Auf einen Blick
- Nächstes WelterbeKutná Hora, seit 1995 auf der Liste
- Kürzeste AnfahrtKarlštejn, rund 40 Minuten mit dem Zug
- HauptausgangspunktPraha hlavní nádraží
- ZeitbedarfHalber Tag für Karlštejn, ganzer für Kutná Hora
- GedenkstättenTerezín und Lidice, kein Ausflugsprogramm
- Bestes VerkehrsmittelBahn und Bus statt Mietwagen
Wenn du nur einen Tag frei hast
Dann nimm Kutná Hora. Es ist das einzige Ziel im Umland, das eine komplette Stadt bietet und nicht nur ein Gebäude, es hat mit der Barbarakathedrale einen echten Höhepunkt, und es füllt einen Tag ohne Leerlauf. Karlštejn ist das bequemere Ziel für einen halben Tag, aber du siehst dort im Wesentlichen eine Burg und eine Souvenirstraße.
Wer schon in Prag war und etwas anderes sucht, fährt nach Mělník an die Mündung der Moldau in die Elbe oder auf die Burg Český Šternberk über dem Sázavatal. Beide sind deutlich ruhiger. Die Gedenkorte Terezín und Lidice stehen weiter unten und folgen anderen Regeln.
Vier Ausflüge, die einen Tag tragen
1 Kutná Hora
Die Stadt wurde im Mittelalter durch Silber so reich, dass hier die königliche Münze stand und der böhmische Groschen geprägt wurde. Davon zeugt die Barbarakathedrale, eine gotische Kirche, die von Bergleuten gestiftet wurde und deren Zeltdächer man aus der Ferne erkennt. Der Weg dorthin führt über eine Terrasse mit Barockstatuen und einem der besten Stadtblicke Böhmens.
In Sedlec, näher am Hauptbahnhof, liegt das Beinhaus, in dem die Gebeine von Zehntausenden zu Ornamenten gefügt wurden. Es ist eine Grabstätte, keine Kulisse: Fotografieren ist eingeschränkt, laute Gruppen sind unerwünscht, und wer sich das nicht antun will, lässt es aus. Rechne für die ganze Stadt mit einem Tag, weil zwischen Sedlec und der Oberstadt gut zwei Kilometer liegen.
2 Burg Karlštejn
Karlštejn ließ Karl IV. ab 1348 anlegen, um die Reichskleinodien und die Reliquiensammlung zu verwahren. Die Burg ist nur mit Führung zu besichtigen, und es gibt mehrere Routen. Die Route zur Kreuzkapelle im Großen Turm ist die interessanteste, wird aber nur in kleinen Gruppen und mit Voranmeldung angeboten, oft nur in der Hauptsaison.
Vom Bahnhof bis zum Tor sind es rund zwei Kilometer bergauf, gesäumt von Ständen mit Souvenirs. Wer nicht laufen will oder kann, sollte das vorher wissen. Nach der Führung lohnt der Abstecher ins Tal der Berounka Richtung Beroun, wo der Karst mit Höhlen beginnt.
3 Mělník
In Mělník fließt die Moldau in die Elbe, und das Schloss steht genau über dem Zusammenfluss. Von der Terrasse siehst du die zwei unterschiedlich gefärbten Flüsse nebeneinander laufen, bevor sie sich mischen. Unter dem Schloss ziehen sich Weinberge den Hang hinunter, denn hier wird tatsächlich Wein angebaut, was in Böhmen selten ist.
Der Ausflug ist kurz und angenehm: Bus aus Prag, ein paar Stunden Stadt und Schloss, zurück am Nachmittag. Wer im Herbst kommt, trifft auf die Weinlese und den jungen Federweißen.
4 Český Šternberk
Die Burg steht seit dem 13. Jahrhundert auf einem schmalen Felsrücken über der Sázava und ist bis heute im Besitz der Familie, die ihr den Namen gab. Das merkt man den Führungen an: Es geht weniger um Jahreszahlen als um Möbel, Bilder und Bewohner. Der Blick vom Fluss auf die Burg ist der bekanntere, der Blick von der Burg ins Tal der schönere.
