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Tschechische Küche: Gerichte & Esskultur

Die tschechische Küche ist eine Sauce mit Beilage. Das klingt despektierlich, trifft aber den Kern: Im Zentrum eines Hauptgangs steht selten das Fleisch, sondern die Sauce, und dazu gehören Knödel, die diese Sauce aufnehmen. Wer das verstanden hat, bestellt anders und isst besser.

Dazu kommt eine Esskultur mit eigenen Regeln: warm zu Mittag statt abends, ein günstiges Tagesmenü an Werktagen, Brot auf dem Tisch, das berechnet wird. Diese Seite erklärt die wichtigsten Gerichte, wo Vegetarier landen und was auf einer Karte worauf hindeutet.

Tschechische Küche: Gerichte & Esskultur
Foto: OJJ, CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • HauptbeilageKnedlíky, Knödel aus Brot oder Kartoffeln
  • NationalgerichtSvíčková na smetaně mit Rahmsauce
  • Warme HauptmahlzeitTraditionell mittags, nicht abends
  • TagesmenüPolední menu, werktags bis zum frühen Nachmittag
  • VegetarischAuf der Karte unter bezmasá jídla

Knödel sind nicht gleich Knödel

Knedlíky sind die Grundlage von allem. Der houskový knedlík ist ein Semmelknödel, aber nicht rund: Der Teig wird zu einer Rolle geformt, gekocht oder gedämpft und dann in Scheiben geschnitten. Er ist leicht, luftig und dazu da, Sauce aufzusaugen. Der bramborový knedlík aus Kartoffelteig ist dichter, fester und passt zu deftigen Fleischgerichten und Kraut.

Wer Knödel aus dem Alpenraum kennt, sollte die Erwartung anpassen. Hier ist der Knödel keine Delikatesse, sondern Träger. Deshalb liegen auf dem Teller oft sechs bis acht Scheiben, und deshalb steht auf der Karte, wie viele Stück dabei sind.

Die Gerichte, die du kennen solltest

Svíčková na smetaně ist das Gericht, an dem sich jede Küche messen lassen muss: Rinderlende, in einer Sauce aus Wurzelgemüse und Sahne, dazu Semmelknödel, ein Klecks Preiselbeeren und ein Löffel Schlagsahne. Die Kombination aus süß, sauer und cremig irritiert beim ersten Mal und ist danach schwer zu vergessen.

Vepřo-knedlo-zelo ist die deftige Alternative: Schweinebraten, Knödel, Sauerkraut. In Böhmen wird das Kraut eher säuerlich zubereitet, in Mähren süßlicher. Guláš kommt nicht als Suppe, sondern als dicke Fleischsauce mit Knödeln, dazu rohe Zwiebelringe. Und smažený řízek ist das Schnitzel, meist vom Schwein, mit Kartoffelsalat oder Kartoffeln.

Bei den Suppen lohnen sich zwei: česnečka, eine kräftige Knoblauchsuppe mit Croutons und geriebenem Käse, und kulajda, eine cremige Suppe aus Südböhmen mit Dill, Pilzen und einem pochierten Ei darin. Beide sind für sich schon eine kleine Mahlzeit.

Gut zu wissen: Das Gebäck im Korb auf dem Tisch ist nicht inklusive. Jedes Stück wird gezählt und auf die Rechnung gesetzt. Wer es nicht will, lässt es einfach liegen oder sagt kurz Bescheid. Leitungswasser wird selten unaufgefordert serviert, bestellt wird meist Mineralwasser.

Was Vegetarier bekommen

Die klassische Küche ist fleischlastig, aber es gibt einen etablierten Ausweg: Auf fast jeder Karte steht ein Abschnitt bezmasá jídla, wörtlich fleischlose Gerichte. Darunter findest du smažený sýr, panierten und frittierten Käse mit Kartoffeln und Tatarsauce, bramboráky, würzige Kartoffelpuffer mit Majoran und Knoblauch, sowie Nudel- und Eierspeisen.

