Böhmen · Prag

Goldenes Gässchen: Besuch ohne falsche Erwartungen

Die Zlatá ulička ist eine Gasse von wenigen Dutzend Metern am nordöstlichen Rand des Burgareals, und sie sieht aus wie eine Kulisse: eine Reihe winziger, bunt getünchter Häuser, die gegen Ende des 16. Jahrhunderts in die Bögen der Burgbefestigung gesetzt wurden. Die Türen sind niedrig, die Räume kaum größer als ein Wohnzimmer.

Wer als Erstes an Alchemisten denkt, liegt falsch: Hier wohnten Burgwächter, Handwerker und später arme Familien, und zwar bis zum Zweiten Weltkrieg. Genau das macht die Gasse interessant, und genau das geht unter, wenn du nur für ein Foto hindurchgehst.

Goldenes Gässchen: Besuch ohne falsche Erwartungen
Foto: Janmad, CC BY 3.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • Tschechischer NameZlatá ulička
  • EntstehungEnde des 16. Jahrhunderts in die Befestigungsbögen gebaut
  • Häuser16 Häuser, 9 davon mit Ausstellung
  • Franz KafkaArbeitete 1916 und 1917 im Haus Nummer 22
  • Bewohnt bisZum Zweiten Weltkrieg
  • Daliborka1496 als Kanonenturm vollendet, später Gefängnis

Was die Gasse wirklich war

Der Name geht auf Goldschmiede zurück, die hier im 17. Jahrhundert arbeiteten, nicht auf Goldmacher. Die Häuser entstanden, weil Kaiser Rudolf II. seinen Burgschützen Wohnraum zuwies und man dafür die Nischen der Wehrmauer zubaute. Deshalb ist die eine Häuserzeile in die Befestigung hineingeschoben und die Gasse so schmal.

Bewohnt blieb sie bis in die dreißiger und vierziger Jahre des 20. Jahrhunderts, teils unter erbärmlichen Bedingungen: keine eigene Wasserversorgung, Räume unter zwei Metern Höhe, ganze Familien auf wenigen Quadratmetern. Die heutige Farbigkeit stammt aus einer Gestaltung des 20. Jahrhunderts und nicht aus dem Barock.

Die Häuser, die etwas zeigen

Neun der sechzehn Häuser sind als Ausstellungsräume eingerichtet und in einer festen Laufrichtung zu besichtigen. Sie zeigen, wer hier gelebt hat: eine Goldschmiedewerkstatt, die Stube einer Wahrsagerin, die Wohnung eines Filmhistorikers, eine Schneiderei, eine Kräuterkammer. Das ist Sozialgeschichte in Zimmergröße und deutlich besser gemacht, als es der Andrang draußen vermuten lässt.

Haus Nummer 22 mit der hellblauen Fassade ist das bekannteste: Franz Kafkas Schwester Ottla mietete es, und Kafka schrieb dort im Winter 1916 und 1917 einen Teil seiner kurzen Prosa. Er wohnte nicht darin, er arbeitete dort. Heute ist im Erdgeschoss ein Buchladen, und deshalb steht davor fast immer eine Traube.

Achte beim Durchgehen auf die Fensterbänke und die Deckenhöhen. In mehreren Räumen musst du dich als Erwachsener ducken, und die Betten in den nachgestellten Wohnungen sind kürzer, als du erwartest. Das ist kein Zufall der Ausstellung, sondern die tatsächliche Bauweise: Diese Häuser wurden in eine Mauernische gequetscht, nicht als Wohnhäuser entworfen. Wer das einmal körperlich gespürt hat, sieht die bunte Fassadenreihe danach anders.

Gut zu wissen: Über den Häusern verläuft ein Wehrgang, und der ist der eigentliche Gewinn des Besuchs. Dort liegen Rüstungen, Waffen und Ausstattung der Burgwache, dazu ein Blick über die Gasse von oben. Am Ende des Gangs erreichst du die Daliborka, den 1496 vollendeten Kanonenturm, der später als Gefängnis diente und dessen Verlies du von oben einsehen kannst.

Andrang: die Gasse hat nur eine Richtung

Die Zlatá ulička ist der Engpass des gesamten Burgareals. Sie ist wenige Meter breit, wird in einer Richtung begangen, und wenn eine Reisegruppe vor dir in ein Haus geht, steht alles. Zwischen elf und drei Uhr schiebt es sich hier im Schritttempo.

Zwei Auswege: entweder du kommst früh, gleich nach Öffnung des Areals, oder du drehst die Reihenfolge deines Burgbesuchs um und nimmst die Gasse ganz am Ende des Nachmittags. Große Rucksäcke und Kinderwagen sind in den niedrigen Räumen ein echtes Problem; lass sie draußen oder trage sie.

