Tschechien nach Regionen

Südböhmen: Städte, Orte & Reisetipps

Südböhmen ist die Region, die viele Reisende meinen, wenn sie „das andere Tschechien“ sagen: Teiche statt Berge, Renaissanceplätze statt Plattenbauten, dazu der Böhmerwald als grüne Kante nach Bayern und Österreich. Zwei UNESCO-Orte liegen hier, und beide sind zu Fuß in einer Stunde umrundet.

Die Region ist gut mit dem Auto und passabel mit der Bahn zu bereisen. Ab München bist du in dreieinhalb Stunden in Budweis, das ist näher als Berlin an Prag liegt.

Südböhmen: Städte, Orte & Reisetipps
Foto: donald judge, CC BY 2.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • UNESCOČeský Krumlov seit 1992, Holašovice seit 1998
  • RegionshauptstadtČeské Budějovice (Budweis)
  • NationalparkŠumava, gegründet 1991
  • Landschafthistorische Teichwirtschaft um Třeboň, seit dem 14. Jahrhundert
  • BierBudweiser Budvar aus České Budějovice
  • Beste ReisezeitMai bis September

Teiche, Renaissanceplätze und ein Nationalpark

Der Charakter Südböhmens entsteht aus drei Schichten. Die erste ist das Wasser: Rund um Třeboň liegt eine Teichlandschaft, die ab dem 14. Jahrhundert planmäßig angelegt wurde, mit Dämmen, Kanälen und Karpfenzucht bis heute. Die zweite ist die Architektur der Rosenberger, deren Renaissanceplätze mit Arkaden und Giebeln man in fast jeder Kleinstadt findet. Die dritte ist der Böhmerwald im Südwesten, Nationalpark seit 1991 und über Jahrzehnte Sperrgebiet am Eisernen Vorhang.

Diese Mischung macht Südböhmen zur Region mit der besten Balance aus Kultur und Natur. Du kannst vormittags durch eine Altstadt laufen und nachmittags am Damm eines Teichs radeln, ohne mehr als eine halbe Stunde zu fahren.

Die Orte, die sich lohnen

1 Český Krumlov

Die Altstadt liegt in einer Moldauschleife, darüber das zweitgrößte Schlossareal Tschechiens mit bemaltem Turm und einem barocken Schlosstheater, das zu den wenigen erhaltenen seiner Art in Europa gehört. Seit 1992 UNESCO-Welterbe.

Der Ort ist klein und die Besucherzahl groß. Wer übernachtet, hat die Gassen vor neun und nach sechs praktisch für sich. Alles Weitere steht unter Český Krumlov.

2 České Budějovice

Budweis hat den größten quadratischen Platz Böhmens, ringsum Arkaden, in der Mitte der Samsonbrunnen. Die Stadt ist Verkehrsknoten, Universitätsstadt und Heimat von Budweiser Budvar.

Als Basis ist České Budějovice die beste Wahl der Region: Von hier fahren Züge und Busse in alle Richtungen, und die Preise liegen unter denen von Krumau.

3 Třeboň

Kleine Kurstadt mitten in der Teichlandschaft, umgeben von Dämmen, auf denen Rad- und Wanderwege verlaufen. Der Rybník Svět beginnt direkt hinter der Stadtmauer.

Třeboň ist der Ort für einen langsamen Tag. Im Herbst gehört das Abfischen der Teiche zu den wenigen Traditionen, die keine Inszenierung für Besucher sind.

4 Tábor

1420 von den Hussiten gegründet und nach dem biblischen Berg benannt. Unter der Altstadt liegt ein Gangsystem, das ursprünglich als Lager und Zuflucht diente.

Tábor ist der beste Ort, um die Hussitenzeit zu verstehen, und liegt bequem auf der Bahnstrecke zwischen Prag und Budweis.

5 Jindřichův Hradec und Slavonice

Jindřichův Hradec hat eines der größten Schlossareale des Landes mit einem runden Musikpavillon im Garten. Der Ort liegt östlich der Hauptachse und ist deshalb spürbar ruhiger.

