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St.-Bartholomäus-Kathedrale: Turm und Aussicht

Die St.-Bartholomäus-Kathedrale steht nicht am Rand des Pilsner Marktplatzes, sondern mitten darauf. Ihr Turm ist mit gut 102 Metern der höchste Kirchturm Tschechiens, und er ist der einzige Punkt der Stadt, von dem aus du die Planstadt von 1295 als Ganzes verstehst.

Der Aufstieg über die enge Wendeltreppe verlangt Kondition, der Kirchenraum darunter lohnt auch ohne Treppen. Beides sind getrennte Besuche, und du musst dich nicht für beides entscheiden.

St.-Bartholomäus-Kathedrale: Turm und Aussicht
Foto: Alexander Klozar, Plzeň, CC BY 2.5 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • Turmhöhegut 102 Meter bis zur Spitze, der höchste Kirchturm Tschechiens
  • Baubeginnspätes 13. Jahrhundert, gleich nach der Stadtgründung von 1295
  • Kathedrale seit1993, mit der Gründung des Bistums Pilsen
  • Wichtigstes Kunstwerkdie Pilsner Madonna aus dem späten 14. Jahrhundert
  • Aussichtsgalerieauf rund 62 Metern, über rund 300 Stufen ohne Aufzug

Eine Kirche mitten im Marktplatz

Dass ein gotischer Sakralbau frei auf der Marktfläche steht, ist in Europa ungewöhnlich. In Pilsen war das Absicht: Als die Stadt 1295 auf freiem Feld geplant wurde, bekam die Pfarrkirche den Mittelblock des Rasters. Der Platz wurde ringsherum so groß angelegt, dass die Kirche darin steht wie ein Schiff im Hafenbecken. Wenn du dich an eine Platzecke stellst, siehst du am besten, wie stark diese Proportion wirkt.

Der Bau wuchs über Jahrhunderte. Das Innere ist eine dreischiffige Hallenkirche mit hohen, schlanken Pfeilern, im 19. Jahrhundert regotisiert. Seit 1993 ist die Kirche Kathedrale, weil damals das Bistum Pilsen gegründet wurde. Vorher war sie einfach die Stadtpfarrkirche einer sehr selbstbewussten Bürgergemeinde.

Die Pilsner Madonna

Im Hochaltar steht die Pilsner Madonna, eine Marienfigur aus dem späten 14. Jahrhundert und das bedeutendste Kunstwerk der Stadt. Sie gehört zum sogenannten Schönen Stil, jener böhmischen Bildhauerkunst um 1400, die weiche Gewandfalten und einen fast tänzerischen Körperschwung liebte. Wer aus Prag kommt und dort die entsprechenden Figuren gesehen hat, erkennt die Verwandtschaft sofort.

Gut zu wissen: An der Außenseite des Turms sitzt ein schmiedeeisernes Gitter mit einem Engel, den Besucher traditionell anfassen und sich dabei etwas wünschen. Das Metall ist an dieser Stelle blank gerieben. Ein netter Moment, aber kein Grund, deshalb den Turm zu besteigen.

Was der Aufstieg wirklich verlangt

Die Treppe im Turm ist eine enge Wendeltreppe aus Stein mit rund 300 Stufen bis zur Aussichtsgalerie. Die liegt auf etwa 62 Metern; die berühmten 102 Meter sind die Gesamthöhe bis zur Turmspitze, so weit hinauf kommst du nicht. Einen Aufzug gibt es nicht. Der Weg ist so schmal, dass Gegenverkehr an den engsten Stellen zum Warten zwingt, und in der Mitte fehlt lange jede Aussicht, du steigst also einfach im Halbdunkel. Wer Knieprobleme, Höhenangst oder ein Kleinkind auf dem Arm hat, lässt das besser.

Oben angekommen stehst du auf einer Galerie mit Gitter. Von dort siehst du das rechteckige Straßenraster, die Dächer der Bürgerhäuser rund um den Platz, im Westen die Industrieflächen und die Hallen der Škoda-Werke, im Osten das Brauereigelände. An klaren Tagen reicht der Blick bis zu den Hügeln des Böhmerwaldes. Genau diese Kombination macht den Aufstieg lohnend: Du siehst in einem Bild, wovon die Stadt gelebt hat.

Worauf du im Inneren achtest

Der Raum wirkt schmaler und höher, als er von außen aussieht, weil die Pfeiler bis ins Gewölbe durchlaufen und der Blick nach oben gezogen wird. An der Südseite liegt eine spätgotische Seitenkapelle mit reich gearbeitetem Gewölbe, die als eigener kleiner Raum funktioniert und leicht übersehen wird. Die Fenster sind größtenteils Arbeiten des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, denn die mittelalterliche Verglasung ist nicht erhalten.

