Auf einen Blick
- RegionshauptstadtPlzeň (Pilsen)
- GegründetPilsen 1295 durch Wenzel II.
- Biererstes helles Lagerbier neuen Typs 1842 in Pilsen
- LandschaftPilsner Becken, Chodenland, nördliche Šumava
- Anreise ab Münchenrund 280 Straßenkilometer
- Beste ReisezeitMai bis September
Bier, Grenzland und der Rand des Waldes
Die Region liegt zwischen dem bayerischen Wald im Südwesten, dem Erzgebirgsvorland im Norden und Mittelböhmen im Osten. Ihr Zentrum ist das Pilsner Becken, in dem vier Flüsse zusammentreffen: Mže, Radbuza, Úhlava und Úslava, die von dort als Berounka Richtung Prag fließen.
Historisch ist das eine Durchgangs- und Grenzregion. Der Goldene Steig und andere Handelswege führten hierher, die Choden bewachten im Auftrag der böhmischen Könige die Grenzpässe, und im Mai 1945 endete für Pilsen der Krieg mit der Befreiung durch die US-Armee, was in Tschechien lange nicht öffentlich erzählt werden durfte.
Die Orte, die sich lohnen
1 Plzeň (Pilsen)
Die viertgrößte Stadt des Landes, 1295 gegründet, mit einem der größten Stadtplätze Böhmens und der St.-Bartholomäus-Kathedrale, deren Turm der höchste Kirchturm Tschechiens ist. Unter der Altstadt liegt ein mittelalterliches Kellersystem, das begehbar ist.
Der bekannteste Grund für einen Besuch ist die Brauerei: 1842 entstand hier das erste helle Lagerbier des neuen Typs, das der ganzen Bierkategorie den Namen gab. Alles zur Stadt steht unter Pilsen, zur Führung unter Pilsner-Urquell-Brauerei.
2 Klatovy
Klatovy hat einen weißen Turm über dem Platz, eine barocke Apotheke, die als Museum erhalten ist, und Katakomben unter der Jesuitenkirche, in denen Mumien liegen. Das ist mehr Substanz, als eine Stadt dieser Größe erwarten lässt.
Klatovy ist außerdem das nördliche Tor zur Šumava und liegt an der Bahnstrecke von Pilsen Richtung Železná Ruda an der bayerischen Grenze.
3 Domažlice
Die Stadt im Chodenland hat einen langen Platz mit Arkaden auf beiden Seiten und einen Kirchturm, der sichtbar schief steht. Die Choden waren freie Bauern mit dem Auftrag, die Grenze zu bewachen, und pflegen bis heute eine eigene Tracht und Musiktradition mit Dudelsack.
Domažlice ist von München über Furth im Wald in gut zweieinhalb Stunden erreichbar und damit einer der schnellsten Einstiege nach Tschechien überhaupt.
Landschaft und Ausflüge
Von Klatovy und Železná Ruda aus beginnt der nördliche Böhmerwald mit Mooren, Gletscherseen und dem Nationalpark Šumava. Im Norden der Region liegen Burgen und Klöster, darunter Kladruby und Plasy, beide barock überformt. Wer sich für Burgen interessiert, findet in der Region mehrere gut erhaltene Anlagen, ein Überblick steht unter Burgen und Schlösser in Tschechien.
Der Radweg entlang der Berounka führt von Pilsen Richtung Beroun und Prag, überwiegend flach und flussnah. Das ist eine der angenehmsten Mehrtagesrouten Westböhmens.
Essen und lokale Spezialität
Die Region isst deftig und böhmisch: Svíčková mit Rahmsoße und Semmelknödel, Gulasch, Braten mit Kraut. Dazu kommt in Pilsen die enge Verbindung von Essen und Bier, weil das Lager von 1842 hier erfunden wurde und den Ton für die ganze Bierkultur des Landes gesetzt hat.
Bestellt wird nach Stammwürze, also Zehner oder Zwölfer. Der Kellner bringt ungefragt nach, solange dein Glas leer wird, und strichelt auf dem Bierdeckel mit. Wer aufhören will, legt den Deckel aufs Glas. Trinkgeld heißt aufrunden, kein fester Prozentsatz.
Für Familien und Regentage
Pilsen ist eine der besseren Städte Tschechiens für Reisen mit Kindern. Das Techmania Science Center in einer ehemaligen Werkshalle verbindet Experimente mit einem Planetarium, der Zoo mit Botanischem Garten liegt am Hang über der Stadt und ist weitläufig angelegt.
Bei Regen funktionieren außerdem der historische Untergrund, die Brauereiführung und die Große Synagoge, die zu den größten Europas zählt. Damit hat die Stadt genug Programm für zwei Schlechtwettertage, was in kleineren tschechischen Städten selten der Fall ist.
Übernachten und Preisniveau
Pilsen hat als Universitäts- und Industriestadt ein solides Angebot in allen Preisklassen, deutlich unter Prager Niveau. In Klatovy und Domažlice dominieren Pensionen. Wer in den Böhmerwald weiterfährt, findet dort überwiegend kleine Häuser, die in der Hochsaison und in den Winterferien früh ausgebucht sind.
