Auf einen Blick
- RegionshauptstadtHradec Králové (Königgrätz)
- Höchster BergSněžka (Schneekoppe), 1.603 Meter
- ArchitekturStadtviertel von Josef Gočár und Jan Kotěra in Hradec Králové
- FelsenSandsteinstädte von Adršpach und Teplice nad Metují
- FestungJosefov, Ende des 18. Jahrhunderts angelegt
- Beste ReisezeitJuni bis September, Januar bis März für Ski
Von der Elbeebene auf 1.603 Meter
Der Süden der Region ist flach: Polabí, die Ebene an der Elbe, mit Zuckerrüben, Obst und einem dichten Bahnnetz. Nach Norden steigt das Land an, erst sanft, dann über Vrchlabí und Trutnov hinauf ins Riesengebirge, das seit 1963 Nationalpark ist.
Die Sněžka, auf Deutsch Schneekoppe, ist mit 1.603 Metern der höchste Berg Tschechiens und liegt genau auf der Grenze zu Polen. Auf dem Kamm herrscht ein Klima, das eher zu Skandinavien passt als nach Mitteleuropa, mit arktischen Pflanzen und Wetterumschwüngen innerhalb einer Stunde.
Im Osten, an der polnischen Grenze bei Broumov, liegen die Felsenstädte von Adršpach und Teplice: Sandsteintürme, enge Schluchten und Wege, die stellenweise durch Spalten führen. Das ist eine andere Landschaft als das Gebirge und einen eigenen Tag wert.
Die Orte, die sich lohnen
1 Hradec Králové
Die Stadt am Zusammenfluss von Elbe und Orlice hat einen mittelalterlichen Kern auf einer Anhöhe und darum herum ein Stadtviertel, das Anfang des 20. Jahrhunderts nach Plänen von Josef Gočár und Jan Kotěra entstand. Diese Kombination macht sie zu einem der interessantesten Architekturziele des Landes.
Hradec Králové ist Verkehrsknoten, Universitätsstadt und die logische Basis für den flachen Teil der Region.
2 Špindlerův Mlýn
Der bekannteste Bergort Tschechiens, im Elbtal auf gut 700 Metern gelegen und im Winter das meistbesuchte Skigebiet des Landes. Im Sommer starten hier Wanderungen zur Elbquelle und auf den Kamm.
Špindlerův Mlýn ist in der Hochsaison teuer und voll, in der Nebensaison dagegen erstaunlich ruhig.
3 Vrchlabí
Sitz der Nationalparkverwaltung und Tor zum Riesengebirge von Süden, mit einem Renaissanceschloss, alten Holzhäusern und einem Museum, das die Landschaft erklärt, bevor du hineingehst.
Vrchlabí ist günstiger als die Bergorte und trotzdem nah genug, um von hier aus zu wandern oder Ski zu fahren.
4 Trutnov
Die Stadt im Osten des Gebirges hat einen langen Arkadenplatz und ist Ausgangspunkt für Touren in den östlichen Kamm und nach Pec pod Sněžkou, dem Ausgangsort für die Schneekoppe.
Trutnov ist per Bahn erreichbar und für Reisende ohne Auto der praktischste Einstieg ins Riesengebirge.
5 Adršpach und Broumov
Die Felsenstadt Adršpach ist eine der eindrucksvollsten Sandsteinlandschaften Mitteleuropas, mit einem Rundweg durch Schluchten, an Türmen vorbei und über einen kleinen See. Broumov liegt einige Kilometer weiter und hat ein barockes Benediktinerkloster mit Bibliothek.
Die Kombination aus Felsen am Vormittag und Kloster am Nachmittag ergibt einen der besten Tage der Region.
6 Náchod und Jičín
Náchod liegt an der polnischen Grenze und hat ein weitläufiges Schloss über der Stadt, dazu eine Verbindung zur Literatur von Josef Škvorecký. Jičín im Westen ist das östliche Tor zum Böhmischen Paradies mit einem Platz, an dem Wallenstein bauen ließ.
Beide Städte sind Halbtagesziele und funktionieren gut als Zwischenstopp auf dem Weg in die Felsen.
Essen und lokale Spezialität
In den Bergorten gehören die Bauden zur Wanderkultur: einfache Gasthäuser auf dem Kamm und an den Wegen, in denen es Suppen, Knödelgerichte und Bier gibt. Kyselo, eine säuerliche Pilzsuppe mit Ei und Brot, ist die Spezialität des Riesengebirges und steht in vielen Bauden auf der Karte.
Im Flachland ist die Küche ostböhmisch und deftig. In Hradec Králové profitierst du vom Studentenpublikum: Die Preise liegen unter Prager Niveau, und die Auswahl reicht über die klassischen Gasthäuser hinaus.
Übernachten und Preisniveau
Špindlerův Mlýn ist der teuerste Ort der Region, besonders in den Winterferien. Vrchlabí und Trutnov liegen deutlich darunter und sind mit Bus und Bahn gut angebunden. Auf dem Kamm kannst du in Bauden übernachten, was für Mehrtagestouren die schönste Variante ist, aber früh reserviert werden muss.
In der Zwischensaison, also im Mai, Juni und Oktober, sind Preise und Verfügbarkeit deutlich entspannter. Wer nur die Felsen bei Adršpach und Broumov ansteuert, findet dort Pensionen zu niedrigen Preisen, weil der Ort außerhalb der Wandersaison kaum Betrieb hat.
