Auf einen Blick
- Tschechischer NameNárodní muzeum, Historická budova am Wenzelsplatz
- Gegründet1818 als Vaterländisches Museum in Böhmen
- Hauptgebäude1885 bis 1891 nach Entwurf von Josef Schulz
- WiedereröffnungOktober 2018 nach der Sanierung ab 2011
- Dauer des Besuchs2 bis 3 Stunden für eine bewusste Auswahl
Der Bau am Kopf des Boulevards
Josef Schulz entwarf das Haus als Schlusspunkt der Achse, die vom Wenzelsplatz heraufführt, und er hat das gründlich getan: Rampe, Freitreppe, Kuppel, alles zielt auf Wirkung. Innen setzt sich das im Treppenhaus fort, das mit farbigem Stein und Galerien einen Ehrenhof imitiert. Oben liegt das Pantheon unter der Kuppel, ein Saal mit Büsten und Statuen tschechischer Wissenschaftler, Dichter und Politiker. Man muss wissen, was dieser Raum sollte: Als er entstand, war Böhmen Teil der Habsburgermonarchie, und die tschechische Nationalbewegung brauchte einen Ort, der ihre eigene Geschichte behauptete. Draußen an Sockel und Säulen erkennst du hellere, ausgebesserte Stellen. Sie stammen von den Einschüssen des August 1968, als Truppen des Warschauer Pakts Prag besetzten.
Zwei Gebäude, ein Museum
Zum Komplex gehört das Neue Gebäude direkt daneben, ein Bau der 1970er Jahre, in dem einst die Föderalversammlung der Tschechoslowakei tagte und später Radio Free Europe saß. Beide Häuser sind unterirdisch verbunden, du wechselst also trocken und ohne die Straße zu queren. Im Neuen Gebäude laufen vor allem Sonderausstellungen. Achte beim Kauf darauf, welches Ticket du nimmst: Es gibt Karten für das historische Gebäude, für das Neue Gebäude und Kombinationen, und nicht jede Sonderausstellung ist eingeschlossen.
Tickets: Ticket für das historische Haus, für das Neue Gebäude oder als Kombination. Sonderausstellungen können extra kosten, und der Zugang zur Kuppel wird nur zeitweise angeboten. Prüfe vor dem Besuch, welche Ausstellungen gerade laufen.
Was drinnen wirklich zu sehen ist
Der naturkundliche Teil ist der zugänglichste: Mineralien in langen Vitrinenreihen, Fossilien, präparierte Tiere und große Skelette, die auch ohne Text funktionieren. Der historische Teil verlangt mehr Lesearbeit, dafür bekommst du die tschechische Geschichte am Stück erzählt, von der Urgeschichte über die Přemysliden und die Habsburgerzeit bis ins 20. Jahrhundert. Beschriftungen gibt es auf Tschechisch und Englisch, deutschsprachige Texte sind die Ausnahme. Wenn du mit Kindern kommst, nimm die Naturkunde und lass die Geschichte weg; wenn dich Tschechien als Land interessiert, mach es umgekehrt.
Gut zu wissen: Das Národní muzeum ist eine Institution mit vielen Häusern, nicht ein Gebäude. Dazu zählen unter anderem das Musikmuseum auf der Kleinseite, das ethnografische Musaion in der Kinský-Villa am Petřín und das Náprstek-Museum in der Altstadt. Dein Ticket für den Bau am Wenzelsplatz gilt dort nicht.
Als Regenplan
Prag ist keine trockene Stadt: Im Mittel der letzten Jahre fallen im Juni 94 Millimeter Niederschlag, im August 84, während der März mit 36 Millimetern der trockenste Monat ist. Für einen Regentag ist dieses Haus deshalb die naheliegendste Adresse im Zentrum, zumal du über den Verbindungsgang zwei Gebäude hast, ohne nach draußen zu müssen. Garderobe und Kasse sind an solchen Tagen voll, plane etwas Vorlauf ein. Kombiniere den Besuch nicht mit einem zweiten großen Museum, dazu ist die Wegstrecke im Haus zu lang; die Häuser der Nationalgalerie gehören auf einen anderen Tag.
