Auf einen Blick
- Tschechischer NameStaré Město
- Befestigung13. Jahrhundert unter König Wenzel I.
- Altstädter Rathaus1338 als Sitz der Selbstverwaltung gegründet
- Universität1348 von Karl IV. gestiftet, Karolinum am Viertelrand
- PulverturmAb 1475 als repräsentatives Stadttor gebaut
- KlementinumAb 1556 von den Jesuiten errichtet
Warum die Altstadt tiefer liegt, als sie aussieht
Die Moldau überschwemmte das Viertel regelmäßig, und im 13. Jahrhundert reagierte man radikal: Man schüttete das gesamte Gelände um mehrere Meter auf. Die damaligen Erdgeschosse wurden dadurch zu Kellern, und wer heute in ein romanisches Gewölbe unter einem Altstadthaus hinabsteigt, steht in einem Raum, der einmal Straßenniveau hatte. Diese Doppelbödigkeit erklärt die Stufen vor vielen Hauseingängen und die niedrigen Türen in Läden und Weinstuben.
Die Route: vom Pulverturm zum Ring
Beginne am Pulverturm, der ab 1475 als repräsentatives Stadttor entstand und heute an der Nahtstelle zwischen Altstadt und Neustadt steht. Daneben liegt das Gemeindehaus, ein Jugendstilbau, in dessen Konzertsaal 1918 die Unabhängigkeit der Tschechoslowakei mitverhandelt wurde. Vom Turm führt die Celetná, eine der ältesten Handelsstraßen der Stadt, schnurgerade zum Ring. Halte an der Ecke Ovocný trh kurz an: Das Haus zur Schwarzen Muttergottes ist einer der wenigen kubistischen Bauten der Welt, ein Prager Sonderweg der Vorkriegsmoderne.
Kurz darauf öffnet sich der Altstädter Ring mit der Rathausuhr, dem Hus-Denkmal und den Türmen der Teynkirche. Beide haben eigene Seiten, hier gehst du weiter.
Vom Ring zur Moldau, aber nicht über die Karlova
Die Karlova ist die klassische Verbindung vom Ring zur Brücke und deshalb die vollste Gasse Prags: eng, gewunden und lückenlos mit Souvenirläden, Wechselstuben und Absinthbars besetzt. Wenn du sie einmal gehen willst, geh sie morgens.
Sonst nimm den Weg über den Mariánské náměstí mit dem Neuen Rathaus und der Stadtbibliothek und triff die Moldau bei der Křižovnická. Du kommst dabei am Brückenturm an, ohne dich vorher durch das Gedränge geschoben zu haben, und läufst am Klementinum entlang.
Das Klementinum ist der zweitgrößte Gebäudekomplex Prags nach der Burg. Die Jesuiten begannen 1556 damit und bauten über zwei Jahrhunderte weiter; heute sitzt hier die Nationalbibliothek. Der Barocksaal mit bemalter Decke, historischen Globen und Buchrücken in warmem Leder ist nur mit Führung zu sehen, dazu gehört der Astronomische Turm, in dem seit 1775 ohne Unterbrechung Wetter aufgezeichnet wird.
Tickets: Für die Gassen, Plätze und Kirchhöfe brauchst du nichts. Kostenpflichtig sind der Rathausturm, die Führung durchs Klementinum und der Pulverturm. Die Klementinum-Führung startet zu festen Zeiten in kleinen Gruppen und ist im Sommer am Nachmittag oft ausgebucht; sichere dir das Zeitfenster am Vormittag oder online über den Betreiber.
Die Gassen, in denen niemand steht
Zwei Straßen abseits der Hauptachse ist die Altstadt eine andere Stadt. Die Anenská und die Gassen um das Kloster St. Anna sind selbst mittags leer. Der Bethlehemsplatz mit der rekonstruierten Bethlehemskapelle, in der Jan Hus predigte, ist ein stiller Hof mitten im Viertel. Und die Passagen: Prag ist voller Durchgänge durch Häuserblöcke, oft mit Glasdach, mit Läden und Cafés, und sie sind fast immer frei. Wenn du zwischen zwei Punkten stehst und die Gasse voll ist, sieh nach, ob nebenan ein Durchgang offen ist.
Ein Ort, den fast alle übergehen, liegt direkt hinter der Teynkirche: der Ungelt, auf Tschechisch Týnský dvůr. Dieser ummauerte Hof war im Mittelalter der Zollhof für auswärtige Kaufleute, die hier übernachten, ihre Waren lagern und verzollen mussten, bevor sie in der Stadt handeln durften. Zwei schmale Tore führen hinein, drinnen ist es plötzlich still, und die Gebäude ringsum stammen aus Gotik, Renaissance und Barock. Vom Ring sind es keine hundert Schritte, und trotzdem steht dort selten jemand.
