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Mährisch-Schlesien: Städte, Orte & Reisetipps

Der Nordosten Tschechiens ist die Region, die am wenigsten wie das Reiseland Tschechien aussieht: Kohlereviere, Hochöfen, Plattenbauten und dazwischen die Beskiden, ein bewaldetes Grenzgebirge zur Slowakei.

Ostrava hat sich von der Stahlstadt zum Ort für Industriekultur entwickelt. Wer das Land nur aus Prag kennt, sieht hier eine ganz andere Seite und meist ohne einen einzigen Reisebus.

Mährisch-Schlesien: Städte, Orte & Reisetipps
Foto: Petr Štefek, CC BY-SA 3.0 cz · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • RegionshauptstadtOstrava
  • IndustrieerbeDolní Vítkovice, ehemaliges Hütten- und Bergbauareal
  • Höchster BergLysá hora, 1.323 Meter
  • GrenzenPolen im Norden, Slowakei im Osten
  • GeschichteOpava war Zentrum Österreichisch-Schlesiens
  • Beste ReisezeitMai bis September

Kohle, Stahl und ein Grenzgebirge

Die Region liegt in einem Dreieck zwischen Polen, der Slowakei und Mähren. Historisch gehört ihr nördlicher Teil zu Schlesien, das nach den Kriegen des 18. Jahrhunderts zwischen Preußen und Österreich geteilt wurde. Opava war die Hauptstadt des österreichischen Rests, und diese Vergangenheit prägt bis heute Architektur und Selbstverständnis.

Ab dem 19. Jahrhundert kam die Kohle. In Ostrava wurde gefördert, verkokt und verhüttet, alles auf engem Raum, und die Stadt wuchs zur drittgrößten des Landes. Nach 1990 brach das System zusammen, die letzte Zeche im Stadtgebiet schloss, und aus dem Areal Dolní Vítkovice wurde ein Ort für Museen, Konzerte und Führungen.

Im Süden steigen die Mährisch-Schlesischen Beskiden auf. Die Lysá hora ist mit 1.323 Metern der höchste Punkt, der Radhošť mit seiner Kapelle und der Statue des slawischen Gottes Radegast ein Wallfahrts- und Wanderziel.

Die Orte, die sich lohnen

1 Ostrava

Das Herz ist Dolní Vítkovice: Hochöfen, Gasometer und Fördertürme, die begehbar gemacht wurden, dazu ein Wissenschaftszentrum in einer ehemaligen Halle. Der Aufstieg auf den Bolt Tower über dem Hochofen ist der ungewöhnlichste Aussichtspunkt Tschechiens.

Dazu kommen die Zeche Michal, das Bergbaumuseum Landek und ein Nachtleben, das sich in der Stodolní-Straße konzentriert. Alles zur Stadt steht unter Ostrava.

2 Opava

Die alte schlesische Residenzstadt hat einen geschlossenen Stadtkern, das Schlesische Landesmuseum als ältestes Museum Tschechiens und mehrere Kirchen aus Backstein, die eher nach Norden als nach Böhmen aussehen.

Opava ist ruhiger und bürgerlicher als Ostrava und ein guter Halbtag für alle, die den Kontrast zur Industriestadt suchen.

3 Frýdek-Místek

Zwei Städte, die durch die Ostravice getrennt waren und heute eine bilden: Frýdek gehörte zu Schlesien, Místek zu Mähren. Die Wallfahrtsbasilika und das Schloss stehen auf der schlesischen Seite.

Frýdek-Místek ist das Tor zu den Beskiden und der praktischste Ausgangspunkt für die Lysá hora.

4 Nový Jičín

Die Stadt hat einen der schönsten Arkadenplätze Nordmährens und eine Geschichte als Zentrum der Hutmacherei, die ein Museum erzählt. Sie liegt abseits des Kohlereviers und wirkt deshalb völlig anders.

Nový Jičín ist der Ort in der Region, der einer klassischen tschechischen Kleinstadt am nächsten kommt.

