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Tschechien mit dem Zug

Tschechien ist eines der letzten Länder Europas, in dem sich eine Rundreise komplett mit der Bahn planen lässt, ohne dass es mühsam wird. Das Netz ist dicht, die Preise sind moderat, und zwischen den großen Städten fahren nicht nur die Staatsbahn, sondern auch private Anbieter im Wettbewerb.

Diese Seite erklärt, wer fährt, wie du günstig an Tickets kommst, wann eine Reservierung Pflicht ist und welche Regionalstrecken dich direkt in die Berge bringen. Konkrete Abfahrtszeiten stehen hier nicht, die prüfst du in der Fahrplanauskunft.

Tschechien mit dem Zug
Foto: Michal Klajban, CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • StaatsbahnČeské dráhy, kurz ČD
  • Private AnbieterRegioJet und Leo Express auf Hauptstrecken
  • Hauptbahnhof PragPraha hlavní nádraží, mitten in der Stadt
  • ReservierungBei privaten Anbietern immer, bei ČD oft optional
  • FahrradIn vielen Zügen möglich, eigenes Ticket nötig

Wer in Tschechien Züge fährt

Der größte Anbieter ist České dráhy, die staatliche Eisenbahn, abgekürzt ČD. Sie bedient das gesamte Netz vom Fernverkehr bis zur letzten Nebenbahn. Auf den nachfragestarken Achsen, allen voran Prag über Pardubice und Olmütz nach Ostrava, konkurrieren zwei private Betreiber mit eigenen Zügen: RegioJet und Leo Express.

Der Unterschied ist spürbar. Bei den privaten Anbietern ist jeder Platz reserviert, es gibt Bordservice am Platz und ein durchgehendes Buchungssystem mit festen Kontingenten. Bei ČD kannst du auf den meisten Verbindungen einfach einsteigen, brauchst dann aber Glück bei der Platzwahl. Umgekehrt kommt ČD überall hin, die Privaten nur auf wenigen Strecken.

Gut zu wissen: Ein Ticket eines Anbieters gilt nicht beim anderen. Wer flexibel bleiben will, bucht bei ČD. Wer den günstigsten Preis auf der Achse Prag bis Ostrava sucht, vergleicht alle drei. Für Regionalverkehr und alles abseits der Hauptachsen bleibt ohnehin nur ČD.

Anreise aus Deutschland und Österreich

1 Aus Dresden

Die schnellste und schönste Anreise überhaupt. Der Eurocity fährt mehrmals täglich durch das Elbtal, an Sandsteinfelsen und dem Fluss entlang, und braucht für Dresden bis Prag ungefähr 2 bis 2,5 Stunden. Setz dich auf der Hinfahrt rechts, dann hast du den Fluss im Blick. Von Berlin verlängert sich die Fahrt auf rund 4 bis 4,5 Stunden.

2 Aus Wien

Über Břeclav nach Brünn und weiter nach Prag. Wien bis Brünn ist eine der kürzesten internationalen Verbindungen Mitteleuropas und dauert etwa anderthalb Stunden, Wien bis Prag rund 4 Stunden. Wer Brünn und Südmähren ansteuert, kommt aus Wien deutlich schneller als aus Prag.

3 Aus Bayern

Von München führt eine Expressverbindung über Regensburg und den Grenzübergang Furth im Wald nach Plzeň und weiter nach Prag, mit einer Fahrzeit von etwa 5,5 bis 6 Stunden. Wer aus Nürnberg kommt, steigt unterwegs um. Auf dieser Achse ist Pilsen als Zwischenstopp naheliegend, weil die Stadt ohnehin auf dem Weg liegt.

Tickets: wie du günstig fährst

Der Grundpreis richtet sich bei ČD nach der Entfernung und ist im europäischen Vergleich niedrig. Darüber hinaus gibt es kontingentierte Sparangebote, die an einen bestimmten Zug gebunden und nur online erhältlich sind. Sie werden mit näher rückendem Reisetag teurer, ganz ähnlich wie bei der Deutschen Bahn.

Für grenzüberschreitende Fahrten aus Deutschland lohnt der Blick auf die Europa-Sparpreise der Deutschen Bahn, die oft günstiger sind als zwei getrennt gekaufte Tickets. Innerhalb Tschechiens kaufst du besser direkt beim jeweiligen Betreiber, weil dort auch die Kontingente liegen.