Tipp: Geh zuerst nach oben ins Pantheon und ins Treppenhaus, solange du frisch bist. Die Architektur ist der stärkste Teil des Besuchs, und nach zwei Stunden Vitrinen nimmst du sie nicht mehr wahr.
Anreise und Umgebung
Die Metrostation Muzeum liegt direkt darunter und verbindet die Linien A und C; ein Ausgang führt fast an die Freitreppe. Entwerte Papierfahrscheine vor dem Bahnsteig, alles Weitere steht bei Metro, Tram und Tickets. Der obere Wenzelsplatz ist ein Verkehrsknoten mit mehreren Fahrspuren, quere nur an den Ampeln. Nach dem Besuch bietet sich der Weg bergab über den Boulevard an, weiter zum Altstädter Ring, oder ein Wechsel in die ruhigen Straßen von Vinohrady östlich des Museums. Wer noch Museum will, aber leichteren Stoff, ist mit dem Hügel Petřín und seiner Sternwarte besser bedient.
Wenn es nicht klappt
- Wenn es voll istVoll wird es an Regentagen und an Wochenenden am späten Vormittag. Geh direkt zur Öffnung oder in den letzten zwei Stunden, dann sind Treppenhaus und Pantheon fast leer.
- Wenn es regnetGenau dafür ist dieses Haus da. Über den unterirdischen Gang erreichst du das Neue Gebäude, ohne nach draußen zu müssen, und kommst so leicht auf einen halben Tag im Trockenen.
- Mit KindernNimm die naturkundlichen Säle mit Mineralien und Skeletten, sie funktionieren ohne Lesen. Die historischen Abteilungen sind textlastig, dort verlieren Kinder schnell die Geduld.
- Mit eingeschränkter MobilitätDas sanierte Haus hat Aufzüge und einen stufenarmen Zugang, die Wege zwischen den Sammlungen sind aber lang. Plane benachbarte Etagen statt eines Rundgangs durch das ganze Gebäude.
Häufige Fragen
Was kann man im Nationalmuseum in Prag sehen?
Zwei große Bereiche: Naturkunde mit Mineralien, Fossilien und Tierskeletten sowie tschechische Geschichte von der Urzeit bis ins 20. Jahrhundert. Dazu kommt das Gebäude selbst mit Treppenhaus, Kuppel und dem Pantheon voller Büsten tschechischer Persönlichkeiten. Sonderausstellungen laufen meist im benachbarten Neuen Gebäude.
Wie lange braucht man für das Nationalmuseum Prag?
Rechne mit 2 bis 3 Stunden, wenn du zwei Abteilungen auswählst und das Pantheon mitnimmst. Für alle Etagen beider Gebäude bräuchtest du einen ganzen Tag, und danach bliebe wenig hängen. Besser zwei Themen konzentriert ansehen als sechs im Vorbeigehen.
Gilt das Ticket auch für das Neue Gebäude?
Nicht automatisch. Es gibt getrennte Karten für das historische Haus und für das Neue Gebäude sowie Kombinationen, und einzelne Sonderausstellungen kosten zusätzlich. Beide Häuser sind unterirdisch verbunden, den Wechsel machst du also trocken. Prüfe beim Kauf, welche Ausstellungen in deinem Ticket enthalten sind.
Ist das Nationalmuseum bei Regen eine gute Idee?
Ja, es ist der stärkste Schlechtwetterplan im Zentrum, weil zwei Gebäude über einen Gang verbunden sind und du stundenlang drinnen bleiben kannst. Rechne an solchen Tagen mit vollen Garderoben und etwas Wartezeit an der Kasse. Ein zweites großes Museum am selben Tag lohnt sich nicht.
Wie kommt man zum Nationalmuseum in Prag?
Mit der Metro bis Muzeum, dort treffen sich die Linien A und C, ein Ausgang führt fast direkt an die Freitreppe. Zu Fuß läufst du den Wenzelsplatz hinauf, vom unteren Ende etwa zehn Minuten. Papierfahrscheine entwertest du vor dem Bahnsteig im gelben Automaten.






