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Festungsstadt Olmütz

Olmütz war nicht nur Bischofs- und Universitätsstadt, sondern über anderthalb Jahrhunderte eine der wichtigsten Festungen der Habsburgermonarchie. Davon sind Tore, Bastionen, ein Parkgürtel rings um die Altstadt und mehrere vorgeschobene Forts am Stadtrand übrig geblieben.

Das ist ein Thema für einen halben Tag und für Reisende, die Militärarchitektur und Stadtentwicklung interessant finden. In die normale Altstadtrunde gehört es ausdrücklich nicht: die Anlagen liegen verstreut, teils mehrere Kilometer außerhalb.

Festungsstadt Olmütz
Foto: Jan Kameníček, CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • AnlassVerlust Schlesiens in den Schlesischen Kriegen ab 1742
  • Belagerung1758 hielt die Festung preußischen Truppen stand
  • Fortgürtelim 19. Jahrhundert vorgeschobene Forts am Stadtrand
  • AufhebungFestungsstatus 1886 aufgehoben
  • Sichtbarer RestTheresientor, Kronfestung und der Parkgürtel um die Altstadt

Warum aus einer Barockstadt eine Festung wurde

Als Maria Theresia in den Schlesischen Kriegen den größten Teil Schlesiens an Preußen verlor, rückte die Grenze plötzlich dicht an Mähren heran. Olmütz lag genau auf dem Weg nach Wien und wurde deshalb ab den 1740er Jahren zur modernen bastionären Festung ausgebaut. Die Stadt bekam einen sternförmigen Wallring, Kasernen, Magazine und eine ständige Garnison.

Das war teuer und für die Bürger unbequem, denn eine Festungsstadt darf nicht wachsen. Genau darin liegt aber der Grund, warum du heute ein so geschlossenes Barockzentrum siehst: zwischen 1742 und 1886 durfte außerhalb der Wälle kaum gebaut werden, und innerhalb blieb kein Platz für Abriss und Neubau. Die Festung hat die Altstadt konserviert, die du auf Olmütz Sehenswürdigkeiten abläufst.

1758: die Belagerung, die scheiterte

Im Siebenjährigen Krieg stand Friedrich II. vor Olmütz. Die Belagerung zog sich über Wochen, die Stadt hielt, und ein preußischer Nachschubtransport wurde unterwegs vernichtet, was den Abzug erzwang. Für die Habsburger war das ein seltener Erfolg in einem verlorenen Jahrzehnt, für Olmütz die Bestätigung seiner neuen Rolle.

Neunzig Jahre später zahlte sich diese Rolle noch einmal aus, als der Wiener Hof 1848 in die sichere Garnisonsstadt auswich und Franz Joseph im Erzbischöflichen Palais den Thron bestieg.

Was heute noch steht

Der auffälligste Rest ist die Kronfestung, tschechisch Korunní pevnůstka, ein erhaltenes Werk am südlichen Rand der Altstadt. Dort sitzt heute ein interaktives Wissenschaftszentrum der Palacký-Universität, das vor allem für Familien mit Kindern ein guter Regentag ist. Wenige Gehminuten weiter, an der Westkante der Altstadt, steht das Theresientor, das einzige erhaltene Stadttor der Festungszeit.

Zweitens der Grüngürtel. Nach 1886 wurden die inneren Wälle abgetragen und in Parkanlagen umgewandelt, die heute wie ein Halbring um die Altstadt liegen. Wer dort spazieren geht, läuft auf der Linie der alten Befestigung, ohne es zu merken. Drittens die äußeren Forts, gemauerte Anlagen des 19. Jahrhunderts im Umland, von denen einzelne besichtigt werden können, andere verfallen oder in privater Nutzung sind.

Achtung: Nicht jedes Fort auf der Karte ist zugänglich. Manche liegen auf Privatgelände, andere öffnen nur an einzelnen Tagen oder zu Veranstaltungen. Prüfe den Zugang, bevor du losfährst, und stelle dich darauf ein, dass du bei einigen Anlagen nur von außen an einer Mauer stehst.

Wie du das praktisch angehst

Die vernünftigste Reihenfolge: erst Kronfestung und Theresientor am Altstadtrand, dann der Parkgürtel zu Fuß, und nur wenn dich das Thema wirklich packt, ein äußeres Fort als Vertiefung. Für die äußeren Anlagen brauchst du Bus, Rad oder Auto, zu Fuß sind die Entfernungen unangenehm. Wie der Nahverkehr funktioniert, steht auf Verkehr in Olmütz.

