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Festung Špilberk: Kasematten & Stadtmuseum

Der Špilberk liegt auf dem Hügel westlich der Brünner Altstadt und war nacheinander königliche Burg, Barockfestung, Staatsgefängnis und Kaserne. Heute sitzt dort das Stadtmuseum, und die Kasematten sind der Teil, der den Ort berühmt gemacht hat.

Der Besuch verbindet zwei Dinge, die selten zusammen zu haben sind: eine sehr konkrete Geschichte der Haft im 18. und 19. Jahrhundert und den besten Rundblick über Brünn. Wer nur wegen der Aussicht hochsteigt, verschenkt den wichtigeren Teil.

Festung Špilberk: Kasematten & Stadtmuseum
Foto: Radler59 (talk), CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • Tschechischer NameHrad Špilberk
  • GegründetMitte des 13. Jahrhunderts unter Přemysl Otakar II.
  • UmbauBarocke Festung im 17. und 18. Jahrhundert
  • GefängnisStaatsgefängnis der Habsburgermonarchie bis 1855
  • Bekannter HäftlingSilvio Pellico, italienischer Dichter, ab 1822 inhaftiert
  • Dauer des Besuchs2 bis 3 Stunden mit Kasematten und Ausstellung

Vom Königssitz zur Festung

Die Burg entstand um die Mitte des 13. Jahrhunderts unter Přemysl Otakar II. und sicherte den wichtigsten Punkt über der Stadt. Im Dreißigjährigen Krieg hielt Brünn 1645 einer schwedischen Belagerung stand, und diese Erfahrung führte dazu, dass die Anlage im 17. und 18. Jahrhundert zur Barockfestung ausgebaut wurde: dicke Kurtinen, vorgelagerte Bastionen, tiefe Kasematten.

Kasematten sind gewölbte Räume im Wall, ursprünglich für Geschütze, Munition und Soldaten gedacht. In Brünn wurden sie zweckentfremdet. Unter Joseph II. wurde ein Teil der Festung zum Gefängnis umgebaut, und was als militärischer Schutzraum geplant war, wurde zur Haftzelle.

Was die Kasematten wirklich zeigen

Der Ruf des Špilberk als „Kerker der Völker“ stammt aus dem 19. Jahrhundert. Hier saßen politische Gefangene aus vielen Teilen der Habsburgermonarchie, darunter italienische Patrioten. Der bekannteste unter ihnen, Silvio Pellico, schrieb nach seiner Entlassung ein Buch über seine Haft, das in ganz Europa gelesen wurde und den Ruf des Ortes festschrieb.

Die Ausstellung in den Kasematten arbeitet mit rekonstruierten Zellen und Gängen. Sie ist sachlich gehalten und verzichtet weitgehend auf Effekte, was gut ist: Der Raum selbst wirkt stark genug. 1855 wurde das Staatsgefängnis aufgehoben, danach diente die Festung als Kaserne, und während der deutschen Besatzung wurde sie erneut als Haftort genutzt. Diese Schicht wird im Museum nicht ausgespart.

Gut zu wissen: Unten ist es merklich kühler als oben, auch an heißen Sommertagen, und der Boden ist stellenweise uneben und feucht. Eine leichte Jacke und feste Schuhe machen den Unterschied zwischen einem interessanten und einem unangenehmen Rundgang.

Das Stadtmuseum und die Aussicht

In den Räumen über den Kasematten zeigt das Museum der Stadt Brünn die Stadtgeschichte, dazu wechselnde Ausstellungen zu Architektur, Kunst und Alltag. Wer die Bauten der Zwischenkriegszeit interessant findet, bekommt hier den historischen Rahmen dazu; die Bauten selbst stehen unten in der Stadt und sind auf der Seite zum Funktionalismus in Brünn beschrieben.

Vom Aussichtsturm und von den Bastionen siehst du das ganze Becken: die Kathedrale auf dem gegenüberliegenden Hügel, die Dächer der Altstadt, im Süden das Messegelände und dahinter die flache Landschaft Richtung Weinberge. Das ist der Moment, in dem die Stadtgeologie plötzlich Sinn ergibt.

Der Aufstieg und die beste Reihenfolge

Vom Zentrum führen mehrere Wege durch den Park hinauf. Vom Krautmarkt aus bist du in 15 bis 20 Minuten oben, der Weg steigt gleichmäßig an und ist befestigt. Die angenehmste Variante: hinauf über die Ostseite, oben zuerst außen um die Bastionen herum, dann Kasematten, dann Museum, und der Abstieg über die Südwestseite, damit du nicht denselben Weg zweimal gehst.

Zeitlich passt der Špilberk gut an den Nachmittag, wenn die Vormittagsziele in der Altstadt erledigt sind. Wer eine Führung durch das unterirdische Brünn geplant hat, sollte beides nicht direkt hintereinander legen: Zwei Kellerprogramme am selben Vormittag sind einmal zu viel.

