Auf einen Blick
- Tschechischer NameStaroměstské náměstí
- EntstehungMarktplatz seit dem 12. Jahrhundert
- TeynkircheGotisch, 14. bis frühes 16. Jahrhundert
- St.-Nikolaus-KircheBarock, nach Plänen von Kilian Ignaz Dientzenhofer
- Jan-Hus-Denkmal1915 enthüllt, von Ladislav Šaloun
- 27 Kreuze im PflasterErinnerung an die Hinrichtungen von 1621
Ein Rundgang am Platzrand statt in der Mitte
Der Platz wirkt am besten, wenn du ihn einmal komplett am Rand entlang abgehst statt quer durch die Mitte. Beginne an der Südwestecke beim Rathaus, geh im Uhrzeigersinn und lies dabei die Fassaden: Unter der einheitlich wirkenden Front stecken mittelalterliche Häuser, deren romanische und gotische Erdgeschosse heute unter dem Straßenniveau liegen, weil die Altstadt im 13. Jahrhundert gegen das Hochwasser der Moldau um mehrere Meter aufgeschüttet wurde.
Erst danach stellst du dich in die Platzmitte. Von dort siehst du, wie die beiden Teyntürme, der Rathausturm und die Kuppel von St. Nikolaus gegeneinander arbeiten. Das ist der Blick, der den Platz erklärt, und er funktioniert nur, wenn du vorher weißt, wohin du schaust.
Die Teynkirche und warum sie versteckt liegt
Die Türme der Teynkirche gehören zu den bekanntesten Silhouetten Prags, aber die Kirche selbst siehst du vom Platz aus kaum: Vor ihr steht eine Häuserzeile, und der Eingang führt durch eine unscheinbare Passage. Das ist kein Zufall, sondern mittelalterliche Stadtplanung, denn der Bauplatz war zwischen Handelshäusern eingeklemmt.
Gebaut wurde überwiegend vom 14. bis ins frühe 16. Jahrhundert. Die Kirche war lange das geistige Zentrum der utraquistischen Hussiten, bis die Gegenreformation das Gebäude übernahm und barock ausstattete. Im Inneren liegt das Grab des dänischen Astronomen Tycho Brahe, der am Hof Rudolfs II. arbeitete und 1601 in Prag starb. Die Öffnungszeiten sind knapp und richten sich nach den Gottesdiensten; wenn die Tür offen ist, geh hinein.
Die 27 Kreuze und was 1621 geschah
Im Pflaster nahe der Ostseite des Rathauses liegen 27 weiße Kreuze, dazu eine Gedenktafel an der Wand. Sie erinnern an den 21. Juni 1621, als auf diesem Platz 27 Anführer des böhmischen Ständeaufstands hingerichtet wurden, nachdem die Schlacht am Weißen Berg verloren war. Die Hinrichtung leitete die Gegenreformation in Böhmen ein: Enteignung, Auswanderung des protestantischen Adels und ein Bruch, der die Sprache und die Kultur des Landes für Generationen prägte.
Dieser Ort erklärt auch das Denkmal in der Platzmitte. Die Figurengruppe um Jan Hus, den 1415 in Konstanz verbrannten Reformator, wurde 1915 zu seinem 500. Todestag enthüllt, gestaltet von Ladislav Šaloun. Sie stand damals mitten in der Habsburgermonarchie und war eine unmissverständliche tschechische Ansage.
Gut zu wissen: An der Nordseite des Rathauses siehst du eine auffällig kahle Fläche mit einem gepflegten Rasen. Dort stand bis Mai 1945 ein ganzer neugotischer Rathausflügel. Er brannte in den letzten Kriegstagen aus und wurde nie wieder aufgebaut; die Lücke ist bewusst geblieben.
St. Nikolaus, das Kinský-Palais und die ruhige Ecke
An der Nordseite steht die barocke St.-Nikolaus-Kirche nach Plänen von Kilian Ignaz Dientzenhofer, hell, weiß und mit einem Kronleuchter aus böhmischem Glas. Sie gehört heute der Hussitischen Kirche und wird für Konzerte genutzt. Verwechsle sie nicht mit der größeren, gleichnamigen Kirche drüben auf der Kleinseite: Beide stammen aus derselben Baumeisterfamilie, es sind aber zwei verschiedene Bauten in zwei verschiedenen Vierteln.
Daneben liegt das Rokoko-Palais Kinský mit rosa und weißer Fassade. Von seinem Balkon verkündete Klement Gottwald im Februar 1948 die kommunistische Machtübernahme, ein Datum, das in Tschechien bis heute jeder kennt. Heute nutzt die Nationalgalerie das Haus für Ausstellungen, zuletzt war es allerdings für einen längeren Umbau geschlossen; prüfe vor dem Besuch, ob es geöffnet ist. Die Nordseite ist zugleich die Platzhälfte, die auch am Nachmittag am ehesten frei bleibt.
