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Kolonnaden in Karlsbad: alle fünf im Vergleich

Eine Kolonnade ist eine gedeckte Wandelhalle über einer Quelle. In Karlsbad gibt es fünf davon, und sie sind nicht fünf Ausgaben desselben Bauwerks, sondern hundert Jahre Architekturgeschichte in Gehweite: Gusseisen, Holz, Stein, Jugendstil und Beton, alle entlang derselben Flussseite.

Wer sie in der Reihenfolge des Tals abgeht, bekommt eine kleine Bauzeitreise mit Trinkpausen. Wer nur die berühmteste fotografiert, hat die Idee der Kurpromenade nicht verstanden, denn erst das Nebeneinander erklärt, wie sich das Kurwesen über Generationen verändert hat.

Kolonnaden in Karlsbad: alle fünf im Vergleich
Foto: Sharon Hahn Darlin, CC BY 2.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • Anzahlfünf Kolonnaden im Kurtal, alle frei zugänglich
  • Epochevon 1881 bis 1975, also fast hundert Jahre Baugeschichte
  • MaterialGusseisen, Holz, Sandstein, Jugendstilputz und Sichtbeton
  • Dauer1 bis 1,5 Stunden für alle fünf Hallen mit Trinkpausen
  • Lageauf gut einem Kilometer entlang der Teplá, fast ohne Steigung

Warum es überhaupt Hallen über Quellen gibt

Die Trinkkur besteht aus zwei Teilen: Wasser und Bewegung. Kurgäste sollten nach jedem Schluck gehen, nicht sitzen, und zwar bei jedem Wetter. Genau dafür wurden die langen gedeckten Hallen gebaut. Sie sind Regenschutz, Promenade, Konzertsaal und Treffpunkt in einem. Dass sie sich alle an derselben Flussseite aneinanderreihen, liegt am Tal: Platz gab es nur dort.

Parkkolonnade: Eisen und Licht

Die Sadová kolonáda am Rand des Dvořák-Parks ist die zierlichste der fünf. Sie stammt aus dem Wiener Büro von Ferdinand Fellner und Hermann Helmer, das später in halb Mitteleuropa Theater baute, und besteht aus weiß gestrichenem Gusseisen mit floralem Dekor. Erhalten ist nur ein Teilstück einer ursprünglich viel längeren Anlage.

Weil sie am unteren Ende des Kurviertels liegt, ist sie morgens der ruhigste Ort der Stadt. Wenn du die Route hier beginnst, siehst du zuerst das leichteste Bauwerk und steigerst dich danach ins Monumentale.

Mühlbrunnkolonnade: die große Steinhalle

Josef Zítek baute die Mlýnská kolonáda von 1871 bis 1881 als klassizistischen Säulengang mit 124 korinthischen Säulen auf rund 132 Metern Länge. Fünf Quellen sind darin gefasst, über der Balustrade stehen zwölf allegorische Figuren für die Monate. Es ist der Bau, den die meisten meinen, wenn sie „Karlsbad“ sagen.

Das Besondere ist der leichte Bogen: Die Halle folgt der Talstraße und wirkt dadurch länger, als sie ist. Alles Weitere steht auf der Seite zur Mühlbrunnkolonnade.

Marktkolonnade: das Provisorium, das blieb

Die Tržní kolonáda von 1883 ist ein weiß gestrichener Holzbau mit reichem Schnitzwerk, ebenfalls aus dem Büro Fellner und Helmer. Geplant war sie als vorläufige Lösung, gestanden hat sie inzwischen weit über hundert Jahre. Unter ihrem Dach liegt auch die Karl-Quelle, die an die Gründungslegende der Stadt erinnert.

Der Kontrast zu Zíteks Steinbau ein paar Schritte weiter ist der lehrreichste Moment des ganzen Spaziergangs: dieselbe Funktion, dasselbe Jahrzehnt, zwei völlig verschiedene Antworten. Das eine Haus will Ewigkeit, das andere Sommerfrische, und beide meinen dieselbe Kur.

Schlosskolonnade: Jugendstil über der Straße

Friedrich Ohmann errichtete die Zámecká kolonáda von 1910 bis 1912 auf der Terrasse über der Talstraße. Der Bau ist kleiner als die anderen, dafür feiner gearbeitet, mit Reliefs und einer Anlage auf zwei Ebenen. Weil er ein Stück oberhalb liegt, wird er von vielen Besuchern schlicht übersehen.

Hinauf geht es über Treppen neben der Marktkolonnade. Oben liegt auch der Schlossturm, der Rest der mittelalterlichen Burg, auf die der Stadtname zurückgeht. Der Umweg dauert zehn Minuten und ist der einzige Punkt der Kolonnadenrunde, an dem du nennenswert steigen musst.

Sprudelkolonnade: der Streitfall

Die heutige Vřídelní kolonáda wurde 1975 eröffnet, ein Bau aus Beton, Glas und Stahl über der heißesten Quelle der Stadt. Ihr Vorgänger, eine gusseiserne Halle des 19. Jahrhunderts, wurde im Zweiten Weltkrieg für Rüstungszwecke eingeschmolzen. Der Nachfolger passt bewusst nicht zum Rest der Promenade.