Mit dem Rad ist es am angenehmsten, weil die Wege flach sind und die Radrouten entlang der March ohnehin an den Rand der Stadt führen. Wer das ausbauen will, findet Anschluss in Radfahren in Tschechien und in der Übersicht der Aktivitäten in Olmütz.

Was das Militär im Alltag bedeutete

Eine Garnisonsstadt bedeutet Kasernen, Magazine, Lazarette und tausende Soldaten, die einquartiert, versorgt und beschäftigt werden mussten. Ein Teil der großen Gebäude am Altstadtrand geht auf diese Zeit zurück und wird heute von Universität und Verwaltung genutzt. Wer darauf achtet, erkennt die nüchternen langen Fassaden zwischen den Barockhäusern sofort.

Für wen sich das wirklich lohnt

Wenn du zwei Tage in Olmütz hast und Barock, Dom und Museen bereits abgehakt sind, ist die Festung der interessanteste dritte Block. Bei nur einem Tag lässt du sie weg. Der Parkgürtel ist die Ausnahme: den nimmst du ohnehin mit, wenn du vom Bahnhof zu Fuß in die Altstadt gehst.

Wenn es nicht klappt

  • Wenn es voll istAndrang gibt es nur im Wissenschaftszentrum an Regentagen und in den Ferien. Die Wälle und Parkanlagen sind praktisch immer leer.
  • Wenn es regnetDer Parkgürtel und die Forts machen bei Regen keinen Spaß, das Wissenschaftszentrum in der Kronfestung dagegen schon. Es ist die beste Regenlösung dieses Themenblocks.
  • Mit KindernKinder nehmen die Festung über das Wissenschaftszentrum und über das Theresientor mit. Lange Erklärungen zu Bastionen und Schussfeldern funktionieren draußen nicht.
  • Mit eingeschränkter MobilitätDer Parkgürtel ist eben und gut befestigt. Die äußeren Forts liegen auf unbefestigten Wegen und sind für Rollstuhl oder Rollator meist nicht geeignet.

Häufige Fragen

Kann man die Festung Olmütz besichtigen?

Teilweise. Die Kronfestung am Südrand der Altstadt ist zugänglich und beherbergt ein Wissenschaftszentrum, das Theresientor steht frei im Park daneben. Von den äußeren Forts sind nur einzelne regulär geöffnet, der Rest ist Privatgelände oder nur zu besonderen Terminen zugänglich. Eine geschlossene Festungsanlage zum Ablaufen gibt es nicht.

Warum wurde Olmütz zur Festung ausgebaut?

Weil Österreich in den Schlesischen Kriegen den größten Teil Schlesiens an Preußen verlor und die neue Grenze plötzlich nah lag. Olmütz kontrollierte den Weg von Norden nach Wien und wurde deshalb ab den 1740er Jahren zur bastionären Festung ausgebaut. 1758 bewährte sie sich gegen eine preußische Belagerung.

Wie lange braucht man für die Festungsanlagen?

Für Kronfestung, Theresientor und einen Spaziergang durch den Parkgürtel reichen 2 bis 3 Stunden. Wenn du ein äußeres Fort dazunehmen willst, plane einen halben Tag mit Anfahrt. Alles an einem Tag zusammen mit der Altstadt zu versuchen, führt dazu, dass du beides nur halb siehst.

Was hat die Festung mit der erhaltenen Altstadt zu tun?

Sehr viel. Zwischen 1742 und 1886 durfte Olmütz als Festungsstadt außerhalb der Wälle kaum bauen, innerhalb war kein Platz für großflächigen Neubau. Deshalb blieb das barocke Zentrum in einer Geschlossenheit erhalten, die andere Städte im 19. Jahrhundert verloren haben. Der Denkmalschutz profitiert bis heute davon.

Ist das Wissenschaftszentrum in der Kronfestung etwas für Kinder?

Ja, es ist zum Anfassen und Ausprobieren angelegt und gehört zur Universität. Für Familien ist es die verlässlichste Regenlösung in Olmütz neben den Kunstmuseen. Der Festungsbau selbst tritt dabei in den Hintergrund, das Gebäude wird eher als Hülle genutzt.