Böhmen · Prag

Tanzendes Haus: Architektur & Aussicht

Das Tanzende Haus steht an einer Ecke am Rašín-Ufer, wo bis in die 1990er Jahre eine Lücke klaffte. Vlado Milunić entwickelte den Entwurf, Frank Gehry kam als Partner dazu; der Plan entstand 1992, gebaut wurde von 1994 bis 1996. Zwei Türme lehnen sich aneinander, einer aus Glas mit eingezogener Taille, einer aus Beton mit einer Metallkuppel obendrauf, und daraus entstand der Spitzname Ginger und Fred.

Sei bei den Erwartungen ehrlich: Das ist ein Bürohaus, kein Museum. Der Besuch besteht darin, davor zu stehen, den richtigen Standort zu finden und weiterzugehen. Als Punkt auf einer Uferroute funktioniert es gut, als Ziel einer Extrafahrt quer durch Prag nicht.

Tanzendes Haus: Architektur & Aussicht
Foto: Piercarloc, CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • Tschechischer NameTančící dům, offiziell Nationale-Nederlanden-Gebäude
  • ArchitektenVlado Milunić mit Frank Gehry
  • BauzeitEntwurf 1992, gebaut 1994 bis 1996
  • VorgeschichteDer Vorgängerbau wurde am 14. Februar 1945 bei einem Luftangriff zerstört
  • NutzungÜberwiegend Büros, dazu Hotel, Galerie und Dachterrasse

Warum an dieser Ecke eine Lücke war

Am 14. Februar 1945 warfen amerikanische Bomber ihre Last über Prag ab, offenbar in der irrigen Annahme, über Dresden zu sein. Getroffen wurde unter anderem das Eckhaus am Rašín-Ufer. Die Trümmer wurden geräumt, das Grundstück blieb fast fünfzig Jahre leer. Im Nachbarhaus wohnte die Familie Havel, und Václav Havel kannte die Lücke, seit er ein Kind war; als Präsident unterstützte er das Projekt seines Nachbarn Milunić, an dieser Stelle etwas Ungewöhnliches zu bauen. Das erklärt, warum ausgerechnet hier ein Entwurf durchkam, der sonst wenig Chancen gehabt hätte.

Was man an dem Bau sieht

Der eine Turm ist gläsern und in der Mitte eingeschnürt, als würde er sich drehen; der andere steht fest, mit einem Raster aus Fenstern, die absichtlich gegeneinander verschoben sind. Auf dem Betonturm sitzt eine geflochtene Metallkonstruktion, die Gehry „Medusa“ nannte. Interessant ist der Anschluss an die Nachbarschaft: Die Gesimshöhen der angrenzenden Häuser werden aufgenommen, aber verzogen, so dass das Haus aus der Zeile heraustritt, ohne sie zu sprengen. Wer nur unter der Fassade steht, sieht davon wenig. Das Motiv des tanzenden Paars entsteht erst aus der Distanz.

Tipp: Der beste Standort ist die Jirásek-Brücke, ein Stück vom Ufer entfernt, und danach die gegenüberliegende Uferseite in Smíchov. Von dort löst sich der Bau von der Häuserzeile, und beide Türme sind gleichzeitig zu erkennen. Bleib dabei auf dem Gehweg und nicht auf dem Radstreifen oder der Fahrbahn.

Von innen gibt es weniger, als du denkst

Die meisten Etagen sind Büros, dazu kommen ein Hotel, gelegentlich eine Galerie in den oberen Geschossen und ganz oben ein Restaurant mit Terrasse. Öffentlich zugänglich ist also nur, was gastronomisch oder ausstellungsmäßig genutzt wird, und das ändert sich über die Jahre. Die Aussicht von der Dachterrasse ist ordentlich, aber nicht spektakulär, denn das Haus ist nicht hoch. Wer wegen des Blicks kommt, bekommt auf dem Petřín oder von den Wällen auf dem Vyšehrad deutlich mehr, und dort kostenlos.

Tickets: Für die Außenansicht zahlst du nichts, und einen Eintritt für das Gebäude als solches gibt es nicht. Zugang nach oben bekommst du nur über die aktuelle Gastronomie oder eine laufende Ausstellung, beides mit Reservierung. Prüfe vorher, was gerade angeboten wird, statt spontan durch die Lobby zu laufen.