5 Český Těšín

Die Stadt liegt an der Olza direkt gegenüber dem polnischen Cieszyn. Bis 1920 war das eine Stadt, dann wurde sie geteilt. Heute gehst du über eine Brücke von einem Land ins andere, und die polnische Seite hat die größere Altstadt.

Český Těšín ist ein ungewöhnliches Ziel: Zweisprachigkeit, geteilte Geschichte und ein Grenzübergang, der zum Spazierweg geworden ist.

6 Karviná und Havířov

Karviná zeigt die Folgen des Bergbaus am deutlichsten: Die alte Kirche in Doly steht schief, weil der Boden unter ihr um mehrere Meter absank. Der Kurteil Darkov ist ein Gegenpol mit Park und Jodbädern.

Havířov wurde in den 1950er Jahren komplett neu für Bergleute gebaut und ist die jüngste Stadt Tschechiens. Für Architekturinteressierte ist der Stil des sozialistischen Realismus dort in seltener Geschlossenheit zu sehen.

Landschaft und Ausflüge

Die Beskiden sind bewaldet, mittelhoch und deutlich ruhiger als das Riesengebirge. Auf der Lysá hora endet der Wald, oben stehen ein Sendemast und eine Berghütte. Der Radhošť trägt eine Holzkapelle und ist über einen Kammweg mit dem Pustevny-Sattel verbunden, wo die Holzbauten von Dušan Jurkovič stehen.

Im Norden liegt das Landschaftsschutzgebiet Poodří an der Oder, eine Auenlandschaft mit Altwässern, Teichen und alten Baumreihen. Wer sich für Industriegeschichte interessiert, findet unter Industriekultur in Tschechien weitere Ziele.

Essen und lokale Spezialität

Die Küche ist deftig und schlesisch beeinflusst. Typisch sind Sauerkrautsuppen, Kartoffelgerichte und in den Bergen Schafkäse. In Ostrava wird seit dem 19. Jahrhundert gebraut, und die Bierkultur ist bodenständig: Hospoda, Bierdeckel, Striche, am Ende Rechnung.

In der Stodolní-Straße reihen sich Bars und Clubs aneinander. Sie ist das bekannteste Ausgehviertel außerhalb Prags und an Wochenenden entsprechend voll.

Beste Reisezeit

Ostrava kommt im August auf Höchstwerte um 25 Grad, dann fallen allerdings auch über 110 Millimeter Regen. Der trockenste Monat ist der März, im Januar bleibt es tagsüber bei gut 3 Grad. Die Region ist niederschlagsreicher als Böhmen, weil die Beskiden die Wolken stauen.

Für Stadt und Industriekultur funktioniert das ganze Jahr, weil vieles überdacht ist. Für die Beskiden sind Juni bis September am besten, im Winter gibt es Loipen und kleine Skigebiete. Der Herbst ist wegen der Farben in den Bergen besonders lohnend.

Anreise aus Deutschland

Ab Berlin sind es rund 560 Straßenkilometer nach Ostrava, etwa sieben Stunden, ab München rund 660. Die Autobahn von Prag Richtung Osten führt bis Ostrava durch, für sie brauchst du die elektronische Vignette.

Mit der Bahn ist Ostrava direkt an die Hauptstrecke Prag nach Krakau angebunden, die Fahrt ab Prag dauert etwa dreieinhalb Stunden. Von Wien und Bratislava gibt es ebenfalls Verbindungen. Innerhalb der Region fahren Regionalzüge nach Opava, Frýdek-Místek und Český Těšín, und Ostrava hat ein Straßenbahnnetz.

Tipp: Die Führungen durch die Hochofenanlage in Dolní Vítkovice sind das Beste an Ostrava, laufen aber nur zu festen Zeiten und in begrenzten Gruppen. Prüfe die Termine vorab auf der offiziellen Website und plane für das gesamte Areal einen halben bis ganzen Tag.

