Böhmen · Prag

Essen & Trinken in Prag

In Prag isst und trinkt man gut, sobald man zwei Welten auseinanderhält: die Hospoda, in der die Nachbarschaft ihr Bier trinkt, und den Betrieb mit Fotomenü und Schlepper vor der Tür. Der Unterschied liegt nicht am Preis, sondern an der Karte und an der Frage, ob dich jemand hereinruft.

Hier steht, wie die Kneipenetikette mit der Strichliste funktioniert, was die Gradzahlen auf der Bierkarte bedeuten, warum das Mittagsmenü der größte Sparhebel der Stadt ist und wie du bezahlst, ohne über die Währungsumrechnung Geld zu verlieren.

Essen & Trinken in Prag
Foto: Tiia Monto, CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • BierbezeichnungNach Stammwürze: 10°, 11°, 12°, nicht nach Alkoholgehalt
  • AbrechnungStrichliste auf dem Zettel am Tisch, bezahlt wird am Ende
  • MittagsmenüDenní menu, an Werktagen mittags, Suppe plus Hauptgang
  • TrinkgeldAufrunden beim Bezahlen, kein fester Prozentsatz
  • WährungTschechische Krone, Kartenzahlung fast überall möglich
  • NationalgerichtSvíčková na smetaně mit Semmelknödeln

Wie eine Hospoda funktioniert

Du setzt dich selbst, notfalls an einen Tisch, an dem schon jemand sitzt. Ein freier Stuhl ist in einer vollen Kneipe eine Einladung. Der Kellner kommt, fragt nach dem Bier und legt einen Zettel oder Untersetzer auf den Tisch, auf dem er für jedes Getränk einen Strich macht. Diese Strichliste ist deine Rechnung. Lass sie liegen, wo sie liegt, und wirf sie nicht weg.

Ein leeres Glas gilt als Bestellung des nächsten Bieres. Wenn du genug hast, sagst du es kurz oder stellst den Untersetzer auf das Glas. Zum Bezahlen bleibst du sitzen und sagst „Zaplatím“, also ich zahle. Getrennt zahlen ist normal, sag es einfach, sobald der Kellner zum Abrechnen an den Tisch kommt. In der klassischen Hospoda geht es laut, schnell und ohne Umschweife zu, das ist kein schlechter Service, sondern der Ton des Hauses.

Gut zu wissen: Kontrolliere am Ende die Anzahl der Striche gegen die Zahl der Gläser auf dem Tisch. Nachfragen ist völlig üblich und wird nicht als Misstrauen verstanden.

Bier nach Stammwürze: 10, 11 und 12 Grad

Die Gradzahl auf der Karte ist kein Alkoholgehalt, sondern die Stammwürze, also der Extraktgehalt der Würze vor der Gärung. Ein Zehner, tschechisch desítka, ist leichter und schlanker und deshalb der Klassiker für einen langen Abend. Ein Zwölfer, dvanáctka, ist ein Lagerbier mit mehr Körper und mehr Bittere. Elf Grad liegen dazwischen. Wer „ein Bier“ bestellt, bekommt in der Regel ein großes Glas Fassbier.

Zwei Begriffe lohnen sich auf jeder Karte: nefiltrované oder kvasnicové bedeutet ungefiltert, also trüb, hefig und aromatischer, oft nur in kleiner Menge im Haus. Tankové pivo kommt unpasteurisiert aus einem Tank im Keller und schmeckt merklich frischer als Flaschenbier. Pilsner Urquell stammt aus Plzeň, Budweiser Budvar aus České Budějovice, und in Prag selbst brauen mittlerweile viele kleine Häuser ihr eigenes Bier.

Das Mittagsmenü ist der größte Sparhebel

An Werktagen mittags hängt in fast jedem normalen Lokal ein denní menu oder polední menu aus: Suppe und ein Hauptgericht zum festen Preis, häufig nur auf Tschechisch und manchmal nur handschriftlich. Das ist dieselbe Küche wie am Abend zu einem Bruchteil des Preises, und es ist die Zeit, in der auch die Leute aus den Büros ringsum essen. Wenn du die Karte nicht lesen kannst, zeige darauf und frage nach; Kellner sind das gewohnt.

Tipp: Iss mittags warm und abends kleiner. So erwischst du die Küche in ihrer besten Stunde, umgehst die Abendpreise im Zentrum fast automatisch und hast nach dem Essen noch Tageslicht für die Stadt.

Was auf einer ehrlichen Karte steht

Svíčková na smetaně ist Rinderbraten in einer Rahmsoße aus Wurzelgemüse, dazu Semmelknödel, Preiselbeeren und Sahne. Guláš kommt mit Knödeln oder Brot, vepřo knedlo zelo bedeutet Schweinebraten mit Knödeln und Kraut, smažený sýr ist frittierter Käse. Als kalte Kleinigkeit zum Bier gibt es utopenci, eingelegte Würste, und nakládaný hermelín, eingelegten Weichkäse. Bramborák ist ein kräftig gewürzter Kartoffelpuffer. Süß enden viele Karten mit ovocné knedlíky, Obstknödeln, oder mit koláče aus der Bäckerei.

Was du auf einer guten Karte selten findest: Fotos, eine Übersetzung in sechs Sprachen und den Begriff Prager Spezialität für ein Gericht, das es überall gibt. Vegetarisch ist inzwischen normal, aber frage bei Suppen und Soßen nach, weil Speck und Fleischbrühe oft mitkochen. Beim Fleisch steht meist eine Grammzahl hinter dem Gericht: das ist das Gewicht der Portion vor dem Braten und keine zusätzliche Gebühr.