Praktisch wichtig: Fahrkarten für Fernzüge musst du nicht entwerten. Die Stempelpflicht, die viele mit Tschechien verbinden, betrifft den städtischen Nahverkehr, nicht die Eisenbahn. Was in Prag gilt, steht unter Verkehr in Prag.

Achtung: Bei RegioJet und Leo Express ist die Reservierung Teil des Tickets, nicht optional. Ohne gebuchten Platz steigst du dort nicht ein. Bei ČD ist die Reservierung auf vielen Fernverbindungen freiwillig, an Freitagnachmittagen und Sonntagabenden aber dringend zu empfehlen.

Die wichtigsten Strecken im Land

Verbindung Charakter Anbieter
Prag bis Ostrava über Olmütz Schnellste Achse, dichter Takt ČD, RegioJet, Leo Express
Prag bis Brünn Direkt, aber Bus teils schneller ČD, RegioJet
Prag bis Pilsen Kurz, sehr häufig ČD
Prag bis Karlsbad Umweg über den Norden, langsam ČD
Prag bis České Budějovice Direkt, weiter nach Krumlov mit Umstieg ČD

Zwei Sonderfälle solltest du kennen. Nach Karlsbad ist die Bahn langsamer als der Bus, weil die Strecke einen weiten Bogen fährt. Und nach Český Krumlov ist der Bus ab Prag in der Regel die schnellere Variante, während die Bahn ab České Budějovice gut funktioniert.

Regionalzüge in die Berge

Der eigentliche Reiz des tschechischen Netzes liegt in den Nebenbahnen. Sie fahren langsam, halten überall und bringen dich in Täler, die mit dem Auto umständlich zu erreichen sind. Ins Riesengebirge führen Strecken nach Vrchlabí und nach Harrachov, von dort geht es über die Grenze weiter nach Polen.

In den Böhmerwald fahren Regionalbahnen bis in die Grenzorte, ins Böhmische Paradies über Turnov. Nach Adršpach gibt es im Sommer verstärkte Verbindungen, weil die Felsenstadt direkt am Bahnhof liegt. Das ist der seltene Fall, in dem die Bahn bequemer ist als das Auto, weil du dir die Parkplatzsuche sparst.

Praktisch für Wanderer: Weil viele markierte Wege bewusst Bahnhöfe verbinden, kannst du Streckenwanderungen machen, statt zum Ausgangspunkt zurückzulaufen. Mehr dazu unter Wandern in Tschechien.

Rechne bei diesen Strecken allerdings mit dünnem Takt. Auf manchen Nebenbahnen fahren nur wenige Züge am Tag, und der letzte geht früher, als du denkst. Notiere dir die Rückfahrt, bevor du losläufst, sonst endet die Tour mit einem teuren Taxi oder einer sehr langen Wanderung im Dunkeln.

Fahrrad und Gepäck

Die Fahrradmitnahme ist verbreitet und funktioniert unkompliziert. Wagen mit Fahrradsymbol haben Mehrzweckabteile mit Haken oder Stellplätzen. Du brauchst ein eigenes Ticket fürs Rad, auf stark nachgefragten Strecken zusätzlich eine Stellplatzreservierung. Im Sommer verkehren auf Ausflugsstrecken zusätzliche Züge mit größerem Gepäckwagen.

Normales Reisegepäck nimmst du ohne Zuschlag mit. Ablagen über den Sitzen sind für kleinere Stücke ausgelegt, große Koffer stehen am Wagenende oder im Bereich zwischen den Sitzreihen. In älteren Abteilwagen ist der Gang schmal, mit zwei großen Koffern wird das Einsteigen sportlich. In den größeren Bahnhöfen gibt es Schließfächer und teils eine bediente Gepäckaufbewahrung, was für einen Zwischenstopp mit Stadtbesichtigung sehr praktisch ist. Radrouten, die zur Bahn passen, stehen unter Radfahren in Tschechien.