Übernachten und Preisniveau

Ostrava ist eine der günstigsten Großstädte Mitteleuropas, weil kaum internationaler Tourismus dort ankommt. Das Angebot reicht von Hostels bis zu Hotels in umgebauten Verwaltungsgebäuden der Industriezeit. In der Nähe der Stodolní-Straße wird es an Wochenendnächten laut.

In den Beskiden dominieren Pensionen und Berghütten, in den Kurorten wie Karviná-Darkov Kurhäuser mit längeren Aufenthalten. Wer wandern will, wohnt am besten in Ostravice oder Frýdlant nad Ostravicí, direkt an den Ausgangspunkten für die Lysá hora.

Route oder Basis

Ostrava als Basis erschließt die ganze Region: Opava, Frýdek-Místek, Karviná und Český Těšín liegen jeweils unter einer Stunde entfernt. Für die Beskiden lohnt ein Wechsel nach Frýdek-Místek oder in einen Bergort.

Als Etappe passt die Region auf dem Weg von Prag nach Krakau oder als Verbindung zwischen Olmütz und der Slowakei. Auch der Anschluss an die Region Zlín im Süden funktioniert gut.

Ehrlich eingeordnet

Diese Region ist nichts für Reisende, die Altstadtromantik suchen. Ostrava ist rau, weitläufig und stellenweise leer, Karviná und Havířov sind für Besucher ohne Interesse an Stadtgeschichte schwer zugänglich.

Wer sich dagegen für Industriekultur interessiert, findet hier das stärkste Ensemble Mitteleuropas, und die Beskiden sind ein ehrliches, unaufgeregtes Wandergebiet. Für einen ersten Tschechien-Besuch ist die Region klar nicht geeignet. Als Ziel für eine spätere Reise, als Stopp Richtung Polen oder als Kontrastprogramm nach Prag ist sie ausgesprochen lohnend. Überschätzt wird die Stodolní-Straße unter der Woche: Dann ist dort wenig los.

Häufige Fragen

Was ist Dolní Vítkovice?

Ein ehemaliges Hütten- und Bergbauareal mitten in Ostrava, in dem Kohleförderung, Verkokung und Hochöfen direkt nebeneinander lagen. Nach der Stilllegung wurde es erhalten und zugänglich gemacht: Hochofenführungen, ein Wissenschaftszentrum in einer Halle, ein Konzertsaal im Gasometer und der Bolt Tower als Aussichtspunkt über dem Ofen.

Lohnt sich Ostrava für einen Städtetrip?

Für ein bis zwei Tage ja, wenn dich Industriegeschichte interessiert. Die Stadt hat kein historisches Zentrum im üblichen Sinn, dafür ein außergewöhnliches Industrieareal, Bergbaumuseen und ein lebendiges Ausgehviertel. Wer Barockplätze sucht, fährt besser nach Olomouc.

Wie kommt man auf die Lysá hora?

Zu Fuß über markierte Wege ab Ostravice, Krásná oder Malenovice, je nach Route zwei bis drei Stunden Aufstieg. Eine Seilbahn gibt es nicht. Oben stehen ein Sendemast und eine Berghütte. Der Gipfel gilt als einer der windreichsten und niederschlagsreichsten Punkte Tschechiens, entsprechende Kleidung ist Pflicht.

Kann man von Český Těšín nach Polen laufen?

Ja. Die Stadt wurde 1920 geteilt, die Grenze verläuft entlang der Olza, und mehrere Brücken verbinden beide Seiten. Der Übergang ist offen, du gehst einfach hinüber. Die größere Altstadt mit Marktplatz und Burgberg liegt auf der polnischen Seite in Cieszyn.

Warum steht die Kirche in Karviná schief?

Weil der Boden unter ihr durch den Kohleabbau um mehrere Meter absank. Die Kirche im Ortsteil Doly steht heute tiefer und geneigt inmitten einer weitgehend verschwundenen Siedlung. Sie ist eines der eindrücklichsten Zeugnisse dafür, was der Bergbau mit der Landschaft dieser Region gemacht hat.