Nimm dir vor dem Hinausgehen einen Moment am Eingang und dreh dich um. Von dort siehst du die Länge des Raums am besten, und der Höhenunterschied zwischen Eingangsbereich und Chor wird deutlich. Wer danach auf den Turm steigt, erkennt oben genau diese Achse im Grundriss der Stadt wieder.

Praktisch vor Ort

Der Turmzugang und der Kirchenraum werden getrennt betreten, für den Turm gibt es eine eigene Kasse. Der Turm ist nicht ganzjährig durchgehend offen und bei Sturm geschlossen, prüfe die Zeiten am selben Tag vor Ort oder auf der offiziellen Seite der Stadtinformation. Der Kirchenraum ist Gottesdienstraum: Während einer Messe bleibt der Besuch als Tourist unpassend, und angemessene Kleidung gilt hier wie überall.

Tipp: Steig am Vormittag hinauf, wenn die Sonne noch von Osten kommt. Dann liegt der Marktplatz mit dem Rathaus im Licht, statt gegen die Sonne zu verschwinden. Und mach den Turm zuerst, nicht nach der Brauereiführung.

Nach dem Abstieg liegt alles Weitere in Gehweite: Die Große Synagoge erreichst du in knapp zehn Minuten Richtung Westen, der Eingang zum historischen Untergrund liegt in einer Gasse nördlich des Platzes, und die Brauerei ist in dieselbe Richtung wie der Hauptbahnhof zu Fuß erreichbar. Der komplette Überblick steht unter Pilsen Sehenswürdigkeiten.

Wenn es nicht klappt

  • Wenn es voll istDer Turm hat eine begrenzte Galerie, an Sommernachmittagen staut es sich auf der Treppe. Früh am Tag oder gegen Ende der Öffnungszeit ist es ruhiger. Voll wird es nie im Prager Ausmaß.
  • Wenn es regnetDer Kirchenraum funktioniert bei jedem Wetter, der Turm nicht: Bei Regen siehst du nichts und die Stufen sind rutschig, bei Sturm bleibt er ohnehin zu. Dann ist die Brauereiführung die bessere Wahl.
  • Mit KindernÄltere Kinder schaffen den Aufstieg gut und zählen gern die Stufen. Für Kinderwagen und Kleinkinder ist der Turm nichts. Unten hilft die Suchaufgabe, den Engel am Turmgitter zu finden.
  • Mit eingeschränkter MobilitätDer Turm ist ohne Aufzug nicht zugänglich. Der Kirchenraum liegt ebenerdig und ist gut befahrbar. Wer die Aussicht ersetzen möchte, nimmt stattdessen eine Runde über den Platz und durch die Arkaden.

Häufige Fragen

Wie viele Stufen hat der Turm der Kathedrale in Pilsen?

Rund 300 Stufen auf einer engen steinernen Wendeltreppe, hinauf zur Aussichtsgalerie auf etwa 62 Metern. Die 102 Meter, für die der Turm bekannt ist, sind die Gesamthöhe bis zur Spitze. Einen Aufzug gibt es nicht. Rechne mit 10 bis 15 Minuten Aufstieg in normalem Tempo, mit Pausen an den Ausweichstellen. Feste Schuhe helfen, weil die Stufen in der Mitte ausgetreten und glatt sind.

Ist die St.-Bartholomäus-Kathedrale die höchste Kirche Tschechiens?

Der Turm ist mit gut 102 Metern der höchste Kirchturm des Landes, höher als der Veitsdom in Prag. Die Kirche selbst ist deshalb nicht die größte, sondern nur die mit dem höchsten Turm. Kathedrale ist sie erst seit 1993, als das Bistum Pilsen gegründet wurde.

Was sieht man vom Turm in Pilsen?

Direkt unter dir liegt der Marktplatz mit dem Renaissance-Rathaus und den Bürgerhäusern, dahinter das rechtwinklige Straßenraster der Planstadt von 1295. Im Westen erkennst du die Industrieflächen der Škoda-Werke, im Osten das Brauereigelände. Bei klarer Luft reicht der Blick über die Hügel bis in Richtung Böhmerwald.

Kann man die Kathedrale in Pilsen kostenlos betreten?

Der Kirchenraum und der Turm werden getrennt behandelt, für den Turmaufstieg wird ein Eintritt erhoben. Für den Innenraum gelten die Regeln eines aktiven Gotteshauses: Während der Gottesdienste ist eine Besichtigung nicht angebracht. Aktuelle Zeiten für den Turm hängen an der Kasse und stehen bei der Stadtinformation.

Was ist die Pilsner Madonna?

Eine Marienstatue aus dem späten 14. Jahrhundert im Hochaltar der Kathedrale, das bedeutendste Kunstwerk der Stadt. Sie gehört zum böhmischen Schönen Stil um 1400, erkennbar an den weichen Gewandfalten und der leicht geschwungenen Körperhaltung. Vergleichbare Figuren stehen in Prag, die Verwandtschaft ist sofort sichtbar.