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Astronomische Uhr in Olmütz

Die astronomische Uhr am Olmützer Rathaus ist der ehrlichste Geschichtsunterricht der Stadt. Ihre Vorgänger reichen ins späte Mittelalter zurück, doch was du heute siehst, entstand nach der Zerstörung von 1945 komplett neu: ein Mosaikwerk im Stil des sozialistischen Realismus, auf dem Arbeiter, Sportler und Wissenschaftler die Plätze der Heiligen und Apostel eingenommen haben.

Wer eine zweite Prager Orloj erwartet, wird enttäuscht. Wer verstehen will, wie ein Staat nach 1948 seine eigenen Bilder in ein historisches Zentrum gesetzt hat, findet in Olmütz das anschaulichste Beispiel Tschechiens.

Astronomische Uhr in Olmütz
Foto: ŠJů, CC BY 4.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • StandortNordseite des Rathauses am Horní náměstí
  • Zerstörungin den letzten Kriegstagen 1945 schwer beschädigt
  • Heutige Gestaltungin den 1950er Jahren neu ausgeführt
  • KünstlerKarel Svolinský, Mosaiken und Figurenprogramm
  • Figurenspielläuft zur Mittagszeit

Was an dieser Fassade politisch ist

Eine astronomische Uhr des Mittelalters zeigt normalerweise Himmelsmechanik, Heilige und den Tod. Die Olmützer Uhr zeigt eine Frau mit Reagenzglas, einen Schmied, einen Sportler, einen Bauern mit Sense. Der Bewegungsapparat wurde beibehalten, das Bildprogramm ausgetauscht. Aus der Prozession der Apostel wurde eine Prozession der Werktätigen.

Dieser Austausch war kein Zufall und keine Notlösung. Nach der Beschädigung am Kriegsende hätte man rekonstruieren können, so wie es Prag mit seiner Orloj tat. Olmütz entschied sich für eine Neugestaltung, die den Bruch sichtbar machte. Der Künstler Karel Svolinský arbeitete jahrelang an Mosaiken, Zifferblättern und Figuren, fertig wurde das Werk Mitte der 1950er Jahre.

Die Details, die man leicht übersieht

Steh weit genug zurück, sonst siehst du nur Farbe. Die Nische ist hoch, und das Programm gliedert sich in mehrere Zonen: oben die eigentliche astronomische Anzeige, darunter das Figurenspiel, ganz unten die große Kalenderscheibe. Auf ihr laufen Szenen durch das bäuerliche Jahr der Haná, der fruchtbaren Ebene rings um Olmütz. Ernte, Feldarbeit, Volksfest.

Achte auf die Farbigkeit der Mosaiksteine im Streiflicht des Nachmittags. Und achte darauf, was fehlt: keine Heiligenfiguren, kein Tod mit Stundenglas, kein Memento mori. Das Gegenstück dazu findest du 10 Gehminuten weiter im Wenzelsdom, wo die alte Ordnung ungebrochen an der Wand steht.

Gut zu wissen: Das Figurenspiel ist deutlich kürzer und leiser als das Prager Schauspiel, und es stehen selten mehr als 20 Menschen davor. Wenn du es sehen willst, sei ein paar Minuten vor der vollen Mittagsstunde da. Wenn nicht, verpasst du nichts Entscheidendes, denn der eigentliche Inhalt sind die Mosaike.

Was von der alten Uhr übrig ist

Vor der heutigen Fassung gab es mehrere Vorgänger. Die Uhr wurde über Jahrhunderte repariert, erweitert und mehrfach umgebaut, weil ein solches Werk ständige Pflege braucht und weil jede Epoche ihre eigenen Vorstellungen einbaute. Vom mittelalterlichen Bestand ist deshalb wenig sichtbar geblieben, einzelne Bauteile und Figuren früherer Fassungen werden in Olmützer Sammlungen aufbewahrt.

Das erklärt auch, warum die Neugestaltung nach 1945 nicht als Bruch mit einer unberührten Originalsubstanz zu verstehen ist. Die Uhr war immer ein Werk in Veränderung. Neu war nur, dass diesmal nicht die Kirche und nicht der Rat entschied, welche Bilder an die Wand kommen, sondern eine Kulturpolitik mit klarer Botschaft.

