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Vysočina: Städte, Orte & Reisetipps

Vysočina heißt schlicht „Hochland“ und beschreibt sich damit selbst: hügeliges, waldreiches Land zwischen Böhmen und Mähren, dünn besiedelt, mit langen Wintern und drei UNESCO-Orten auf engem Raum.

Die Region liegt genau an der Autobahn zwischen Prag und Brünn und wird deshalb von den meisten Reisenden durchfahren. Wer aussteigt, findet mit Telč einen der schönsten Plätze Mitteleuropas.

Vysočina: Städte, Orte & Reisetipps
Foto: Guido Radig, CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • RegionshauptstadtJihlava (Iglau)
  • UNESCOTelč seit 1992
  • UNESCOWallfahrtskirche Zelená Hora seit 1994
  • UNESCOjüdisches Viertel und Basilika in Třebíč seit 2003
  • HöheJihlava liegt auf rund 550 Metern
  • Lageauf der europäischen Wasserscheide zwischen Nord- und Schwarzem Meer

Hochland auf der Wasserscheide

Die Böhmisch-Mährische Höhe ist kein Gebirge, sondern eine breite, waldige Aufwölbung zwischen den beiden historischen Landesteilen. Sie erreicht knapp über 800 Meter, wirkt aber wegen der weiten Kuppen und der wenigen Orte höher, als sie ist.

Über die Region verläuft die europäische Hauptwasserscheide: Was nach Nordwesten abfließt, landet über die Elbe in der Nordsee, was nach Südosten geht, über die March und die Donau im Schwarzen Meer. Historisch war das die Grenze zwischen Böhmen und Mähren, und man merkt sie bis heute an Bauformen und Dialekt.

Wirtschaftlich lebte Vysočina von Silber, Glas und Wald. Jihlava war im 13. Jahrhundert eine der reichsten Silberstädte Mitteleuropas, lange vor Kutná Hora. Aus dieser Zeit stammt der ungewöhnlich große Marktplatz, der für die heutige Einwohnerzahl viel zu groß wirkt.

Die Orte, die sich lohnen

1 Telč

Der Marktplatz von Telč ist ein geschlossener Renaissanceraum: zwei lange Häuserzeilen mit Arkaden und farbigen Giebeln, am Ende ein Schloss, ringsum Teiche. Seit 1992 UNESCO-Welterbe.

Der Ort ist klein und in zwei Stunden abgelaufen, aber die Runde um die Teiche, von der aus du den Platz von außen siehst, gehört dazu. Alles Weitere unter Telč.

2 Třebíč

Hier stehen zwei UNESCO-Elemente nebeneinander: das jüdische Viertel mit rund 120 erhaltenen Häusern, zwei Synagogen und einem großen Friedhof sowie die romanisch-gotische St.-Prokop-Basilika auf der anderen Flussseite.

Das jüdische Viertel von Třebíč ist eines der wenigen in Europa, das als Ensemble erhalten blieb. Es ist ein Erinnerungsort und verlangt entsprechende Zurückhaltung. Mehr Kontext unter Jüdisches Erbe in Tschechien.

3 Jihlava

Die Regionshauptstadt hat einen der größten Marktplätze des Landes, Reste der Stadtmauer und ein weitverzweigtes mittelalterliches Kellersystem unter der Altstadt, das aus dem Silberbergbau stammt und teilweise begehbar ist.

Jihlava ist die praktische Basis der Region, weil sie an der Autobahn und an mehreren Buslinien liegt. Gustav Mahler verbrachte hier seine Kindheit, woran ein Haus und ein Park erinnern.

Weitere Ziele in der Region

Die Wallfahrtskirche des heiligen Johannes von Nepomuk auf dem Zelená Hora bei Žďár nad Sázavou steht seit 1994 auf der UNESCO-Liste. Jan Blažej Santini-Aichel baute sie um 1720 im Stil der Barockgotik, mit einem Grundriss aus fünfzackigem Stern und einer Zahlensymbolik, die sich in jedem Detail wiederholt. Es ist eines der ungewöhnlichsten Kirchengebäude Europas.