Tickets: Die Gasse ist kein eigenes Ziel mit eigenem Ticket, sondern Teil des Burgrundgangs. Wenn du ohnehin Königspalast und Veitsdom besuchst, ist sie enthalten. Ob sie im kürzeren Rundgang steckt, ändert sich, deshalb prüfe den Umfang vor dem Kauf auf der offiziellen Seite der Burgverwaltung.

Zur offiziellen Website der Prager Burg

Lohnt sich das?

Als Fotostopp: nein. Für ein Bild einer bunten Häuserzeile ist der Aufwand aus Ticket, Kontrolle und Gedränge unverhältnismäßig, zumal die Gasse in der Hochsaison kaum frei zu sehen ist. Als Teil des Burgbesuchs mit den Innenräumen und dem Wehrgang: eindeutig ja, weil du hier den einzigen Ort im Areal betrittst, an dem es um normale Menschen geht und nicht um Könige.

Rechne mit 30 bis 45 Minuten, inklusive Wehrgang und Daliborka. Danach verlässt du das Burgareal am östlichen Ende und steigst über die Alte Schlossstiege ab oder gehst durch die Kleinseite hinunter. Wo die Gasse im Gesamtprogramm steht, zeigt die Liste der Prager Sehenswürdigkeiten; die passende Reihenfolge für den ganzen Berg steht beim Veitsdom.

Wenn es nicht klappt

  • Wenn es voll istDie Gasse wird in einer Richtung begangen und staut sofort, wenn eine Gruppe in ein Haus geht. Komm früh oder ganz zum Schluss des Burgbesuchs. Wenn es steht, geh die Häuser aus und nimm zuerst den Wehrgang, dort verteilt sich der Strom besser.
  • Wenn es regnetDie Ausstellungsräume und der Wehrgang sind überdacht, die Gasse zwischen den Türen nicht. Bei Regen ist die Reihenfolge deshalb umgekehrt sinnvoll: erst hinauf in den Wehrgang und zur Daliborka, dann von Tür zu Tür, statt draußen vor den Fassaden zu stehen.
  • Mit KindernDer Wehrgang mit Rüstungen, Armbrüsten und Helmen zieht zuverlässig, ebenso das Verlies der Daliborka. Die niedrigen Türen sind für Kinder ein Spaß und für Erwachsene eine Kopfgefahr. Kinderwagen lässt du besser vor der Gasse stehen.
  • Mit eingeschränkter MobilitätSchwellen an jeder Haustür, Räume unter normaler Deckenhöhe, und in den Wehrgang führt eine Treppe ohne Alternative. Wer die Innenräume nicht nutzen kann, sieht die Häuserzeile von der gepflasterten Gasse aus, muss dafür aber die Steigung im Burgareal überwinden.

Häufige Fragen

Kostet das Goldene Gässchen extra Eintritt?

Nein, es hat kein eigenes Ticket. Die Gasse gehört zum Rundgang der Prager Burg, zusammen mit dem Alten Königspalast, der Georgsbasilika und dem hinteren Teil des Veitsdoms. Ob sie auch im kürzeren Rundgang enthalten ist, kann sich ändern, deshalb prüfst du den Umfang vor dem Kauf.

Hat Franz Kafka im Goldenen Gässchen gewohnt?

Gewohnt nicht, gearbeitet ja. Seine Schwester Ottla mietete das Haus Nummer 22, und Kafka schrieb dort im Winter 1916 und 1917 einen Teil seiner kurzen Prosa. Geschlafen hat er weiterhin anderswo in der Stadt. Heute ist im Erdgeschoss ein kleiner Buchladen untergebracht.

Warum heißt es Goldenes Gässchen?

Nach den Goldschmieden, die dort im 17. Jahrhundert arbeiteten. Die verbreitete Geschichte von Alchemisten, die für Rudolf II. Gold herstellen sollten, ist eine spätere Legende. Gebaut wurden die Häuser Ende des 16. Jahrhunderts als Wohnraum für Burgschützen, direkt in die Nischen der Wehrmauer.

Wie lange braucht man für das Goldene Gässchen?

30 bis 45 Minuten, wenn du die Ausstellungsräume ansiehst und den Wehrgang mit den Rüstungen sowie die Daliborka mitnimmst. Für einen reinen Durchgang reichen zehn Minuten, dann lohnt sich der Ort aber kaum. In der Hochsaison kommt Wartezeit an den engen Stellen dazu.

Wann ist das Goldene Gässchen am leersten?

Direkt nach Öffnung des Burgareals am Morgen und in der letzten Stunde am Nachmittag. Zwischen elf und drei Uhr schiebt sich der gesamte Besucherstrom des Areals durch diese wenigen Meter. Wer nachmittags kommt, dreht am besten die Reihenfolge des Burgbesuchs um und stellt die Gasse ans Ende.