Die Anfahrt dauert mit einem Umstieg rund anderthalb Stunden und lässt sich gut mit einer Wanderung entlang der Sázava verbinden. Wer lieber ein Schloss statt einer Burg will, fährt stattdessen nach Konopiště bei Benešov, dem Landsitz von Franz Ferdinand, oder nach Křivoklát im Wald westlich von Prag.
Tipp: Burgen und Schlösser in Tschechien sind fast nie frei begehbar, sondern nur mit Führung zu festen Zeiten, und viele schließen von November bis März ganz. Prüfe die Saison vor der Fahrt und plane, dass eine deutschsprachige Führung nicht überall angeboten wird. Ein Überblick steht unter Burgen und Schlösser.
Terezín und Lidice
Zwei Orte im Prager Umland sind Gedenkstätten und keine Ausflugsziele. Terezín, die Festungsstadt nördlich von Prag, diente ab 1940 mit der Kleinen Festung als Gestapo-Gefängnis und ab 1941 als Ghetto und Durchgangslager, aus dem der überwiegende Teil der Inhaftierten in Vernichtungslager deportiert wurde. Die Gedenkstätte umfasst die Kleine Festung, das Ghettomuseum und weitere Orte in der Stadt, die bis heute bewohnt ist.
Lidice westlich von Prag wurde am 10. Juni 1942 als Vergeltung nach dem Attentat auf Reinhard Heydrich zerstört: Die Männer wurden erschossen, die Frauen verschleppt, die meisten Kinder ermordet. Das Dorf wurde dem Erdboden gleichgemacht. Heute liegt dort eine weite Wiese mit einem Mahnmal für die Kinder.
Beide Orte besucht man am besten mit einer Führung, weil sich vieles ohne Erklärung nicht erschließt. Plane ausreichend Zeit, nimm nichts anderes an denselben Tag, und verhalte dich wie an einem Friedhof. Terezín liegt nahe bei Litoměřice und ist mit dem Bus ab Prag in rund einer Stunde erreichbar, Lidice nahe bei Kladno in etwa vierzig Minuten. Für Terezín solltest du den ganzen Tag freihalten, für Lidice mindestens einen halben. Beide Orte stehen bewusst nicht in der Übersicht der Tagesausflüge weiter unten, weil sie keine sind. Wer sich mit der Geschichte weiter befassen will, findet Zusammenhänge auf der Seite zum jüdischen Erbe in Tschechien.
Mit Bahn und Bus statt mit dem Mietwagen
Für diese Ausflüge brauchst du kein Auto, und meistens bist du damit sogar langsamer. Karlštejn, Kutná Hora und Beroun erreichst du direkt mit Regionalzügen ab dem Prager Hauptbahnhof, Mělník und Lidice mit Bussen ab den Busbahnhöfen am Stadtrand. Die Fahrkarten kaufst du am Automaten, am Schalter oder in der App des Verkehrsverbunds, und im Umland gilt ein Zonentarif.
Der Vorteil ist nicht nur der Preis. Du sparst dir die Parkplatzsuche an Zielen, die im Sommer voll sind, und du darfst im Weinort ein Glas trinken, was am Steuer in Tschechien ausnahmslos verboten ist. Wie das Verkehrsnetz in der Stadt funktioniert, steht auf der Seite Verkehr in Prag, Grundsätzliches zur Bahn unter Tschechien mit dem Zug.
Achtung: Regionalzüge fahren am Wochenende seltener, und der letzte Bus aus kleineren Orten geht oft früher, als du denkst. Prüfe die Rückfahrt, bevor du losfährst, sonst endet der Ausflug mit einem teuren Taxi.
Ziele für die zweite oder dritte Tour
Wer länger in Prag bleibt, hat noch Auswahl. Poděbrady an der Elbe ist ein Kurort mit Kolonnade und weitem Park, gut erreichbar mit dem Zug und angenehm unaufgeregt. Kolín liegt auf derselben Strecke und hat eine gotische Kirche über dem Fluss. Nördlich von Mělník beginnt die Sandsteinlandschaft von Kokořín mit engen Tälern und Felsenkellern.
