Südböhmen

Slavonice: Sehenswürdigkeiten & Tipps

Slavonice hat 2.229 Einwohner und zwei Plätze, die aussehen wie eine reiche Handelsstadt der Renaissance. Genau das war der Ort auch, bis die Handelswege sich verschoben. Danach passierte jahrhundertelang wenig, und nach 1948 lag die Stadt direkt an der Sperrzone zur österreichischen Grenze.

Diese Kombination hat die Giebel und Sgraffiti gerettet, weil niemand Geld zum Abreißen hatte. Heute ist Slavonice sehr ruhig, sehr fotogen und ausdrücklich kein Ort für große Programme.

Slavonice: Sehenswürdigkeiten & Tipps
Foto: JAn Dudík, CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • Tschechischer NameSlavonice, deutsch Zlabings
  • Einwohner2.229
  • Höhe518 Meter
  • Erste Erwähnung1260
  • BaustilRenaissancegiebel und Sgraffiti aus dem 16. Jahrhundert
  • LageDirekt an der Grenze zu Österreich, Region Böhmisches Kanada

Für wen sich die Fahrt lohnt

Der Ort ist ein Ziel für Leute, die Architektur genau ansehen wollen, für Radfahrer und für alle, die Ruhe suchen. Zwei Stunden am Platz, ein Kaffee, ein Turmaufstieg, danach hinaus in die Wälder und an die Teiche: So funktioniert Slavonice.

Falsch bist du hier, wenn du Abwechslung brauchst. Die Auswahl an Lokalen ist klein, abends passiert nichts, und außerhalb der Saison sind viele Türen zu. Wer eine vergleichbare Renaissancestadt mit mehr Betrieb sucht, fährt eine halbe Stunde nach Telč.

Die wichtigsten Ziele der Reihe nach

1 Die beiden Plätze

Slavonice hat nicht einen Marktplatz, sondern zwei, die ineinander übergehen. Das ist ungewöhnlich und zeigt, wie schnell die Stadt im 16. Jahrhundert wuchs: Der ältere Bereich reichte nicht mehr, also baute man den zweiten gleich daneben.

Die Häuser tragen hohe Giebel mit Zinnen und Voluten, dahinter stecken Gewölbe und Innenhöfe. Geh einmal an beiden Seiten entlang und dann noch einmal zurück: Von der anderen Straßenseite aus siehst du die Giebel erst richtig, weil sie steil nach oben gestaffelt sind.

2 Die Sgraffiti an den Fassaden

Sgraffito heißt: heller Putz über dunklem Grund, das Bild entsteht durch Auskratzen. In Slavonice sind die Fassaden mit Bibelszenen, Ornamenten und Quadermustern überzogen, entstanden im 16. Jahrhundert, als sich hier vermögende Kaufleute niederließen.

Die Bilder waren kein Schmuck allein, sondern Statusaussage und teilweise Bekenntnis: Viele Motive stammen aus dem protestantischen Umfeld der Zeit. Nimm dir für eine Fassade fünf Minuten, dann findest du Details, die du im Vorbeigehen übersiehst.

3 Kirchturm und Aussicht

Die Kirche Mariä Himmelfahrt am oberen Platz hat einen Turm, der in der Saison bestiegen werden kann. Von oben siehst du die Dachlandschaft der beiden Plätze, das ist die einzige Perspektive, aus der die Stadtanlage als Ganzes lesbar wird.

Der Aufstieg ist eng und steil, oben ist es zugig. Wer nicht hinauf will, bekommt vom Friedhofsweg am Ortsrand zumindest die Silhouette mit Turm und Giebeln.

4 Der Untergrund

Unter der Stadt liegt ein System mittelalterlicher Gänge, das ursprünglich der Entwässerung und der Vorratshaltung diente. Teile davon lassen sich mit Führung begehen, mit Helm und Gummistiefeln, weil es niedrig, feucht und stellenweise sehr eng ist.

Das ist nichts für große Menschen und nichts bei Klaustrophobie. Wer es macht, versteht danach besser, wie viel Arbeit unter einer solchen Stadt steckt, von der oben nichts zu sehen ist. Die Zeiten wechseln stark mit der Saison.

5 Bunkerlinie und Grenzgeschichte

Rund um die Stadt stehen kleine Betonbunker aus den Jahren 1936 bis 1938, Teil der tschechoslowakischen Grenzbefestigung gegen das Deutsche Reich. Einige sind hergerichtet und mit Führung zugänglich, andere liegen einfach im Feld.

