Reise-Inspiration

Weinreise durch Mähren

Fast der gesamte tschechische Wein wächst in Mähren, im Süden des Landes zwischen Znojmo und der slowakischen Grenze. Es ist dieselbe Klimazone wie das nördliche Niederösterreich, und man schmeckt es: viel Weißwein, kühl und säurebetont, dazu ein paar rote Sorten, die anderswo kaum jemand anbaut.

Die Region ist flach genug fürs Rad, dicht genug für kurze Etappen und immer noch unbekannt genug, dass du in einem Kellerdorf mit dem Winzer selbst sprichst statt mit einer Verkaufskraft. Diese Seite zeigt, wie du das planst und wie du wieder nach Hause kommst.

Weinreise durch Mähren
Foto: Tadeáš Bednarz, CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • WeinbaugebietMorava, gegliedert in vier Teilgebiete
  • Anteil am LandesweinbauDer weit überwiegende Teil liegt in Mähren
  • Typische WeißweineVeltlínské zelené, Ryzlink, Tramín, Pálava
  • Typische RotweineFrankovka, Svatovavřinecké, Zweigeltrebe
  • RadwegeMoravské vinařské stezky, mehrere hundert Kilometer

Vier Teilgebiete, vier Charaktere

Das mährische Weinbaugebiet zerfällt in vier Unterregionen, und die Unterschiede sind größer, als die kurzen Entfernungen vermuten lassen. Um Znojmo ist es kühl und windig, hier entstehen schlanke, säurebetonte Weißweine. Rund um Mikulov liegt Kalkstein im Boden, was den Weinen Struktur gibt und die Region für Ryzlink und Tramín prädestiniert.

Das Velkopavlovicko nördlich davon ist wärmer und flacher und liefert die kräftigeren Rotweine. Und ganz im Osten, um Uherské Hradiště, liegt das Slovácko mit einer eigenen Folklore-Tradition, die bei Weinfesten deutlich sichtbarer ist als anderswo. Wer eine Woche hat, fährt von West nach Ost und merkt den Übergang.

Die Rebsorten, die du sonst nirgends bekommst

Ein Teil des Sortiments ist international bekannt: Ryzlink rýnský ist Riesling, Ryzlink vlašský Welschriesling, Rulandské bílé und šedé sind Weiß- und Grauburgunder. Veltlínské zelené, der Grüne Veltliner, ist die meistangebaute Weißweinsorte und macht das, was er auch in Österreich macht: pfeffrig, trocken, unkompliziert.

Spannender sind die tschechischen Neuzüchtungen. Pálava ist nach den Kalkfelsen bei Mikulov benannt, eine Kreuzung mit deutlicher Gewürznote. Muškát moravský duftet nach Muskat, ohne süß zu sein. Bei den Roten dominieren Frankovka, also Blaufränkisch, sowie Svatovavřinecké, das dem St. Laurent entspricht, und die Zweigeltrebe. Schwere Rotweine wirst du hier nicht finden, dafür ist das Klima zu kühl.

Gut zu wissen: Am 11. November, dem Martinstag, kommt der Svatomartinské víno in den Verkauf, ein junger Wein des laufenden Jahrgangs. Der Termin ist fest und landesweit gleich, in Prag genauso wie in Mikulov. Im Spätsommer und Frühherbst gibt es außerdem Burčák, teilvergorenen Traubenmost, der süß schmeckt und trotzdem Alkohol enthält.

Kellergassen: das eigentliche Erlebnis

Was Südmähren von anderen Weinregionen unterscheidet, sind die sklepní uličky, die Kellergassen. Statt Weinguts-Gebäuden mit Verkaufsraum stehen dort ganze Straßenzüge aus kleinen Kellerhäusern, oft in eine Böschung gebaut, mit einer Tür, einem Vordach und einem in den Löss getriebenen Gang dahinter. Die Fassaden sind bunt bemalt, die Gassen unbefestigt.

Diese Keller gehören einzelnen Familien. Manche schenken regelmäßig aus, andere nur, wenn die Tür offen steht, was oft an Wochenendnachmittagen der Fall ist. Bekannt sind die Kellergassen in Petrov, in Vrbice und in Pavlov unterhalb der Pálava-Felsen. Öffnungszeiten im klassischen Sinn gibt es nicht, das gehört zum Prinzip.