Tipp: Der Prager Hauptbahnhof liegt direkt am Wenzelsplatz und ist über die Metro angebunden. Nicht jeder Fernzug hält dort: Manche Verbindungen aus Deutschland und Richtung Osten halten in Praha-Holešovice, das ebenfalls an der Metro liegt. Prüfe auf dem Ticket, welcher Bahnhof gemeint ist.

Am Bahnhof zurechtkommen

Die Anzeigen nennen den Zug nach seiner Endstation, nicht nach deinem Ziel. Wer nach Olmütz will, sucht also den Zug Richtung Ostrava oder Košice und prüft, ob Olomouc als Halt aufgeführt ist. Bahnsteige heißen nástupiště, Gleise koleje, und beides wird getrennt angesagt: Bahnsteig 3, Gleis 5 ist eine übliche Kombination und kein Fehler.

Fahrkartenschalter heißen pokladna, an größeren Bahnhöfen gibt es zusätzlich Automaten mit deutscher Menüführung. Das Personal spricht am Schalter nicht überall Deutsch oder Englisch, deshalb hilft es, Ziel, Datum und Uhrzeit aufgeschrieben vorzulegen. Am einfachsten kaufst du vorher in der App des Betreibers.

Für wen sich die Bahn lohnt

Wenn deine Reise aus Städten besteht, ist die Bahn dem Auto klar überlegen: Du kommst mitten ins Zentrum, sparst dir Parkzonen und kannst unterwegs etwas trinken. Für eine Städtereise durch Prag, Pilsen, Brünn und Olmütz brauchst du kein Auto.

Grenzen hat die Bahn dort, wo die Ziele in der Fläche liegen: Schlösser in Südmähren, Orte im Böhmerwald, das Bäderdreieck als Runde. Dort sind Busanschlüsse dünn und die letzten Kilometer mühsam. Eine Mischung funktioniert gut: Bahn zwischen den Städten, für zwei Tage ein Mietwagen, siehe Tschechien mit dem Auto.

Häufige Fragen

Welche Bahnanbieter gibt es in Tschechien?

Die staatliche České dráhy bedient das gesamte Netz. Auf der Hauptachse von Prag über Olmütz nach Ostrava fahren zusätzlich die privaten Anbieter RegioJet und Leo Express mit eigenen Zügen, Bordservice und Reservierungspflicht. Tickets gelten jeweils nur beim eigenen Anbieter. Für Regionalverkehr und Nebenstrecken bleibt nur České dráhy.

Wie lange dauert die Zugfahrt von Dresden nach Prag?

Etwa 2 bis 2,5 Stunden mit dem Eurocity, der mehrmals täglich durch das Elbtal fährt. Aus Berlin sind es rund 4 bis 4,5 Stunden, aus Wien über Brünn ungefähr 4 Stunden, aus München über Pilsen etwa 5,5 bis 6 Stunden. Prüfe die konkreten Zeiten immer in der aktuellen Fahrplanauskunft, sie ändern sich mit dem Fahrplanwechsel.

Braucht man in tschechischen Zügen eine Reservierung?

Bei RegioJet und Leo Express ja, dort ist der Platz Teil des Tickets. Bei České dráhy ist sie auf den meisten Fernverbindungen freiwillig, an Freitagnachmittagen, Sonntagabenden und in den Ferien aber sehr zu empfehlen. Im Regionalverkehr gibt es keine Reservierung, dort setzt du dich einfach hin.

Muss man Zugtickets in Tschechien entwerten?

Nein, Eisenbahntickets werden im Zug kontrolliert und müssen nicht gestempelt werden. Die Entwertungspflicht gilt für den städtischen Nahverkehr, also Metro, Straßenbahn und Bus in Prag und anderen Städten. Dort muss der Fahrschein vor Fahrtantritt entwertet sein, sonst gilt er als ungültig und es wird ein erhöhtes Beförderungsentgelt fällig.

Kann man mit dem Zug nach Český Krumlov fahren?

Ja, aber mit Umstieg in České Budějovice, und der Bahnhof liegt oberhalb der Altstadt. Ab Prag ist der Fernbus in der Regel schneller und direkter. Wenn du ohnehin in Südböhmen unterwegs bist, funktioniert die Bahn ab Budweis gut. Für die Anreise ab Prag lohnt der Vergleich beider Varianten.