Dazu kommt die zweite Grenzgeschichte: Nach 1948 lag Slavonice in der Sperrzone, der Verkehr nach Österreich hörte auf, Dörfer im Umland verschwanden. Erst seit den 1990er Jahren ist der Übergang wieder offen, und Wien liegt heute näher als Prag. Diese Doppelgeschichte erklärt den Ort besser als jede Fassade.

Gut zu wissen: Museen, Turm und Untergrund arbeiten mit kurzen Saisonzeiten, oft nur von Mai bis September und nicht täglich. Frag im Zweifel in der Touristeninformation am Platz nach, bevor du deine Runde planst, sonst stehst du vor verschlossenen Türen.

Anreise mit Bahn, Bus und Auto

Slavonice liegt am Ende einer Nebenbahn, die über Telč und Dačice heranführt. Ab Prag heißt das mehrfaches Umsteigen und einen halben Reisetag, ab Jihlava geht es einfacher. Wer die Strecke einmal fährt, bekommt dafür eine der ruhigsten Bahnfahrten des Landes durch Wald und Felder.

Mit dem Auto kommst du aus Österreich am schnellsten: Der Grenzübergang liegt direkt hinter der Stadt, Wien ist gut zwei Stunden entfernt. Aus Prag rechne mit rund zweieinhalb Stunden über Jindřichův Hradec. Denke an die elektronische Vignette für tschechische Autobahnen, sie ist ans Kennzeichen gebunden und wird online gekauft. Mehr dazu unter Tschechien mit dem Auto.

Parken und Altstadtzufahrt

Beide Plätze sind befahrbar, und du kannst dort in der Regel unkompliziert stehen; an Markttagen und bei Veranstaltungen wird es eng. Weil der Ort klein ist, brauchst du keine Strategie: Sobald du eine Lücke siehst, parkst du, und in fünf Minuten bist du überall zu Fuß.

Wie lange du bleiben solltest

Für die Stadt reichen 2 bis 3 Stunden. Mit Turm, Untergrund und Bunkerführung wird ein halber bis ganzer Tag daraus. Übernachten lohnt, wenn du das Böhmische Kanada zum Radfahren oder Wandern nutzen willst; dann sind 2 Nächte sinnvoll, weil die Wege lang und die Verbindungen dünn sind.

Essen: südböhmisch und überschaubar

Auf der Karte stehen die Klassiker der Region: Kulajda, die sämige Dillsuppe mit Ei und Pilzen, Karpfen und andere Teichfische, Schweinebraten mit Knödeln, dazu Süßspeisen wie Powidltascherl. Die Küche ist bodenständig und deutlich günstiger als in Prag oder Wien.

Die Betonung liegt auf überschaubar: Ein paar Lokale am Platz, und am Sonntagabend oder außerhalb der Saison kann es sein, dass nur eines geöffnet hat. Reserviere im Sommer lieber, wenn du zu sechst kommst. Hintergrund unter Tschechische Küche.

Was gut dazu passt

Eine halbe Stunde nördlich liegt Telč mit seinem Welterbeplatz, ebenso nah Jindřichův Hradec. In dreiviertel Stunden erreichst du die Teichlandschaft um Třeboň, in einer Stunde Znojmo mit seinen Weinbergen. Ganz in der Nähe steht außerdem die Burg Landštejn, eine der besterhaltenen romanischen Burgen des Landes. Die Region ordnet Südböhmen ein.

Was überschätzt wird und wann es voll ist

Überschätzt wird der Vergleich mit Telč. Slavonice ist kleiner, rauer und weniger durchrestauriert; wer die perfekte Kulisse erwartet, sieht hier auch bröckelnden Putz. Genau das ist für viele der Reiz, aber es sollte niemanden überraschen.

Voll ist es hier fast nie. Kritisch sind höchstens einzelne Festwochenenden im Sommer. Die beste Zeit sind Mai bis September mit bis zu 24 Grad im Juli und August; auf 518 Metern kühlen die Nächte spürbar ab, nimm also auch im Sommer etwas Warmes mit. Zwischen November und März ist der Ort schön still, aber weitgehend geschlossen.

