Blog · Tschechien-Wissen

Tschechien im Sommer: Hitze, Berge und Wasser

Der tschechische Sommer ist wärmer, als viele erwarten. Prag kommt im Juli auf 25,5 Grad und im August auf 25,7 Grad, Brünn liegt in beiden Monaten bei 26,1 Grad, und in Südmähren erreicht Mikulov 27,2 Grad. Steinerne Altstädte ohne Schatten machen daraus gefühlt mehr.

Gleichzeitig ist der Sommer die einzige Zeit, in der die Berge zuverlässig begehbar sind und Seen, Flüsse und Sandsteinschluchten voll funktionieren. Der Trick besteht darin, das Programm nach Tageszeit und Höhenlage zu sortieren statt nach Sehenswürdigkeitsliste.

Auf einen Blick

  • Juli in Prag25,5 Grad tags, 15,1 Grad nachts
  • August in Prag25,7 Grad und 84 Millimeter Regen
  • Südmähren im JuliBřeclav 27,7 Grad, Mikulov 27,2 Grad
  • Berge im SommerŠpindlerův Mlýn nur 20,4 Grad im Juli
  • Nassester BergmonatAugust mit 133 Millimetern in Špindlerův Mlýn
  • HauptsaisonMitte Juli bis Ende August

Wie heiß es wirklich wird und wo

Die Hitze verteilt sich nicht gleichmäßig. Am wärmsten ist der Südosten: Břeclav kommt im Juli auf 27,7 Grad, Mikulov auf 27,2 Grad, Znojmo auf 27,1 Grad. Das ist Weinbauklima, und es fühlt sich auch so an. Prag und Plzeň liegen mit 25,5 und 25,2 Grad etwas darunter, Karlsbad mit 23,8 Grad spürbar niedriger, weil es in einem engen Talkessel auf 374 Metern liegt.

Entscheidend ist aber nicht das Maximum, sondern die Nacht. Prag fällt im Juli nur auf 15,1 Grad, Brünn auf 16,0 Grad. Altbauwohnungen und Altstadthotels ohne Klimaanlage kühlen dann kaum aus. Wenn du empfindlich schläfst, ist eine Unterkunft außerhalb der Altstadt im Hochsommer die bessere Wahl. Mehr dazu steht unter Unterkunft in Tschechien.

Gewitter statt Landregen

Der August bringt Prag 84 Millimeter Regen, der Juli 65 Millimeter. Beide Monate haben aber nur 12 Regentage, genauso viele wie der Januar mit seinen 40 Millimetern. Der Unterschied liegt in der Intensität: Sommerregen in Tschechien kommt als Gewitter, oft am späten Nachmittag, oft heftig und meist kurz.

Für die Tagesplanung ist das eine gute Nachricht. Wer die Hauptstrecke vormittags geht und den Nachmittag mit einem Museum, einer Höhle oder einer Brauereiführung belegt, verliert selten einen Tag. Der Pilsner Untergrund, der Mährische Karst und Unterirdisches Brünn sind bei Gewitter genauso interessant wie bei Sonne.

Achtung: Im Gebirge sind Gewitter kein Komfortthema. Špindlerův Mlýn bekommt im August 133 Millimeter bei 16 Regentagen, im Juli sogar 18 Regentage. Auf den offenen Kämmen des Riesengebirges gibt es keinen Schutz. Starte früh und plane die Rückkehr vor dem Nachmittag.

Wohin man der Hitze ausweicht

Die Berge sind die naheliegende Antwort. Im Juli liegt Špindlerův Mlýn bei 20,4 Grad, Harrachov bei 20,8 Grad, Vrchlabí bei 22,1 Grad. Das sind 3 bis 5 Grad weniger als in Prag, und dazu kommt Wald. Ähnliches gilt für Jeseník im Altvatergebirge und für Rožnov pod Radhoštěm in den Beskiden.

