Auf einen Blick
- Tschechischer NameVáclavské náměstí, ursprünglich Koňský trh (Rossmarkt)
- Angelegt1348 im Zuge der Gründung der Prager Neustadt durch Karl IV.
- MaßeRund 750 Meter lang, dabei nur etwa 60 Meter breit
- WenzelsdenkmalReiterstandbild von Josef Václav Myslbek, aufgestellt 1912
- Umbenennung1848 vom Rossmarkt zum Wenzelsplatz
Ein Boulevard, kein Platz
Wer mit der Erwartung eines geschlossenen Platzensembles herkommt, wird enttäuscht. Der Wenzelsplatz ist eine breite, ansteigende Achse mit Fahrbahnen an den Rändern und einem Mittelstreifen. Seine Form stammt aus der Funktion: Karl IV. brauchte 1348 für seine Neustadt große Marktflächen, und hier wurden Pferde gehandelt. Erst das 19. Jahrhundert machte daraus eine nationale Bühne, mit dem Nationalmuseum als monumentalem Abschluss am oberen Ende. Wenn du den Platz verstehen willst, stell dich oben an die Museumstreppe und schau hinunter: von dort ist die Achse als Ganzes lesbar, von unten wirkt sie nur wie eine lange Einkaufsstraße.
Das Reiterdenkmal und die Spur im Pflaster
In der oberen Hälfte steht der heilige Wenzel zu Pferd, ein Werk von Josef Václav Myslbek, das 1912 aufgestellt wurde. Um den Sockel gruppieren sich vier weitere böhmische Landespatrone: Ludmila, Prokop, Adalbert und Agnes. Der Sockel ist bis heute der Treffpunkt der Stadt und der Ort, an dem Demonstrationen beginnen. Wenige Schritte davor, vor dem Museum, liegt ein unauffälliges Gedenkzeichen im Boden für Jan Palach und Jan Zajíc. Es ist bewusst niedrig und zurückhaltend gestaltet, kein Denkmal zum Draufsteigen. Viele Besucher laufen darüber, ohne es zu bemerken.
1968 und 1989 auf derselben Fläche
Am 21. August 1968 besetzten Truppen des Warschauer Pakts Prag und beendeten den Reformkurs des Prager Frühlings. Am Nationalmuseum blieben Einschüsse zurück; die späteren Ausbesserungen sind am helleren Stein noch zu erkennen. Am 16. Januar 1969 zündete sich der Student Jan Palach in der Nähe des Denkmals an, aus Protest gegen die Resignation nach der Besetzung; er starb wenige Tage später. Zwanzig Jahre danach, im November 1989, füllten Hunderttausende Menschen den Boulevard, klirrten mit Schlüsselbunden und hörten Václav Havel und Alexander Dubček, die vom Balkon des Melantrich-Hauses sprachen. Dieselbe schräge Fläche trägt also Marktgeschichte, Besatzung, Trauer, Umbruch und heute Konsum, alles übereinander.
Was der Platz heute ist
Ehrlich gesagt: eine Einkaufsstraße mit Ketten, Hotels, Casinos, Wechselstuben und Imbissbuden. Sehenswert bleiben die Fassaden aus Jugendstil und früher Moderne, wenn du den Blick über die Schaufenster hebst. Lohnend sind auch die Passagen, die vom Platz abzweigen. In der Lucerna-Passage hängt David Černýs Skulptur eines Wenzel, der auf einem toten, kopfüber aufgehängten Pferd sitzt, die ironische Gegenversion zum Denkmal draußen.
Gut zu wissen: Wenige Meter westlich des Platzes liegt der Franziskanergarten, ein ummauerter, ruhiger Grünraum mit Bänken. Er ist der beste Ort, um vom Lärm des Boulevards herunterzukommen, und die meisten Besucher gehen ahnungslos daran vorbei.
Abends am unteren Ende
Der Abschnitt Richtung Můstek ist nachts der unangenehmste Ort im Prager Zentrum. Vor Clubs stehen Türsteher, die Gäste ansprechen, dazu kommen Verteiler von Flyern für Etablissements mit undurchsichtiger Abrechnung. Gefährlich im Sinn von Gewalt ist es nicht, aber Taschendiebstahl im Gedränge und überzogene Rechnungen sind reale Risiken. Trinke keinen Alkohol auf offener Straße, denn Prag hat dafür in Teilen des Zentrums eine Verordnung. Und steige nicht in ein Taxi, das dort auf Kundschaft wartet, sondern bestelle es per App oder lass es im Lokal rufen.
