eine Hauptkuppel und vier kleinere, alle vergoldet, dazu ein reich gegliederter Backsteinbau mit farbigen Details. Zwischen den bürgerlichen Villen des Westends wirkt das ausgesprochen fremd, und genau dieser Kontrast macht den Besuch aus.

Nimm dir die Zeit, einmal um das Gebäude herumzugehen. Von der Talseite wirken die Kuppeln über den Baumwipfeln, von nahem siehst du erst die Details der Fassade und die Inschriften. Auffällig ist auch das Relief an der Außenwand, das Zar Peter den Großen zeigt, der Karlsbad tatsächlich besucht hat.

Die Kirche steht frei genug, dass man sie als Ganzes fotografieren kann, was in dieser Stadt selten ist. Am besten wirkt sie am Vormittag, wenn die Sonne von Osten auf die Kuppeln fällt und das Gold tatsächlich glänzt statt matt zu bleiben.

Der Innenraum und wie man sich verhält

Innen dominiert die Ikonostase, die Bilderwand, die den Altarraum vom Kirchenschiff trennt. Der Raum ist dunkler und dichter als eine katholische Kirche, mit Kerzen, Ikonen und wenig Bestuhlung, denn in orthodoxen Gottesdiensten wird überwiegend gestanden.

Wer noch nie in einer orthodoxen Kirche war, braucht ein paar Minuten, um sich zurechtzufinden. Es gibt keine Bankreihen, die den Blick lenken, und keine Kanzel. Stattdessen bewegen sich Gläubige frei im Raum, zünden Kerzen an und verharren vor einzelnen Ikonen. Das wirkt weniger geordnet als ein westlicher Kirchenraum und ist es doch nicht: Jede Ikone hat ihren festen Platz in einer Ordnung, die dem Raum zugrunde liegt.

Gut zu wissen: Das ist eine aktive Gemeindekirche. Betritt sie nur, wenn eine Besichtigung erkennbar erlaubt ist, sprich leise und geh nicht in den Altarbereich. Während eines Gottesdienstes wird nicht fotografiert. Schultern und Knie bedeckt zu halten ist üblich, und viele Besucherinnen tragen aus Respekt ein Kopftuch.

Der Weg hinauf durch das Westend

Das Westend ist ein Villenviertel aus der Zeit vor 1914, angelegt für Kurgäste, Ärzte und wohlhabende Dauerbewohner. Die Häuser sind groß, teils prächtig restauriert, teils sichtbar in die Jahre gekommen. Der Spaziergang dorthin ist deshalb selbst ein Teil des Ziels: Hier siehst du, wie Karlsbad neben der Promenade gelebt hat. In einigen dieser Villen stecken heute Kurhotels, was bei der Zimmersuche eine Rolle spielt, siehe Hotels in Karlsbad.

Der Aufstieg vom Tal ist kurz, aber steil. Kombiniere die Kirche mit dem Westend und nicht mit dem Diana-Turm, denn der liegt auf der anderen Talseite. Wer beides an einem Vormittag erzwingt, steigt zweimal umsonst. Die sinnvolle Reihenfolge steht unter Sehenswürdigkeiten, der Rest der Stadt unter Karlsbad.

Wenn es nicht klappt

  • Wenn es voll istSelten voll, aber während der Gottesdienste bleibst du still oder kommst später
  • Wenn es regnetDer Hangweg ist bei Nässe unangenehm, der Innenraum trägt keinen ganzen Regentag
  • Mit KindernKurz halten: Ikonostase und Kerzen sind spannend, lange Erklärungen nicht
  • Mit eingeschränkter MobilitätDer Weg vom Tal steigt deutlich an, plane einen Bus oder ein Taxi ein

Häufige Fragen

Kann man die orthodoxe Kirche in Karlsbad besichtigen?

In der Regel ja, außerhalb der Gottesdienste. Es handelt sich um eine aktive Gemeindekirche, nicht um ein Museum, deshalb richten sich Zugang und Zeiten nach dem kirchlichen Leben. Wenn die Tür offen steht und keine Feier läuft, kannst du hinein. Leise sprechen, nicht in den Altarbereich gehen, beim Fotografieren zurückhaltend sein.

Wann wurde die Kirche St. Peter und Paul gebaut?

Von 1893 bis 1898, nach Plänen von Gustav Wiedermann, im russisch-byzantinischen Stil mit fünf vergoldeten Kuppeln. Finanziert wurde sie von der russischen Kurgemeinde, die im 19. Jahrhundert zu den größten Besuchergruppen Karlsbads gehörte. Die Kirche ist damit ein direkter Beleg für das internationale Publikum der Kurstadt.

Wie kommt man vom Kurviertel zur orthodoxen Kirche?

Zu Fuß über einen der Wege, die vom Tal in das Villenviertel Westend hinaufführen. Der Weg ist kurz, aber steil, und dauert je nach Startpunkt 15 bis 20 Minuten. Wer Steigungen vermeiden muss, nimmt einen Stadtbus in Richtung der oberen Wohnviertel oder ein Taxi und geht den Rest.

Muss man sich für den Besuch besonders kleiden?

Es gibt keine strenge Kontrolle, aber die üblichen Regeln für Gotteshäuser gelten. Bedeckte Schultern und Knie sind angemessen, Kopfbedeckungen nehmen Männer ab. Viele Besucherinnen tragen aus Respekt ein Kopftuch, verpflichtend ist das für Gäste nicht. Wichtiger ist ruhiges Verhalten, besonders wenn Gemeindemitglieder beten.