Böhmen · Prag

Karlsbrücke: beste Zeit, Türme & Statuen

Die Karlsbrücke ist die berühmteste Steinbrücke Mitteleuropas und gleichzeitig der Ort, an dem sich in Prag alles staut. Karl IV. ließ 1357 den Grundstein legen, nachdem ein Hochwasser 1342 die ältere Judithbrücke zerstört hatte. Knapp 516 Meter, 16 Bögen, an beiden Enden Wehrtürme, und bis 1841 die einzige feste Verbindung zwischen Altstadt und Kleinseite.

Ob dir dieser Ort in Erinnerung bleibt oder als Menschenmenge, entscheidet ausschließlich die Uhrzeit. Diese Seite sagt dir, wann du gehen solltest, welche der 30 Statuen etwas erzählen, welcher der beiden Türme sich lohnt und wie du die Brücke so verlässt, dass du nicht denselben Weg zurückläufst.

Karlsbrücke: beste Zeit, Türme & Statuen
Foto: Dietmar Rabich, CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • Tschechischer NameKarlův most
  • BaujahrGrundstein 1357 unter Karl IV.
  • BaumeisterZugeschrieben der Werkstatt Peter Parlers
  • LängeKnapp 516 Meter auf 16 Bögen
  • Statuen30 Figuren und Figurengruppen, überwiegend barock
  • VorgängerbauJudithbrücke, 1342 durch Hochwasser zerstört

Früh oder spät, nur nicht in der Tagesmitte

Zwischen zehn und achtzehn Uhr ist die Brücke eine langsam schiebende Schlange aus Reisegruppen, Karikaturisten, Souvenirständen und Drehleiermusik. Fotos gelingen nicht, Gespräche auch nicht, und die Statuen siehst du zwischen Hinterköpfen.

Vor acht Uhr morgens ist sie fast leer. Das Licht steht dann günstig für den Blick von der Altstadtseite hinüber zur Burg, und du kannst tatsächlich an einer Figur stehen bleiben, ohne jemanden zu blockieren. Die zweite gute Zeit ist nach Einbruch der Dunkelheit: die Laternen brennen, die Burg ist beleuchtet, und ein großer Teil der Tagesbesucher sitzt beim Abendessen. Wer nur eine Gelegenheit hat, nimmt den Morgen; wer zwei hat, geht einmal in jede Richtung.

Was die Statuen erzählen

Die Brücke war ursprünglich schmucklos. Die Figurengalerie entstand erst ab dem Ende des 17. Jahrhunderts, in der Zeit der katholischen Rekatholisierung Böhmens, und sie ist deshalb kein Zufallsprogramm: Sie sollte den Weg über den Fluss in einen Kreuzweg verwandeln. Heute stehen dort 30 Statuen und Figurengruppen, fast alle als Kopien; die Originale, die Wetter und Hochwasser überstanden haben, sind in Museen untergebracht.

Die älteste und bekannteste ist der heilige Johannes Nepomuk, ein Prager Generalvikar, der 1393 auf Befehl König Wenzels IV. gefoltert und von der Brücke in die Moldau geworfen wurde. Am Geländer erinnert eine Metallplatte an die Stelle. Dass man sie zum Glücksbringen anfasst, ist ein junger Touristenbrauch und kein historisches Ritual, aber er sorgt an dieser Stelle für den dichtesten Stau der ganzen Brücke.

Lohnender ist die Gruppe des heiligen Luitgard von Matthias Bernhard Braun, in der Christus sich vom Kreuz zu einer knienden Nonne neigt; es ist die künstlerisch stärkste Arbeit auf der Brücke. Und wenn du eine Figur nur wegen der Aussicht suchst: stell dich stromaufwärts, auf die Seite, von der du Vyšehrad und die Schleusen siehst.

Die beiden Türme, einzeln betrachtet

An jedem Ende steht ein Turm, und beide kann man besteigen. Der Altstädter Brückenturm auf der Ostseite gilt als eines der schönsten gotischen Stadttore Europas; die Bauplastik an der Ostfassade stammt aus der Bauhütte Peter Parlers und zeigt Karl IV. und seinen Sohn Wenzel IV. neben dem Brückenheiligen. Von oben schaust du die ganze Brückenachse entlang bis zur Burg. Das ist der Blick, den du auf Postkarten siehst.

Auf der Kleinseite stehen zwei ungleiche Türme nebeneinander: ein niedriger romanischer Rest der alten Judithbrücke und der höhere, später gebaute Kleinseitner Brückenturm. Vom höheren Turm siehst du die Brücke gegen die Altstadtsilhouette und zusätzlich die Dächer von Malá Strana. Beide Aufstiege sind eng und ohne Aufzug. Wenn du nur einen wählst, nimm den Altstädter Turm.

Tickets: Die Brücke selbst ist frei zugänglich, Tag und Nacht. Nur die beiden Turmbesteigungen kosten Eintritt und werden am jeweiligen Turmfuß verkauft, nicht gemeinsam. Vorbuchen ist nicht nötig, aber prüfe die Öffnungszeit auf der offiziellen Seite des Betreibers, denn im Winter schließen die Türme deutlich früher.