Zwei Fallstricke gibt es. Erstens: Fleischlos heißt nicht immer fleischfrei. Suppen werden häufig auf Fleischbrühe angesetzt, Kraut mit Speck abgeschmeckt, Kartoffelpuffer in Schmalz gebraten. Frag im Zweifel nach. Zweitens: In kleinen Landgasthäusern besteht die vegetarische Auswahl gelegentlich aus genau einem Gericht.

In Prag, Brünn und Olmütz hat sich das deutlich geändert, dort gibt es rein vegetarische und vegane Lokale und breitere Karten. Details unter Essen und Trinken in Prag und Essen und Trinken in Brünn.

Das Mittagsmenü als Sparhebel

Werktags mittags bieten die meisten Lokale ein polední menu an: Suppe und ein Hauptgericht aus zwei bis vier wechselnden Vorschlägen, deutlich günstiger als dieselben Gerichte am Abend. Das Angebot hängt oft handgeschrieben an der Tür oder steht auf einer Tafel und endet am frühen Nachmittag.

Für Reisende ist das die beste Gelegenheit, echte Alltagsküche zu essen statt Touristenvarianten. Es ist gleichzeitig der Grund, warum die warme Hauptmahlzeit traditionell mittags eingenommen wird und abends oft nur etwas Kaltes auf den Tisch kommt.

Achtung: Ein Restaurant mit Fotomenü im Schaufenster, mehrsprachiger Karte in fünf Sprachen und einem Mitarbeiter, der Gäste hereinwinkt, ist in der Prager Altstadt fast immer die schlechtere Wahl. Zwei Straßen weiter kochen dieselben Gerichte besser und günstiger.

Süßes und Regionales

Ovocné knedlíky sind Knödel mit ganzen Früchten darin, meist Zwetschgen oder Erdbeeren, übergossen mit gebutterten Bröseln, Quark und Puderzucker. Sie gelten als Hauptgericht, nicht als Nachtisch, und werden im Sommer gern zu Mittag gegessen. Dazu kommen buchty, gefüllte Hefeteigtaschen, koláče, flache Hefekuchen mit Quark oder Mohn, und medovník, eine Honigtorte aus dünnen Schichten.

Regional wird es interessant: Der Olmützer Quargel aus der Gegend um Loštice ist ein sehr geruchsintensiver Sauermilchkäse mit geschützter Herkunftsbezeichnung. In Karlsbad gibt es die runden Oblaten, dünn und mit Nussfüllung. Zu Weihnachten wird in ganz Tschechien Karpfen mit Kartoffelsalat gegessen, davor eine Fischsuppe.

Nicht traditionell, aber allgegenwärtig ist der Trdelník, dieser Teigzylinder mit Zucker, der in Prag als altböhmische Spezialität verkauft wird. Er ist keine, sondern eine relativ junge Touristenerfindung. Mehr dazu unter Märkte und Mitbringsel.

Zwischendurch: Imbiss und Wurstkultur

Neben dem Restaurant gibt es eine eigene Ebene für schnelles Essen. Im občerstvení, dem Imbiss, bekommst du klobása, eine grobe Bratwurst mit Senf und einer Scheibe Brot, oder smažený sýr im Brötchen. Auf Märkten und Bahnhöfen gehört das zum Alltag und ist deutlich besser als sein Ruf.

In der Kneipe wiederum gibt es kalte Kleinigkeiten zum Bier, die niemand als Mahlzeit versteht: utopenec, eine eingelegte Wurst mit Zwiebeln, nakládaný hermelín, ein eingelegter Weichkäse, und pivní sýr, ein Käse, den du dir selbst mit Zwiebeln, Paprika und Senf anrührst. Wer die drei bestellt, hat einen Abend lang zu tun.

Böhmen und Mähren essen unterschiedlich

Der Unterschied ist real, wenn auch subtil. In Böhmen sind Saucen und Kraut säuerlicher, das Bier steht im Mittelpunkt und Kartoffeln spielen eine größere Rolle. In Mähren wird süßlicher abgeschmeckt, häufiger mit Paprika gearbeitet, und zum Essen kommt eher Wein auf den Tisch. Süßspeisen und Mehlspeisen sind in Mähren präsenter, ebenso Schnaps aus Zwetschgen.