Dazu kommen Burgruinen wie Lipnice und Pernštejn am Rand der Region, tiefe Flusstäler an Sázava und Jihlava sowie viele Kilometer markierter Wanderwege. Wer Ruhe sucht, findet sie hier leichter als in fast jeder anderen tschechischen Region. Wandergrundlagen stehen unter Wandern in Tschechien.

Essen und lokale Spezialität

Vysočina ist Kartoffel- und Pilzland. Auf den Speisekarten stehen Bramborák, Kartoffelsuppe mit Pilzen und im Herbst Gerichte mit frisch gesammelten Steinpilzen. Die Küche ist deftiger und ländlicher als in Prag oder Brünn.

In Jihlava wird seit dem Mittelalter gebraut, und die kleineren Brauereien der Region schenken meist ein Zehner- oder Zwölfergrad aus. In der Hospoda setzt du dich, der Kellner bringt und strichelt mit, am Ende wird abgerechnet. Wer nichts mehr will, legt den Bierdeckel auf das Glas.

Beste Reisezeit

Jihlava liegt auf rund 550 Metern und ist damit spürbar kühler als die Städte im Tiefland: Der wärmste Monat ist der August mit Höchstwerten um 23 Grad, im Januar bleibt der Tageshöchstwert unter 1 Grad. Der Juli bringt den meisten Niederschlag, der März den wenigsten. In Telč sieht es ähnlich aus.

Für Städte und Wanderungen sind Mai bis September die richtige Zeit. Der Winter ist lang, schneereich und für Langlauf gut geeignet: Die Region hat ein ausgedehntes Loipennetz. Für einen Städtebesuch ist er weniger geeignet, weil viele Schlösser und Museen geschlossen sind.

Übernachten und Preisniveau

Vysočina ist eine der günstigsten Regionen Tschechiens. In Jihlava findest du Hotels im normalen Standard, in Telč und Třebíč überwiegend Pensionen, oft in historischen Häusern direkt am Platz. Das Angebot ist begrenzt, deshalb lohnt frühes Buchen im Sommer.

Wer in Telč übernachtet, bekommt den Platz am frühen Morgen und am Abend fast für sich, wenn die Tagesgäste weg sind. Das ist der beste Grund, hier zu bleiben statt weiterzufahren. In der Nebensaison sind viele kleine Häuser geschlossen, dann ist Jihlava die sicherere Wahl.

Regentage und Ziele mit Dach

Bei schlechtem Wetter tragen die Untergrundgänge in Jihlava, das Museum zu Gustav Mahler, die Basilika in Třebíč und die Schlossführungen in Telč den Tag. Alle vier sind unabhängig vom Wetter zugänglich, und die Wege dazwischen sind kurz.

Was bei Regen wegfällt, sind die Teichrunden um Telč und die Wanderwege in den Flusstälern. Das trifft die Region härter als andere, weil ihr Reiz stark von der Landschaft lebt. Plane bei durchwachsener Vorhersage die Innenräume auf den Nachmittag und die Wege auf den Vormittag.

Anreise aus Deutschland

Ab München sind es rund 410 Straßenkilometer nach Jihlava, etwa fünf Stunden, ab Berlin rund 470. Die Autobahn D1 zwischen Prag und Brünn führt direkt an Jihlava vorbei, für sie brauchst du die elektronische Vignette. Telč erreichst du über Landstraßen etwa 30 Kilometer südlich der Autobahn.

Mit der Bahn ist die Region schlechter erschlossen. Jihlava und Třebíč haben Anschluss, liegen aber nicht an den Hauptstrecken, und Telč erreichst du am besten mit dem Bus ab Jihlava oder direkt ab Prag. Für eine Rundreise durch Vysočina ist ein Auto klar im Vorteil.