Größere Betriebe und Weinbauschulen bieten dagegen strukturierte Verkostungen mit Anmeldung an, oft mit Führung durch den Keller. Das ist die verlässlichere Variante, wenn du einen festen Termin brauchst.

Vier Orte für eine Weinreise

1 Mikulov

Ein Schloss auf dem Felsen, ein Marktplatz mit Renaissancehäusern und darüber die weißen Kalkfelsen der Pálava. Mikulov ist der beste Ausgangspunkt, weil hier Weinorte, Wanderwege und Radrouten zusammenlaufen. Im Juli liegen die Höchstwerte um 27 Grad, damit gehört der Ort zu den wärmsten des Landes.

Die Stadt hat außerdem ein bedeutendes jüdisches Erbe mit Synagoge und Bergfriedhof, mehr dazu unter jüdisches Erbe. Weitere Details zum Ort: Mikulov.

2 Valtice und Lednice

In Valtice sitzt die tschechische Weinbauakademie, und unter dem Schloss liegt einer der größten historischen Weinkeller des Landes. Direkt daneben beginnt die Kulturlandschaft Lednice-Valtice, seit 1996 UNESCO-Welterbe, mit Alleen, Teichen und Staffagebauten.

Die Kombination funktioniert gut: vormittags Schlosspark und Radtour, nachmittags Verkostung. Weil die Wege im Park flach und asphaltiert sind, kommst du mit jedem Leihrad zurecht.

3 Znojmo

Die Stadt liegt hoch über dem Fluss Dyje, hat ein weitverzweigtes Kellersystem unter der Altstadt und den Nationalpark Podyjí direkt vor der Tür. Znojmo ist außerdem für seine Gurken bekannt, was in der Region ähnlich ernst genommen wird wie der Wein. Details: Znojmo.

4 Brünn als Basis

Wer nicht in einem Weinort übernachten will, nimmt Brünn. Von dort sind Mikulov, Valtice und Znojmo alle in etwa einer Stunde Fahrzeit erreichbar, und abends hast du eine echte Stadt mit Weinbars und Restaurants. Die mährische Weinkarte findest du in Brünn oft besser sortiert als im Weinort selbst, siehe Essen und Trinken in Brünn.

Mit dem Rad durch die Weinberge

Die Moravské vinařské stezky sind ein beschildertes Netz aus Rad- und Wanderrouten, das die Weinorte Südmährens verbindet. Es besteht aus mehreren regionalen Runden plus einer langen Verbindungsachse und ist an den Kreuzungen mit eigenen Schildern markiert. Die Etappen sind kurz genug, dass du zwischen zwei Kellern nicht ins Schwitzen kommst.

Das Gelände ist hügelig, aber nicht bergig, mit Ausnahme der Anstiege zur Pálava. Ein normales Trekkingrad reicht, E-Bikes gibt es zunehmend zu leihen. Manche Abschnitte laufen über unbefestigte Feldwege zwischen den Reben, was bei Nässe zäh wird. Mehr zum Radfahren im Land unter Radfahren in Tschechien.

Achtung: In Tschechien gilt null Promille, und zwar auch auf dem Fahrrad. Wer verkostet, plant den Rückweg zu Fuß, mit dem Zug oder mit einem Fahrer, der nichts trinkt. Die Polizei kontrolliert an Wochenenden in Weinregionen gezielt, und die Konsequenzen sind erheblich.

Wie eine Verkostung abläuft

Im Keller wird meist aus dem Fass oder direkt aus dem Tank probiert, in kleinen Mengen und in der Reihenfolge von leicht nach kräftig, also erst Weißwein, dann Rot, Süßes zum Schluss. Der Winzer schenkt ein, erzählt dazu und füllt nach, ohne zu fragen. Wer genug hat, sagt das ausdrücklich, sonst geht es weiter.

Ausspucken ist bei einer ernsthaften Verkostung völlig normal und wird nicht als Beleidigung verstanden, ein Gefäß dafür steht bereit. Nimm etwas zu essen an, wenn es angeboten wird, meist Brot, Speck oder Käse: Das ist Teil der Sache und verlangsamt die Wirkung. Und rechne damit, dass aus einer halben Stunde schnell zwei werden, weil im Keller niemand auf die Uhr sieht.