Der Uferweg drumherum

Das Haus ergibt als Teil eines Spaziergangs Sinn. Vom Nationaltheater sind es 10 bis 15 Minuten am Wasser entlang nach Süden. Auf diesem Abschnitt liegt die Náplavka, das tiefer gelegene Ufer mit Kaimauern und Gewölben, auf dem regelmäßig Märkte und Veranstaltungen stattfinden und im Sommer abends halb Prag sitzt. Hinter dem Tanzenden Haus, ein paar Straßen landeinwärts, steht das Kloster Emmaus, dessen im Krieg zerstörte Türme Ende der 1960er Jahre durch zwei geschwungene Betonspitzen ersetzt wurden, ein zweiter moderner Eingriff im selben Viertel. Am Wasser weiter nach Süden erreichst du in etwa 20 Minuten den Vyšehrad.

Gut zu wissen: Die nächste Metrostation ist Karlovo náměstí auf der Linie B, von dort sind es wenige Minuten zu Fuß zum Ufer. Papierfahrscheine müssen vor dem Bahnsteig entwertet sein, sonst gelten sie als ungültig; die Regeln stehen bei Metro, Tram und Tickets.

Die ehrliche Einordnung

Das Tanzende Haus ist kein Pflichtprogramm. Es ist ein gutes Beispiel dafür, wie Prag nach 1989 mit seinen Lücken umgegangen ist, und es macht auf einem Uferspaziergang für eine Viertelstunde Freude. Neben der Karlsbrücke oder der Burg spielt es aber in einer anderen Liga. Wenn dein Aufenthalt kurz ist, streich es und nimm stattdessen eine Bootstour auf der Moldau, von der du das Gebäude ohnehin siehst. Wo es in eine Gesamtplanung passt, zeigen die Prager Sehenswürdigkeiten.

Wenn es nicht klappt

  • Wenn es voll istAndrang gibt es hier kaum, nur der schmale Gehweg an der Kreuzung wird eng. Wenn Gruppen davor stehen, wechsle auf die Jirásek-Brücke, von dort ist der Blick ohnehin besser.
  • Wenn es regnetDie Außenansicht funktioniert auch bei Regen, das Ufer ist aber windoffen und ohne Schutz. Als Ersatzprogramm in der Nähe bietet sich das Kloster Emmaus an oder ein Museum in der Neustadt.
  • Mit KindernFür Kinder ist das Haus in fünf Minuten erledigt. Interessanter ist die Náplavka am Wasser, wo Boote liegen und im Sommer Veranstaltungen laufen.
  • Mit eingeschränkter MobilitätDer Standort ist eben und über breite Gehwege erreichbar, allerdings liegt er an einer großen Kreuzung mit mehreren Übergängen. Für das Gebäudeinnere klärst du Aufzug und Eingang direkt beim jeweiligen Betreiber.

Häufige Fragen

Kann man das Tanzende Haus von innen besichtigen?

Nur teilweise. Der größte Teil sind Büros, dazu kommen ein Hotel, zeitweise eine Galerie in den oberen Etagen und ein Restaurant mit Dachterrasse. Es gibt keinen allgemeinen Eintritt und keine Museumsführung durch das Gebäude. Wer nach oben will, reserviert vorher in der Gastronomie oder prüft, ob gerade eine Ausstellung läuft.

Warum heißt es Tanzendes Haus?

Weil die beiden Türme wie ein Paar wirken: Der gläserne mit der eingezogenen Taille scheint sich zu drehen und an den festen Betonturm zu lehnen. Daraus entstand der Spitzname Ginger und Fred nach dem Tanzpaar Ginger Rogers und Fred Astaire. Der offizielle Name lautet nach dem Bauherrn Nationale-Nederlanden-Gebäude, tschechisch heißt er Tančící dům.

Wie kommt man zum Tanzenden Haus?

Zu Fuß vom Nationaltheater in 10 bis 15 Minuten am Moldauufer entlang nach Süden. Mit der Metro fährst du auf der Linie B bis Karlovo náměstí, von dort sind es wenige Minuten zum Ufer. Papierfahrscheine entwertest du vor dem Bahnsteig im gelben Automaten.

Lohnt sich die Dachterrasse am Tanzenden Haus?

Für einen Drink mit Blick auf Burg und Fluss ja, als Aussichtspunkt eher nicht. Das Gebäude ist nicht hoch, und du zahlst über Speisen und Getränke. Mehr Panorama bekommst du kostenlos von den Wällen auf dem Vyšehrad oder gegen ein günstigeres Ticket vom Aussichtsturm auf dem Petřín.

Wer hat das Tanzende Haus gebaut?

Den Entwurf entwickelte der in Prag lebende Architekt Vlado Milunić, Frank Gehry kam als internationaler Partner dazu. Der Entwurf entstand 1992, gebaut wurde von 1994 bis 1996. Václav Havel, der im Nachbarhaus aufgewachsen war, unterstützte das Vorhaben, weshalb der ungewöhnliche Entwurf an dieser prominenten Stelle überhaupt eine Chance bekam.