Auf einen Blick
- Entstehungab dem 14. Jahrhundert, über Jahrhunderte erweitert
- Ebenendas System reicht über mehrere übereinanderliegende Etagen
- Temperaturganzjährig kühl, deutlich unter der Sommertemperatur oben
- AusrüstungHelm wird gestellt, feste Schuhe und Jacke bringst du selbst mit
- Dauer des Besuchsetwa eine Stunde, nur mit Führung
Warum eine Stadt sich nach unten baut
Als Pilsen 1295 als Planstadt angelegt wurde, bekam jedes Bürgerhaus eine schmale, tiefe Parzelle am Markt. Oben war der Platz begrenzt, unten nicht. Also gruben die Bürger in den weichen Untergrund: erst einen Vorratskeller, dann eine zweite Ebene darunter, später Verbindungen zum Nachbarn. Dazu kamen Brunnen, weil jedes Haus sein eigenes Wasser brauchte, und Kanäle, die es wieder abführten.
Der entscheidende Grund war aber das Bier. Die Pilsner hatten seit der Stadtgründung das Braurecht, und jeder Berechtigte braute im eigenen Haus. Bier will kühl lagern, und ein Keller in fünf oder zehn Metern Tiefe hält seine Temperatur das ganze Jahr. Was du auf der Führung siehst, ist deshalb die technische Vorgeschichte dessen, was 1842 in der Brauerei industriell wurde.
Was die Führung zeigt
Der Rundgang geht durch Kellerräume unterschiedlicher Größe, durch niedrige Verbindungsgänge und an Brunnenschächten vorbei, die als schwarze Löcher im Boden enden. Der Guide erklärt, woran man die Bauphasen erkennt, warum manche Gänge in Sackgassen enden und welche Legenden sich um die Verbindungen unter dem Marktplatz ranken. An einigen Stellen sind Werkzeugspuren im Fels zu sehen, an anderen liegen Fundstücke aus der Grabung.
Der Zugang liegt in der Altstadt in derselben Ecke wie das Brauereimuseum, das die Hausbrauereien der Bürger zeigt. Beides zusammen ergibt eine schlüssige Geschichte, und die Wege dazwischen sind kurz.
Achtung: Die Gänge sind an mehreren Stellen so niedrig, dass große Menschen den Kopf einziehen müssen. Der Helm ist kein Deko-Requisit, sondern verhindert genau das, was sonst passiert. Setz ihn auf und behalte ihn auf, auch wenn der Raum gerade hoch genug wirkt.
Für wen das nichts ist
Wenn dir in engen Räumen mulmig wird, lass es. Es gibt auf dem Rundgang Abschnitte, in denen die Gruppe hintereinander in einem schmalen Gang steht und du weder vor noch zurück kannst, bis der Guide weitergeht. Das ist für Menschen mit Platzangst kein Vergnügen und mitten im Rundgang nicht mehr zu ändern.
Auch mit Gehhilfe oder schlechten Knien ist der Untergrund schwierig: Es geht über Treppen hinunter und hinauf, der Boden ist uneben und stellenweise feucht. Kinderwagen sind ausgeschlossen. Wer sich in der Stadt eine ebenerdige Alternative sucht, ist mit dem Marktplatz und dem Rathaus oder mit der Großen Synagoge besser bedient.
So bereitest du dich vor
Zieh eine Jacke an, auch im August. Der Unterschied zwischen 25 Grad auf dem Platz und der Kellertemperatur unten sind schnell 15 Grad, und eine Stunde reicht, um durchzukühlen. Feste, geschlossene Schuhe mit Profil sind sinnvoll, weil der Boden rutschig sein kann. Die Beleuchtung ist ausreichend, aber gedämpft, für Fotos ohne Blitz brauchst du eine ruhige Hand.