Tickets: Der Park und die Wege rund um die Festung sind frei zugänglich, für Kasematten, Ausstellungen und Aussichtsturm gibt es Eintrittskarten, meist auch als Kombination. Vor Ort bekommst du sie in der Regel ohne Voranmeldung, an vollen Sommerwochenenden kann es an der Kasse eine Schlange geben. Prüfe die aktuellen Öffnungszeiten und Ausstellungen auf der offiziellen Website des Stadtmuseums, denn einzelne Bereiche werden zeitweise saniert.

Der Park rundherum

Der Hügel ist nicht nur Festung, sondern der wichtigste Stadtpark Brünns. Auf den Wiesen an der Südseite sitzen an warmen Abenden Studierende, auf den Wegen laufen Leute mit Hunden, und im Frühjahr blüht der Hang. Für Reisende heißt das: Du kannst den Besuch auch als Spaziergang anlegen, mit Brot und Obst vom Markt auf dem Krautmarkt, und nur die Kasematten als festen Programmpunkt nehmen.

Wer abends noch einmal hochgeht, bekommt den Blick über die beleuchtete Stadt und hat den Weg fast für sich. Der Aufstieg ist beleuchtet, aber nicht überall gleich hell, deshalb lohnt sich die vertraute Route vom Nachmittag.

Wenn du wenig Zeit hast

Mit einer Stunde nimmst du den Aufstieg, die Bastionen und den Blick mit und verzichtest auf das Museum. Mit zwei Stunden kommen die Kasematten dazu, und das ist die Variante, die wir empfehlen würden. Drei Stunden brauchst du nur, wenn dich die Stadtgeschichte oder eine Sonderausstellung wirklich interessiert. Wer den Špilberk mit dem Mährischen Landesmuseum am selben Tag verbindet, sollte einen der beiden Programmpunkte kürzen.

Wenn es nicht klappt

  • Wenn es voll istAn Sommerwochenenden staut es sich vor der Kasse. Gehe zuerst außen um die Bastionen und nimm die Kasematten später am Nachmittag, dann sind die Gruppen durch.
  • Wenn es regnetKasematten und Ausstellungsräume tragen einen Regentag problemlos. Bei Gewitter bleibst du von den offenen Wällen und dem Turm weg.
  • Mit KindernKasematten und Wehrgänge funktionieren gut, die Ausstellungen zur Stadtgeschichte weniger. Kürze das Museum und plane den Park als Auslauf ein.
  • Mit eingeschränkter MobilitätDer Aufstieg ist lang und stetig, die historischen Innenräume haben Stufen und Schwellen. Kläre vorab, welche Bereiche stufenfrei erreichbar sind, und rechne mit Einschränkungen in den Kasematten.

Häufige Fragen

Wie lange dauert der Aufstieg zum Špilberk?

Vom Krautmarkt oder vom Freiheitsplatz aus bist du in 15 bis 20 Minuten oben. Der Weg führt durch den Park, steigt stetig an und ist befestigt, aber nicht flach. Wer schlecht zu Fuß ist, plant eine Pause auf halber Höhe ein; Bänke gibt es genug. Eine Seilbahn oder Standseilbahn gibt es nicht.

Sind die Kasematten für Menschen mit Platzangst geeignet?

Eher nicht. Die Gänge sind lang, niedrig und teilweise dunkel, und es gibt Abschnitte ohne schnellen Ausgang. Wer unsicher ist, bleibt bei Museum, Bastionen und Aussichtsturm, denn das Wesentliche über die Festungsgeschichte erfährst du auch dort. Kinder finden die Gänge meist spannend, sollten aber an der Hand bleiben.

Was ist der Špilberk für ein Gefängnis gewesen?

Ab dem späten 18. Jahrhundert nutzte die Habsburgermonarchie Teile der Festung als Staatsgefängnis, vor allem für politische Häftlinge aus verschiedenen Ländern des Reichs. 1855 wurde das Staatsgefängnis aufgehoben. Während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg war die Anlage erneut Haftort. Das Museum stellt beide Phasen sachlich dar.

Lohnt sich der Špilberk bei Regen?

Ja, besser als viele andere Ziele. Kasematten und Museumsräume sind überdacht, nur Aufstieg und Bastionenrundgang sind nass. Bei Gewitter meidest du die offenen Wälle und die Aussichtsplattform. Im Winter kann der Parkweg rutschig sein, dann sind Schuhe mit Profil wichtiger als eine Regenjacke.

Kann man Špilberk und Villa Tugendhat an einem Tag verbinden?

Ja, wenn die Führung in der Villa am Vormittag liegt. Danach fährst du mit der Straßenbahn zurück ins Zentrum, isst dort und steigst am Nachmittag auf den Špilberk. Umgekehrt wird es eng, weil du die Villa nur zur reservierten Zeit betreten kannst und der Weg vom Burgberg dorthin zwanzig Minuten dauert.