Böhmen · Prag

Kutná Hora als Tagesausflug ab Prag

Kutná Hora war im Mittelalter die zweitwichtigste Stadt Böhmens, weil hier Silber aus dem Berg kam und daraus der Prager Groschen geprägt wurde. Dieses Geld steht heute noch in der Stadt herum: als gewaltige Kirche über dem Tal, als Münzhof mitten im Zentrum, als Bürgerhäuser einer Stadt, die zu groß für ihre heutige Größe ist.

Als Tagesausflug ab Prag lohnt sich Kutná Hora deshalb ganz, nicht als Abstecher zum Beinhaus. Wer nur nach Sedlec fährt, hat eine Stunde Fotomotiv gesehen und die Stadt verpasst. Plane einen vollen Tag und die richtige Reihenfolge zwischen den beiden Bahnhöfen.

Kutná Hora als Tagesausflug ab Prag
Foto: unbekannt, CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • Tschechischer NameKutná Hora, Vorort Sedlec
  • UNESCOHistorisches Zentrum mit St. Barbara und der Kathedrale in Sedlec seit 1995
  • Baubeginn St. Barbara1388, vollendet erst um 1900
  • MünzprägungWenzel II. bündelte sie 1300 im Welschen Hof
  • BeinhausFrantišek Rint ordnete die Gebeine 1870 zu den heutigen Formen
  • DauerEin ganzer Tag ab Prag

Warum diese Stadt so groß gebaut ist

Im 13. Jahrhundert stieß man hier auf Silbererz, und innerhalb weniger Jahrzehnte wuchs aus einer Siedlung eine der reichsten Städte Mitteleuropas. König Wenzel II. zog 1300 die Münzprägung des ganzen Landes im Welschen Hof zusammen, dem Vlašský dvůr, und ließ dort den Prager Groschen schlagen, eine der wichtigsten Münzen Europas. Die Bergleute und Münzer bezahlten davon ihre eigene Kirche.

Genau das erklärt den Maßstab: Kutná Hora hat heute weniger Einwohner als mancher Prager Stadtteil, aber eine Kathedrale, ein Jesuitenkolleg und ein Straßenbild, die für eine Metropole gebaut wurden. Wer das im Kopf hat, sieht die Stadt anders als über eine Liste von Sehenswürdigkeiten.

Sedlec: das Beinhaus ist ein Grab

Die kleine Friedhofskapelle in Sedlec ist weltberühmt, weil ihr Inneres mit menschlichen Gebeinen geschmückt ist: Kronleuchter, Wappen, Pyramiden. Der Ursprung liegt in einem Friedhof, der nach Pest und Kriegen so überfüllt war, dass Knochen ausgegraben und gestapelt wurden. Die heutige Anordnung geht auf den Holzschnitzer František Rint zurück, der sie 1870 im Auftrag der Grundherren gestaltete.

Das bleibt ein Bestattungsort und keine Kuriositätenschau. Es gehören schätzungsweise Zehntausende Menschen zu diesen Gebeinen. Die Verwaltung hat die Regeln verschärft: der Zutritt läuft über Zeitfenster, und das Fotografieren im Inneren ist eingeschränkt und in der Regel nur mit ausdrücklicher Erlaubnis gestattet. Halte dich daran, sprich leise und verzichte auf gestellte Aufnahmen.

Achtung: Selfies mit Schädeln, Posen vor dem Kronleuchter und Filmen mit dem Handy sind hier nicht nur verboten, sondern respektlos gegenüber den Toten und ihren Nachfahren. Wer das Beinhaus nur als Fotomotiv besucht, sollte lieber die Zeit in der Stadt verbringen.

Die Kathedrale in Sedlec, die kaum jemand mitnimmt

Wenige Schritte vom Beinhaus steht die Kathedrale Mariä Himmelfahrt, die zum ehemaligen Zisterzienserkloster gehört und ebenfalls zum Welterbe zählt. Sie wurde im 18. Jahrhundert von Jan Blažej Santini-Aichel in der besonderen Mischung aus Barock und Gotik wiederhergestellt, für die er berühmt ist: helle, hohe Räume mit gotischen Formen in barocker Handschrift. Sie ist der ruhigste Ort des Tages und in fast jeder Gruppenreise das ausgelassene Kapitel.

St. Barbara: der steinerne Beweis des Reichtums

Die Kirche der heiligen Barbara, Schutzpatronin der Bergleute, wurde ab 1388 nicht von einem Bischof, sondern von der Stadt und ihren Bergleuten finanziert. Am Bau arbeiteten die bedeutendsten Baumeister ihrer Zeit, darunter Matěj Rejsek und Benedikt Ried; das charakteristische Zeltdach über dem Chor prägt bis heute die Silhouette über dem Tal. Vollendet wurde der Bau erst um 1900, weil mit dem Silber auch das Geld ausging.

Innen lohnt der Blick auf die Fresken, die Bergleute und Münzer bei der Arbeit zeigen. Das ist ungewöhnlich: Hier stellt sich nicht der Adel dar, sondern eine arbeitende Stadt. Davor führt die Terrasse am ehemaligen Jesuitenkolleg entlang, gesäumt von Skulpturen, mit dem besten Blick über das Vrchlice-Tal.

Mit der Bahn ab Prag: die zwei Bahnhöfe

Vom Prager Hauptbahnhof fährst du in etwa einer Stunde nach Kutná Hora hlavní nádraží. Achtung: dieser Bahnhof liegt nicht in der Stadt, sondern draußen bei Sedlec. Vom Hauptbahnhof erreichst du das Beinhaus und die Kathedrale zu Fuß in wenigen Minuten. Ins historische Zentrum bringt dich ein kurzer Anschlusszug zum Bahnhof Kutná Hora město oder ein Stadtbus.

