Auf einen Blick
- Tschechischer NamePražský orloj
- BaujahrÄltester Kern von 1410
- ErbauerUhrmacher Mikuláš z Kadaně und Astronom Jan Šindel
- KalenderscheibeNach einem Entwurf von Josef Mánes, 1866
- ZerstörungSchwer beschädigt beim Prager Aufstand im Mai 1945
- Dauer des FigurenspielsDeutlich unter einer Minute
Was die beiden Zifferblätter anzeigen
Oben sitzt das astronomische Zifferblatt, und es ist keine Uhr im heutigen Sinn, sondern ein Abbild des Himmels über Prag. Der goldene Zeiger mit der Sonne läuft über den Tierkreis und zeigt, in welchem Sternbild die Sonne gerade steht. Eine zweite Kugel bildet die Mondphase ab und dreht sich dabei so, dass du sehen kannst, wie viel Licht auf sie fällt. Der blaue Bereich in der Mitte ist der Himmel über dem Horizont, die schwarzen und roten Felder darunter stehen für Nacht und Dämmerung.
Der äußere Ring mit den geschwungenen goldenen Zeichen ist der Teil, den fast niemand versteht: Es sind arabische Ziffern in alttschechischer Stundenzählung. Diese Zeitrechnung beginnt den Tag nicht um Mitternacht, sondern bei Sonnenuntergang, weshalb der ganze Ring über das Jahr verschoben wird. Daneben laufen mitteleuropäische Zeit und Sternzeit.
Unten hängt die Kalenderscheibe, deutlich jünger: Sie folgt einem Entwurf von Josef Mánes aus dem Jahr 1866 und zeigt die zwölf Monate als Bilder böhmischer Landarbeit, dazu die Tierkreiszeichen und einen Ring mit den Namenstagen. In Tschechien ist der Namenstag bis heute ein Anlass für Blumen, und die Scheibe ist im Grunde ein öffentlicher Kalender für eine Stadt, in der die wenigsten einen eigenen besaßen.
Gut zu wissen: Der älteste Teil der Uhr stammt von 1410, gebaut vom Uhrmacher Mikuláš z Kadaně nach Berechnungen des Astronomen Jan Šindel. Die Legende vom Meister Hanuš, den man geblendet habe, damit er nie wieder etwas Vergleichbares baue, ist eine Erfindung des 19. Jahrhunderts. Beim Prager Aufstand im Mai 1945 brannte das Rathaus, die Uhr wurde schwer beschädigt und musste wiederaufgebaut werden.
Das Apostelspiel, ehrlich eingeordnet
Zur vollen Stunde öffnen sich zwei Luken über dem astronomischen Zifferblatt, und zwölf Apostelfiguren ziehen paarweise vorbei. Rechts und links davon bewegen sich vier Figuren, die mittelalterliche Laster verkörpern: das Skelett als Tod läutet und dreht das Stundenglas, daneben stehen Eitelkeit mit dem Spiegel, Habgier mit dem Geldbeutel und eine Türkenfigur als Zeichen für Wollust und Vergnügen. Am Ende kräht ein Hahn.
Das alles zusammen dauert weniger als eine Minute. Wer eine halbe Stunde vorher in der Menge steht, um in der ersten Reihe zu sein, verbringt viel Zeit für sehr wenig. Sinnvoller ist es, ein paar Minuten vorher aus etwa zwanzig Metern Abstand von der Südseite des Altstädter Rings hinzusehen: Von dort erkennst du die Bewegung genauso gut und stehst nicht im dichtesten Gedränge der Stadt.
Achtung: Der Platz unmittelbar vor der Uhr ist zur vollen Stunde der beste Arbeitsplatz für Taschendiebe in ganz Prag: dicht gedrängte Menschen, alle mit erhobenem Handy und offener Tasche. Trage Wertsachen innen und geh direkt nach der Vorführung an den Platzrand, statt dich im auseinanderströmenden Pulk mitschieben zu lassen.
Der Rathausturm ist das eigentliche Erlebnis
Über der Uhr steht der Turm des Altstädter Rathauses, und dort führt ein Aufzug hinauf, der in die alte Bausubstanz eingesetzt wurde. Oben gibt es eine umlaufende Galerie, und von dort siehst du das, was von unten unsichtbar bleibt: das Dachgewirr der Altstadt, die beiden Türme der Teynkirche aus nächster Nähe, die Kuppel von St. Nikolaus, dahinter die Moldau und über allem der Burgberg.
Das ist die beste Aussicht der Altstadt, weil du mitten im Ensemble stehst statt außerhalb. Der Aufzug macht den Turm zudem zu einem der wenigen Aussichtspunkte Prags, den du ohne lange Treppe erreichst. Zum Ticket gehört meist auch der Rundgang durch die historischen Rathausräume und die unterirdischen Ebenen, die einmal das Erdgeschoss der mittelalterlichen Häuser waren, bevor die Altstadt gegen das Hochwasser aufgeschüttet wurde.