Slavonice ganz im Südosten besteht fast nur aus Renaissancehäusern mit Sgraffito und war jahrzehntelang durch die Grenzsperren vom Verkehr abgeschnitten. Genau deshalb ist so viel erhalten. Mehr zu Jindřichův Hradec auf der Stadtseite.

6 Písek und Prachatice

Písek besitzt die älteste erhaltene Steinbrücke Tschechiens, älter als die Karlsbrücke, und einen ruhigen Flussuferweg an der Otava. Ein guter Zwischenstopp auf dem Weg in den Böhmerwald.

Prachatice ist Tor zur Šumava und war Umschlagplatz des Goldenen Steigs, der Salzstraße aus Passau. Der Stadtkern mit Sgraffito-Fassaden ist besser erhalten, als die Lage vermuten lässt. Zur Stadtseite von Písek geht es hier entlang.

7 Holašovice

Ein Dorf mit rund zwei Dutzend Höfen im Stil des Bauernbarocks, seit 1998 UNESCO-Welterbe. Kein Museum, sondern ein bewohnter Ort: Der Besuch dauert 45 Minuten und besteht aus einem Rundgang um den Anger.

Holašovice passt gut als Zwischenstopp zwischen Budweis und Krumau, trägt aber keinen eigenen Tag.

Essen und lokale Spezialität

Südböhmen ist Karpfenland. Aus der Teichwirtschaft um Třeboň kommt der Fisch, der in Tschechien traditionell zu Weihnachten auf den Tisch kommt, paniert und gebraten, mit Kartoffelsalat. Das ganze Jahr über findest du ihn in den Gasthäusern der Region, oft als Filet.

Das zweite Thema ist Bier. In České Budějovice wird Budweiser Budvar gebraut, dessen Name seit über hundert Jahren Gegenstand eines Markenstreits mit einer US-Brauerei ist. Bestellt wird in Tschechien nach Stammwürze, also Zehner oder Zwölfer, nicht nach Alkoholgehalt. In der Hospoda strichelt der Kellner mit, abgerechnet wird am Schluss.

Übernachten und Preisniveau

Krumau ist der teuerste Ort der Region, besonders im Sommer. Budweis liegt deutlich darunter, hat mehr Auswahl und ist trotzdem in unter einer Stunde am Schloss. Wer flexibel ist, wohnt in Budweis und fährt nach Krumau, statt umgekehrt.

In den kleineren Orten dominieren Pensionen, auf Tschechisch Penzion, oft familiengeführt und mit Frühstück. Sie sind günstiger als Hotels und in Orten wie Třeboň oder Prachatice die übliche Form. In der Hochsaison und rund um Feste solltest du früh buchen, weil das Angebot begrenzt ist.

Beste Reisezeit

In České Budějovice sind Juli und August mit Höchstwerten um 25 Grad die wärmsten Monate, der Januar bleibt tagsüber bei gut 3 Grad. Der Juni ist mit Abstand der nasseste Monat, am wenigsten Regen fällt im Februar und im März. Weiter im Süden, in Český Krumlov und erst recht in Prachatice auf 580 Metern, fällt deutlich mehr Regen: Prachatice kommt im Juni auf über 130 Millimeter.

Praktisch heißt das: Mai, Juni und September sind die besten Monate für Städte und Teiche, der Hochsommer bringt Gewitter und in Krumau die größten Menschenmengen. Im Winter ist die Teichlandschaft still und schön, viele Schlösser sind aber geschlossen.

Anreise aus Deutschland

Ab München sind es rund 290 Straßenkilometer bis Budweis, etwa dreieinhalb Stunden, ab Stuttgart rund 480 Kilometer. Über Passau und die Grenze bei Philippsreut kommst du am schnellsten in den Böhmerwald, über Freyung und Strážný nach Prachatice.

