Auf einen Blick
- Tschechischer NameJosefov, benannt nach Kaiser Joseph II.
- MuseumsgründungŽidovské muzeum v Praze, gegründet 1906
- Alter Jüdischer FriedhofBelegt bis 1787, ältester erhaltener Grabstein von 1439
- Altneu-SynagogeUm 1270 errichtet, weiterhin als Gebetsraum genutzt
- Dauer des Besuchs2 bis 3 Stunden für den vollständigen Rundgang
Was von der Judenstadt geblieben ist
Juden lebten in Prag seit dem 10. Jahrhundert, ab dem 13. Jahrhundert zusammengedrängt in einem abgetrennten Viertel nördlich des Altstädter Rings. Kaiser Joseph II. hob mit dem Toleranzpatent von 1781 einen Teil der Beschränkungen auf; 1850 wurde das Viertel als fünfter Prager Stadtteil eingemeindet und ihm zu Ehren Josefov genannt. Ab 1893 riss die Stadt in einer großangelegten Sanierung fast alles ab: enge Gassen, Höfe, Werkstätten, Wohnhäuser. Was heute steht, sind Blöcke der Jahrhundertwende, dazwischen die Bauten, die man verschonte, weil ihre religiöse Bedeutung zu offensichtlich war. Das erklärt den ersten Eindruck: Josefov wirkt wie ein wohlhabendes Wohnviertel und ist doch der Ort einer doppelten Zerstörung, einer städtebaulichen und einer mörderischen.
Ein Museum aus mehreren Häusern
Das Jüdische Museum in Prag wurde 1906 gegründet und ist kein einzelnes Gebäude, sondern ein Verbund. Dazu gehören die Maisel-Synagoge, 1592 für den Gemeindevorsteher Mordechai Maisel errichtet, die Pinkas-Synagoge, die Klausen-Synagoge mit der benachbarten Zeremonienhalle, die Spanische Synagoge im maurischen Stil und der Alte Jüdische Friedhof. Der Eintritt funktioniert deshalb als Kombination: du bezahlst für den Rundgang, nicht für ein einzelnes Haus. Den Friedhof allein kann man nicht buchen, er hängt am Museumsticket. Die Altneu-Synagoge gehört nicht dem Museum, sondern der Jüdischen Gemeinde und wird weiter für Gottesdienste genutzt; für sie gibt es ein eigenes Ticket und zusätzlich eine Variante, die beides abdeckt.
Tickets: Es gibt ein Ticket für den Museumsrundgang, ein separates für die Altneu-Synagoge und ein Kombiticket für beides. Welche Häuser gerade geöffnet sind und welche Variante du brauchst, steht auf der offiziellen Website.
Die Namen an den Wänden der Pinkas-Synagoge
Die Pinkas-Synagoge stammt aus dem 16. Jahrhundert und ist heute eine Gedenkstätte. Auf ihren Innenwänden stehen von Hand geschriebene Namen: rund 80.000 jüdische Männer, Frauen und Kinder aus Böhmen und Mähren, die in der Schoah ermordet wurden, geordnet nach Herkunftsgemeinden, mit Geburtsdatum und, wo es bekannt ist, dem Todesdatum. Die Inschriften entstanden in den 1950er Jahren, wurden unter dem kommunistischen Regime übermalt und nach 1989 wiederhergestellt. Im Obergeschoss hängen Zeichnungen von Kindern, die im Ghetto Theresienstadt heimlich unterrichtet wurden; die meisten von ihnen wurden in Auschwitz ermordet. Der Raum verlangt Stille, und fast alle Besucher halten sie ein.
Der Alte Jüdische Friedhof
Der Friedhof wurde von der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts bis 1787 belegt; der älteste erhaltene Stein trägt die Jahreszahl 1439. Weil die Gemeinde kein weiteres Land erwerben durfte, wurde Erde aufgeschüttet und übereinander begraben, an manchen Stellen in mehreren Schichten. Daher stehen die rund 12.000 Steine so dicht und so schief. Bekannt ist das Grab von Rabbi Jehuda Löw ben Bezalel, gestorben 1609, dem die Legende den Golem zuschreibt; Besucher legen Steinchen und kleine Zettel auf die Grabplatten. Durch das Gelände führt ein einziger schmaler Weg. Die Gräber selbst werden nicht betreten, und in der Hochsaison staut es sich an den Engstellen, weil niemand überholen kann.
Gut zu wissen: Am Eingang zur Altneu-Synagoge und zum Friedhof liegen Kippot für Männer bereit. Das Bedecken des Kopfes ist dort keine Höflichkeitsgeste, sondern Voraussetzung für den Zutritt. Für Frauen gilt keine Kopfbedeckungspflicht.
Was auf dem Rundgang von dir erwartet wird
Bedeckte Schultern und Knie sind in allen Häusern angebracht. Telefonate, Essen und laute Gespräche gehören nicht in diese Räume und schon gar nicht auf den Friedhof. Fotografieren ist teils untersagt und teils eingeschränkt; achte auf die Schilder und frage im Zweifel das Personal, statt es einfach zu versuchen. In der Altneu-Synagoge finden weiterhin Gottesdienste statt, das Haus ist also kein Ausstellungsraum, sondern eine geliehene Gelegenheit. Und wenn dir jemand vor der Pinkas-Synagoge eine Führung aufdrängt: die offiziellen Guides werden über das Museum gebucht, nicht über Ansprache auf der Straße.
