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Riesengebirge: Städte, Orte & Reisetipps

Das Riesengebirge ist Tschechiens höchstes Gebirge und mit der Schneekoppe auf 1.603 Metern das Dach des Landes. Der Nationalpark Krkonoše besteht seit 1963 und schützt eine Landschaft, die auf dem Kamm eher nach Lappland aussieht als nach Mitteleuropa.

Es ist gleichzeitig das am besten erschlossene Bergziel Tschechiens: Lifte, Bauden, Skibusse und ein dichtes Wegenetz. Wer Einsamkeit sucht, ist hier falsch, wer Berge mit Infrastruktur will, richtig.

Riesengebirge: Städte, Orte & Reisetipps
Foto: Lukas F, CC BY 3.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • Tschechischer NameKrkonoše
  • Höchster BergSněžka (Schneekoppe), 1.603 Meter
  • NationalparkKrkonoše, gegründet 1963, ältester Nationalpark Tschechiens
  • Quelledie Elbe (Labe) entspringt auf der Elbwiese
  • BasenŠpindlerův Mlýn, Harrachov, Vrchlabí, Pec pod Sněžkou
  • Beste ReisezeitJuni bis September, Januar bis März für Ski

Ein Kamm mit arktischem Klima

Das Gebirge zieht sich rund 40 Kilometer entlang der polnischen Grenze und bildet einen breiten, weitgehend baumfreien Kamm. Oberhalb von etwa 1.250 Metern endet der Wald, darüber liegen Zwergkiefernfelder, Blockhalden und Hochmoore. Botanisch ist das eine arktisch-alpine Insel: Hier wachsen Arten, die sonst in Skandinavien oder in den Alpen vorkommen.

Auf der Elbwiese, tschechisch Labská louka, entspringt die Elbe. Die Quelle selbst ist eine gefasste Stelle im Moor mit einer Wand aus Wappen, der eigentliche Reiz ist die Hochfläche ringsum. Von hier fließt der Fluss durch Böhmen, Sachsen und Norddeutschland bis in die Nordsee.

Das Wetter auf dem Kamm ist der wichtigste Punkt für die Planung. Es schlägt schnell um, Nebel zieht innerhalb einer halben Stunde auf, und der Wind erreicht auf der Schneekoppe regelmäßig Sturmstärke. Auch im Sommer kann es oben um zehn Grad kälter sein als im Tal, dazu kommt der Windchill.

Die Orte, die als Basis taugen

1 Špindlerův Mlýn

Der bekannteste Bergort des Landes, im Elbtal auf gut 700 Metern, mit dem größten Skigebiet des Riesengebirges auf beiden Talseiten. Im Sommer starten hier die Wege zur Elbquelle und auf den Kamm.

Špindlerův Mlýn ist teuer und in der Hochsaison voll. In der Zwischensaison ist der Ort dagegen ruhig und deutlich günstiger.

2 Harrachov

Im Westen des Gebirges an der polnischen Grenze, bekannt für die Skisprungschanzen und eine Glashütte, die seit dem 18. Jahrhundert arbeitet und besichtigt werden kann.

Harrachov liegt auf knapp 700 Metern und ist Ausgangspunkt für den Mumlava-Wasserfall und für Kammwanderungen Richtung Osten.

3 Vrchlabí

Sitz der Nationalparkverwaltung und das Tor zum Gebirge von Süden. Die Stadt hat ein Renaissanceschloss, alte Holzhäuser und ein Museum, das Geologie, Pflanzen und Geschichte der Landschaft erklärt.

Vrchlabí liegt tiefer, ist günstiger als die Bergorte und trotzdem in kurzer Zeit an den Ausgangspunkten. Für Reisende mit Auto die vernünftigste Basis.

4 Trutnov

Die Stadt im Osten hat einen langen Arkadenplatz, einen Bahnhof an der Regionalstrecke und Busverbindungen nach Pec pod Sněžkou, dem Ausgangsort für die Schneekoppe.

Trutnov ist die beste Wahl für Reisende ohne Auto, weil hier Bahn und Bus zusammentreffen.

