Auf einen Blick
- Böhmisches BäderdreieckKarlovy Vary, Mariánské Lázně, Františkovy Lázně
- UNESCOSeit 2021 Teil der Bedeutenden Kurstädte Europas
- TrinkkurPorzellanbecher mit Schnabel im Griff
- Mährisches BadLuhačovice mit Holzarchitektur von Dušan Jurkovič
- KaltwasserkurJeseník, gegründet von Vincenz Priessnitz
Was eine Kolonnade ist und wie sie benutzt wird
Eine Kolonnade ist eine überdachte Wandelhalle an einer oder mehreren Quellen. Der Gedanke dahinter stammt aus dem 19. Jahrhundert: Das Mineralwasser soll nicht am Tisch getrunken werden, sondern langsam und in Bewegung, geschützt vor Wetter. Deshalb sind die Hallen lang und offen, deshalb gibt es Bänke und deshalb spielt in manchen ein Kurorchester.
Das Wasser läuft aus Ausläufen, die beschriftet sind. Du füllst dort deinen Becher und gehst dabei weiter. Die Quellen unterscheiden sich in Temperatur und Mineralisierung, weshalb an jedem Auslauf Angaben stehen. Der Zugang zu den Kolonnaden ist frei, du musst kein Kurgast sein.
Gut zu wissen: Der typische Kurbecher, auf Tschechisch lázeňský pohárek, ist ein flaches Porzellangefäß mit einem Schnabel im hohlen Griff. Du trinkst durch den Griff, was das Wasser gleichmäßiger dosiert und die Zähne schont. Es gibt sie überall in den Kurorten zu kaufen, von schlicht bis kitschig.
Der Geschmack ist gewöhnungsbedürftig: salzig, metallisch, teils schwefelig, oft warm. Das ist normal und kein Zeichen für schlechtes Wasser. Wer eine Trinkkur ernsthaft machen will, sollte vorher ärztlichen Rat einholen, denn Mineralwässer dieser Konzentration sind kein Erfrischungsgetränk.
Auf den Kolonnaden gilt eine eigene Umgangsform. Es wird gegangen, nicht gesessen und gegessen, gesprochen wird leise, und die Bänke sind für Pausen da, nicht für Picknicks. Viele Kurgäste sind aus gesundheitlichen Gründen dort, was den Ton erklärt. In der Mittagszeit und am frühen Abend ist es am vollsten, früh am Morgen hast du die Halle fast für dich.
Das Böhmische Bäderdreieck
1 Karlovy Vary
Karlsbad liegt in einem engen Talkessel, durch den die Teplá fließt, und ist der größte und belebteste der drei Orte. Herzstück ist die Sprudelkolonnade über dem Vřídlo, der heißesten Quelle: Sie schießt als Fontäne mehrere Meter hoch und wird abgekühlt, bevor man sie trinkt.
Dazu kommen die steinerne Mühlbrunnkolonnade im Stil der Neorenaissance, entworfen von Josef Zítek, das Grandhotel am Talende, die Standseilbahn hinauf zum Diana-Aussichtsturm und ein Netz aus Waldwegen rings um die Stadt. Die Hanglage ist steil, das solltest du bei der Hotelwahl bedenken. Alles Weitere unter Karlsbad und Kolonnaden in Karlsbad.
2 Mariánské Lázně
Marienbad liegt auf 578 Metern in einem Waldkessel und ist grüner, ruhiger und weniger dicht bebaut als Karlsbad. Die gusseiserne Kolonnade aus dem 19. Jahrhundert ist das Wahrzeichen, davor liegt eine Wasserorgel, die zu festen Zeiten spielt. Rund um den Ort beginnen Waldwege direkt am Kurviertel.
Wer Kurbetrieb ohne Gedränge sucht, ist hier richtig. Wegen der Höhenlage ist es merklich kühler als in Karlsbad, die Januar-Höchstwerte liegen bei 1,5 Grad. Details: Mariánské Lázně.
3 Františkovy Lázně
Franzensbad ist der kleinste und flachste der drei Orte, planmäßig als Rastergrundriss angelegt, mit klassizistischen Häusern in Gelb und Weiß. Wer schlecht zu Fuß ist, hat es hier deutlich leichter als in Karlsbad. Neben den Quellen wird mit Moor aus der Umgebung gearbeitet.
Der Ort ist an einem halben Tag zu Fuß erfasst und lässt sich mit Cheb verbinden, das nur wenige Kilometer entfernt liegt. Details: Františkovy Lázně.
Kurorte außerhalb des Dreiecks
4 Luhačovice
Das größte mährische Bad liegt in einem Tal in der Region Zlín und sieht anders aus als alles im Bäderdreieck. Der Architekt Dušan Jurkovič gestaltete Anfang des 20. Jahrhunderts mehrere Gebäude in einem Stil, der Volksbauweise mit Jugendstil verbindet: viel Holz, geschwungene Dächer, bunte Details.
Bekannt ist der Ort für stark mineralisierte Quellen. Als Ausgangspunkt liegt Zlín mit seiner funktionalistischen Stadtanlage nah, was einen interessanten architektonischen Kontrast ergibt.
5 Jeseník und die Priessnitz-Tradition
Vincenz Priessnitz gründete 1822 in Gräfenberg oberhalb des heutigen Jeseník die erste Wasserheilanstalt der Welt. Sein Ansatz arbeitete mit kaltem Wasser, Bewegung an frischer Luft und einfacher Kost statt mit Medikamenten, was damals in der Medizin höchst umstritten war.
Der Kurort liegt am Hang über der Stadt, umgeben von Wald. Ein Netz aus Wegen führt zu über einem Dutzend gefasster Quellen, jede mit eigenem Pavillon. Das lässt sich unabhängig von jeder Behandlung als Spaziergang gehen und verbindet sich gut mit Wanderungen in den Jeseníky.