Achtung: Die Häuser des Museums und die Altneu-Synagoge bleiben samstags und an jüdischen Feiertagen geschlossen, weil Schabbat und Feiertage eingehalten werden. Die Feiertage wandern im Kalender. Prüfe die Termine, bevor du deinen Aufenthalt planst, sonst fällt der Rundgang ausgerechnet auf deinen freien Tag.
Anreise und sinnvolle Reihenfolge
Josefov beginnt zwei Gehminuten nördlich vom Altstädter Ring, die Wege zwischen den Häusern sind kurz. Mit der Metro fährst du auf der Linie A bis Staroměstská und stehst am Rand des Viertels. Wenn du mit Papierfahrschein unterwegs bist, entwerte ihn vor dem Betreten des Bahnsteigs im gelben Automaten; ohne Zeitstempel gilt er als ungültig, und die Kontrolle kassiert an Ort und Stelle. Wie das Tarifsystem funktioniert, steht bei Metro, Tram und Tickets. Für den Rundgang sind 2 bis 3 Stunden realistisch, wenn du die Texte in den Synagogen wirklich liest. Bewährt hat sich die Folge Maisel-Synagoge, Pinkas-Synagoge mit Friedhof, Klausen-Synagoge und Zeremonienhalle, danach die Spanische Synagoge, weil sie ein Stück abseits am östlichen Rand liegt. Anschließend passt kein zweites Museum. Besser sind Luft und Weite: das Moldauufer, die Kampa-Insel oder ein langsamer Weg durch die Altstadt.
Wie du das Thema weiterverfolgen kannst
Jüdisches Leben in Tschechien war nie auf Prag beschränkt. Erhaltene Viertel, Synagogen und Friedhöfe gibt es auch in Mähren und in kleinen Landstädten, einen Überblick gibt Jüdisches Erbe in Tschechien. Für die Tagesplanung in Prag helfen die Prager Sehenswürdigkeiten, für Geld, Wechselstuben und Verhalten die ehrlichen Prag-Tipps.
Wenn es nicht klappt
- Wenn es voll istBeginne direkt zur Öffnung bei der Maisel- oder Pinkas-Synagoge. Auf dem Friedhof gibt es nur einen Weg, und ab dem späten Vormittag stehen dort Gruppen hintereinander, ohne dass jemand ausweichen kann.
- Wenn es regnetFast alles liegt im Innenraum, nur die kurzen Wege zwischen den Häusern und der Friedhof selbst sind offen. Nimm eine Regenjacke statt Schirm, auf den schmalen Friedhofspfaden stößt man mit Schirmen aneinander.
- Mit KindernFür kleinere Kinder ist der Inhalt zu schwer. Mit älteren Kindern lohnt sich Vorbereitung: erkläre vorher, warum in der Pinkas-Synagoge Namen an den Wänden stehen, und kürze auf zwei Häuser statt fünf.
- Mit eingeschränkter MobilitätDie Synagogen haben Stufen und Schwellen, der Friedhof unebene Wege, Wurzeln und Pflaster. Frage vorab beim Museum nach barrierefreien Zugängen, denn sie unterscheiden sich von Haus zu Haus.
Häufige Fragen
Wie viel Zeit braucht man für das Jüdische Museum in Prag?
Rechne mit 2 bis 3 Stunden für alle Häuser des Rundgangs samt Friedhof, wenn du die Ausstellungstexte liest. Unter 90 Minuten wird es hektisch, weil sich vor der Pinkas-Synagoge und am Friedhofsweg regelmäßig Wartezeiten bilden. Wer wenig Zeit hat, nimmt bewusst zwei Häuser und lässt die Spanische Synagoge weg, statt überall durchzueilen.
Sind die Synagogen in Josefov samstags geöffnet?
Nein. Am Schabbat und an jüdischen Feiertagen sind die Häuser des Jüdischen Museums und die Altneu-Synagoge geschlossen. Das ist keine wechselnde Öffnungszeit, sondern eine feste Regel des Ortes. Weil die Feiertage nach dem jüdischen Kalender wandern, prüfe die konkreten Tage vor der Reise auf der offiziellen Website und lege den Besuch nicht auf einen Samstag.
Braucht man im jüdischen Viertel in Prag eine Kopfbedeckung?
Männer bedecken in der Altneu-Synagoge und auf dem Alten Jüdischen Friedhof den Kopf. Kippot liegen an den Eingängen bereit, eine eigene Mütze oder ein Hut genügen ebenso. Für Frauen gilt keine Kopfbedeckungspflicht. Bedeckte Schultern und Knie sind in allen Häusern angemessen, und Essen, Telefonate und laute Gespräche bleiben draußen.
Kann man den Alten Jüdischen Friedhof einzeln besuchen?
Nein, der Friedhof gehört zum Museumsrundgang und ist nicht einzeln buchbar. Der Zugang liegt bei der Pinkas-Synagoge, der Ausgang bei der Klausen-Synagoge, dazwischen führt ein einziger schmaler Weg ohne Möglichkeit umzukehren. Wer nur den Friedhof sehen möchte, bezahlt also trotzdem den kompletten Rundgang.
Wie kommt man vom Altstädter Ring nach Josefov?
Zu Fuß in wenigen Minuten: von der Nordseite des Altstädter Rings durch die Straße Maiselova, dann stehst du mitten im Viertel. Mit der Metro nimmst du die Linie A bis Staroměstská, der Ausgang liegt am Rand von Josefov. Papierfahrscheine entwertest du vor dem Bahnsteig im gelben Automaten, sonst gelten sie als ungültig.