Tipp: Wenn du von Prag nach Brünn fährst, ist ein Umweg über Telč die beste Pause, die die Strecke zu bieten hat. Du verlierst etwa anderthalb Stunden und siehst einen UNESCO-Platz, der ohne Reisebusandrang auskommt, sobald der Nachmittag beginnt.

Route oder Basis

Für zwei bis drei Tage nimmst du Jihlava oder Telč als Standort. Ein sinnvoller Ablauf: erster Tag Jihlava mit Untergrund, zweiter Tag Telč und Umgebung, dritter Tag Třebíč und Zelená Hora. Die Wege dazwischen betragen jeweils 30 bis 60 Minuten mit dem Auto.

Als Etappe passt Vysočina genau zwischen Prag und Südmähren. Wer Prag und Brünn verbindet, sollte hier eine Nacht einplanen statt durchzufahren. Wer sich für Welterbe interessiert, findet die Übersicht unter UNESCO-Welterbe in Tschechien.

Ehrlich eingeordnet

Vysočina hat drei herausragende Ziele und viel ruhiges Land dazwischen. Wer eine dichte Folge von Sehenswürdigkeiten erwartet, wird enttäuscht. Wer Wert auf leere Straßen, günstige Preise und Orte ohne Souvenirmeile legt, findet hier die entspannteste Region Tschechiens.

Für einen ersten Tschechien-Besuch taugt sie als Zwischenstopp, nicht als Hauptziel. Ohne Auto wird die Reise mühsam, weil die drei UNESCO-Orte nicht auf einer Bahnlinie liegen. Und Telč ist zwar wunderschön, aber winzig: Wer dort einen ganzen Tag verbringen will, braucht Freude an Teichen, Wegen und Ruhe, nicht an Programm.

Häufige Fragen

Wie kommt man ohne Auto nach Telč?

Mit dem Bus. Es gibt Verbindungen ab Prag, ab Jihlava und ab Brünn, die Fahrzeit ab Prag liegt bei etwa zweieinhalb bis drei Stunden. Ein Personenbahnhof an einer Hauptstrecke fehlt. Wer alle drei UNESCO-Orte der Region ohne Auto sehen will, sollte mit Bussen und mehr Zeit planen.

Was macht das jüdische Viertel in Třebíč besonders?

Es ist eines der wenigen vollständig erhaltenen jüdischen Stadtviertel Europas, mit rund 120 Häusern, zwei Synagogen, Rathaus, Schule und einem großen Friedhof. Erhalten blieb es, weil die Gebäude nach 1945 weitergenutzt und nicht abgerissen wurden. Seit 2003 steht es zusammen mit der St.-Prokop-Basilika auf der UNESCO-Liste.

Reicht ein Tag für Telč?

Für den Platz und das Schloss reicht ein halber Tag. Wenn du die Runde um die Teiche gehst, den Turm besteigst und in Ruhe isst, wird ein ganzer Tag daraus. Übernachten lohnt sich vor allem, weil der Platz am frühen Morgen und am Abend fast leer ist, während tagsüber Busgruppen kommen.

Was ist die Kirche auf dem Zelená Hora?

Eine Wallfahrtskirche bei Žďár nad Sázavou, um 1720 von Jan Blažej Santini-Aichel im Stil der Barockgotik gebaut. Der Grundriss folgt einem fünfzackigen Stern, und die Zahl fünf wiederholt sich in Fenstern, Altären und Türen. Seit 1994 UNESCO-Welterbe und eines der ungewöhnlichsten Kirchenbauwerke Europas.

Ist Vysočina im Winter eine Option?

Für Langlauf ja. Die Region hat ein weites Loipennetz und ist schneesicherer als das böhmische Tiefland. Für Städtebesuche ist der Winter weniger geeignet, weil Schlösser wie Telč in der kalten Jahreszeit meist geschlossen sind und die Tage kurz. Die Plätze selbst kannst du natürlich immer ansehen.