6 Třeboň
In der südböhmischen Teichlandschaft wird mit Moor gearbeitet, das aus den umliegenden Mooren gewonnen wird. Třeboň selbst ist ein kompakter Renaissancekern mit Stadtmauer, Schloss und einem großen Teich direkt am Ortsrand. Die Kombination aus Kurbetrieb, flachen Radwegen und historischer Substanz ist ungewöhnlich.
Weitere Bäder im Land sind Poděbrady an der Elbe mit seiner Kolonnade und dem Kurpark sowie Teplice in Nordböhmen, das zu den ältesten Kurorten Mitteleuropas zählt.
Kuraufenthalt, Wellness oder Tagesbesuch
| Form | Was dahintersteckt | Zugang |
|---|---|---|
| Kuraufenthalt | Mehrwöchig, ärztlich begleitet, fester Plan | Nach ärztlicher Abklärung, Anmeldung nötig |
| Wellnessaufenthalt | Kurze Pakete mit Anwendungen im Hotel | Frei buchbar, auch für ein Wochenende |
| Tagesbesuch | Kolonnaden, Kurpark, Spaziergang, Café | Frei zugänglich, kein Ticket |
Der Unterschied ist wichtig, weil er die Erwartung steuert. Ein klassischer Kuraufenthalt in Tschechien dauert typischerweise mehrere Wochen, beginnt mit einer ärztlichen Aufnahme und folgt danach einem Plan aus Anwendungen, Trinkkur und Bewegung. Das ist kein Urlaub mit Sauna, sondern ein strukturierter Aufenthalt.
Kurzaufenthalte mit Anwendungen bieten fast alle Kurhotels an, ohne Zuweisung und ohne langen Vorlauf. Und wer nur schauen will, kommt für einen Tag, geht die Kolonnaden ab, trinkt aus dem Becher und wandert im Kurwald. Das kostet nichts außer der Anreise.
Achtung: Was welche Anwendung bewirkt und ob sie für dich in Frage kommt, entscheidet ausschließlich ein Arzt. Mineralwässer mit hoher Konzentration und intensive Anwendungen sind nicht für jeden geeignet. Kläre das vorher ab, statt dich auf Werbetexte zu verlassen.
Anreise und Kombinationen
Die drei Orte des Bäderdreiecks liegen so nah beieinander, dass sich eine gemeinsame Runde anbietet: von Karlsbad nach Marienbad und weiter über Franzensbad nach Cheb. Wer mit dem Auto kommt, braucht für die Autobahn die elektronische Vignette, siehe Tschechien mit dem Auto.
Mit der Bahn ist die Region aus Deutschland gut erreichbar, weil die Grenze nah ist. Von Prag dauert die Fahrt nach Karlsbad länger, als die Entfernung vermuten lässt, weil die Strecke einen Bogen macht. Mehr dazu unter Tschechien mit dem Zug und Region Karlsbad.
Tipp: Nimm feste Schuhe mit. In Karlsbad und Marienbad beginnen direkt hinter den Kolonnaden Waldwege mit Bänken und Aussichtspunkten, angelegt im 19. Jahrhundert als Teil des Kurbetriebs. Sie sind der schönste Teil beider Orte und werden von Tagesgästen fast immer übersehen. Vergleiche auch Karlsbad oder Marienbad.
Häufige Fragen
Was gehört zum Böhmischen Bäderdreieck?
Karlovy Vary, Mariánské Lázně und Františkovy Lázně im Westen Tschechiens. Die drei Orte liegen wenige Fahrminuten auseinander und wurden 2021 als Teil der Bedeutenden Kurstädte Europas in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen, gemeinsam mit acht weiteren Bädern in sechs anderen Ländern. Alle drei haben Kolonnaden, Kurparks und aktiven Kurbetrieb.
Wie funktioniert eine Trinkkur?
Du kaufst einen Porzellanbecher mit Schnabel im Griff, füllst ihn an den beschrifteten Ausläufen der Kolonnade und trinkst langsam im Gehen. Die Quellen unterscheiden sich in Temperatur und Mineralgehalt. Der Zugang zu den Kolonnaden ist frei. Ob und in welcher Menge eine Trinkkur für dich sinnvoll ist, gehört in ärztliche Hände.
Muss man für einen Kurort einen Kuraufenthalt buchen?
Nein. Kolonnaden, Kurparks und Waldwege sind öffentlich zugänglich, du kannst einen Kurort als normaler Tagesgast besuchen. Ein klassischer Kuraufenthalt dauert mehrere Wochen und beginnt mit ärztlicher Aufnahme. Dazwischen liegen Wellnesspakete in Kurhotels, die sich frei buchen lassen und meist ein paar Tage dauern.
Welcher Kurort passt für einen Kurzbesuch?
Karlsbad, wenn du Trubel, Cafés und eine dichte Kulisse willst. Marienbad, wenn es ruhiger und grüner sein soll und du gerne wanderst. Franzensbad, wenn Steigungen ein Problem sind, denn der Ort ist flach und übersichtlich. In Mähren ist Luhačovice die interessanteste Wahl, allein wegen der Holzarchitektur.
Wie schmeckt das Wasser aus den Quellen?
Salzig, metallisch, oft warm und je nach Quelle leicht schwefelig. Viele finden es beim ersten Schluck unangenehm. Das ist normal und liegt an der hohen Mineralisierung. Wenn dir eine Quelle zu heftig ist, probiere eine andere, denn die Zusammensetzung unterscheidet sich innerhalb desselben Ortes deutlich.