Zur offiziellen Tourismusseite der Stadt

Taschendiebe, ohne Panikmache

Die Brücke ist keine gefährliche Gegend. Sie ist nur der Ort in Prag mit der höchsten Dichte an abgelenkten Menschen mit offenen Taschen, und das zieht Gelegenheitsdiebe an. Sie arbeiten im Gedränge an den Engstellen: an der Nepomukplatte, an den Ständen, an den Turmdurchgängen.

Achtung: Rucksack vor den Körper, Handy nicht in die Gesäßtasche, Geldbörse in eine Innentasche. Wenn dich jemand anrempelt oder dir jemand eine Karte hinhält, greif reflexartig an deine Tasche und geh weiter. Auch die Straßenbahnen hinauf zur Burg und die Rolltreppen der Metro gehören zu den bevorzugten Orten, mehr dazu unter Prag-Tipps.

Wie du die Brücke verlässt

Der häufigste Fehler ist, hinüberzugehen und auf demselben Weg zurückzukommen. Steig stattdessen am westlichen Ende die Treppe hinunter auf Kampa. Unten ist es sofort ruhig: ein Park am Wasser, der Mühlgraben Čertovka, und von dort der schönste Blick zurück auf die Brückenbögen. Von Kampa läufst du weiter in die Kleinseite oder steigst zur Prager Burg auf.

In die andere Richtung führt der Weg durch den Altstädter Turm direkt in die Gassen von Staré Město und in wenigen Minuten zum Altstädter Ring. Wo die Brücke in der Gesamtplanung steht, zeigt die Übersicht der Prager Sehenswürdigkeiten.

Wenn es nicht klappt

  • Wenn es voll istDie Engstellen liegen an der Nepomukplatte und an beiden Turmdurchgängen. Wenn es dort steht, weiche auf die stromaufwärts gerichtete Seite aus und geh durch. Wer die Brücke tagsüber nur überqueren muss, nimmt besser die Mánesbrücke flussabwärts und spart 15 Minuten Schieben.
  • Wenn es regnetEs gibt keinen Wetterschutz, und das alte Pflaster wird bei Nässe glatt. Bei leichtem Regen ist die Brücke dafür angenehm leer und die Dächer der Kleinseite zeichnen sich klar ab. Bei Sturm oder Gewitter bleiben die Türme geschlossen, dann ist Kampa oder die Altstadt die bessere Wahl.
  • Mit KindernSuche mit Kindern gezielt drei Figuren statt aller dreißig: den Mann, der aus der Brücke geworfen wurde, den Ritter Bruncvík auf seinem Pfeiler unterhalb der Brüstung und den Türken mit den Gefangenen. Danach die Treppe hinunter nach Kampa, wo sie sich bewegen können.
  • Mit eingeschränkter MobilitätDie Brückenfläche selbst ist stufenlos, steigt zur Mitte hin aber leicht an und besteht aus grobem, unebenem Pflaster. Beide Türme haben nur enge Wendeltreppen. Nach Kampa führen ausschließlich Stufen; barrierefrei kommst du dorthin über die Straßen der Kleinseite.

Häufige Fragen

Wann ist die beste Zeit für die Karlsbrücke?

Vor acht Uhr morgens oder nach Einbruch der Dunkelheit. Am Morgen ist die Brücke fast leer und das Licht steht günstig für den Blick zur Burg. Abends brennen die Laternen und ein Großteil der Tagesbesucher sitzt beim Essen. Zwischen zehn und achtzehn Uhr ist sie durchgehend voll.

Kostet die Karlsbrücke Eintritt?

Nein, die Brücke ist rund um die Uhr frei zugänglich. Eintritt kostet nur, wer einen der beiden Brückentürme besteigt. Die Tickets dafür gibt es am jeweiligen Turm und sie gelten nicht für den anderen. Im Winter schließen die Türme deutlich früher als im Sommer.

Ist die Karlsbrücke nachts sicher?

Ja. Die Brücke ist beleuchtet, belebt und wird patrouilliert, und Gewaltkriminalität gegen Reisende ist in Prag selten. Vorsicht gilt weiter dem Taschendiebstahl, vor allem dort, wo sich Gruppen bilden. Trage Wertsachen innen und lass dich an Engstellen nicht in ein Gedränge schieben.

Wie viele Statuen stehen auf der Karlsbrücke?

Dreißig Statuen und Figurengruppen, aufgestellt überwiegend zwischen dem Ende des 17. und dem 19. Jahrhundert. Fast alle, die du siehst, sind Kopien; die erhaltenen Originale stehen geschützt in Museumsräumen, weil Hochwasser, Frost und Abgase den Sandstein zerstört haben.

Welcher Brückenturm lohnt sich mehr?

Der Altstädter Brückenturm auf der Ostseite. Von dort schaust du die gesamte Brückenachse entlang bis zur Burg, und die Bauplastik an der Fassade stammt aus der Parler-Bauhütte. Der Kleinseitner Turm bietet die Gegenrichtung mit den Dächern von Malá Strana. Beide haben nur enge Wendeltreppen ohne Aufzug.

Wie kommt man von der Karlsbrücke nach Kampa?

Kurz vor dem westlichen Brückenende führt an der linken Seite eine Treppe von der Brücke hinunter auf den Platz Na Kampě. Der Park beginnt ein Stück weiter südlich. Der Abstieg dauert eine Minute und bringt dich sofort aus dem Besucherstrom. Ohne Stufen erreichst du Kampa über die Straßen der Kleinseite.