Warum das Rathaus selbst dazugehört

Das Rathaus steht mitten auf dem Oberring und nicht am Platzrand, was in Böhmen und Mähren selten ist. Es teilt den Platz in zwei Hälften und macht die Dreifaltigkeitssäule zum Gegenüber statt zum Mittelpunkt. Die Uhr sitzt an der Nordseite, also nicht auf der Hauptschauseite, wo man sie zuerst suchen würde. Wer nur einmal um das Gebäude läuft, findet sie sofort.

Im Rathaus sitzen außerdem die Touristeninformation und der Zugang zum Turm. Von oben siehst du beide Ringe, die Kirchtürme und den Domhügel, und die Struktur der Altstadt, die du unten läufst, wird auf einen Blick verständlich.

Wie du die Uhr einordnest

In Prag steht die Orloj für das Mittelalter, das sich selbst feiert. In Olmütz steht die Uhr für ein Land, das seine Vergangenheit nach 1948 umschreiben wollte und dafür ein mittelalterliches Gerät benutzt hat. Beide sind sehenswert, aber aus entgegengesetzten Gründen. Wenn du beides innerhalb einer Reise sehen willst, hilft der Vergleich in der Prager astronomischen Uhr.

Für die Runde durch die Stadt gilt: die Uhr ist ein Halt von 15 Minuten, kein eigener Programmpunkt. Sie steht ohnehin auf deinem Weg, siehe Olmütz Sehenswürdigkeiten. Wie das Ganze in den Tag passt, zeigt der Überblick zu Olmütz.

Wenn es nicht klappt

  • Wenn es voll istAndrang im eigentlichen Sinn gibt es nicht. Zur Mittagszeit stehen ein paar Dutzend Menschen davor, danach hast du die Fassade meist für dich.
  • Wenn es regnetDie Nische liegt in der Außenwand ohne Überdachung. Bei Regen schaust du kurz und gehst ins Rathaus zur Touristeninformation oder weiter in die Museen an der Denisova-Straße.
  • Mit KindernLass die Kinder die Berufe auf den Mosaiken benennen und mit den Heiligen in einer Kirche vergleichen. Das erklärt den historischen Bruch besser als jede Tafel.
  • Mit eingeschränkter MobilitätDer Platz vor der Uhr ist eben, das Pflaster grob. Zum Betrachten musst du einige Meter zurücktreten, was am Oberring problemlos möglich ist. Der Rathausturm ist nur über Treppen erreichbar.

Häufige Fragen

Wann läuft das Figurenspiel der astronomischen Uhr in Olmütz?

Zur Mittagszeit, einmal täglich. Das Spiel dauert nur wenige Minuten und ist unspektakulärer als das Prager Vorbild: Figuren fahren aus, drehen sich, verschwinden wieder. Prüfe die genaue Uhrzeit an der Touristeninformation im Rathaus, weil Wartungsarbeiten und Winterpausen den Ablauf verschieben können.

Warum zeigt die Olmützer Uhr Arbeiter statt Heilige?

Weil sie in den 1950er Jahren neu gestaltet wurde, nachdem sie am Kriegsende zerstört worden war. Statt einer Rekonstruktion entstand ein Bildprogramm im Stil des sozialistischen Realismus mit Chemikerin, Schmied, Sportler und Bauern. Das war eine bewusste politische Entscheidung und macht die Uhr heute zu einem Zeitdokument.

Ist die astronomische Uhr in Olmütz kostenlos?

Ja, sie hängt an der Außenwand des Rathauses am Oberring und ist jederzeit frei zugänglich. Eintritt zahlst du nur, wenn du den Rathausturm besteigen oder an einer Führung teilnehmen willst. Für das Figurenspiel brauchst du weder Ticket noch Reservierung.

Ist die Uhr in Olmütz mit der Prager Orloj vergleichbar?

Nur technisch. Beide sind astronomische Uhren mit Figurenumgang, aber die Prager zeigt eine mittelalterliche Weltordnung, die Olmützer eine sozialistische Gesellschaft. Die Prager ist größer, älter und von Menschentrauben umstellt, die Olmützer ist ruhiger, jünger im heutigen Zustand und inhaltlich das ungewöhnlichere Stück.

Wo genau befindet sich die astronomische Uhr in Olmütz?

An der Nordseite des Rathauses, das frei auf dem Horní náměstí steht. Du siehst sie also nicht, wenn du nur an der Hauptfassade vorbeigehst, sondern musst das Gebäude einmal umrunden. Die Dreifaltigkeitssäule steht auf derselben Platzhälfte in Sichtweite.