Südmähren · Brünn

Brünner Altstadt & Krautmarkt: Route

Die Brünner Altstadt ist klein, schräg und im Alltag benutzt. Zwischen Petrov, Freiheitsplatz und dem Ring aus Grünanlagen liegt ein Kern, den du in zwanzig Minuten durchquerst, in dem aber Markt, Rathaus, Kirchen und Kellereingänge dicht beieinanderliegen.

Der Mittelpunkt ist der Zelný trh, der Krautmarkt, und zwar nicht als Kulisse: Hier stehen an Werktagen wirklich Gemüsekisten. Diese Route verbindet die Plätze so, dass du keinen Weg doppelt gehst.

Brünner Altstadt & Krautmarkt: Route
Foto: Harold, CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • HauptplatzZelný trh, Gemüsemarkt an Werktagen
  • BrunnenParnas-Brunnen, 1690 bis 1695 nach Entwurf von Fischer von Erlach
  • Zweiter PlatzNáměstí Svobody, der Freiheitsplatz
  • Astronomische UhrSchwarzer Steinkörper, aufgestellt 2010
  • GrößeDer Kern ist in rund 20 Minuten zu durchqueren
  • Beste ZeitVormittag, solange der Markt steht

Der Krautmarkt und sein Brunnen

Zelný trh liegt schräg am Hang unter dem Petrov und ist seit dem Mittelalter Marktplatz. Was ihn von vergleichbaren Plätzen unterscheidet: Er wird noch immer zum Einkaufen benutzt. An Werktagen stehen Stände mit Gemüse, Obst, Blumen und im Herbst mit Kürbissen; an Sonntagen ist der Platz leer und wirkt doppelt so groß.

In der Mitte steht der Parnas-Brunnen, zwischen 1690 und 1695 nach einem Entwurf von Johann Bernhard Fischer von Erlach gebaut. Er ist kein Wasserbecken mit Figur, sondern ein künstlicher Felsen mit Grotte, Drachen und allegorischen Gestalten für Babylon, Persien und Griechenland, darüber Europa. Für einen Marktplatz ist das ein erstaunlich ehrgeiziges Stück Barock, und es lohnt sich, einmal ganz um den Felsen herumzugehen.

Rund um den Platz liegen das Dietrichstein-Palais als Hauptsitz des Mährischen Landesmuseums, Cafés mit Blick auf das Treiben und der Zugang zum Kellerlabyrinth unter dem Pflaster.

Altes Rathaus: Drache, Rad und schiefe Fiale

Vom Krautmarkt sind es zwei Minuten zum Alten Rathaus. Im Durchgang hängen ein ausgestopftes Krokodil, das in Brünn seit Jahrhunderten Drache heißt, und ein hölzernes Wagenrad. Zu beiden gehören Legenden: Der Drache soll die Gegend heimgesucht haben, das Rad soll ein Wagner in einem einzigen Tag gefertigt haben, um eine Wette zu gewinnen.

Über dem Portal steht die mittlere Fiale schief. Die Erklärung, die man dir in Brünn erzählt, ist eine Handwerkergeschichte über eine nicht bezahlte Rechnung und einen beleidigten Steinmetz. Ob sie stimmt, ist zweitrangig; sie ist Teil davon, wie diese Stadt über sich selbst spricht.

Der Freiheitsplatz und die schwarze Uhr

Náměstí Svobody ist der zentrale Platz der modernen Stadt: Hier kreuzen sich Straßenbahnlinien, hier stehen Kaufhäuser und Cafés, und hier findet im Advent der größte der Brünner Weihnachtsmärkte statt. In der Mitte steht ein schwarzer, spitz zulaufender Steinkörper, 2010 aufgestellt, der eine astronomische Uhr sein soll und aussieht wie ein Geschoss oder ein Obelisk.

Um elf Uhr gibt die Uhr eine Glasmurmel aus. Wer sie fangen will, muss vorher wissen, aus welcher der Öffnungen sie kommt, und ein wenig Ellbogen mitbringen. Die Verbindung zum Läuten der Kathedrale um dieselbe Zeit ist gewollt.

Tipp: Wenn du beides sehen willst, entscheide dich. Uhr und Kathedrale liegen zehn Gehminuten und einen Höhenunterschied auseinander, und beides um elf Uhr geht nicht. Das Läuten hörst du übrigens auch unten auf dem Platz.

Die Route, die sich lohnt

Beginne oben auf dem Petrov, geh hinunter zum Krautmarkt, weiter zum Alten Rathaus, dann durch die Gassen zum Freiheitsplatz. Von dort in die Česká mit dem schmalen Hotel Avion aus den 1920er Jahren, weiter zur Jakobskirche mit dem Beinhaus darunter, und zurück über die Masarykova. Das sind rund 2 Stunden mit Pausen und ohne Innenbesichtigungen.