Tipp: Geh in der Altstadt bewusst einmal ohne Ziel. Der Grundriss ist mittelalterlich, also gebogen und ohne Achsen, und du kannst dich kaum verlaufen: Nach spätestens zehn Minuten stößt du auf den Ring, die Moldau oder eine der breiten Randstraßen. Genau in diesen zehn Minuten liegt das, was die geführten Gruppen nie sehen.
Fallen, die im Viertel warten
Achtung: Drei Dinge kosten hier verlässlich Geld. Erstens Wechselstuben mit „0 % Kommission“, vor allem entlang der Karlova; zieh Kronen lieber am Automaten einer Bank. Zweitens Lokale mit fotografierter Speisekarte auf den Hauptachsen. Drittens Ticketverkäufer in Barockkostüm, die Konzerte anpreisen; die Kirchenkonzerte sind selten das, was das Programm verspricht. Mehr davon steht unter Prag-Tipps.
Was sich direkt anschließt
Nördlich der Altstadt beginnt ohne sichtbaren Übergang Josefov, das frühere jüdische Viertel, das eine eigene Haltung verlangt. Über die Karlsbrücke geht es hinüber in die Kleinseite und weiter hinauf zur Burg. Nach Süden führt die Straße Na Příkopě, auf der Linie des zugeschütteten Stadtgrabens, zum Wenzelsplatz. Wie sich diese Stücke zu Tagesrouten fügen, steht in der Liste der Prager Sehenswürdigkeiten.
Wenn es nicht klappt
- Wenn es voll istAlles drängt sich auf zwei Linien: Celetná und Karlova. Weiche über Mariánské náměstí, Platnéřská und Křižovnická aus, dann erreichst du die Brücke ohne Gedränge. Die Passagen durch die Häuserblöcke sind fast immer leer und oft eine echte Abkürzung.
- Wenn es regnetDas Klementinum mit Führung, der Rathausturm, die Kirchen am Ring und die überdachten Passagen tragen einen Regentag. Das alte Pflaster wird glatt, vor allem auf den zur Moldau abfallenden Gassen; nimm dann die flachere Verbindung über Mariánské náměstí.
- Mit KindernKurze Etappen mit klaren Zielen funktionieren besser als ein langer Rundgang: der Aufzug im Rathausturm, die Globen im Klementinum, die Kellergewölbe mit ihren niedrigen Türen. Zwischendurch braucht es einen Platz zum Sitzen, und der Bethlehemsplatz ist dafür ruhiger als der Ring.
- Mit eingeschränkter MobilitätDas Viertel ist weitgehend eben, aber durchgehend grob gepflastert, und viele Eingänge haben Stufen oder Schwellen. Die abschüssige Karlova lässt sich über Platnéřská und Křižovnická umgehen. Der Rathausturm hat einen Aufzug, das Klementinum hat Treppen.
Häufige Fragen
Wie lange braucht man für die Prager Altstadt?
Für die reine Strecke vom Pulverturm über den Ring bis zur Karlsbrücke reichen 2 Stunden. Realistisch ist ein halber Tag, sobald du einen Turm besteigst, in eine Kirche gehst oder die Klementinum-Führung mitnimmst. Wer nur durchläuft, verpasst genau den Teil, der das Viertel ausmacht.
Welche Gasse führt vom Altstädter Ring zur Karlsbrücke?
Die Karlova, und sie ist tagsüber die vollste Gasse der Stadt. Angenehmer läufst du über Mariánské náměstí, die Platnéřská und die Křižovnická: gleiche Entfernung, deutlich weniger Menschen, und du kommst am Klementinum vorbei direkt zum Altstädter Brückenturm.
Kann man die Barockbibliothek im Klementinum besichtigen?
Nur mit Führung und in kleinen Gruppen, nicht auf eigene Faust. Zur Führung gehören der Barocksaal mit bemalter Decke und historischen Globen sowie der Astronomische Turm. Die Zeitfenster sind begrenzt und im Sommer nachmittags oft vergeben, deshalb lohnt der Vormittag oder eine Buchung vorab.
Ist die Prager Altstadt abends sicher?
Ja, das Viertel ist belebt und beleuchtet, und Gewalt gegen Reisende ist selten. Störender sind Taschendiebstahl im Gedränge und die Werber vor Bars und Clubs rund um die Hauptachsen. Halte Wertsachen innen, und wenn dich jemand mit einem angeblichen Sonderangebot anspricht, geh einfach weiter.
Wo isst man in der Prager Altstadt vernünftig?
Nicht auf den Hauptachsen und nicht dort, wo eine fotografierte Karte draußen steht. Zwei bis drei Gassen abseits, etwa Richtung Josefov oder Bethlehemsplatz, findest du Lokale mit tschechischer Karte und mittags mit Tagesmenü. Was du bestellen kannst, steht auf der Seite zu Essen und Trinken in Prag.