Wer diese Trennung nicht kennt, steht am falschen Ende des Tages. Lies dir die Rückfahrtzeiten gleich bei der Ankunft durch, denn der Anschlusszug fährt seltener als der Zug aus Prag. Wie du in Prag zum Hauptbahnhof kommst, steht in Verkehr in Prag. Für die Bahn im Land insgesamt hilft Tschechien mit dem Zug.

Tipp: Fahre am Morgen zuerst nach Sedlec, weil das Beinhaus mit seinen Zeitfenstern der unflexibelste Punkt des Tages ist. Danach in die Stadt, dort mit dem Welschen Hof beginnen, über den Hauptplatz zur Terrasse am Jesuitenkolleg laufen und mit St. Barbara enden. So läufst du bergauf im Schatten und hast am Nachmittag das bessere Licht auf der Kirche.

Ein Tag, der nicht hetzt

Rechne für Sedlec mit gut einer Stunde, für den Weg in die Stadt mit einer halben, für Welschen Hof und Altstadt mit zwei Stunden und für St. Barbara samt Terrasse mit anderthalb. Dazwischen Mittagessen. Das ist ein voller Tag und lässt keinen Raum für ein zweites Ziel. Wer zusätzlich ins Silberbergwerk hinabsteigen will, muss dafür einen Punkt streichen.

Tickets: Für das Beinhaus in Sedlec gilt ein Zeitfenster, das du vorab buchen solltest; für Sedlec und St. Barbara gibt es kombinierte Eintritte. Aktuelle Regeln, Zeiten und die Fotoerlaubnis stehen beim Betreiber.

Zur offiziellen Website

Was du besser weglässt

Eine gebuchte Bustour ab Prag, die Kutná Hora in zweieinhalb Stunden abhandelt, bringt dich zum Beinhaus und einmal um den Hauptplatz. Das ist der teuerste Weg, die Stadt nicht zu sehen. Ebenso wenig lohnt der Versuch, Kutná Hora mit einem zweiten Ausflugsziel zu verbinden. Wenn dir ein halber Tag reicht, nimm lieber Karlštejn, das ist auf diese Länge zugeschnitten. Weitere Ziele im Umland vergleicht Ausflüge in die Umgebung von Prag.

Wenn es nicht klappt

  • Wenn es voll istDie Zeitfenster im Beinhaus begrenzen den Andrang, davor an der Kasse wird es trotzdem eng. Nimm einen frühen Termin und lege St. Barbara auf den Nachmittag, wenn die Busgruppen bereits zurück nach Prag fahren.
  • Wenn es regnetBeinhaus, Kathedrale in Sedlec, Welscher Hof und St. Barbara sind alle Innenräume, der Tag funktioniert also auch bei Regen. Nur der Weg über die Terrasse am Jesuitenkolleg liegt offen und wird windig. Nimm den Anschlusszug statt des langen Fußwegs.
  • Mit KindernFür Kinder ist der Welsche Hof mit der Münzprägung greifbarer als eine gotische Kirche. Erkläre das Beinhaus vorher, sonst wirkt es verstörend, und entscheide je nach Alter bewusst, ob ihr überhaupt hineingeht.
  • Mit eingeschränkter MobilitätSedlec liegt flach und ist gut erreichbar. Das historische Zentrum steigt an, rund um St. Barbara liegen Kopfsteinpflaster, Gefälle und einzelne Stufen. Nutze den Stadtbus zwischen den Stadtteilen und frage die Betreiber vorab nach barrierearmen Eingängen.

Häufige Fragen

Wie kommt man von Prag nach Kutná Hora?

Mit dem Zug ab Praha hlavní nádraží in etwa einer Stunde bis Kutná Hora hlavní nádraží. Dieser Bahnhof liegt bei Sedlec, nicht im Zentrum: Beinhaus und Kathedrale erreichst du von dort zu Fuß. In die Altstadt bringt dich ein kurzer Anschlusszug nach Kutná Hora město oder ein Stadtbus. Notiere dir gleich die Rückfahrtzeiten.

Muss man das Beinhaus in Sedlec vorher buchen?

Ja, der Zutritt läuft über Zeitfenster, und in der Hauptsaison sind die beliebten Zeiten früh vergeben. Buche vorab und plane das Beinhaus als ersten Programmpunkt des Tages, weil es der unflexibelste Termin ist. Für Sedlec und St. Barbara gibt es außerdem kombinierte Eintritte.

Darf man im Beinhaus Sedlec fotografieren?

Nur eingeschränkt und in der Regel nur mit ausdrücklicher Erlaubnis. Die Verwaltung hat die Regeln verschärft, weil der Ort eine Begräbnisstätte ist und keine Kulisse. Gestellte Aufnahmen, Selfies und Videos sind unerwünscht. Halte dich an die Hinweise am Eingang und verhalte dich wie in einer Kirche mit Gräbern.

Reicht ein halber Tag für Kutná Hora?

Nein, wenn du mehr als das Beinhaus sehen willst. Sedlec und das historische Zentrum liegen mehrere Kilometer auseinander, dazwischen liegt eine Fahrt. Für Sedlec, Welschen Hof, Altstadt und St. Barbara brauchst du einen vollen Tag. Wer nur einen halben Tag hat, fährt besser nach Karlštejn.

Was ist in Kutná Hora wichtiger, Sedlec oder St. Barbara?

St. Barbara, wenn man ehrlich ist. Die Kirche erzählt, wovon die Stadt lebte, und wurde von Bergleuten und Bürgern finanziert statt von einem Bischof. Das Beinhaus ist berühmter, aber kleiner und in zwanzig Minuten gesehen. Die UNESCO-Auszeichnung nennt beide zusammen mit der Kathedrale in Sedlec.