Ohne Auto fährst du am besten mit dem Zug von Prag nach České Budějovice und von dort weiter. Die Strecke Prag nach Krumau bedienen auch Fernbusse, die schneller sind als die Bahn, weil der Zug einen Umweg über Budweis nimmt. Innerhalb der Region sind Busse oft die einzige Verbindung, besonders in Richtung Šumava. Mehr Grundsätzliches unter Anreise nach Tschechien.

Tipp: Die Teichdämme um Třeboň sind flach, breit und asphaltiert oder gut befestigt. Wer mit dem Rad reist, findet hier eine der angenehmsten Gegenden Tschechiens, ohne nennenswerte Steigungen. Mehr dazu unter Radfahren in Tschechien.

Route oder Basis

Für eine Woche funktioniert Budweis als Basis mit Tagesfahrten nach Krumau, Třeboň, Holašovice und Písek. Wer lieber wechselt, nimmt zwei Standorte: erst Tábor oder Třeboň im Osten, dann Krumau oder Prachatice im Westen. Eine sinnvolle Reihenfolge auf dem Weg von Prag: Tábor, Třeboň, Budweis, Krumau, Böhmerwald, dann weiter nach Bayern oder zurück über Pilsen.

Ehrlich eingeordnet

Südböhmen ist für einen ersten Tschechien-Besuch nach Prag die naheliegendste zweite Station, besonders für Reisende aus dem Süden Deutschlands. Die Region ist abwechslungsreich, gut erschlossen und landschaftlich einladend.

Der wunde Punkt ist Krumau. Zwischen elf und siebzehn Uhr ist der Ort in der Hochsaison so voll, dass die Gassen zum Einbahnverkehr werden. Wer nur einen Mittagsbesuch einplant, sieht vor allem Rücken. Und wer den Böhmerwald für ein Wandergebiet nach Alpenmaßstab hält, wird enttäuscht: Die Šumava ist flach gewellt, waldreich und ruhig, aber sie liefert keine Gipfelpanoramen. Genau darin liegt ihr Reiz.

Häufige Fragen

Wie kommt man von Prag nach Český Krumlov?

Am schnellsten mit dem Fernbus, der direkt fährt und für die Strecke rund drei Stunden braucht. Mit der Bahn musst du in České Budějovice umsteigen, was länger dauert, dafür aber bequemer ist und einen Zwischenstopp in Budweis erlaubt. Beide Varianten sollte man in der Hochsaison vorher buchen.

Welche Stadt eignet sich als Basis für Südböhmen?

České Budějovice. Die Stadt liegt zentral, hat den besten Bahn- und Busknoten der Region und ist günstiger als Český Krumlov. Von dort erreichst du Krumau, Třeboň, Holašovice und Písek jeweils in unter einer Stunde. Wer den Böhmerwald in den Mittelpunkt stellt, nimmt besser Prachatice oder einen Ort am Lipno-Stausee.

Lohnt sich Holašovice als eigener Ausflug?

Als eigener Ausflug eher nicht. Das Dorf besteht aus einem Anger mit rund zwei Dutzend Barockhöfen, der Rundgang dauert etwa 45 Minuten. Als Zwischenstopp auf der Fahrt zwischen Budweis und Krumau ist es dagegen ein lohnender Halt, weil es die ländliche Seite Südböhmens in konzentrierter Form zeigt.

Wann findet das Abfischen der Teiche statt?

Im Herbst, überwiegend im Oktober und November, rund um Třeboň und die großen Teiche der Region. Die genauen Termine legen die Teichwirtschaften jedes Jahr neu fest und veröffentlichen sie vorab. Es ist Arbeit und kein Volksfest, auch wenn an manchen Terminen Stände dazukommen.

Kann man Südböhmen gut mit dem Rad bereisen?

Ja, besonders die Teichlandschaft um Třeboň und das Moldautal. Die Dämme sind flach und befestigt, die Wege gut markiert. Anspruchsvoller wird es in Richtung Böhmerwald, wo längere Anstiege dazukommen. Räder lassen sich in vielen Regionalzügen mitnehmen, in der Hochsaison ist eine Reservierung ratsam.