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Dreifaltigkeitssäule in Olmütz

Die Dreifaltigkeitssäule auf dem Olmützer Oberring vereint mehr barocke Figuren in einem einzigen Denkmal als jedes andere Bauwerk Mitteleuropas: rund 35 Meter hoch, 38 Jahre Bauzeit, vergoldete Kupferfiguren obenauf und eine begehbare Kapelle im Sockel. Seit 2000 steht sie als einziges Bauwerk der Stadt auf der UNESCO-Welterbeliste.

Sie lohnt sich nicht als Fotostopp von 3 Minuten, sondern als Lehrstück darüber, wie eine Stadt nach Pest und Krieg über sich selbst sprechen wollte. Dafür brauchst du eine halbe Stunde und den richtigen Standort.

Dreifaltigkeitssäule in Olmütz
Foto: Michal Maňas, CC BY 4.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • Bauzeit1716 bis 1754
  • Höherund 35 Meter
  • BaumeisterVáclav Render, der sein Vermögen dafür einsetzte
  • Weihe1754, im Beisein von Maria Theresia
  • UNESCOWelterbe seit dem Jahr 2000
  • BesonderheitKapelle im Sockel, bei Pestsäulen sehr selten

Der Aufbau von unten nach oben

Die Säule ist in drei Ebenen gegliedert, und sie liest sich tatsächlich von unten nach oben. Der Sockel trägt Heiligenfiguren mit mährischem Bezug, darunter die Landespatrone. Die mittlere Zone bringt weitere Figurengruppen und Reliefs, die obere endet in der vergoldeten Darstellung der Heiligen Dreifaltigkeit. Das Gold ist kein Effekt: es sorgt dafür, dass die Spitze auch bei dem grauen Licht funktioniert, das Olmütz von November bis Februar häufig hat.

Interessant ist, wer nicht dargestellt ist. Auf einer Pestsäule erwartet man in erster Linie Pestheilige. Hier stehen daneben Figuren, die Olmütz als Bistumsstadt und als Zentrum Mährens ausweisen. Das Denkmal ist Dank und Machtanspruch in einem.

Warum eine Stadt 38 Jahre an einer Säule baut

Nach der Pestwelle, die Mähren zu Beginn des 18. Jahrhunderts traf, entstanden in vielen Städten Dankmale. Olmütz wollte das größte. Der Steinmetz Václav Render begann 1716 und steckte einen erheblichen Teil seines Privatvermögens hinein, starb aber lange vor der Fertigstellung. Nachfolgende Bildhauer und Handwerker führten die Arbeit über Jahrzehnte weiter, finanziert von der Stadt und von Bürgern.

Fertig wurde sie 1754, geweiht im Beisein von Maria Theresia und ihres Mannes. Vier Jahre später stand Olmütz unter preußischer Belagerung, die Stadt war zu diesem Zeitpunkt bereits zur Festung ausgebaut. Wie sehr diese militärische Rolle den Ort geprägt hat, zeigt die Seite zur Festungsstadt Olmütz.

Die Kapelle im Sockel

Das eigentlich Ungewöhnliche steckt unten. Im Sockel der Säule sitzt ein kleiner Kapellenraum, den man betreten kann, wenn er geöffnet ist. Er ist niedrig, schlicht und wirkt nach dem Blick nach oben fast enttäuschend klein. Genau das ist der Reiz: das Monument, das den Platz beherrscht, hat innen einen Raum für einzelne Menschen.

Die Öffnung ist beschränkt und saisonabhängig. Verlasse dich nicht darauf, sondern behandle es als Bonus. Wenn offen ist, steht meist jemand an der Tür, und der Zutritt ist kurz getaktet.

Tipp: Der beste Standort ist nicht direkt davor, sondern an der gegenüberliegenden Kante des Oberrings. Von dort siehst du Säule und Rathausturm in einem Bild und verstehst, warum die Stadt das Denkmal genau an diese Stelle gesetzt hat und nicht in die Platzmitte.

Licht und Tageszeit

Die Hauptschauseite bekommt am späten Vormittag und am frühen Abend das freundlichste Licht. Mittags steht die Sonne so, dass die Figuren im eigenen Schatten verschwinden. Im Winter lohnt sich der Blick nach Einbruch der Dunkelheit, weil die Beleuchtung die Silhouette stark herausarbeitet und der Platz dann fast leer ist.

Andrang gibt es hier selten. Die einzige Ausnahme ist der Advent, wenn der Weihnachtsmarkt den Oberring füllt und die Buden direkt bis an den Sockel reichen. Wer die Säule als Bauwerk sehen will, kommt dann früh am Vormittag.