Anreise und Rückweg ohne Auto

Die Bahn bringt dich bis Břeclav, einen wichtigen Knoten auf der Strecke zwischen Wien und Brünn. Von dort gibt es Regionalverbindungen Richtung Valtice, Lednice und Mikulov, allerdings mit begrenzter Taktdichte. Znojmo erreichst du per Regionalbahn ab Brünn oder ab Wien über die Grenze.

Für die letzten Kilometer ist das Rad häufig praktischer als der Bus. In den Zügen der Region ist Fahrradmitnahme üblich, im Sommer teils in eigens gekennzeichneten Wagen. Details zu Tickets und Mitnahme unter Tschechien mit dem Zug. Wer mit dem Auto anreist, braucht für die Autobahnen die elektronische Vignette, siehe Tschechien mit dem Auto.

Tipp: Plane die Verkostung auf den späten Nachmittag und übernachte im selben Ort. Dann brauchst du weder Fahrer noch Zeitdruck, und du bekommst mit, wie sich eine Kellergasse am Abend füllt. Eine ausgearbeitete Route steht in der Mähren-Rundreise.

Was du mitnehmen kannst

Viele Winzer verkaufen ab Keller, oft in Kisten. Innerhalb der EU gibt es für den privaten Eigenbedarf keine Mengenbeschränkung im engeren Sinn, aber es gelten Richtwerte, ab denen der Zoll gewerblichen Handel vermutet. Wer eine übliche Urlaubsmenge mitnimmt, hat damit nichts zu tun.

Praktisch wichtiger ist die Verpackung: Weinflaschen im Kofferraum brauchen Polster, im Zug einen stabilen Karton. Und wenn du eine bestimmte Flasche wiederfinden willst, fotografiere das Etikett samt Jahrgang, denn viele kleine Betriebe haben keinen Onlineversand.

Häufige Fragen

Wann ist die beste Zeit für eine Weinreise nach Südmähren?

September und die erste Oktoberhälfte, weil dann gelesen wird, die Kellergassen belebt sind und die Temperaturen zum Radfahren passen. Der Mai und Juni sind für Radtouren angenehmer, dafür ist im Keller weniger los. Im Hochsommer wird es in Mikulov und Znojmo mit Höchstwerten um 27 Grad heiß, Touren gehören dann in den frühen Vormittag.

Welche mährischen Weine sollte man probieren?

Bei Weiß führt kein Weg an Veltlínské zelené und Ryzlink vorbei, dazu Tramín für die würzige Richtung. Wer etwas Landestypisches sucht, bestellt Pálava oder Muškát moravský, beides tschechische Züchtungen. Bei Rot sind Frankovka und Svatovavřinecké die Klassiker: mittelschwer, mit Säure, deutlich näher an Österreich als an Südeuropa.

Kann man Kellergassen ohne Anmeldung besuchen?

Bei den privaten Kellern gilt: Wenn die Tür offen steht, ist offen. Feste Zeiten gibt es meist nicht, die Chancen stehen an Wochenendnachmittagen im Sommer und Frühherbst am besten. Wer einen verlässlichen Termin braucht, bucht stattdessen bei einem größeren Betrieb oder einer Weinbauschule eine geführte Verkostung mit Voranmeldung.

Was ist Burčák?

Teilvergorener Traubenmost, der im Spätsommer und Frühherbst verkauft wird. Er schmeckt süß und trüb wie Traubensaft, gärt aber noch und enthält Alkohol, dessen Gehalt sich von Tag zu Tag ändert. Er wird oft in Plastikflaschen mit gelockertem Deckel verkauft, weil das Gas entweichen muss. Unterschätze die Wirkung nicht, besonders wenn du danach fahren willst.

Wie kommt man ohne Auto in die Weinorte?

Mit dem Zug bis Břeclav oder Brünn, von dort mit Regionalzügen und Bussen weiter nach Valtice, Lednice, Mikulov oder Znojmo. Die Takte sind dünner als in der Stadt, prüfe die Verbindungen vorher. Am flexibelsten bist du mit einem Rad, weil die Weinradwege die Orte direkt verbinden und die Etappen kurz sind.