Die zweite Antwort heißt Fels und Schlucht. Die Felsenstädte in Nordböhmen und im Böhmischen Paradies haben enge, beschattete Gassen zwischen den Sandsteintürmen. In der Kamnitzklamm bei Děčín fährt ein Kahn durch eine Schlucht, in der es auch im August kühl bleibt.

Wasser: Stauseen, Flüsse und Freibäder

Tschechien hat kein Meer, aber viele Talsperren. Der Lipno-Stausee im Böhmerwald, die Brünner Talsperre bei Brünn und die Seen rund um Třeboň mit seinem historischen Teichsystem sind die klassischen Sommerziele der Tschechen selbst. Dazu kommen Paddeltouren auf der Vltava, die zwischen Český Krumlov und České Budějovice zum Volkssport gehören.

Freibäder gibt es in fast jeder Stadt, meist am Stadtrand und meist mit Liegewiese. Sie sind kein Reiseziel, aber eine gute Nachmittagslösung, wenn die Altstadt zu heiß wird. Was sich mit Kindern lohnt, steht unter Tschechien mit Kindern und Familienurlaub.

Andrang: wo es voll wird und wo nicht

Von Mitte Juli bis Ende August ist Prag auf Anschlag, und Český Krumlov ist als kleine Stadt noch stärker betroffen, weil sich dort dieselbe Besucherzahl auf wenige Gassen verteilt. Die Karlsbrücke ist tagsüber ein Strom, die astronomische Uhr zur vollen Stunde ein Knäuel.

Ruhiger bleibt es in Olmütz, Hradec Králové, Litomyšl und Kroměříž. Diese Städte haben Welterbe oder Barockzentren, aber keine Tagesbusrouten in gleicher Zahl. Wer im Hochsommer reist und den Trubel nicht sucht, baut die Route über sie und nimmt Prag nur als kurzen Auftakt mit.

Tipp: Was im Sommer wirklich vorher gebucht werden muss, ist überschaubar: die Villa Tugendhat, das Schlosstheater in Český Krumlov und beliebte Führungen mit festen Gruppengrößen. Die Liste steht unter was du vorbuchen solltest.

Feste ohne festen Termin

Der Sommer ist Festivalzeit. Es gibt Musikfestivals in den Städten, historische Feste in Burgstädten, Folkloretreffen in Mähren und Bierfeste in den Brauereiorten. Termine ändern sich jedes Jahr, deshalb steht hier keiner. Sinnvoller ist der Blick auf die Website der jeweiligen Stadt kurz vor der Reise, und ein Bewusstsein dafür, dass ein Festivalwochenende Unterkünfte in kleinen Orten komplett belegen kann.

Was sich dagegen zuverlässig sagen lässt: In den Sommermonaten spielen viele Kirchen und Schlösser Konzerte, und Freilichtbühnen laufen von Juni bis September. Wer Traditionen genauer verstehen will, findet den Überblick unter Feste und Feiertage.

Den Tag richtig herum planen

Im Hochsommer entscheidet die Reihenfolge über den Erfolg des Tages. Zwischen sieben und zehn Uhr sind die Altstädte kühl und leer, das ist die Zeit für die Punkte, die später zum Nadelöhr werden. Der Altstädter Ring und die Karlsbrücke gehören eindeutig in dieses Fenster.

Die Mittagsstunden gehören dann dem Innenraum: Museum, Kirche, Brauereikeller, ein langes Mittagessen. Ab dem späten Nachmittag kühlt es ab, die Reisebusse sind weg, und die Stadt wird wieder benutzbar. Aussichtspunkte wie der Petřín, der Vyšehrad oder der Schlossturm in Český Krumlov sind abends besser als mittags.

Sommer in Mähren statt in Böhmen

Der Osten des Landes bekommt weniger Tagestouristen ab, obwohl er im Sommer genauso warm ist. Olmütz hat im Juli 26,1 Grad und einen Barockplatz mit der Dreifaltigkeitssäule, die zum Welterbe gehört. Kroměříž liefert Schloss und Gärten, ebenfalls Welterbe, mit deutlich mehr Platz.