Was dazu getrunken wird

Zum Essen gehört Bier, und zwar nach Stammwürze bestellt statt nach Alkoholgehalt. Wie das funktioniert und was eine Zehn von einer Zwölf unterscheidet, steht unter Bierkultur in Tschechien. In Mähren wird stattdessen Wein getrunken, mit eigenen Sorten wie Veltlínské zelené und Frankovka, siehe Weinreise durch Mähren.

Zwei Besonderheiten noch: Kofola ist eine tschechische Cola-Alternative aus Kräuterextrakten, weniger süß und mit eigenem Geschmack, oft vom Fass. Und slivovice, der mährische Zwetschgenbrand, wird als Verdauungsschnaps gereicht. In Karlsbad kommt Becherovka dazu, ein Kräuterlikör.

Praktisches beim Essengehen

Situation So läuft es
Platz suchen Selbst setzen, auch an einen halb besetzten Tisch
Bestellen Der Kellner kommt, Bier wird oft ungefragt nachgebracht
Rechnung Zaplatím prosím, getrennt heißt zvlášť
Trinkgeld Aufrunden, kein fester Prozentsatz
Bezahlen Karte fast überall, immer in Kronen abrechnen

Reservieren lohnt sich abends in beliebten Lokalen, mittags selten. In kleineren Städten schließen Küchen früher als in Prag, oft schon gegen 21 Uhr. Wer spät ankommt, sollte das einplanen. Ausführlicher steht das unter Im Restaurant in Tschechien und unter tschechische Gerichte.

Tipp: Wenn du nur ein einziges Gericht probierst, nimm svíčková, und zwar mittags in einem Lokal, in dem Einheimische sitzen. Wenn du zwei probierst, ergänze eine kulajda als Vorspeise. Beides zusammen erklärt die tschechische Küche besser als jede Beschreibung.

Häufige Fragen

Was ist das typischste tschechische Gericht?

Svíčková na smetaně: Rinderlende in einer Sauce aus Wurzelgemüse und Sahne, dazu Semmelknödel, Preiselbeeren und Schlagsahne. Es gilt als Nationalgericht und wird in fast jedem traditionellen Lokal angeboten. Ebenfalls typisch sind vepřo-knedlo-zelo mit Schweinebraten, Knödel und Kraut sowie Gulasch, das hier als dicke Sauce mit Knödeln serviert wird.

Findet man als Vegetarier etwas auf der Karte?

Ja, unter der Rubrik bezmasá jídla. Klassiker sind smažený sýr, also frittierter Käse, und bramboráky, würzige Kartoffelpuffer. Achte darauf, dass Suppen oft auf Fleischbrühe basieren und Kraut mit Speck zubereitet wird. In Prag, Brünn und Olmütz gibt es inzwischen viele rein vegetarische und vegane Lokale, auf dem Land ist die Auswahl schmaler.

Was ist ein polední menu?

Das Tagesmenü, das die meisten Lokale werktags mittags anbieten: eine Suppe plus ein Hauptgericht aus wenigen wechselnden Vorschlägen, deutlich günstiger als abends. Es hängt oft handgeschrieben an der Tür oder steht auf einer Tafel und endet am frühen Nachmittag. Für Reisende ist es die beste Gelegenheit, Alltagsküche zu essen.

Ist Trdelník wirklich eine tschechische Spezialität?

Nicht als altes Prager Gebäck, als das er verkauft wird. Der Teigzylinder mit Zucker und Füllungen ist eine junge Erscheinung im Prager Straßenverkauf und wird vor allem an Touristen abgesetzt. Wer traditionelles tschechisches Gebäck sucht, greift zu koláče, buchty oder medovník, die es in jeder Konditorei gibt.

Wird in Tschechien mittags oder abends warm gegessen?

Traditionell mittags. Das erklärt das günstige Tagesmenü an Werktagen und den frühen Andrang in Lokalen zwischen elf und zwei. Abends wird klassisch leichter gegessen, oft kalt. In den Städten hat sich das angeglichen, aber viele Küchen schließen außerhalb von Prag früher, als du es vielleicht gewohnt bist.