Praktisch: Andrang, Fallen und Anschluss
Der Platz ist von etwa zehn Uhr an voll und zur vollen Stunde vor der Rathausuhr am dichtesten. Vor acht Uhr morgens gehört er dir fast allein, und dann funktionieren auch Fotos ohne Menschenmengen im Vordergrund.
Achtung: Die Restaurants mit fotografierter Speisekarte und mehrsprachigem Aufsteller direkt am Platz verlangen ein Vielfaches dessen, was zwei Gassen weiter üblich ist, und rechnen gelegentlich Gedecke oder Beilagen extra ab. Prüfe die Karte vor dem Hinsetzen und iss lieber in einer Seitenstraße. Auch die Pferdekutschen und die Männer mit Greifvögeln arbeiten hier ausschließlich mit Touristenpreisen.
Vom Ring sind es wenige Minuten zu Fuß in alle Richtungen: nach Osten durch die Celetná zum Pulverturm, nach Westen durch die Karlova zur Karlsbrücke, nach Norden nach Josefov. Die vollständige Route durch das Viertel steht unter Prager Altstadt, die Einordnung aller Ziele in der Liste der Sehenswürdigkeiten.
Wenn es nicht klappt
- Wenn es voll istDie Menge sammelt sich fast vollständig vor der Südfassade des Rathauses. Die Nordseite bei St. Nikolaus und dem Kinský-Palais bleibt selbst nachmittags vergleichsweise frei. Wenn der Platz kippt, geh zwei Gassen nach Norden Richtung Josefov, dort wird es innerhalb von einer Minute ruhig.
- Wenn es regnetDie Platzmitte bietet keinen Schutz. Die Arkaden an der Ostseite, die Teynkirche, St. Nikolaus und die Räume im Rathaus tragen einen Regentag problemlos. Auf nassem Pflaster lohnt der Blick nach unten übrigens besonders: die 27 Kreuze zeichnen sich dann deutlicher ab.
- Mit KindernDer Platz selbst ist für Kinder schnell erledigt. Was zieht, sind die Figuren der Uhr, der Aufzug auf den Rathausturm und im Dezember der Weihnachtsmarkt. Halte den Rundgang kurz und plane danach Bewegung ein, etwa den Weg hinunter zur Moldau.
- Mit eingeschränkter MobilitätDer Platz ist eben, aber durchgehend mit grobem Kopfsteinpflaster belegt, das mit Rollstuhl oder Rollator anstrengend ist. Entlang der Fassaden sind die Steine meist gleichmäßiger als in der Mitte. Der Rathausturm ist per Aufzug erreichbar, die Kirchen haben Schwellen.
Häufige Fragen
Was gibt es am Altstädter Ring in Prag zu sehen?
Das Altstädter Rathaus mit der astronomischen Uhr und dem Turm, die gotische Teynkirche, die barocke St.-Nikolaus-Kirche, das Rokoko-Palais Kinský, das Jan-Hus-Denkmal in der Mitte und die 27 Kreuze im Pflaster nahe dem Rathaus. Dazu ein geschlossener Häuserring mit mittelalterlichem Kern hinter jüngeren Fassaden.
Was bedeuten die 27 Kreuze im Pflaster am Altstädter Ring?
Sie erinnern an den 21. Juni 1621, als hier 27 Anführer des böhmischen Ständeaufstands hingerichtet wurden, nachdem die Schlacht am Weißen Berg verloren war. Die Hinrichtung markiert den Beginn der Gegenreformation in Böhmen mit Enteignungen und der Auswanderung des protestantischen Adels.
Kann man die Teynkirche in Prag besichtigen?
Ja, aber die Zeiten sind knapp und an die Gottesdienste gebunden, und der Eingang liegt versteckt in einer Passage hinter der Häuserzeile vor der Kirche. Im Inneren lohnen die barocke Ausstattung und das Grab des Astronomen Tycho Brahe, der 1601 in Prag starb. Wenn die Tür offen steht, nutze die Gelegenheit sofort.
Wann ist der Altstädter Ring am leersten?
Vor acht Uhr morgens, und im Winter außerhalb der Weihnachtsmarktzeit. Ab zehn Uhr füllt sich der Platz, zur vollen Stunde staut es sich vor der Rathausuhr. Am Abend nach dem Essen wird es wieder angenehmer, und die beleuchteten Türme wirken dann stärker als bei Tageslicht.
Sollte man am Altstädter Ring essen gehen?
Besser nicht. Die Lokale direkt am Platz arbeiten mit Fotokarten, mehrsprachigen Aufstellern und deutlich erhöhten Preisen, teils mit Extraposten für Gedecke oder Beilagen. Zwei bis drei Gassen weiter, etwa Richtung Josefov oder in die Neustadt, isst du besser und zu normalen Preisen.