Tickets: Der Blick auf die Uhr von außen kostet nichts. Turm, Rathausräume und Untergeschosse sind kostenpflichtig und werden im Rathaus selbst oder online verkauft. In der Hochsaison sind die Zeitfenster für den Aufzug am frühen Vormittag am entspanntesten. Öffnungszeiten und Zeitfenster stehen auf der offiziellen Seite des Betreibers.
Wie du den Besuch einbaust
Die Uhr steht am Rathaus mitten am Altstädter Ring, du kommst also ohnehin vorbei. Der sinnvolle Ablauf: erst den Platz umrunden, dann den Turm hinauf, oben die Orientierung holen und danach unten die Zifferblätter genauer lesen. Von dort führen wenige Minuten Fußweg zur Karlsbrücke und in die Gassen von Staré Město. Wo die Uhr in der Reihenfolge aller Ziele steht, zeigt die Liste der Prager Sehenswürdigkeiten.
Wenn es nicht klappt
- Wenn es voll istZur vollen Stunde staut sich alles auf wenigen Quadratmetern vor der Südfassade. Stell dich stattdessen zwanzig Meter weiter zurück an den Platzrand: Du siehst dasselbe und stehst frei. Direkt nach der Vorführung leert sich der Bereich für einige Minuten, und das ist der beste Moment für ein Foto der Zifferblätter.
- Wenn es regnetDie Uhr betrachtest du im Freien, aber die Arkaden am Rathaus und die Rathausräume geben Schutz. Auf dem nassen Zifferblatt spiegelt sich der Himmel, weshalb ein leicht seitlicher Standort besser ist als der direkt davor. Turm und Untergeschosse sind ein vollwertiger Regenplan.
- Mit KindernErkläre vorher, wonach zu suchen ist: das Skelett, das an der Glocke zieht, der Hahn am Ende und die Mondkugel, die sich mitdreht. Ohne diese drei Ankerpunkte ist die Vorführung für Kinder zu schnell vorbei. Der Aufzug in den Turm rettet den Besuch fast immer.
- Mit eingeschränkter MobilitätDer Platz vor der Uhr ist eben, aber grob gepflastert, und zur vollen Stunde blockieren Gruppen den Durchgang. Der Turm ist über einen Aufzug erreichbar und damit einer der wenigen Aussichtspunkte Prags ohne Treppen. Die historischen Untergeschosse sind es nicht.
Häufige Fragen
Zu welcher Uhrzeit bewegen sich die Apostel der Prager Rathausuhr?
Zur vollen Stunde, tagsüber und am frühen Abend; in der Nacht ruht das Figurenwerk. Die Vorführung dauert deutlich unter einer Minute: zwölf Apostel ziehen an zwei Luken vorbei, vier Figuren daneben bewegen sich, am Ende kräht ein Hahn. Ein paar Minuten vorher am Platzrand zu stehen genügt völlig.
Lohnt sich die astronomische Uhr in Prag überhaupt?
Als kurzes Spektakel eher nicht, als technisches und astronomisches Werk sehr wohl. Nimm dir zehn Minuten für die beiden Zifferblätter und lies, was sie anzeigen: Sonnenstand, Mondphase, Tierkreis und alttschechische Stundenzählung. Und plane den Rathausturm ein, denn der ist der eigentliche Grund, hier Zeit zu lassen.
Was zeigt die Prager Rathausuhr an?
Das obere Zifferblatt bildet den Himmel über Prag ab: Position der Sonne im Tierkreis, Mondphase, Tag und Nacht sowie drei verschiedene Zeitrechnungen, darunter die alttschechische Stundenzählung ab Sonnenuntergang. Die untere Scheibe ist ein Kalender mit den zwölf Monaten als Bildern, Tierkreiszeichen und den Namenstagen.
Kann man auf den Rathausturm mit der astronomischen Uhr hinauf?
Ja, und es gibt einen Aufzug. Oben läuft eine Galerie um den Turm, von der du die Altstadtdächer, die Teynkirche aus nächster Nähe und den Burgberg siehst. Zum Ticket gehören meist die historischen Rathausräume und die mittelalterlichen Untergeschosse. Am Vormittag sind die Zeitfenster am ruhigsten.
Wie alt ist die Prager Rathausuhr?
Der älteste Kern stammt aus dem Jahr 1410 und wurde vom Uhrmacher Mikuláš z Kadaně nach Berechnungen des Astronomen Jan Šindel gebaut. Die Kalenderscheibe kam viel später hinzu und folgt einem Entwurf von Josef Mánes aus dem Jahr 1866. Beim Brand des Rathauses im Mai 1945 wurde die Uhr schwer beschädigt.