Trdelník ist kein altes Prager Gebäck

Der Teigzylinder am Spieß, der in der Altstadt an jeder Ecke duftet, ist keine böhmische Tradition. Er stammt aus dem ungarisch-slowakischen Raum und wurde in Prag erst in den letzten Jahrzehnten zum Verkaufsartikel für Besucher, die Variante mit Eis und Sahne ist eine reine Erfindung für Fotos. Schmecken kann er, wenn er frisch vom Feuer kommt. Nur ist er kein Stück Stadtgeschichte, und wer tschechisches Gebäck sucht, findet es bei koláče, Palatschinken und Obstknödeln.

Warnsignale rund um den Altstädter Ring

Fotos auf der Speisekarte, ein Mensch, der dich auf der Straße anspricht, und eine Karte ohne klare Portionsangabe: diese drei Zeichen treten meist gemeinsam auf und sind ein verlässliches Signal, weiterzugehen. Zwei Gassen abseits vom Altstädter Ring ändert sich das Preisniveau deutlich. Achte außerdem auf Brot und Aufstrich, die als Gedeck auf der Rechnung erscheinen, sobald du sie anfasst, und lies die Rechnung, bevor du zahlst. Das ist keine Unhöflichkeit, sondern normal.

Achtung: Zahle immer in tschechischen Kronen. Wenn das Kartenterminal dir Euro anbietet, lehne ab, sonst rechnet der Händler zu seinem eigenen Kurs um. Wechselstuben in der Altstadt, die mit null Prozent Kommission werben, verdienen am Kurs. Bargeld holst du am Automaten einer Bank, nicht bei einem Wechselschalter auf der Straße.

Trinkgeld, Wasser, Bezahlen

Trinkgeld heißt in Tschechien aufrunden, nicht Prozente rechnen. Du nennst beim Bezahlen die Gesamtsumme, die du geben willst, statt Münzen auf dem Tisch zu lassen. Bei Kartenzahlung sagst du den Betrag, bevor der Kellner das Terminal bedient, weil sich danach nichts mehr ändern lässt. In der Hospoda genügt das Aufrunden auf die nächste runde Zahl, im gehobenen Restaurant darf es etwas mehr sein.

Leitungswasser ist in Prag trinkbar. Im Restaurant wird es nicht selbstverständlich kostenlos serviert; frage nach kohoutková, wenn du es willst. Mehr zu Geld, Karte und typischen Fehlern steht in Prag: ehrliche Tipps und in Bezahlen in Tschechien.

Wo du weiterlesen kannst

Für Brauereibesuche und Bierabende mit Erklärung hilft Aktivitäten in Prag. Die Grundlagen der Landesküche stehen unter tschechische Küche, das Verhalten am Tisch ausführlich im Restaurant-Knigge. Wer dem Bier bis zur Quelle folgen will, liest weiter in Bierkultur in Tschechien.

Häufige Fragen

Wie bestellt man in einer tschechischen Hospoda Bier?

Du setzt dich selbst hin und wartest, der Kellner kommt und fragt nach dem Bier. Auf einem Zettel am Tisch macht er für jedes Glas einen Strich, das ist deine Rechnung. Ein leeres Glas gilt als Bestellung des nächsten Bieres. Wenn du genug hast, sag es oder stelle den Untersetzer auf das Glas. Zum Zahlen bleibst du sitzen und sagst „Zaplatím“.

Was bedeuten 10 Grad und 12 Grad auf der tschechischen Bierkarte?

Die Gradzahl ist die Stammwürze, also der Extraktgehalt vor der Gärung, und nicht der Alkoholgehalt. Ein Zehner ist leichter und schlanker, ein Zwölfer ein Lagerbier mit mehr Körper und mehr Bittere, elf Grad liegen dazwischen. Für einen langen Abend in der Kneipe ist der Zehner die gängige Wahl, zum Essen passt der Zwölfer besser.

Wie viel Trinkgeld gibt man in Prag?

Üblich ist Aufrunden, kein fester Prozentsatz. Du nennst beim Bezahlen die Summe, die du insgesamt gibst, statt Geld auf dem Tisch liegen zu lassen. Bei Kartenzahlung sag den Betrag, bevor der Kellner das Terminal einstellt. In der einfachen Hospoda reicht die nächste runde Zahl, in einem guten Restaurant darf es etwas großzügiger ausfallen.

Kann man in Prag mit Euro bezahlen?

Manche Läden und Restaurants nehmen Euro an, aber zu einem schlechten Kurs. Zahle in tschechischen Kronen, mit Karte oder mit Bargeld vom Bankautomaten. Wenn das Terminal dir die Abrechnung in Euro anbietet, lehne ab, denn dann rechnet der Händler um. Wechselstuben in der Altstadt mit dem Versprechen null Prozent Kommission verdienen über den Kurs.

Ist Trdelník eine typisch tschechische Spezialität?

Nein. Das Gebäck am Spieß stammt aus dem ungarisch-slowakischen Raum und wurde in Prag erst in den letzten Jahrzehnten zum Verkaufsartikel für Besucher. Die Version mit Eis und Sahne ist eine reine Touristenerfindung. Wer tschechisches Gebäck probieren will, nimmt koláče aus der Bäckerei, Palatschinken oder Obstknödel von einer normalen Speisekarte.