Wer mehr Zeit hat, hängt eine Führung durch das unterirdische Brünn an oder steigt am Nachmittag auf den Špilberk. Beides beginnt praktischerweise in Laufnähe der Altstadt.

Gut zu wissen: Der Kern ist weitgehend Fußgängerzone, aber Straßenbahnen fahren mitten hindurch, teilweise auch dort, wo kein sichtbarer Bahnkörper liegt. Achte beim Fotografieren auf die Schienen, das ist in Brünn die häufigste Gefahrenquelle für Reisende.

Tickets: Die Plätze, der Rathausdurchgang mit Drache und Wagenrad und der Blick auf den Parnas-Brunnen kosten nichts. Eintritt fällt für den Rathausturm an und für die Kellerführung unter dem Markt, für die du besser online ein Zeitfenster nimmst, weil die Gruppen klein sind. Für den Turm reicht die Kasse vor Ort. Öffnungszeiten prüfst du auf der offiziellen Website des Touristeninformationszentrums, sie ändern sich saisonal.

Essen, Pause und Abend

Auf dem Krautmarkt und rund um den Freiheitsplatz findest du Cafés mit ordentlichem Kaffee und Lokale mit Mittagskarte. Am Abend verschiebt sich das Leben in die Gassen zwischen Jakobskirche und Česká, wo Studierende sitzen und die Preise entsprechend sind. Was dort auf den Karten steht und wie mährischer Wein bestellt wird, steht unter Essen und Trinken in Brünn.

Wenn es nicht klappt

  • Wenn es voll istVoll wird es nur kurz vor elf Uhr an der Uhr und im Advent auf dem Freiheitsplatz. Beginne dann am Krautmarkt und dreh die Route um.
  • Wenn es regnetArkaden, Cafés und die Kellerführung unter dem Krautmarkt tragen den Nachmittag. Das Kopfsteinpflaster wird bei Nässe rutschig.
  • Mit KindernDrache und Wagenrad im Rathausdurchgang, die Murmel um elf Uhr und der Marktbummel funktionieren gut. Museen kürzen.
  • Mit eingeschränkter MobilitätDer Kern ist flach, nur der Anstieg zum Petrov ist steil. Kopfsteinpflaster ist durchgehend Thema, die Straßenbahnhaltestellen im Zentrum sind meist niederflurig bedient.

Häufige Fragen

Wie viel Zeit braucht man für die Brünner Altstadt?

Für die Runde über Petrov, Krautmarkt, Altes Rathaus, Freiheitsplatz und Jakobskirche reichen rund 2 Stunden, Pausen eingerechnet. Mit einer Kellerführung, einem Museumsbesuch oder dem Aufstieg auf den Špilberk wird daraus ein voller Tag. Der Kern selbst ist so klein, dass Umwege kaum Zeit kosten.

Wann ist Markt auf dem Zelný trh?

An Werktagen, mit dem größten Angebot am Vormittag. Sonntags ist der Platz leer. Verkauft werden Gemüse, Obst, Blumen und saisonale Ware, im Herbst Kürbisse und Pilze, im Advent Marktbuden. Es ist ein Einkaufsmarkt für Einheimische und kein Souvenirmarkt, entsprechend niedrig ist der Anteil an Touristenware.

Was hat es mit dem Drachen im Rathaus auf sich?

Es handelt sich um ein ausgestopftes Krokodil, das im Durchgang des Alten Rathauses hängt und in Brünn seit Jahrhunderten Drache genannt wird. Der Legende nach soll das Tier die Umgebung unsicher gemacht haben, bis es überlistet wurde. Daneben hängt ein hölzernes Wagenrad, zu dem eine zweite Wettgeschichte gehört.

Lohnt sich die astronomische Uhr auf dem Freiheitsplatz?

Als Objekt ist sie ein schwarzer Steinkörper, den man in einer Minute gesehen hat, und sie ist in Brünn bis heute umstritten. Interessant ist der Moment um elf Uhr, wenn eine Glasmurmel ausgegeben wird und Leute darauf warten. Wer nur eines der beiden Ereignisse um elf sehen kann, sollte das Läuten der Kathedrale wählen.

Ist die Brünner Altstadt autofrei?

Weitgehend, aber nicht vollständig. Lieferverkehr, Taxis und vor allem Straßenbahnen fahren durch den Kern, teilweise über Flächen, die wie Fußgängerzone aussehen. Rechne mit Kopfsteinpflaster und mit Schienen, die man beim Rückwärtsgehen für ein Foto leicht übersieht. Zum Parken nutzt du Anlagen am Rand des Kerns.