Ganz ohne Zugfahrt kommt aus, wer nur ins Grüne will: Der Landschaftspark von Průhonice liegt am südöstlichen Stadtrand und ist mit dem Bus erreichbar. Und wenn dir Prag zu voll wird, aber du kein Programm brauchst, ist eine Wanderung im Tal der Berounka die einfachste Antwort.
Welcher Ausflug passt zu wem
| Ziel | Zeitbedarf | Anfahrt ab Prag | Passt zu |
|---|---|---|---|
| Kutná Hora | Ganzer Tag | Zug, rund 1 Stunde | Gotik, Stadtbummel, Welterbe |
| Karlštejn | Halber Tag | Zug, rund 40 Minuten | Burgen, Familien, wenig Zeit |
| Mělník | Halber Tag | Bus, rund 45 Minuten | Wein, Flusslandschaft, Ruhe |
| Český Šternberk | Ganzer Tag | Zug mit Umstieg, rund 1,5 Stunden | Burgen abseits der Massen |
Wenn du mehr Zeit hast, lohnt der Blick über Mittelböhmen hinaus. Die Region ist auf der Seite Mittelböhmen zusammengefasst, das direkte Prager Umland unter Prag als Region. Und wer ohnehin weiterreist, kann mehrere dieser Ziele als Etappen einer Böhmen-Rundreise mitnehmen, statt jeweils nach Prag zurückzufahren.
Häufige Fragen
Welcher Tagesausflug ab Prag lohnt sich am meisten?
Kutná Hora, wenn du einen ganzen Tag hast. Die Stadt bietet mit der Barbarakathedrale, der Altstadt und dem Beinhaus in Sedlec deutlich mehr als ein einzelnes Gebäude und ist mit dem Zug in etwa einer Stunde erreichbar. Für einen halben Tag ist Karlštejn die naheliegende Wahl, allerdings mit steilem Fußweg und Führungspflicht.
Kommt man ohne Auto zu den Zielen um Prag?
Ja, und meist schneller. Karlštejn, Kutná Hora und Beroun haben direkte Regionalzüge ab dem Hauptbahnhof, Mělník, Lidice und Terezín werden mit Bussen bedient. Ein Auto bringt dir hier wenig, weil du an den Zielen parken musst und in Prag selbst ohnehin besser mit der Metro fährst. Prüfe nur die Rückfahrzeiten, gerade am Wochenende.
Kann man Terezín als normalen Ausflug besuchen?
Terezín ist eine Gedenkstätte an einem Ort, der als Ghetto und als Gestapo-Gefängnis diente. Der Besuch braucht Zeit, am besten eine Führung, und keinen weiteren Programmpunkt am selben Tag. Verhalte dich wie an einem Friedhof, verzichte auf Aufnahmen von dir selbst und rechne damit, dass dich der Besuch beschäftigt.
Wie lange dauert die Fahrt nach Kutná Hora?
Mit dem Zug ab Praha hlavní nádraží etwa eine Stunde bis zum Hauptbahnhof von Kutná Hora. Von dort bringt dich ein kurzer Anschlusszug in die Stadt, während das Beinhaus in Sedlec fußläufig beim Hauptbahnhof liegt. Plane den Tag so, dass du Sedlec bei Ankunft oder Abfahrt mitnimmst und dazwischen die Oberstadt anschaust.
Lohnt sich eine gebuchte Tour ab Prag?
Wenn du wenig Zeit hast, kein Tschechisch sprichst und mehrere Ziele an einem Tag sehen willst, kann eine geführte Tour den Aufwand sparen. Wer selbst plant, ist mit Bahn und Bus günstiger und flexibler unterwegs. Für Karlštejn gilt in beiden Fällen: Die Burg selbst siehst du nur mit einer Führung des Betreibers, nicht mit dem Reiseleiter.