Beste Reisezeit
In Hradec Králové ist der August mit Höchstwerten um 25 Grad der wärmste und nasseste Monat, der März der trockenste, der Januar bleibt tagsüber bei 3 Grad. In Špindlerův Mlýn auf 738 Metern sieht das anders aus: Der wärmste Monat erreicht knapp 21 Grad, im Januar liegt der Höchstwert unter null, und im August fallen über 130 Millimeter Niederschlag.
Für Wanderungen sind Juni bis September die verlässlichen Monate, für Ski Januar bis März. Auf dem Kamm kann es auch im Juli kalt, windig und neblig werden. Nimm immer eine Wind- und Regenjacke mit, auch wenn es im Tal warm ist.
Anreise aus Deutschland
Ab Berlin sind es rund 380 Straßenkilometer nach Hradec Králové und etwa 310 nach Špindlerův Mlýn, jeweils vier bis fünf Stunden. Aus Sachsen führt der Weg über Zittau und Liberec, aus Berlin über Dresden und die Autobahn Richtung Prag mit Abzweig nach Osten.
Mit der Bahn ist Hradec Králové von Prag aus gut erreichbar, Trutnov und Vrchlabí liegen an Regionalstrecken. Für Špindlerův Mlýn steigst du auf den Bus um. Die Bergorte selbst sind autofrei organisiert: In der Saison gibt es Parkplätze am Ortsrand und Skibusse. Was du für die Fahrt sonst noch brauchst, steht unter Anreise nach Tschechien.
Achtung: Der Nationalpark Krkonoše hat klare Regeln. Bleibe auf den markierten Wegen, auch wenn eine Abkürzung offensichtlich erscheint. Die Hochmoore und die arktisch-alpine Vegetation auf dem Kamm sind extrem empfindlich, und Wildcampen ist verboten.
Route oder Basis
Für einen Bergurlaub nimmst du Vrchlabí oder Špindlerův Mlýn, für eine Rundreise Hradec Králové. Fünf Tage füllen sich so: ein Tag Stadt und Festung Josefov, ein Tag Adršpach und Broumov, zwei Tage Riesengebirge mit Schneekoppe, ein Tag Náchod oder Jičín.
Als Teil einer größeren Route passt die Region zwischen Reichenberg und Pardubitz. Wer Felsen mag, hängt das Böhmische Paradies direkt an.
Ehrlich eingeordnet
Die Region ist die beste Adresse Tschechiens für Berge und Sandstein, aber sie ist keine Kulturregion. Hradec Králové ist architektonisch spannend und trotzdem kein Ziel, für das man allein anreist.
Für einen ersten Tschechien-Besuch taugt sie nur, wenn du gezielt wandern oder Ski fahren willst. Voll wird es im Riesengebirge in den Winterferien und an Sommerwochenenden, in Adršpach bereits am Vormittag, weil der Rundweg nur eine Richtung hat und sich schnell staut. Wer den Andrang meiden will, fährt an Wochentagen und startet früh. Und wer die Schneekoppe für einen einfachen Spaziergang hält, unterschätzt Wind und Wetterwechsel oben.
Häufige Fragen
Wie kommt man auf die Schneekoppe?
Von Pec pod Sněžkou mit der Sesselbahn in zwei Abschnitten oder zu Fuß über markierte Wege, die je nach Route zwei bis drei Stunden dauern. Von polnischer Seite führt ein weiterer Aufstieg herauf. Oben ist es fast immer deutlich kälter und windiger als im Tal, und die Sesselbahn stellt bei Sturm den Betrieb ein.
Welcher Ort eignet sich als Basis im Riesengebirge?
Špindlerův Mlýn hat die meisten Lifte und die kürzesten Wege zum Kamm, kostet dafür am meisten. Vrchlabí liegt tiefer, ist ganzjährig belebt und mit dem Bus gut angebunden. Pec pod Sněžkou ist der beste Ausgangspunkt für die Schneekoppe. Wer ohne Auto reist, fährt am einfachsten über Trutnov.
Was ist die Felsenstadt Adršpach?
Ein Sandsteingebiet an der polnischen Grenze mit Türmen, engen Schluchten und einem Rundweg, der teilweise durch Spalten und über Treppen führt. Der Weg ist als Einbahnstrecke organisiert und dauert je nach Variante zwei bis drei Stunden. In der Hochsaison ist eine Zeitreservierung üblich, deshalb lohnt sich der Blick auf die offizielle Website vorab.
Lohnt sich die Festung Josefov?
Für Interessierte an Militärgeschichte ja. Josefov wurde Ende des 18. Jahrhunderts als Festungsstadt angelegt und hat ein weitläufiges unterirdisches Gangsystem, das mit Führung und Taschenlampe begangen wird. Die Gänge sind eng, feucht und kühl, feste Schuhe und eine Jacke sind auch im Sommer angebracht.
Braucht man im Riesengebirge ein Auto?
Nicht zwingend. Trutnov und Vrchlabí haben Bahnanschluss, von dort fahren Busse in die Bergorte, und in der Saison ergänzen Skibusse das Netz. Innerhalb der Orte gilt ohnehin ein eingeschränkter Verkehr mit Parkplätzen am Rand. Mit Auto bist du flexibler bei Ausgangspunkten abseits der Hauptorte.