Klima und Anreise auf einen Blick

Gerade in Slavonice24°Cklar
  • Wärmster MonatJuli, 24 °C
  • Kühlster MonatJanuar, -3 °C
  • Trockenster MonatFebruar
  • Höhe518 m

Temperatur Tag und Nacht, in Grad Celsius

2°-3°J
5°-1°F
9°1°M
14°5°A
17°9°M
23°14°J
24°14°J
24°15°A
19°11°S
13°7°O
6°2°N
3°-1°D

Regen Millimeter und Regentage pro Monat

41mm12 TageJ
35mm9 TageF
35mm9 TageM
49mm10 TageA
77mm14 TageM
80mm13 TageJ
82mm13 TageJ
74mm11 TageA
74mm10 TageS
45mm10 TageO
43mm9 TageN
47mm11 TageD

Entfernung ab deutschen Städten

AbLuftlinieÜber Land ca.
München294 km370 km, 4 Std. 30 Min.
Berlin415 km520 km, 6 Std. 30 Min.
Stuttgart452 km560 km, 7 Std.
Frankfurt497 km620 km, 7 Std. 45 Min.
Hamburg628 km780 km, 9 Std. 45 Min.
Köln637 km800 km, 10 Std.
Düsseldorf660 km820 km, 10 Std. 15 Min.

Monatswerte sind Durchschnitte der Jahre 2016 bis 2025, berechnet aus der ERA5-Reanalyse von Copernicus, bereitgestellt über Open-Meteo (CC BY 4.0). Die aktuelle Temperatur liefert das Meteorologische Institut Norwegen (CC BY 4.0). Die Luftlinie ist aus den Koordinaten berechnet. Die Werte für die Strecke über Land sind daraus geschätzt und ersetzen keine Routenplanung.

Städte in der Nähe

StadtEntfernungMit dem Auto etwa
Telč22 km30 km, 0 Std. 30 Min.
Jindřichův Hradec32 km40 km, 0 Std. 30 Min.
Třeboň42 km60 km, 0 Std. 45 Min.
Třebíč46 km60 km, 0 Std. 45 Min.
Jihlava51 km70 km, 1 Std. 0 Min.
Znojmo56 km80 km, 1 Std. 0 Min.

Entfernungen sind Luftlinie, die Fahrzeit ist aus der Straßenentfernung geschätzt und hängt von Route und Verkehr ab.

Häufige Fragen

Was ist Sgraffito und warum gibt es davon in Slavonice so viel?

Sgraffito ist eine Technik, bei der heller Putz über dunklem Grund aufgetragen und das Bild anschließend herausgekratzt wird. Im 16. Jahrhundert war Slavonice als Handelsstadt wohlhabend, und die Kaufleute ließen ihre Häuser damit schmücken. Weil der Ort später verarmte und niemand umbaute, blieben die Fassaden erhalten.

Wie kommt man von Prag nach Slavonice?

Mit dem Auto in rund zweieinhalb Stunden über Jindřichův Hradec. Mit der Bahn brauchst du mehrere Umstiege, denn der Ort ist Endpunkt einer Nebenbahn, die über Telč und Dačice kommt. Aus Wien ist die Anfahrt kürzer als aus Prag, der Grenzübergang liegt direkt hinter der Stadt.

Kann man den Untergrund in Slavonice besichtigen?

Ja, mit Führung und Ausrüstung. Die mittelalterlichen Gänge sind niedrig, feucht und teilweise sehr eng, deshalb gibt es Helm und Stiefel dazu. Für große Menschen, kleine Kinder und bei Platzangst ist das nichts. Die Zeiten hängen an der Saison, frag vorher in der Touristeninformation am Platz nach.

Lohnt sich Slavonice mit Kindern?

Als kurzer Stopp ja, als Tagesziel nur bedingt. Fassaden und Turm tragen bei kleineren Kindern nicht lange, der Untergrund ist für sie meist ungeeignet. Was funktioniert, ist die Umgebung: Radwege, Wälder und Teiche im Böhmischen Kanada, dazu die Burgruine Landštejn ganz in der Nähe.

Wann ist die beste Reisezeit für Slavonice?

Mai bis September, weil Turm, Untergrund und Museen nur in dieser Zeit verlässlich geöffnet sind. Im Juli und August werden bis zu 24 Grad erreicht, die Nächte bleiben auf 518 Metern kühl. Im Winter ist der Ort sehr still und stimmungsvoll, praktisch aber fast alles geschlossen.