Tickets: Der Untergrund ist nur mit Führung zugänglich, die Gruppengröße ist begrenzt und die Startzeiten liegen fest. In der Hauptsaison melde dich vorher an, sonst wartest du auf die übernächste Runde. Fremdsprachige Führungen werden nicht zu jeder Zeit angeboten, oft liegt ein Textblatt zum Mitlesen aus.
Plane den Untergrund nicht direkt vor oder nach der Brauereiführung, wenn du empfindlich auf Kälte reagierst: Beide Programme spielen unter der Erde, zusammen sind das schnell 3 kühle Stunden. Besser passt eine Kombination mit dem Turmaufstieg an der Kathedrale am selben Vormittag und einem warmen Mittagessen dazwischen, siehe Essen und Trinken. Wie sich der Untergrund in einen Tagesplan einfügt, zeigt die Route unter Pilsen Sehenswürdigkeiten.
Wenn es nicht klappt
- Wenn es voll istDie Gruppen sind klein, deshalb sind an Sommernachmittagen die nächsten Termine oft schon vergeben. Melde dich am Vormittag an oder weiche auf das Brauereimuseum in derselben Straßenecke aus.
- Wenn es regnetDer ideale Regenprogrammpunkt, weil das gesamte Erlebnis unter der Erde stattfindet. Nur der kurze Weg zum Eingang liegt im Freien.
- Mit KindernAb etwa acht Jahren funktioniert das gut, weil Helm und Dunkelheit für sich schon spannend sind. Kleinere Kinder erschrecken in den engen Passagen, Kinderwagen sind nicht möglich.
- Mit eingeschränkter MobilitätNicht barrierefrei. Der Einstieg erfolgt über Treppen, im Gangsystem gibt es Stufen und Schwellen. Wer schlecht zu Fuß ist, wählt stattdessen den Marktplatz oder die Synagoge.
Häufige Fragen
Kann man den Pilsner Untergrund ohne Führung besichtigen?
Nein. Der Zugang ist ausschließlich im Rahmen einer Führung möglich, mit festen Startzeiten und begrenzter Gruppengröße. Das hat Sicherheitsgründe: Die Gänge sind verzweigt, teils niedrig und schlecht ausgeleuchtet. Den Helm bekommst du am Eingang gestellt, alles andere bringst du selbst mit.
Wie kalt ist es im historischen Untergrund von Pilsen?
Deutlich kühler als oben, das ganze Jahr über auf ähnlichem Niveau. An einem Sommertag mit 25 Grad auf dem Marktplatz kann der Unterschied 15 Grad betragen. Eine Stunde reicht, um in kurzen Sachen zu frieren. Nimm eine Jacke mit, auch wenn das an einem heißen Vormittag unsinnig erscheint.
Ist der Untergrund in Pilsen bei Klaustrophobie machbar?
Eher nicht. Es gibt Abschnitte, in denen die Gruppe in einem schmalen, niedrigen Gang hintereinander steht und nur vorwärts weitergehen kann. Ein Abbruch mitten im Rundgang ist umständlich. Wenn dir in engen Räumen unwohl wird, wähle stattdessen ein oberirdisches Ziel, die Stadt hat genug davon.
Wie lange dauert die Führung durch den Pilsner Untergrund?
Etwa eine Stunde für den ausgebauten Rundgang. Dazu kommen ein paar Minuten für Helm und Einweisung am Anfang. Als Zeitblock im Tagesplan rechne mit anderthalb Stunden, damit du nicht auf die Minute nach der Führung woanders sein musst.
Wo beginnt die Führung durch den Untergrund?
Der Zugang liegt in der Altstadt, in derselben Ecke wie das Brauereimuseum, nur wenige Gehminuten nördlich vom Marktplatz. Beide Ziele lassen sich gut kombinieren, weil sie dieselbe Geschichte von zwei Seiten erzählen. Die genaue Adresse und die aktuellen Startzeiten stehen bei der Pilsner Stadtinformation.