Beste Reisezeit
In Plzeň sind Juli und August mit Höchstwerten um 25 Grad die wärmsten Monate, im Januar bleibt es tagsüber bei gut 3 Grad. Der August bringt den meisten Niederschlag, der März den wenigsten. Klatovy liegt 90 Meter höher und ist entsprechend etwas kühler und feuchter.
Für die Stadt ist die Saison lang: Brauerei, Untergrund und Museen funktionieren auch bei Regen. Für den Böhmerwald sind Juni bis September die verlässlichen Monate, weil im Frühjahr noch Schnee auf den Höhenwegen liegen kann.
Anreise aus Deutschland
Ab München sind es rund 280 Straßenkilometer nach Pilsen, etwa dreieinhalb Stunden, ab Nürnberg deutlich weniger. Die Autobahn D5 führt von Waidhaus direkt nach Pilsen und weiter nach Prag, für sie brauchst du die elektronische Vignette. Wer nur nach Domažlice oder Klatovy will, kommt über Landstraßen ohne Vignette aus.
Mit der Bahn gibt es die Verbindung von München über Regensburg und Furth im Wald nach Pilsen und Prag, mit Umstieg an der Grenze. Sie ist langsamer als das Auto, aber landschaftlich schön und braucht keine Vignette. Innerhalb der Region fahren Regionalzüge nach Klatovy, Domažlice und weiter in den Böhmerwald. Weitere Grundlagen stehen unter Tschechien mit dem Auto.
Tipp: Die Region eignet sich hervorragend als Zwischenstopp auf dem Weg nach Prag. Statt die D5 durchzufahren, übernachtest du in Pilsen, machst die Brauereiführung am Nachmittag und bist am nächsten Vormittag in der Hauptstadt.
Route oder Basis
Pilsen ist die logische Basis, weil alle Bahn- und Straßenverbindungen dort zusammenlaufen. Für drei Tage reicht das: ein Tag Stadt, ein Tag Klatovy und Chodenland, ein Tag Böhmerwald. Wer länger bleibt und wandern will, wechselt für die zweite Hälfte in einen Ort in der Šumava.
Als Teil einer größeren Runde passt die Region gut zwischen Bayern und Prag oder zwischen Karlsbad und Südböhmen. Eine mögliche Reihenfolge: Cheb, Karlsbad, Pilsen, Klatovy, Böhmerwald, Krumau.
Ehrlich eingeordnet
Pilsen ist keine schöne Stadt im Sinne von Krumau oder Telč. Es ist eine Industriestadt mit einem großen Platz, einer sehenswerten Kathedrale und einer Brauerei, die man gesehen haben kann. Wer eine Postkartenaltstadt erwartet, wird nach zwei Stunden fertig sein.
Für einen ersten Tschechien-Besuch taugt die Region deshalb nur bedingt als Hauptziel, aber sehr gut als Auftakt oder Abschluss einer Reise. Ihre Stärke ist die Lage: Aus Bayern bist du schneller in Pilsen als in Berlin, und die Wege innerhalb der Region sind kurz. Wer Bier ernst nimmt, findet hier zudem die Ursprungsgeschichte einer ganzen Braukategorie, nachzulesen unter Bierkultur in Tschechien.
Häufige Fragen
Wie lange braucht man für Pilsen?
Anderthalb Tage sind realistisch. Ein halber Tag für den Platz, die Kathedrale und den historischen Untergrund, ein halber Tag für die Brauereiführung, dazu Zeit für die Große Synagoge, die zu den größten Europas gehört. Wer nur die Brauerei sehen will, schafft das als Tagesausflug ab Prag.
Muss man die Brauereiführung vorher buchen?
In der Hochsaison und für deutschsprachige Termine ja. Die Führungen laufen in festen Gruppen zu festen Zeiten, und die fremdsprachigen Slots sind seltener als die tschechischen. Buche online auf der offiziellen Website der Brauerei, bevor du anreist.
Was ist das Chodenland?
Eine Gegend um Domažlice an der bayerischen Grenze, deren Bewohner, die Choden, im Mittelalter als freie Bauern die Grenzpässe für die böhmischen Könige bewachten. Aus dieser Sonderstellung entstand eine eigene Identität mit Tracht, Dudelsackmusik und einem jährlichen Fest. Der Aufstand unter Jan Sladký Kozina Ende des 17. Jahrhunderts prägt bis heute das lokale Selbstbild.
Kommt man von Bayern ohne Autobahn nach Pilsen?
Ja. Über Furth im Wald und Domažlice oder über Bayerisch Eisenstein und Klatovy führen Landstraßen ohne Vignettenpflicht Richtung Pilsen. Du brauchst etwa eine Stunde länger als über die D5, siehst dafür Chodenland oder Böhmerwald. Sobald du auf die Autobahn wechselst, brauchst du die elektronische Vignette.
Lohnt sich Klatovy für einen Zwischenstopp?
Ja, vor allem auf dem Weg in den Böhmerwald. Der weiße Turm, die barocke Apotheke und die Katakomben unter der Jesuitenkirche füllen zwei bis drei Stunden. Die Katakomben sind kühl und eng, eine Jacke ist auch im Sommer sinnvoll.