Wer weiter fährt, landet in Zlín mit seiner Firmenstadtarchitektur oder in Ostrava, wo die Hochöfen von Dolní Vítkovice begehbar sind. Diese Route lässt sich gut mit dem Zug fahren, siehe Tschechien mit dem Zug und Mähren-Rundreise.

Praktisches für heiße Tage

Trinkwasser aus der Leitung ist in Tschechien unbedenklich, eine nachfüllbare Flasche spart also Geld und Plastik. In den Kurorten kannst du an den Trinkbrunnen der Kolonnaden nachfüllen, allerdings ist das Mineralwasser dort warm und stark mineralisiert, also eher Erlebnis als Erfrischung.

Für die Anreise mit dem Auto gilt im Sommer wie sonst die elektronische Vignette. Wer parken will, sollte vorher wissen, wie die Farbzonen in tschechischen Städten funktionieren, siehe Parken in Tschechien. Und wenn dir der Sommer zu voll wird, steht unter Tschechien im Herbst die entspanntere Alternative, mit dem Vergleich aller Jahreszeiten unter beste Reisezeit.

Häufige Fragen

Wie warm wird es im Sommer in Prag?

Im Juli liegt der Tagesmittelwert bei 25,5 Grad, im August bei 25,7 Grad. Nachts kühlt es nur auf 15,1 Grad ab. Einzelne Hitzetage gehen deutlich darüber hinaus. Weil die Altstadt viel Stein und wenig Schatten hat, fühlt sich die Mittagszeit auf offenen Plätzen wärmer an, als die Zahl vermuten lässt.

Regnet es im tschechischen Sommer viel?

Es fällt viel Wasser, aber an wenigen Tagen. Prag kommt im August auf 84 Millimeter bei 12 Regentagen, im Juli auf 65 Millimeter bei ebenfalls 12 Tagen. Der Sommerregen kommt als Gewitter am späten Nachmittag. Ein Vormittagsprogramm draußen und ein Nachmittagsprogramm drinnen fängt das meist auf.

Wohin kann man in Tschechien der Sommerhitze entkommen?

In die Mittelgebirge und in die Sandsteingebiete. Špindlerův Mlýn liegt im Juli bei 20,4 Grad, Harrachov bei 20,8 Grad, also rund 5 Grad unter Prag. In den Felsenstädten und Schluchten Nordböhmens sorgen enge, beschattete Gassen für zusätzliche Kühle. Höhlen wie im Mährischen Karst haben ganzjährig dieselbe niedrige Temperatur.

Ist Český Krumlov im August zu voll?

Tagsüber ja. Die Stadt ist klein, und die Besucher konzentrieren sich zwischen Schloss und Marktplatz. Wer dort übernachtet, hat morgens vor neun und abends nach sechs eine ganz andere Stadt. Als Tagesausflug im August ist der Ort dagegen schwierig, weil du genau in der Hauptzeit ankommst.

Kann man in Tschechien im Sommer baden?

Ja, vor allem in Stauseen und Teichen. Der Lipno-Stausee im Böhmerwald, die Brünner Talsperre und das Teichgebiet um Třeboň sind die bekanntesten. Dazu kommen Flussabschnitte und städtische Freibäder. Ein Meer gibt es nicht, deshalb sind Wassertemperaturen und Wasserqualität stark vom jeweiligen Sommer abhängig.

Muss man im Sommer Führungen vorbuchen?

Nur wenige, aber die konsequent. Die Villa Tugendhat in Brünn hat streng begrenzte Gruppen, das Schlosstheater in Český Krumlov ebenso. Die großen Prager Punkte wie Burg und Altstadt funktionieren dagegen auch spontan, wenn du früh am Tag kommst.