Die Schneekoppe und andere Ziele

Die Sněžka liegt genau auf der Grenze, der Gipfel gehört zur Hälfte Tschechien und zur Hälfte Polen. Von Pec pod Sněžkou führt eine Sesselbahn in zwei Abschnitten hinauf, zu Fuß dauert der Aufstieg je nach Route zwei bis drei Stunden. Oben stehen die Kapelle des heiligen Laurentius, eine polnische Wetterstation und eine Gaststätte.

Weitere lohnende Ziele sind der Mumlava-Wasserfall bei Harrachov, die Bergbauden auf dem Kamm, die als Gasthäuser und Unterkünfte dienen, und die Aussicht vom Sněžné jámy, zwei Karkesseln auf der polnischen Seite. Wer Ski fahren will, findet unter Skifahren in Tschechien den Vergleich der Gebiete.

Regeln im Nationalpark

Der Kamm ist der empfindlichste Teil des Gebirges. Die Torfmoore und die arktisch-alpine Vegetation brauchen Jahrzehnte, um sich von Trittschäden zu erholen, deshalb gilt striktes Wegegebot. Wildcampen, Feuer, Drohnen und das Sammeln von Pflanzen sind verboten, Hunde müssen angeleint sein.

Im Winter kommen Lawinenhänge dazu, vor allem in den Karkesseln um Špindlerův Mlýn. Es gibt einen Lawinenwarndienst, und einzelne Wege werden gesperrt. Nimm diese Sperrungen ernst, es hat in den letzten Jahren wiederholt Unfälle gegeben.

Beste Reisezeit

In Špindlerův Mlýn auf 738 Metern erreicht der wärmste Monat, der August, Höchstwerte um 21 Grad, im Januar bleibt der Tageshöchstwert unter null. Der August ist mit über 130 Millimetern der nasseste Monat, der März der trockenste. In Vrchlabí auf knapp 490 Metern liegen die Temperaturen etwa zwei Grad höher. Auf dem Kamm ist es nochmals deutlich kälter und windiger.

Für Wanderungen sind Juni bis September verlässlich, der Herbst bringt klare Fernsicht. Für Ski und Langlauf ist die Spanne von Januar bis März die sicherste. April und November sind in den Bergen die schwächsten Monate: zu wenig Schnee zum Fahren, zu nass zum Wandern.

Anreise aus Deutschland

Ab Berlin sind es rund 310 Straßenkilometer nach Špindlerův Mlýn, etwa vier Stunden, ab Dresden weniger, ab München rund 510. Der Weg führt über Dresden und die Autobahn Richtung Prag mit Abzweig nach Osten oder über Zittau und Liberec.

Mit der Bahn fährst du bis Vrchlabí oder Trutnov und steigst dort auf den Bus um. Aus Prag gibt es zudem direkte Busse nach Špindlerův Mlýn. In der Saison verkehren Skibusse zwischen den Orten und den Liften, im Sommer Wanderbusse zu den Ausgangspunkten. Die Grundlagen zu Grenzübergängen und Vignette findest du unter Anreise nach Tschechien.

Achtung: Auf dem Kamm gilt anderes Wetter als im Tal. Nimm immer Wind- und Regenjacke, eine warme Schicht und ausreichend Wasser mit, auch wenn es unten sommerlich ist. Die Sesselbahn zur Schneekoppe stellt bei Sturm den Betrieb ein, dann musst du zu Fuß absteigen.

Übernachten: Bauden oder Ort

Du hast zwei Möglichkeiten. Im Tal wohnst du in Hotels und Pensionen, mit mehr Komfort, Auswahl beim Essen und guter Anbindung an Busse und Lifte. Auf dem Kamm übernachtest du in Bauden, den ehemaligen Höfen der Bergbewohner, die heute als Gasthäuser und einfache Unterkünfte dienen.