Viele finden ihn schlicht hässlich, andere schätzen die Konsequenz, mit der hier eine technische Aufgabe gelöst wurde. Wie du dazu stehst, klärt sich am besten vor Ort, siehe Vřídlo.

Gut zu wissen: Die Quellen tragen eigene Namen und Nummern, und an jedem Auslauf steht die Temperatur. Kaltes und heißes Wasser aus derselben Quellader schmecken deutlich unterschiedlich, weil beim Abkühlen Kohlensäure entweicht. Genau darum hat der Vergleich zwischen zwei Ausläufen mehr Sinn als der Rundgang durch alle zwölf.

Die richtige Reihenfolge

Geh flussaufwärts: Park, Mühlbrunn, Markt, hinauf zur Schlosskolonnade und wieder hinunter zum Sprudel. Danach beginnt die Stará Louka mit den Läden und dem Grandhotel Pupp. Umgekehrt geht es auch, dann läufst du aber gegen den Strom der Tagesgruppen, die morgens von oben kommen.

Was du beim Trinken beachten solltest

Kauf eine Schnabeltasse, bevor du an der ersten Quelle stehst. Trink langsam, im Gehen, und probier höchstens zwei oder drei Quellen. Das Wasser ist stark mineralisiert und warm, es ist kein Getränk für den Durst. Wer eine echte Kur machen will, braucht ärztliche Begleitung, alles andere ist Ausprobieren.

Ein zweiter Hinweis betrifft die Becher selbst: Die Schnabeltassen aus der Region sind Gebrauchsgegenstände und keine Deko. Der seitliche Schnabel führt das heiße Wasser in kleinen Mengen und an den Zähnen vorbei in den Mund, was das langsame Trinken im Gehen überhaupt erst möglich macht. Aus einer Flasche funktioniert das nicht, und aus einem normalen Becher verbrennst du dir die Lippen. Mehr zum Ablauf steht unter Aktivitäten in Karlsbad und in den praktischen Tipps.

Wenn es nicht klappt

  • Wenn es voll istVor neun Uhr sind die Hallen fast leer, mittags stehen Gruppen an den Ausläufen
  • Wenn es regnetGenau dafür sind sie gebaut, nur zwischen den Hallen bleiben kurze offene Stücke
  • Mit KindernWarmes Salzwasser überzeugt selten, der Sprudel mit seiner Fontäne dagegen schon
  • Mit eingeschränkter MobilitätAlle fünf sind ebenerdig erreichbar, nur zur Schlosskolonnade geht es ein Stück bergauf

Häufige Fragen

Wie viele Kolonnaden gibt es in Karlsbad?

Fünf: die Parkkolonnade aus Gusseisen, die große Mühlbrunnkolonnade aus Stein, die hölzerne Marktkolonnade, die Schlosskolonnade im Jugendstil und die Sprudelkolonnade aus Beton. Sie liegen alle im Kurtal an der Teplá, auf gut einem Kilometer und fast ohne Steigung. In 1 bis 1,5 Stunden hast du alle fünf gesehen.

Welche Kolonnade ist die schönste in Karlovy Vary?

Die Mühlbrunnkolonnade ist die eindrucksvollste: 124 Säulen, rund 132 Meter, fünf Quellen unter einem Dach. Die Parkkolonnade ist die zierlichste und morgens die ruhigste. Wer Architektur vergleichen will, stellt die hölzerne Marktkolonnade daneben, denn Holz und Stein aus demselben Jahrzehnt zeigen zwei sehr verschiedene Vorstellungen von Kurarchitektur.

Kostet der Besuch der Kolonnaden Eintritt?

Nein, alle fünf Hallen sind öffentlich zugänglich. Bezahlen musst du nur die Schnabeltasse, falls du keine mitbringst, und das Wasser an bewirtschafteten Ausläufen. Eintritt kostet in Karlsbad, was einen Innenraum hat: Museen, Schlossturm, Diana-Bahn. Die Kolonnaden gehören zum öffentlichen Stadtraum.

Aus welcher Kolonnade kommt das heißeste Wasser?

Aus der Sprudelkolonnade. Dort tritt der Vřídlo aus, die heißeste Quelle der Stadt mit über 70 Grad, und schießt als Fontäne in die Höhe. Getrunken wird nicht an der Fontäne, sondern an Ausläufen, die das Wasser abgekühlt abgeben. In der Mühlbrunnkolonnade sind die Quellen deutlich kühler und unterscheiden sich untereinander.

Sind die Kolonnaden mit Rollstuhl oder Kinderwagen befahrbar?

Weitgehend ja. Park-, Mühlbrunn-, Markt- und Sprudelkolonnade liegen auf der ebenen Talpromenade und sind ohne Stufen erreichbar. Die Schlosskolonnade liegt auf einer Terrasse über der Straße, dorthin führen Treppen. Der Belag ist Kopfsteinpflaster, das rumpelt, ist aber durchgehend befahrbar.