Achtung: Wechsle hier kein Geld. Die Schilder mit „0 % Kommission“ meinen die Kommission, nicht den Kurs, und der Kurs ist der eigentliche Trick. Hebe Kronen am Automaten einer Bank ab und lehne am Terminal die Umrechnung in Euro ab, zahle immer in Kč. Mehr dazu steht unter Bezahlen in Tschechien.
Orientierung, Anreise und der Weg weiter
Am unteren Ende liegt die Metrostation Můstek mit den Linien A und B, am oberen Ende Muzeum mit den Linien A und C. Wähle den Ausgang nach deinem Ziel, sonst läufst du den ganzen Boulevard mit Gepäck ab. Papierfahrscheine müssen vor der Fahrt im gelben Automaten entwertet sein, in der Metro also vor dem Bahnsteig; wie die Zeittickets funktionieren, steht bei Metro, Tram und Tickets. Vom unteren Ende sind es etwa fünf Minuten zu Fuß zum Altstädter Ring. Zum Essen läufst du besser ein paar Straßen weiter, denn direkt am Platz dominieren Lokale mit Fotomenüs; Alternativen nennt Essen und Trinken in Prag. Wer im Umfeld übernachtet, findet die Viertel im Vergleich unter Hotels in Prag.
Tickets: Der Platz selbst kostet nichts und ist Tag und Nacht zugänglich. Eintritt zahlst du nur für das Nationalmuseum am oberen Ende und für die Ausstellungen in den Passagen; prüfe Öffnungszeiten und Sonderschließungen jeweils auf der offiziellen Website des Hauses.
Wenn es nicht klappt
- Wenn es voll istDer Boulevard verträgt Menschenmengen, eng wird es nur an den Metroeingängen. Wenn dir der Trubel reicht, weiche in den Franziskanergarten oder in die Lucerna-Passage aus.
- Wenn es regnetDie Passagen entlang des Platzes sind überdacht und lassen sich zu einem Rundgang verbinden. Für längeren Regen bleibt das Nationalmuseum am oberen Ende die beste Adresse.
- Mit KindernDer Platz selbst ist für Kinder langweilig. Die Skulptur des kopfüber hängenden Pferdes in der Lucerna-Passage funktioniert dagegen fast immer, und das Nationalmuseum hat Skelette und Mineralien.
- Mit eingeschränkter MobilitätDie Steigung ist gleichmäßig und gut zu schaffen, die Gehwege sind breit. Achte auf Querungen und Baustellen und wähle die Metrostation passend, denn zwischen Můstek und Muzeum liegt die volle Länge.
Häufige Fragen
Warum heißt der Wenzelsplatz Platz, wenn er wie eine Straße aussieht?
Weil er als Marktfläche angelegt wurde. Karl IV. brauchte 1348 für die neue Prager Neustadt große Handelsplätze, und hier wurde mit Pferden gehandelt, daher der alte Name Koňský trh. Solche Märkte waren lang und schmal, damit an beiden Seiten Fuhrwerke stehen konnten. Der heutige Name kam erst 1848 auf.
Was ist am Wenzelsplatz 1968 und 1989 passiert?
Im August 1968 besetzten Truppen des Warschauer Pakts Prag; am Nationalmuseum blieben Einschüsse zurück, die späteren Ausbesserungen sind am helleren Stein zu sehen. Im Januar 1969 zündete sich Jan Palach aus Protest an, ein Gedenkzeichen liegt im Pflaster vor dem Museum. Im November 1989 wurde der Boulevard zum Hauptort der Samtenen Revolution.
Ist der Wenzelsplatz abends gefährlich?
Gefährlich im Sinn von Gewalt nicht, unangenehm schon. Am unteren Ende sprechen Türsteher und Flyerverteiler Gäste an, Taschendiebe arbeiten im Gedränge, und Lokale mit undurchsichtiger Abrechnung sammeln dort Kundschaft ein. Halte Tasche und Handy vorn, nimm kein wartendes Taxi und trinke keinen Alkohol auf der Straße.
Wie kommt man vom Wenzelsplatz zum Altstädter Ring?
Zu Fuß in etwa fünf Minuten. Gehe an den unteren Rand des Platzes zur Kreuzung Můstek und dann durch die Fußgängerzone Na Příkopě und die Straße Melantrichova nordwestlich weiter, du kommst direkt an der Rathausuhr heraus. Die Metro lohnt sich für diese Strecke nicht.
Wo soll man am Wenzelsplatz kein Geld wechseln?
In den Wechselstuben am Platz und in den Seitenstraßen. Die Werbung mit null Prozent Kommission sagt nichts über den Kurs, und genau dort entsteht der Verlust. Hebe Kronen am Geldautomaten einer echten Bank ab, lehne am Terminal die angebotene Abrechnung in Euro ab und zahle in tschechischen Kronen.