Die Baudenvariante ist die schönere, wenn du mehrere Tage gehst: Du bist morgens schon oben, siehst den Kamm ohne Tagesgäste und sparst die Auf- und Abstiege. Der Standard ist einfach, Mehrbettzimmer sind üblich, und in der Hochsaison musst du lange im Voraus reservieren. Im Winter ist die Zufahrt zu vielen Bauden nur zu Fuß oder mit Ski möglich, das solltest du beim Gepäck bedenken.

Route oder Basis

Für eine Woche reicht ein Standort, weil die Orte nah beieinanderliegen. Vrchlabí ist der beste Kompromiss aus Preis und Lage, Špindlerův Mlýn der zentralste, Pec pod Sněžkou der beste Ausgangspunkt für die Schneekoppe. Vier Tage füllen sich mit Elbquelle, Schneekoppe, einer Kammwanderung und einem Regentag in Vrchlabí oder Harrachov.

Als Teil einer Rundreise passt das Gebirge nach dem Böhmischen Paradies und vor Königgrätz mit Adršpach. Wer aus Berlin kommt, hat mit der Kombination Riesengebirge und Böhmisches Paradies ein rundes Wochenprogramm.

Ehrlich eingeordnet

Das Riesengebirge ist Tschechiens bestes Bergziel, und entsprechend bekannt ist es auch. In den Winterferien und an Sommerwochenenden sind Špindlerův Mlýn und die Schneekoppe voll, und auf dem Weg zum Gipfel läufst du in einer Reihe.

Wer Ruhe will, geht auf die Kammwege abseits der Hauptrouten oder wählt gleich das Altvatergebirge oder das Isergebirge. Für einen ersten Tschechien-Besuch ist das Gebirge nur dann die richtige Wahl, wenn du gezielt zum Wandern oder Skifahren kommst. Überschätzt wird die Elbquelle: Sie ist eine gefasste Stelle mit Wappenwand, und ohne die Hochfläche ringsum wäre der Weg dorthin kaum lohnend.

Häufige Fragen

Wie hoch ist die Schneekoppe und wie kommt man hinauf?

Die Sněžka ist mit 1.603 Metern der höchste Berg Tschechiens und liegt auf der Grenze zu Polen. Von Pec pod Sněžkou führt eine Sesselbahn in zwei Abschnitten hinauf, zu Fuß dauert der Aufstieg je nach Route zwei bis drei Stunden. Bei Sturm fährt die Bahn nicht, dann bleibt nur der Abstieg zu Fuß.

Welcher Ort ist die beste Basis im Riesengebirge?

Špindlerův Mlýn liegt am zentralsten und hat die meisten Lifte, ist aber der teuerste Ort. Vrchlabí ist günstiger, ganzjährig belebt und mit Bahn und Bus erreichbar. Pec pod Sněžkou eignet sich am besten für die Schneekoppe, Harrachov für den Westteil. Ohne Auto ist Trutnov der praktischste Einstieg.

Wann liegt im Riesengebirge Schnee?

In den Hochlagen üblicherweise von Dezember bis in den April, verlässlich für Wintersport ist die Spanne von Januar bis März. In den Tälern ist die Schneelage schwankender. Genaue Angaben veröffentlichen die Skigebiete und der Nationalpark laufend, weil sie stark vom Jahr abhängen.

Darf man auf dem Kamm die Wege verlassen?

Nein. Auf dem Kamm gilt striktes Wegegebot, weil die Hochmoore und die arktisch-alpine Vegetation extrem empfindlich sind und Trittschäden Jahrzehnte brauchen, um zu verheilen. Wildcampen, offenes Feuer und Drohnen sind ebenfalls verboten. Die Regeln werden kontrolliert und bei Verstoß geahndet.

Was sind Bergbauden?

Ursprünglich Höfe der Bergbewohner, die Vieh auf den Hochflächen hielten, heute meist Gaststätten und einfache Unterkünfte auf dem Kamm und an den Wegen. Sie sind Teil der Wanderkultur: Du kehrst ein, bestellst Suppe oder Bier und kannst in vielen auch übernachten. In der Hochsaison sollte man die Betten vorher reservieren.