Wer mehr als ein Foto will, geht die Figurenreihen einmal systematisch durch: unten die Landespatrone, darüber die Apostel und Evangelisten, oben die Dreifaltigkeit selbst. Diese Ordnung wiederholt sich an vielen Barockdenkmälern, hier ist sie ungewöhnlich vollständig ausgeführt. Zwischen den Ebenen findest du außerdem Reliefs, die man vom üblichen Standpunkt aus komplett übersieht.

Was du danach direkt daneben findest

Auf demselben Platz stehen das Rathaus mit der astronomischen Uhr und zwei der Barockbrunnen, die die Stadt bewusst als Programm angelegt hat. Der Vergleich lohnt: die Brunnen erzählen von Antike und Bildung, die Säule von Glauben und Rang. Beides zusammen ergibt das Selbstbild einer Stadt, die damals Hauptstadt Mährens sein wollte und es lange war.

Der Weg zu den übrigen Zielen ist kurz. Wie du die ganze Runde legst, steht auf Olmütz Sehenswürdigkeiten. Wenn du das Thema Welterbe systematisch angehen willst, ordnet UNESCO-Welterbe in Tschechien die Säule in die Liste des Landes ein, und der Überblick zu Olmütz zeigt, wie sie in den Stadtbesuch passt.

Wenn es nicht klappt

  • Wenn es voll istAndrang gibt es fast nur im Advent, wenn der Weihnachtsmarkt bis an den Sockel reicht. Dann kommst du vor 10 Uhr, danach siehst du vor allem Buden.
  • Wenn es regnetDie Säule steht frei ohne Unterstand. Bei Dauerregen verlegst du sie auf später und gehst zuerst in die Museen an der Denisova-Straße oder in die Mauritiuskirche.
  • Mit KindernGib den Kindern eine Suchaufgabe: wie viele Figuren stehen auf der untersten Ebene, wer trägt was in der Hand. Danach lockt der Arion-Brunnen auf demselben Platz, dort darf geklettert werden.
  • Mit eingeschränkter MobilitätDer Oberring ist eben und weitgehend autofrei, das Kopfsteinpflaster ist aber grob. Die Säule lässt sich vollständig umrunden, in die Sockelkapelle führen Stufen.

Häufige Fragen

Kann man die Dreifaltigkeitssäule in Olmütz von innen besichtigen?

Die Kapelle im Sockel lässt sich zu bestimmten Zeiten betreten, meist in der wärmeren Jahreshälfte und nur für wenige Personen gleichzeitig. Ein garantierter Zugang ist das nicht. Plane den Besuch der Säule so, dass er auch ohne Innenraum funktioniert, und nimm die Kapelle mit, wenn die Tür offen steht.

Warum ist die Dreifaltigkeitssäule UNESCO-Welterbe?

Weil sie das größte und aufwendigste Werk ihrer Art in Mitteleuropa ist und den mitteleuropäischen Barock in einer eigenständigen mährischen Ausprägung zeigt. Die UNESCO nahm sie im Jahr 2000 auf. Bewertet wurde das Denkmal selbst, nicht die Altstadt ringsum, die als tschechisches Denkmalreservat geschützt ist.

Wie hoch ist die Dreifaltigkeitssäule in Olmütz?

Rund 35 Meter. Damit trägt sie zugleich die umfangreichste barocke Figurengruppe, die in Mitteleuropa an einem einzigen Denkmal steht. Zum Vergleich ist der Turm des Rathauses auf demselben Platz deutlich höher, aber die Säule steht frei und wirkt deshalb massiver. Aus der Ferne siehst du beide zusammen, was ihre Größenverhältnisse erst richtig zeigt.

Muss man für die Dreifaltigkeitssäule Eintritt zahlen?

Nein. Sie steht auf dem öffentlichen Oberring, du kannst sie jederzeit und rund um die Uhr umrunden. Kosten entstehen nur, wenn du eine geführte Stadttour buchst oder den Rathausturm besteigen willst. Für die Kapelle im Sockel gilt je nach Saison eine eigene Regelung.

Wie lange sollte man an der Dreifaltigkeitssäule einplanen?

Rechne mit 20 bis 30 Minuten, wenn du sie einmal umrundest, die Figuren der drei Ebenen ansiehst und den Bezug zum Rathaus aufnimmst. Wer nur ein Foto macht, ist in 5 Minuten fertig und hat den Punkt verpasst. Mit Kapelle und Erklärungstafeln werden es 45 Minuten.